„Hostel Pfefferbett“ in Prenzlauer Berg (Quelle: rbb/Stefan Oberwalleney)
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Audio: rbb|24 | 07.11.2020 | Stefan Oberwalleney | Bild: rbb/Stefan Oberwalleney

Initiative der Kältehilfe - In drei Berliner Hotels können Obdachlose übernachten

Damit Obdachlose den Mindestabstand einhalten können, muss die Kältehilfe in Berlin die Plätze in ihren klassischen Unterkünften reduzieren. Damit trotzdem genug Betten verfügbar sind, öffnen dieses Jahr auch drei Hotels ihre Türen. Von Stefan Oberwalleney

 

Die Corona-Pandemie stellt die Einrichtungen der Kältehilfe vor neue Herausforderungen. So können wegen der geltenden Abstands- und Hygieneregeln pro Notunterkunft deutlich weniger Schlafplätze angeboten werden als in den Jahren zuvor. Trotzdem wird es auch in dieser Saison 1.000 Notunterkünfte geben, versichert die zuständige Senatsverwaltung.

Drei Hostels als Notunterkünfte

Erstmals beteiligen sich mit dem "Sezer Hotel" in Niederschöneweide, der "Pension Reiter" in Friedrichshain und dem "Hostel Pfefferbett" in Prenzlauer Berg drei Hotels an der Kältehilfe. Insgesamt 200 Betten stellen sie in Absprache mit der Koordinationsstelle Kältehilfe, den zuständigen Bezirken und der Senatsverwaltung zur Verfügung.

43,44 Euro bezahlt das Bezirksamt Pankow dem "Hostel Pfefferbett" als Tagessatz pro Kältehilfeplatz. Das Hotel bekommt davon 34 Euro, die Differenz geht laut Hotel an den Internationalen Bund, mit dem der Betrieb zusammenarbeitet. Dieser Betrag ist höher als das, was eine klassische Notunterkunft kostet. Allerdings sind darin etliche Aufwendungen zur Instandhaltung, Reinigung und den Betrieb unter Corona-Bedingungen enthalten.

Da der Vertrag mit den Hostels die Bezirke finanziell deutlich mehr belastet, hat Sozial-Senatorin Elke Breitenbach (Die Linke) Hilfe vom Senat zugesagt: "Wir unterstützen sie dabei, so gut wir können".

Für "Pfefferbett-Hostel"- Leiter Mirko Meinert ist das Ganze eine Win-win-Situation. Denn wenn Hotels und Hostels wegen des pandemiebedingten Verbots von touristischen Übernachtungen leer stünden, gleichzeitig aber tausende Menschen auf der Straße leben müssten, mache es einfach Sinn, sie in Hostels unterzubringen.

"Wir freuen uns daher sehr, durch eine Kooperation mit der Kältehilfe Berlin die Arbeitsplätze unserer Beschäftigten im Pfefferbett Hostel in dieser schweren Zeit sichern zu können. Gleichzeitig ermöglicht uns dies, einen Beitrag zur Unterstützung benachteiligter Gesellschaftsgruppen, die von der Krise besonders hart betroffen sind, zu leisten," so der Geschäftsführer des "Pfefferbett Hostels", Uwe Gervink.

„Hostel Pfefferbett“ in Prenzlauer Berg (Quelle: rbb/Stefan Oberwalleney)

Vorbereitung auf die neuen Gäste

Allerdings bedeutet die neue Klientel für die Hostels durchaus eine Umstellung. "Wir bieten den obdachlosen Gästen den gleichen Service wie zuvor den touristischen Gästen", sagt "Pfefferbett-Hostel"- Leiter Mirko Meinert. Trotzdem haben sich Meinert und seine Mitarbeitenden intensiv auf die neuen Gäste vorbereitet. So wurde beispielsweise durchgespielt, wie das Team mit Verständigungsproblemen und alkoholisierten Gästen am besten umgeht. Klare Hausregeln verbieten Alkohol auf den Zimmern, Waffen und auch Hunde müssen leider draußen bleiben.

Dafür erwartet die Gäste ein kaum gewohnter Luxus im "Hostel Pfefferbett". Das fängt beim Zweibettzimmer mit eigenem Bad an, geht über die Möglichkeit, sein Hab und Gut sicher abschließen zu können und reicht bis zum frisch gekochten Abendessen. Auch um die Reinigung verschmutzter Kleidung will sich Hostel-Leiter Mirko Meinert kümmern und ist gerade in Gesprächen mit einem Reinigungsservice. "Wir wollen alles tun, damit unsere Gäste eine friedliche und erholsame Nacht bei uns verbringen", sagt Meinert und wünscht sich, dass seine Gäste regelmäßig kommen. Dann nämlich könne über ein Kartensystem das notwendige Erfassen der Daten beim Einchecken deutlich erleichtert werden.

Bisher nur wenige Gäste

Noch hat sich das neue Angebot bei den Obdachlosen nicht herumgesprochen. Gerade einmal vier Gäste haben in den ersten Tagen im "Hostel Pfefferbett" übernachtet, aber die seinen alle wiedergekommen, freut sich der Hostel-Leiter. Im Übrigen ist er sehr zuversichtlich und setzt auf die Kraft der Mundpropaganda. Denn eines hat ihn selbst beeindruckt: Seine ersten Gäste waren schlicht weg überwältigt.

„Hostel Pfefferbett“ in Prenzlauer Berg (Quelle: rbb/Stefan Oberwalleney)

Korrekturhinweis: In einer ersten Version dieses Berichts war von einem Tagessatz von 34 Euro die Rede. Diese Angabe wurde inzwischen vom Bezirksamt Pankow korrigiert. Demnach finanziert das Bezriksamt Pankow einen Kältehilfeplatz im Hostel Pfefferbett pro Nacht mit 43,44 Euro, also mit insgesamt rund 590.000 Euro für die Kältehilfesaison bis Ende März.

 

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Beitrag von Stefan Oberwalleney

14 Kommentare

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  1. 14.

    Arbeiten als Obdachloser? Wenn das mal ginge, dass ne Arbeitsstelle sofort die obd.losigkeit beende. Denke mal über den Wohnungsmarkt in B u DE haste mal was gelesen. Es fehlen 1-2 mio Wohnungen im Land. Das Problem wird total schlecht behoben, werden fürs Ausland, coronahilfe usw so viel Geld locker gemacht.

  2. 13.

    Danke für Ihren Kommentar. Besonders letzten Absatz unterstreiche ich. Ging mir auch so, als ich den Artikel las. Ansonsten eine sehr gelungene Aktion.

  3. 12.

    Wenn sie nicht in den Unterkünften übernachten wollen, dann wollen sie da garantiert auch nicht. Da gelten nämlich dieselben Regeln, wenn nicht sogar strengere Regeln.

  4. 11.

    Effizienz bei Sozialpolitik meint nicht, dass Einrichtungen etc. sich zwingend selbst finanzieren sollen, sondern dass alle geplanten Ausgaben der Behörden nötig, zweckdienlich und verhältnismäßig sind. Das sind sie hier in der Tat. Noch sinnvoller wäre es, außerhalb der üblichen verdächtigen Monate über Langzeitnothilfen zu reden. Wohnungslosigkeit endet ja nicht abrupt mit nachlassender Kälte und unangenehmem Wetter allgemein. Man findet ganz sicher hier und da Verbündete, die gegen Kompensation ihrer Mühen bereit wären, wie eine Form unabhängiger privater Träger bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Noch findet alles in Richtung Nothilfe und mittel- oder langfristige Heimstrukturen noch sehr abgesondert vom Rest der Gesellschaft statt. Nicht überall sind Schutzräume gleichermaßen vonnöten.

    Der Hinweis im Artikel auf Renovierungsmaßnahmen im Nachgang irritiert. Als würden durch Wohnungslose die Örtlichkeiten unbewohnbar. Das Hundeverbot ist auch nicht besonders lebensnah.

  5. 10.

    Super Idee. Vielleicht schafft Corona doch ein bisschen Mitmenschlichkeit!

  6. 9.

    Tolle Idee, ehe die Hostels leer stehen.hoffentlich machen noch VIEL mehr Hotels und Hostels mit, um unsere Obdachlosen gut durch den Winter zu bringen.
    Nur: die Kältehilfe kratzt doch auch am Limit... Wie soll sie das finanzieren???

  7. 7.

    Was genau wird denn hier verschenkt ?
    Ein Bett zum schlafen und ein Abendessen.
    Darauf sind Sie eifersüchtig?

  8. 6.

    Och, werden Sie doch einfach obdachlos und genießen Sie dieses wundervolle Leben voller Geschenke!
    Für Ihr derzeitige Wohnung wird sich sicher ein Nachmieter finden...

  9. 5.

    Laut Kältehilfe-App werden die Hostels durch andere Betreiber für die Kältehilfe zur Verfügung gestellt.

    Das Pfefferbett Hostel wird demnach betrieben durch den Internationaler Bund (IB), das Hotel Reiter durch Brot des Lebens e.V. (40 Plätze für Männer) und die Plätze im Sezer Boardingshouse (70) werden durch die ASB Nothilfe Berlin gGmbH des Arbeiter-Samariter-Bund Berlin angeboten.

    Warum wird das nicht erwähnt im Artikel?

  10. 4.

    Dann stellen Sie doch Ihren Arbeitsplatz und Ihre Wohnung zur Verfügung, um auf der Straße zu leben. Gibt sicher für beides Interessenten. Ansonsten seien Sie einfach mal froh, beides zu haben und treten nicht nach unten.

  11. 3.

    Wenn du ab Frühling bis Herbst auf der Straße leben willst, keine bzw kaum Möglichkeit auf Hygiene und Privatsphäre legst und permanent Angst um dein wenig Hab und Gut haben willst dann rinjehauen! Dafür lohnt es sich bestimmt den Job zu schmeißen....ey sowas dummes hört man ja selten.
    Sozialneid wegen Obdachlosen die ne Unterkunft haben...und bedenke, sobald Corona (irgendwann mal) vorbei ist, schlafen in den Hostels bestimmt keine Obdachlosen mehr.

  12. 2.

    Ich frage mich, ob sich arbeiten noch lohnt in diesem Land? Wenn‘s einem dich auch geschenkt wird.

  13. 1.

    Das ist mal Solidarität. Danke an die drei Hotels.
    Die 34 € dürften ja bei den Millionen, die für die Fluggesellschaften und andere großen Unternehmen ausgegeben werden kein Problem sein.

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