Post-Covid-Sport - Zurück zur Normalität

Die 81-jährige Hedda Röschert treibt Lungensport mit einem Gymnastikball (Bild: rbb)
Video: rbb UM6 | 05.10.2021 | Torsten Michels | Bild: rbb

Hedda Röschert lag sechs Wochen im Koma. Die 81-Jährige kämpft eineinhalb Jahre später noch immer mit den Langzeitfolgen ihrer Covid-19-Erkrankung. Mit Lungensport versucht sie wieder zu ihrer alten Leistungsfähigkeit zu kommen. Von Lynn Kraemer

Als Hedda Röschert die Intensivstation nach ihrer Covid-19-Erkrankung verließ, wurde sie von den Pflegern "wie eine Prinzessin" verabschiedet. "Die waren auch stolz, mich durchgekriegt zu haben," sagt die 81-Jährige mit einem Lächeln. Röschert lag sechs Wochen im Koma. Eineinhalb Jahre später hat sie sich noch nicht vollständig erholt.

Röschert fällt es schwer, sich zu merken, welcher Tag oder Monat gerade ist. Noch größere Probleme macht ihr die Atmung. Ganz alltägliche Dinge wie das Treppensteigen lassen sich nicht mehr so leicht bewältigen. "Mir wird natürlich von verschiedensten Seiten gesagt: 'Was wollen Sie denn? In dem Alter ist das bei allen normal.' Für mich im Kopf natürlich nicht so," sagt die 81-Jährige. Sie habe ihr ganzes Leben lang Sport gemacht. Röschert spielte Tennis, fuhr Ski und war immer aktiv.

Training für die Lunge

Einmal pro Woche kommt sie in den Sport-Gesundheitspark Zehlendorf zum Lungensport. Der Kurs wurde für Menschen konzipiert, die besonders mit Atembeschwerden nach einer Covid-19-Erkrankung kämpfen. Das Angebot wird vor allem von älteren Menschen angenommen. "Wir haben bisher noch nicht sehr viele Patienten, die neu zu uns gekommen sind mit Corona, sondern wir haben bestehende Mitglieder, die Corona durchgemacht haben," erklärt Sven Alex, Leiter des Sportbereichs im Gesundheitspark.

Bisher gibt es noch keine eindeutigen Studienergebnisse, wie oft Long Covid auftritt. Während viele Experten von zehn bis 20 Prozent aller Infizierten ausgehen, liegen die Zahlen in anderen Studien deutlich höher [quarks.de; deutschlandfunk.de]. Zu den Long-Covid-Symptomen werden neben Atembeschwerden unter anderem Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Geruchs- und Geschmacksstörungen, kognitive Beeinträchtigungen und depressive Verstimmungen gezählt.

Zurück zu 100 Prozent

Die Trainingseinheit für eine bessere Tiefenatmung dauert eine Stunde und bringt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch zum Schwitzen. "Gerade hier im Lungensport finde ich es wichtig, die Teilnehmer auch an ihre Belastungsgrenzen zu führen. Da sie lernen müssen, auch mit einem Sauerstoffdefizit arbeiten zu können im Alltag", sagt Übungsleiter Guido Zörner.

 

Bei Hedda Röschert merke er, wie sich ihre Gang- und Standfestigkeit verbessere, sagt Zörner. Auch die koordinativen Fähigkeiten seien besser. Neben der wöchentlichen Sportstunde versucht sie sich auch zu Hause so viel wie möglich zu bewegen: "Ich laufe jeden Tag draußen", sagt sie, "egal, ob es regnet oder kalt ist."

 

Am Anfang kam Hedda Röschert noch mit Rollator zum Lungensport. Inzwischen nimmt sie ihn nur noch zum Einkaufen mit. Sie sei wieder bei 70 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit, so Röschert: "Ich kann mal wieder ohne Geländer die Treppe hochgehen. Das konnte ich sehr lange nicht." Doch das ist für sie nur ein Zwischenschritt. Die Ziele der 81-Jährigen sind ambitioniert: "Ich will mit 82 so sein wie 75. Da möchte ich hin."

Sendung: rbb UM6, 05.10.2021, 18 Uhr

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Beitrag von Lynn Kraemer

4 Kommentare

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  1. 4.

    Zunächst ist Ihre Suffix-Zuordnung falsch. Wenn überhaupt, müsste es also Long-Influenza usw. heißen. Davon abgesehen, ist die Ursache des Fatigue-Syndroms unklar, sie kann und wird somit keiner bestimmten (Infektions-)Krankheit zugerechnet. Des Weiteren sind die möglichen Folgeschäden einer Influenza-Erkrankung oft klar begrenzt auf Lunge und Herz, selten aufs Gehirn. Selten in Mitleidenschaft gezogen werden können auch der Magen-Darm-Trakt sowie die Leber. Aber eben selten. Bei Long-Covid jedoch fehlt zum einen diese glasklare Abgrenzung, weil es ein multisystemisches Virus ist, und kommt es bedeutend häufiger vor. Außerdem hält die Erschöpfung monatelang an und kann dann sogar immer noch zum Tode führen. Derartiges ist nach Influenza nicht bekannt, zumindest nicht in derselben Ausprägung und Vehemenz, auch nicht in dieser Prävalenz. Es gibt schon klare Unterschiede, daher sollte man von davon absehen, alles bequemerweise als ein und dasselbe zu postulieren.

  2. 3.

    Es wird ja auch postuliert, dass Long Covid eine Autoimmunreaktion ist:
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/127294/COVID-19-Autoantikoerper-koennten-Patienten-langfristig-schaden
    Ich bin selber von einer der dort genannten Erkrankungen betroffen und bevor das überhaupt durch die Presse ging, dachte ich - und ganz sicher nicht nur ich -: liest sich wie eine Autoimmunsymptomatik.
    Es wäre ein positiver Nebeneffekt, wenn auf der Beforschung der Long Covid Patienten, bzw. dieser Autoimmunverläufe, sich auch insgesamt etwas auf der Beforschung der Autoimmunerkrankungen tut.
    UND: dass ENDLICH nicht nur für MS (und Long Covid), sondern auch für viele weitere AI-Erkrankungen Fatigue als ein Symptom/eine Begleiterkrankung anerkannt würde.
    Dass Autoimmunerkrankungen durch vorhergehende Infektionserkrankungen ausgelöst werden können indes, ist bereits bekannt.
    Btw.: Die Impfung hat wie befürchtet einen Schub ausgelöst der AI-Erkrankung. Im Sinne des Artikel mögliche logische Folge.

  3. 2.

    Ohne hier Spätfolgen absprechen zu wollen, aber es doch spannend: Long Covid ist laut Deutschem Ärzteblatt eine verzögerte Erholung nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 mit bis zu 200 Symptomen, die nach einer Erkrankung an Covid-19 fortbestehen oder auftreten können. Dazu gehören die o.g. Symptome.

    Es fällt auf, dass es diese Wortkombination nur (!) für Covid gibt, nicht für eine Vielfalt von anderen Infektions- oder sonstigen Krankheiten, die lange anhaltende Beschwerden mit sich bringen können. Von Long-Lunge, Long-Niere-Blase oder Long-Influenza hat man noch nichts gehört. Traditionell wird für die (oft durchaus lange) Genesungsphase nach akuter Erkrankung stattdessen der Begriff Rekonvaleszenz benutzt. In der Medizin auch Remission („Nachlassen“) oder Restitutio ad Integrum („Wiederherstellung“).

  4. 1.

    Also, das freundliche Lächeln und die Zuversicht schaut doch schon mal aus wie 75 :).
    Denke, besonder wichtig ist auch immer der Aspekt der Selbstwirksamkeit.
    Jedenfalls weiß ich das aus eigener Erfahrung.
    Wer etwas AKTIV für sich tut, fühlt sich hinterher besser und doppelt motiviert.

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