Umfrage unter Bezirksämtern - Viele Berliner Schulen warten weiter auf Luftfiltergeräte

Ein Luftfiltergerät steht in einem Klassenzimmer um die Konzentration von Aerosolen niedrig zu halten (Bild: dpa/Hauke-Christian Dittrich)
Bild: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Im Kampf gegen das Coronavirus will der Senat rund 1.200 Luftfiltergeräte für die 940 Berliner Schulen anschaffen, doch offenbar kommen diese Pläne nur schleppend voran. Eine dpa-Umfrage zeigt: In vielen Bezirken hat sich fast noch nichts getan.

Die Beschaffung von Luftfiltern für Berliner Schulen kommt offenbar langsamer voran als zunächst geplant - und zwischen den Bezirken gibt es dabei große Unterschiede. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) unter mehreren Bezirksämtern hervor, die am Samstag veröffentlicht wurde.

Im November vergangenen Jahres hatte die Senatsverwaltung für Bildung mitgeteilt, die Beschaffung der Geräte, die in Corona-Zeiten für frische Luft in den Klassenräumen sorgen sollen, sei in vollem Gange. Dabei sei angedacht, nicht für jedes Klassenzimmer der Berliner Schulen ein Gerät zu besorgen, sondern allenfalls für einen Teil davon. Die Luftfilter sollen in erster Linie in Räumen zum Einsatz kommen, wo das Lüften schwierig ist. Laut der Bildungsverwaltung stehen dafür insgesamt 4,5 Millionen Euro aus Landesmitteln zur Verfügung.

Große Unterschiede zwischen Bezirken

Laut dpa geht es aber langsamer voran, als die Bezirksverwaltungen im Spätherbst erwartet haben. Beim Stand der Dinge gibt es zwischen den Bezirken erhebliche Unterschiede, wie die dpa-Umfrage zeigt. So teilte das Bezirksamt Spandau mit, es habe 82 Luftreinigungsgeräte für die Spandauer Schulen bestellt. Im Einsatz ist davon allerdings noch keine. "Die Auslieferung an die Schulen erfolgt nach jüngstem Kenntnisstand zwischen dem 20. und 25. Januar."

Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hat nach eigenen Angaben 96 Luftreinigungsgeräte bestellt. Ein Großteil davon - rund 65 - sei bereits ausgeliefert worden. "In der kommenden Woche wird dann auch die Auslieferung der restlichen Geräte erfolgen. Sobald die Luftreiniger vor Ort sind, können sie auch eingesetzt werden."

Einen eigenen Weg geht Reinickendorf: Durch Eigeninitiative des Bezirks sei bereits eine Muster-Lüftungsanlage in der Carl-Bosch-Oberschule im Test-Einsatz, teilte das Bezirksamt mit. "Es könnten künftig weitere Räume damit ausgestattet werden, wenn der Betrieb positive Ergebnisse erzielt." Außerdem seien mit den vom Senat zur Verfügung gestellten Mitteln 75 Luftfiltergeräte bestellt worden. "Geliefert werden diese Geräte voraussichtlich Ende Januar."

Tempelhof-Schöneberg und Mitte noch nicht weit

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg gab es dagegen noch gar keine Bestellungen. Das Schul- und Sportamt habe über den Jahreswechsel alle Unterlagen für eine Ausschreibung vorbereitet und inzwischen Unternehmen zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. "Nach Prüfung der Angebote werden entsprechende Geräte bestellt", teilte die Behörde der dpa mit. Die Anzahl der Geräte sei abhängig von den Preisen der Bieter. "Das Schul- und Sportamt hat keine Kenntnis davon, ob und wenn ja in welchen Schulen anderweitig - zum Beispiel auf Elterninitiative - beschaffte Geräte bereits im Einsatz sind."

Auch der Bezirk Mitte ist noch nicht weit gekommen: Bislang seien lediglich vereinzelt durch Fördervereine oder Elterninitiativen beschaffte Geräte im Einsatz, teilte das Bezirksamt mit. Ansonsten ist noch kein Gerät bestellt. "Derzeit werden die eingereichten Angebote ausgewertet, um die Wertungsstufe abzuschließen." Danach folge eine Zuschlagsempfehlung. "Die Rügefrist beträgt zwei Wochen, danach erfolgt die Auftragserteilung/Beauftragung zur Lieferung." Der Liefertermin hänge von der Lieferfrist des Auftragnehmers ab, als spätester Termin sei in der Ausschreibung Anfang März genannt worden.

Teils hohe Preise oder unzulängliche Angebote

Friedrichshain-Kreuzberg hat nach Angaben des Bezirksamts eines der teuersten, aber nach Meinung der eigenen Fachleute das beste Gerät bestellt. Es sei außerdem sehr sicher, langlebig und vor allem leise. "Da das vom Senat zur Verfügung gestellte Mittelvolumen begrenzt ist, konnten wir zunächst nur 42 Geräte bestellen." Außerdem hätten alle Schulen eine Liste bekommen mit einer Übersicht über geeignete Geräte, weil mehrere Fördervereine der Schulen zusätzliche Bestellungen planten. Die ersten vier Geräte seien am Mittwoch geliefert worden, die weiteren Geräte würden in Kürze folgen.

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick teilte mit, es seien noch keine Geräte bestellt worden. "Das Vergabeverfahren dauert an. Die Zuschlags- und Bindefrist musste wegen unzulänglicher Angebote verlängert werden. Der Bezirk Lichtenberg hat nach Angaben des Bezirksamts 77 Geräte bestellt, die in mehreren Lieferungen bis Mitte Februar eintreffen sollen.

Im Bezirk Pankow sind bereits an 18 von 68 Schulen die vom Bezirksamt beschafften Luftfiltergeräte geliefert worden. Insgesamt hat der Bezirk 115 Geräte bestellt. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat 70 Geräte bestellt, die für Anfang Februar erwartet werden.

Für die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln gab es zunächst es keine Angaben.

Experten bezweifeln Wirksamkeit von Luftfiltern

Ob die Anschaffung von Luftfiltergeräten überhaupt ratsam ist, gilt als umstritten. Eine Untersuchung ergab, dass Stoßlüften deutlich wirksamer sei. Die Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) hatten dafür in einem nicht genutzten Klassenzimmer die Wirkung auf Aerosole ermittelt. Dabei zeigte sich nach Angaben der Hochschule, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11 Grad Celsius die eingebrachte Konzentration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent gesenkt habe. Dagegen sei in dem Raum beim Einsatz von vier mobilen Luftfiltergeräten nach etwa 30 Minuten eine um 90 Prozent verringerte Konzentration gemessen worden.

"Ein Filter pro Schule ist Tropfen auf heißen Stein"

Der Senat will insgesamt 1.200 Luftfilter für die rund 940 Berliner Schulen kaufen, rechnerisch macht das: 1,28 Luftfilter pro Schule. Kritik daran kommt aus den Schulen selbst. Als zu wenig bezeichnete Sebastian Schalow, stellvertretender Schulleiter der Leibniz-Schule in Berlin-Kreuzberg, am Donnerstag in der rbb-Abendschau dieses Vorhaben. Er betonte: "Wir haben von der 7. bis zur 10. Klasse jeweils vier Klassen pro Jahrgang. Also 16 Klassenräume, in denen 32 bis 33 Kinder sitzen."

Auch Torsten Zuberbier, Forschungsleiter der Klinik für Allergologie an der Berliner Charité, sagt: "Ein Filter pro Schule ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Da braucht man es fast gar nicht zu machen."

Schulen in Berlin bleiben für den Präsenzunterricht vorerst bis zum 25. Januar geschlossen. Bis dahin gibt es reinen Distanzunterricht. An Grundschulen gibt es eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Ab dem 8. Februar - also nach den Winterferien - ist für alle Jahrgänge Unterricht nach "Alternativszenario" geplant. Dies entspricht der im Herbst eingeführten Schul-Ampel der Stufe Rot [berlin.de, PDF]. Ab dem 15. Februar sollen die Berliner Schulen laut Senat dann wieder je nach Ampel-Einstufung unterrichten.

Sendung: Fritz, 16.01.2021, 12 Uhr

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16 Kommentare

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  1. 16.

    Wenn es um Kinder geht setzt die Politik auf eine einfache Lössung, nämlich Schulen Schließen.
    Es scheint, dass die Lehrerschaft damit zufrieden ist, ist bequem und die Bezüge laufen weiter.
    Ich würde mir wünschen, dass sich beide Gruppen zusammensetzen und nach Lössungen suchen, um den Kindern zumindest ein Teiluntericht in der Schule anzubieten.

  2. 15.

    Wann und warum haben wir eigentlich damit begonnen in Klassenräumen die Fenster so zu gestalten das sie sich nicht mehr öffnen lassen?
    Hatte man davor Angst unserer Kinder würden sich wie die Lemminge zu Hauf aus die Fenster stürzen??
    In meiner Kindheit wurde immer gelüftet, in den kleinen Pausen so wie in den Großen.
    Und war es sehr heiß oder stickig wurde auch mal während des Unterrichts gelüftet und niemals gab es irgendwelche negativen Ereignisse die durch das Lüften hervorgerufen wurden.


  3. 14.

    Schauen sie nach England und Israel. Immer mehr Kinder liegen auf den Intensivstationen. Außerdem halten sich nicht nur Kinder in den Schulen auf. Die Pädagog*innen haben täglich Kontakt zu hunderten Kindern und indirekt auch zu deren zum Teil leichtsinnigen Eltern die mitverantwortlich dafür sind, dass wir immer noch und weiterhin im Lockdown sind. Es ist erwiesen dass das größte Infektionsgeschehen im privaten Umfeld stattfindet und von da in die Schulen eingebracht wird. Noch im Spätherbst haben Eltern Abholgemeinschaften gebildet und Kindergeburtstage gefeiert. Aber wir sollen dann für die Unvernunft den Kopf hinhalten? Würden Sie? Ich denke nicht. Natürlich rächt sich jetzt auch die jahrzehntelange Sparpolitik in der Berliner Bildung und zeigt die Mängel gnadenlos auf. Aber nicht nur. Solidarität und Vernunft der Eltern sind genauso gefragt. An dieser Stelle ein Danke an alle Eltern die das verstanden denn ohne uns geht gar nichts und die Schulen bleiben zu!

  4. 13.

    „Es geht um unsere Kinder.“
    Wenn das stimmen würde wären die Schulen auf. Wieviele Kinder sind erkrankt oder gar schwer erkrankt ?

  5. 12.

    Danke für die Links, sind interessant. Nach Taiwan habe ich keine persönlichen Kontakte. Aus persönlichen Kontakten nach Ostasien ist mir aber bekannt, daß in den Schulen dort keine air purifier zur Entfernung von Viren stehen oder geplant sind - und trotzdem werden insgesamt doch wesentlich niedrigere Zahlen als hier erreicht. Ich habe zu einem großflächig geplanten Einsatz von solchen Filteranlagen zur Entfernung von Viren in Klassenräumen auch noch keine Ankündigung gelesen in Südostasien. Ich lese regemäßig den Shanghai Daily und da wäre das sicher drinnen gewesen, wenn sowas in der Region geplant wäre. Ich finde es eine fixe und teure Idee, die in Deutschland und wohl generell zunehmend in der westlichen Welt Verbreitung findet - andere Seuchenkontrollmaßnahmen sind wohl wesentlicher und erfolgreicher.

  6. 11.

    In Taiwan gibt es immerhin Vorgaben für die Luftqualität in öffentlichen Innenräumen. Auf dem Weg dahin war ein collaboratves Projekt erfolgreich bei Luftqualitätsmessungen (Airbox). Ohne valide Daten sind Erfolgsmessungen unmöglich ;) Es gibt Untersuchungen unter anderem von öffentlichen Einrichtungen wie Kitas oder der Post, Einkaufszentren und belasteten U-Bahnhöfen:
    www.researchgate.net/figure/The-stipulated-standards-of-Taiwans-indoor-air-quality-management-act-TIAQMA_tbl1_311356321
    https://nrev.jp/2020/08/06/airbox-collaborative-success-in-monitoring-air-quality/
    www.researchgate.net/publication/311356321_Indoor_Air_Quality_in_the_Metro_System_in_North_Taiwan/download
    www.ipcbee.com/vol54/003-ICEES2013-ES016.pdf

  7. 10.

    Ich frage mich allen Ernstes, was der Berliner Senat-Frau Scheers in der Zeit vom 1. Lockdown bis bis zu heutigen Tag getan um das Lüftungsproblem in allen Schulen zu lösen. Geld allein macht es nicht. Vielleicht sollte man mal auf die Eltern mit ihren guten und praktikabelen Lösungen zu gehen- Reden sie mit uns ! Es gibt genügend gute Vorschläge. Das Süppchenkochen sollte doch endlich mal vorbei sein. Es geht um unsere Kinder.

  8. 9.

    West Berlin hat Erfahrung mit Klimatisierten Ganztagsschulen. Sucht mal die Eltern-Schüler-beschwerden aus den Archiven... oh, Akten vernichtet, nicht ausgewertet, Wissenslücke, die Gnade des Vergessens, die Verantwortlichen kommen ja auch bestimmt Alle von außerhalb.

  9. 8.

    Dem schließe ich mich an, die Zahl ist ein Witz, wenn man das wirklich vorhat. Aber warum will man das überhaupt flächendeckend tun? Das Bundesumweltamt, sagt soch auch, daß das nur etwas für bestimmte Spezialfälle wäre und sonst einfach Lüften effizieter ist und auch Lüften auch mit dem Einsatz der Geräte notwendig ist (https://www.umweltbundesamt.de/en/press/pressinformation/coronavirus-in-schools-air-purifiers-alone-are-not). N.b. mit diesem Einsatz von Luftfiltermaschinen scheint Deutschland auch sehr allein zu stehen weltweit, aus Staaten mit sehr effizienter Coronaseuchenkontrolle kenne ich dafür keinen Einsatz oder Diskussion darüber.

  10. 7.

    Ein guter Punkt! Viele Schulen haben doch Fördervereine, warum da nun nicht mal Kassensturz machen und das ein oder andere Gerät mehr ermöglichen?

  11. 6.

    Da wurden 1200 Geräte für knapp 1000 Schulen bestellt. Wo war da die Stimme der Vernunft, die gesagt hat : Leute, was für ein Unsinn, nur einen Klassenraum pro Schule damit auszustatten. Entweder ganz oder gar nicht!
    In Brandenburg(ich glaube es war in Neutrebbinl hat gerade eine Firma einer Schule komplett die Luftfilter gestiftet. Kam die Woche bei Antenne. So etwas wird bei der Einstellung zur Wirtschaft wohl nicht passieren

  12. 5.

    Friedrichshain-Kreuzberg hat also ein besonders leises Modell bestellt. Und bei den anderen gibt es dann so ein nerviges Dauergrundrauschen? Erwiesenermaßen ein Stressfaktor. Und ich habe das auch schon selber erlebt, Büro auf einem Industiregelände, vis a vis eine Produktionshalle. Erst, wenn man im Sommer die immer schön offen stehenden Schallsutzfenster geschlossen hatte, merkte man, wie laut dae eigentlich die ganze Zeit ist. (PS: WIr hatten selber in den 90er Jahren ein mobiles Klima-Standgerät von Siemens. Das Betriebsgerät war stets gut zu hören. Mir tun die Kinder leid, die nun direkt neben diesen Brummern sitzen müssen.)

  13. 4.

    Wie gut das man auf die Experten hört.
    Jetzt wurstelt jeder Bezirk für sich rum. Warum einfach wenn man auch daraus wieder einen Akt machen kann.
    Also alles wie gehabt .... bevor der Senat bzw. die Bezirke mal in absehbarer Zeit was gebacken bekommen, lässt man alles einfach zu ... trifft ja nur irgendwelche Eltern.
    Aber erst mal neue Maßnahmen beschließen, die man nicht selbst umsetzen muss.

  14. 3.

    Genau sowas passiert, wenn Wirtschaft und Innovation abwürgt werden und zu viel Geld in den Ideologie-Sektor fließt.
    Wir bilden falsch aus, und somit können auch viele handwerkliche Arbeiten nicht mehr erledigt werden.
    Ich hoffe, die Zustände in Berlin rütteln die Wähler am 26. September auf!

  15. 2.

    Was nützt denn der beste Filter in den Klassenräumen, wenn die Kinder mit dem ÖPNV zur Schule müßen und sich vor dem Unterricht und nach den Unterricht unkontrolliert ohne Abstand und z.T. ohne Maske trffen?

  16. 1.

    Wenn verwundert das noch? Denke wohl niemand. Denn alles was nicht Klientelpolitik ist, wird doch nur von RRG angekündigt und nicht umgesetzt.

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