Räumung der Seniorenunterkunft in Berlin-Lichtenberg (Quelle: Morris Pudwell)
Morris Pudwell
Audio: Inforadio | 19.11.2020 | Ute Zill | Bild: Morris Pudwell

Corona-Ausbruch - Leitung des Kursana-Pflegeheims in Lichtenberg freigestellt

Bislang sind 15 Bewohner eines Pflegeheims in Berlin-Lichtenberg am Coronavirus gestorben, Dutzende weitere sind infiziert. Der Betreiber Kursana steht seit Tagen schwer unter Druck - jetzt werden personelle Konsequenzen gezogen.

Nach einem tödlichen Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim in Berlin-Lichtenberg wird die Heimleitung laut der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) abgesetzt. Die Heimaufsicht habe den weiteren Einsatz der Leitung untersagt, sagte die SPD-Politikerin in einer Fragestunde im Abgeordnetenhaus am Donnerstag. Bis Freitagnachmittag würden vom Träger neue Personalvorschläge für die Position erwartet. Sollte das nicht erfolgen, werde über weitere Maßnahmen nachgedacht.

"Erteilte Auflagen (...) werden wir umsetzen"

"Die Feststellung des Gesundheitsamtes und der Heimaufsicht zeigen, dass Hygienevorgaben nicht beachtet worden sind", sagte Kalayci. Das betreffe einzelne Beschäftigte und die Heimleitung. Bei den Bewohnern sind bislang mindestens 15 Todesfälle nach Corona-Infektionen bestätigt. Bisher sind 30 infizierte Bewohner bekannt, dazu kommen 17 infizierte Mitarbeiter in Quarantäne.

Kalayci hatte bereits am Dienstag gesagt, nach ihrer Einschätzung könnten menschliches Versagen und Betreiber, die das Thema Hygiene nicht so richtig ernst nähmen, zu solchen Ausbrüchen führen.

Der Heimbetreiber, das zur Dussmann-Gruppe gehörende Unternehmen Kursana, teilte auf rbb|24-Anfrage mit, die neue Leitung des Hauses sei bereits am Donnerstag der Heimaufsicht gemeldet worden. Die Freistellung der bisherigen Heimleitung wollte eine Kursana-Sprecherin rbb|24 gegenüber nicht kommentieren. "Erteilte Auflagen der zuständigen Behörden, wie die Einsetzung einer neuen Leitung des Hauses, werden wir umsetzen", hieß es lediglich von ihrer Seite aus.

Personal war vermutlich Infektionstreiber

Zuletzt war bekannt geworden, dass offenbar das Personal die Bewohner angesteckt hat. Das geht aus einem Bericht des Pandemiestabs hervor, über den das Bezirksamt Lichtenberg am Mittwochabend informiert hatte. Demnach sei das Heim den Nachbesserungen, die der Amtsarzt bereits Anfang Oktober mit Blick auf Kontakte und Hygiene gefordert hatte, nicht in ausreichendem Maße nachgekommen, sagte eine Sprecherin.

Ein Teil der verbliebenen Bewohner des Heims musste in andere Einrichtungen verlegt werden. Neue Tests sind in der Auswertung. Dass Heimpersonal die Ursache für den Ausbruch sei, lasse sich vermuten, aber noch nicht mit Sicherheit sagen, sagte die Sprecherin.

Nach dem Bericht war der Lichtenberger Amtsarzt seit Anfang Oktober mehrfach in dem Pflegeheim. Er ordnete unter anderem Abstriche der Bewohner und des Personals an. Für Mitarbeiter mit direktem Kontakt zu erkrankten Bewohnern wurde Quarantäne verhängt.

Ende Oktober wurden alle Bewohner getestet

Das Gesundheitsamt habe das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin auch über Versäumnisse beim Arbeitsschutz informiert und vom Betreiber das Hygienekonzept und -handbuch gefordert, heißt es im Bericht. Ende Oktober 2020 seien alle Bewohner und das gesamte Personal getestet worden. Am 5. November habe der Amtsarzt das Heim erneut besucht und Verbesserungen bei der Einhaltung des Hygieneplans angeordnet.

Am 13. November 2020 informierte das Pflegeheim über 44 positive Testfälle.
Zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt bereits zwölf Bewohner gestorben. Am selben Tag wurden mehrere Bewohner des Pflegeheims in Krankenhäuser gebracht, das Pflegeheim wurde teil-evakuiert.

Pflegeeinrichtungen besonders gefährdet

Daten der Gesundheitsverwaltung hatten in dieser Woche gezeigt, dass mehr als ein Drittel der Menschen, die in Berlin seit Pandemie-Beginn nach Corona-Infektionen starben, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen waren.

Demnach starben mit Stand vom Mittwoch insgesamt 148 Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen im Zusammenhang mit dem Virus. Nach dem Corona-Lagebericht vom Donnerstag wurden in der Hauptstadt insgesamt 422 Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 verzeichnet.

Seit Pandemiebeginn gab es in 189 stationären Pflegeeinrichtungen in Berlin (Stand Mittwoch) Corona-Fälle. Positiv getestet worden seien insgesamt 1.143 Bewohner und Bewohnerinnen sowie 635 Mitarbeiter.

Zudem tauchten bei insgesamt 34 ambulanten Pflegediensten laut Senatsgesundheitsverwaltung Corona-Fälle auf. 166 der Pflegebedürftigen seien seit Pandemie-Beginn positiv auf das Virus getestet worden, weiterhin seien 86 Mitarbeiter mit Corona infiziert worden. 25 Pflegebedürftige seien gestorben, meldet die Gesundheitsverwaltung.

Sendung: Abendschau, 19.11.2020, 19:30 Uhr

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4 Kommentare

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  1. 4.

    Man braucht sich nicht zu wundern über die Entwicklung in den Pflegeeinrichtungen. Was die Besucherregelung anbelangt so muss man machtlos daneben stehen wenn Regeln von Gestern willkürlich geändert werden und nicht nur das Personal verunsichern sondern auch Besucher und Bewohner. Eine konsequente Linie denke ich kann und hätte einiges verhindern können.

  2. 3.

    Kann man eigentlich nicht glauben, Ihre geschriebenen Wörter.
    Mehrere Kopfschüttler von mir.
    Bleiben Sie gesund und munter.

  3. 2.

    Wer macht sich denn dann strafbar???? Oder sind ja nur Alte??? Wird jetzt schon vorher ausgewählt, nicht erst auf ueberlaufenden Intensivstationen??
    Herr Spahn sollen wirklich auf covid posiv getestet Pflegepersonal Alte und Kranke im Notfall pflegen?

  4. 1.

    Auch wir wurden als Beschäftigte im Pflegeheim vom gesundheitsamt getestet: lt gesundheitsamt gibt es aber sondergenehmigung vom Ministerium Spahn wonach auch positiv getestet ohne Symptome weiter arbeiten müssen. Zwar mir ffp2 Masken, etc aber trotzdem pflegen dann uU corona positive Mitarbeiter "gesunde", alte Bewohner. Also muss man sich doch nicht wundern und das RKI sollte evtl mal mit Herrn Spahn ins Gespräch gehen.

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