Infektionsrettungswagen in Königswusterhausen (Quelle: imago)
Video: Brandenburg Aktuell | 26.02.2020 | Carsten Krippahl | Bild: imago

Coronavirus - Berlin und Brandenburg rüsten sich für den Fall einer Pandemie

Erste Katastrophenschutzpläne in Berlin und Brandenburg: Eine Abriegelung der Hauptstadt steht nicht zur Debatte. Brandenburgs Gesundheitsministerin warnt vor Panik, räumt aber ein, dass es zu einer Pandemie kommen könnte.

Was Sie jetzt wissen müssen

Angesichts der ersten beiden bestätigten Fälle in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen warnte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Grüne) vor Panik wegen des Coronavirus.

Das Land sei gut auf Krankheitsfälle vorbereitet, sagte Nonnemacher am Mittwoch. Ihr Ministerium stehe in ständigem Austausch mit dem Bund, dem Robert Koch Institut und den Gesundheitsbehörden der Kreise. Die Alarmpläne der Brandenburger Krankenhäuser und Vertragsärzte seien noch einmal überprüft worden, so die Gesundheitsministerin.

Im Fall eines Ausbruchs würden besondere Maßnahmen ergriffen, um Akutkrankenhäuser zu entlasten. Denkbar seien häusliche Quarantäne oder Gruppenisolation. Nonnemacher betonte, zwar könne es zu einer Pandemie kommen, derzeit gehe man aber nur von einzelnen Erkrankungen mit grippeähnlichen Symptomen aus.

Katastrophenschutzplan für Berlin

Auch in Berlin wurden Katastrophenschutzpläne für den Notfall geschmiedet.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärte am Dienstagabend, dass man sich intensiv mit notwendigen Maßnahmen beschäftigt. Für den Katastrophenfall spiele man auch die Variante durch, ähnlich wie einige Kommunen in Norditalien die Stadt oder Teile davon abzuriegeln, bestätigte Innensenator Andreas Geisel (SPD) auf Nachfrage.

Zwar steht eine Abriegelung der 3,7-Millionen-Metropole nicht ernsthaft zur Debatte, aber der Katastrophenschutz sei vorbereitet und mittlerweile auch ein entsprechender Krisenstab bei der Berliner Feuerwehr eingerichtet. "Die Frage ist, wie wirksam ist das, und funktioniert das in einer 3,7-Millionen-Einwohner-Stadt so umfassend wie in oberitalienischen Kleinstädten", so Geisel.

Berlin: 122 "Abklärungsfälle", nur drei echte "Verdachtsfälle"

Seit Beginn der Corona-Erkrankungswelle hat es in Berlin 122 sogenannte "Abklärungsfälle" gegeben. Davon sind derzeit 16 Ergebnisse noch offen. Das hat die rbb-Abendschau von der Senatsverwaltung für Gesundheit erfahren. Alle abgeschlossenen Abklärungsfälle waren negativ. Zwei neue Fälle, die am Dienstag gemeldet wurden, werden derzeit untersucht.

Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung erfüllten bislang nur drei Fälle die Kriterien des Robert-Koch-Instituts für Verdachtsfälle und seien deshalb dort gemeldet worden. Zu den Kriterien zählt, dass Betroffene Krankheitssymptome zeigen, sich in einem der nun erweiterten Risikogebiete aufgehalten haben oder Kontakt zu einem bestätigten Corona-Virus-Fall hatten.

Benjamin Jendro, Pressesprecher des GdP-Landesbezirks BerlinBenjamin Jendro (GdP)

GdP: Berlin gut ausgestattet, Berliner Polizisten nicht

Berlin sei für eine derartige Lage gut ausgestattet und verfüge über die Infrastruktur, um auf mögliche Infektionen in Berlin reagieren zu können, erklärte die Polizei-Gewerkschaft GdP. Die Polizisten selbst seien es allerdings nicht, erklärte Benjamin Jendro Sprecher der Gewerkschaft. Nicht alle würden über die persönliche Schutzausrüstung bestehend aus Masken, Nitril-Handschuhen, Händedesinfektionsmittel sowie Augenschutzbrille verfügen. Die Ausrüstung wäre zwar ab 2014 verteilt worden, hätte aber in vielen Fällen das Verfallsdatum erreicht.

Die Berliner Polizei bestätigte die Darstellung der  Gewerkschaft. Derzeit sei es wegen der hohen Nachfrage nicht möglich, die zum Teil abgelaufenen oder verbrauchten Materialien der Schutzausrüstung bei allen Mitarbeiten zu ersetzen. Deswegen würden die Mitarbeiter im Außendienst bevorzugt ausgestattet. Die Polizei geht davon aus, dass in nächster Zeit für diese Gruppe ausreichend Ausrüstung zur Verfügung steht.

Ungeklärt sei derweil die von der GdP geforderte einheitliche Entsorgungslogistik. Dies sei Teil der Vorbereitungen auf einen möglichen größeren Ausbruch des Virus, so ein Polizeisprecher.

Gesundheitsverwaltung empfiehlt Impfen gegen Pneumokokken und Keuchhusten

Währenddessen empfiehlt die Berliner Gesundheitsverwaltung Menschen über 60 und chronisch Kranken, sich gegen Pneumokokken und Keuchhusten impfen zu lassen.

Nach der Entwicklung in Italien sei die Ausbreitung des Virus auch in Deutschland wahrscheinlicher geworden. Eine Impfung solle helfen Komplikationen zu vermeiden. Denn eine bereits mit einem Krankheitserreger befallene Lunge könne auch noch von einem zweiten oder dritten Erreger - wie dem Coronavirus - angegriffen werden.

Die Gesundheitsverwaltung appelliert außerdem, nicht unangekündigt eine Rettungsstelle aufzusuchen, wenn ein Coronavirus-Verdacht besteht. Stattdessen sollen Betroffene das telefonisch mitteilen. So könnten beim Transport und vor Ort wichtige Schutzmaßnahmen getroffen werden.

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

Sendung: Inforadio, 26.02.2020, 18:00 Uhr

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Weiß jemand von weiteren Anlaufstellen? Ich komme aus dem Urlaub in der Risikoregion in Italien und habe leichte Symptome. Habe meinen Arzt angerufen und wurde an diese Nummer verwiesen (die seien dafür zuständig). Jetzt sitze ich seit 2 Tagen da und versuche da durchzukommen, aber es ist durchgehend besetzt. Ich finde das fast ein wenig fahrlässig. Ich würde schon gern wissen, ob und wo ich mich testen lassen kann und ob ich ggf. in Quarantäne gehöre/ weitere Schutzmaßnahmen treffen sollte.

  2. 13.

    Gibt es eine Erklärung, warum man die abgelaufene Schutzausrüstung nicht rechtszeitig nachbestellt hat? Eigentlich ganz einfach.. Qualitätsmanagment.. Kontrolllisten alle 6 Monate überprüfen/ nachbestellen...

  3. 12.

    Hallo Bauml,
    das Robert-Koch Institut hat davon gesprochen, dass der Virus auch auf anderen Oberflächen 4 Tage oder mehr nachgewiesen werden kann. Eine Ansteckungsgefahr darüber ist aber gering. Hauptsächlich überträgt sich das Virus von Mensch zu Mensch.

    Beste Grüße

  4. 11.

    Wie lange überlebt der Coronavirus außerhalb des Menschen?

  5. 10.

    Sie verwechseln Vororge mit Heilung. Impfen kann man sich freiwillig bei der normalen Grippe bevor man erkrankt. Das machen nicht sehr viele Menschen. Also hat ein Mensch hier, der nicht geimpft ist, mindestens die gleichen Chancen an der Grippe oder Corona zu erkranken. Damit will ich sagen das jedes Jahr die normale Grippegefahr von vielen abgetan wird aber bei Corona die Angst und der Schrecken groß ist. Das ist nicht zu verstehen!

  6. 9.

    Immer diese merkwürdigen Vergleiche. Es sterben auch täglich Menschen im Straßenverkehr und bei Haushaltsunfällen. Wann begreifen die Leute endlich, dass man auch die Grippe nicht mit Corona vergleichen kann. Für die verschiedenen Grippeviren haben wir Impfstoffe. Dieses Virus ist völlig neu und wir sind dem ausgesetzt, da es keinen Impfstoff gibt. Es gibt jetzt beispielsweise auch die ersten Menschen, bei denen Corona ein zweites Mal nachgewiesen wurde (China und Japan). Es besteht sicher kein Grund zur Panik, aber eine gewisse Besorgnis halte ich für durchaus angebracht. Ich kenne einige Leute mit Lungen/Atemwegserkrankungen. Wenn diese Menschen davon betroffen sind, dann stehen die Überlebenschancen nicht gut. Gegen Grippe hingegen sind die alle geimpft.

  7. 8.

    Viel verantwortungslose als den Urlaub antreten und danach alles so handhaben wie sie es versuchen geht es wohl kaum. Eine bekannte von mir kam gerade aus dem "Risikogebiet" zurück und bleibt erstmal vorsorglich zwei Wochen Zuhause. Schon mal was von Pflichten gegenüber dritten gehört?

  8. 7.

    Sie sollten es absagen. Ich wollte Anfang März nach Kalabrien. Ich habe die Flüge auch storniert.
    Sie wissen doch, man muss sich nicht unbedingt in Gefahr begeben wenn es sich vermeiden lässt. Urlaub kann man immer irgendwann nachholen.
    Es wird zwar unheimlich viel von den Medien an Panik verbreitet aber der Virus ist ja nun mal da.

  9. 5.

    Die Berliner Verantwortlichen sind einfach überfordert, auf Kosten der Menschen die hier leben und sich engagieren. Aber mal kritisch angemerkt, wer ist am meisten gefährdet? Vorerkrankte und ältere Menschen, deren Versorgung in diesem Land ja eh nur einen geringen Stellenwert hat. Siehe Bericht fehlendes Pflegepersonal und Ärztemangel.
    Das Gesundheitssystem ist, zumindest in Berlin, jetzt desolat.
    Gut gewählte Worte sollen die Bürger beruhigen, sind aber eigentlich nur dazu da, zu verschleiern, dass die Verantwortlichen das allgemeine Chaos hier schon lange nicht mehr überblicken.
    In diesem Sinne: Verhalten wir uns sozial und unterstützen uns gegenseitig. Panikmache hilft niemandem.

  10. 4.

    Ich finde Ihren Beitrag interessant.
    Ich selber plane am kommenden Sonntag nach Österreich zu fahren. Meine Familie ist keine Risikogruppe, könnten aber im Skigebiet, mit den Virus in Kontakt treten und es möglicherweise mit nach Hause bringen. Noch weiß man ja nicht, wie das Virus in Österreich unterwegs/ verbreitet ist. Auch die Inkubationszeit ist zu beachten. Das ganze Ausmaß wird doch vielleicht erst in einer Woche absehbar sein.

    Ich würde meine Tochter dann nach dem Urlaub in die Kita schicken, wo nach meinem Wissen mehrere Kinder mit chronischen Krankheiten anzutreffen sind (Reuma/ Asthma/ Diabetes). Für diese Kinder könnte das Virus gefährlich werden.

    Ich tendiere dazu, den Urlaub nicht anzutreten. Treffe damit aber bei Familie/ Freunde auf absolutes Unverständnis. Alle meinen, es sei nicht gefährlicher als die Grippe. In meinem Umkreis zeigen sich alle erstaunlich gelassen.


  11. 3.

    In Deutschland sterben täglich im Durchschnitt 54 Menschen an MRSA (Krankenhausvirus). Nur mal so als Vergleich.

  12. 2.

    Ich bin der Meinung das die Regierung bisher falsch mit dem Virus umgeht. Die Inkubationszeit ist viel zu lang und man kann schon lange Überträger sein bevor man überhaupt an sich Symptome bemerkt. Es müssten generell alle Menschen isoliert werden die aus Risikogebieten kamen und kommen und jeder Bürger müsste verpflichtet sein sich zu melden wenn er aus Risikogebieten kommt die nachträglich als Riskogebiet eingestuft werden. Nur so hätte man evtl. eine Chance die Infektionsketten zu unterbrechen. Aber so lange fröhlich aus Risikogebieten eingereist werden kann, so lange wird es auch Neuansteckungen geben. Leider scheint die Kostenkontrolle wichtiger und die Streitfrage wer das bezahlt. Gesundheitsämter und Krankenhäuser die sich weigern zu testen, darf es einfach nicht geben. Defacto müsste jeder der sich telefonisch meldet und von Symptomen berichtet, zu Hause erst einmal getestet und isoliert werden.

  13. 1.

    Wird interessant, bei dem Ärztemangel z.B. in der Lausitz... Das reicht schon in normalen Zeiten vorne und hinten nicht.

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