Offener Brief - Berlinale positioniert sich zu Vorwürfen wegen AfD-Einladungen

So 04.02.24 | 13:40 Uhr
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Symbolbild: Im Rahmen der Berlinale Vorbereitungen werden sowohl der Berlinale-Bär als auch der Schriftzug an den Berlinale Palast angebracht. (Quelle: dpa-Bildfunk/Annette Riedl)
Audio: Antenne Bradenburg | 04.02.2024 | Nachrichten | Bild: dpa-Bildfunk/Annette Riedl

Zur Eröffnung der Berlinale am 15. Februar sind auch zwei AfD-Politiker eingeladen. Ein offener Brief von Kulturschaffenden prangert die Entscheidung des Filmfestivals an. Die Berlinale reagierte nun auf die Vorwürfe.

Hinweis: Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Einen neuen Text über die Debatte um die Einladungen der Berlinale an AfD-Abgeordnete finden Sie hier.

In einem Offenen Brief protestieren mehr als 200 Kulturschaffende gegen die Einladung von AfD-Mitgliedern zur geplanten Berlinale-Eröffnung. Nun hat sich die Berlinale-Leitung zu der Einladung positioniert.

Vorwurf gegen Berlinale

In dem Brief wird Unverständnis über die Einladung der Berliner AfD-Vorsitzenden Kristin Brinker und des Parlamentarischen Geschäftsführers der AfD Ronald Gläser geäußert, wie vom amerikanischen Online-Medium "Deadline" [deadline.com] zuerst berichtet:

"Wir halten dies für unvereinbar mit der Verpflichtung des Festivals, ein Ort der 'Empathie, des Bewusstseins und des Verständnisses' zu sein, laut der Erklärung, die auf der Jahrespressekonferenz am 19. Januar abgegeben und auf der Festival-Homepage veröffentlicht wurde" zitiert Deadline. Der Brief wurde demnach am Freitag veröffentlicht und ist nicht mehr online. Unter den Unterzeichnern sind Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Journalisten und Studenten.

"Einladungskontingente an Abgeordnete aller Parteien"

Die Berlinale bestätigte die Einladung der AfD-Mitglieder Kristin Brinker und Ronald Gläser. Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte die Leiterin der Berlinale, Mariëtte Rissenbeek, Sonntagmorgen ein Statement zu den Vorwürfen. "Sowohl die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien als auch der Berliner Senat erhalten Einladungskontingente zur Berlinale-Eröffnung, die an die gewählten Abgeordneten aller Parteien im Abgeordnetenhaus vergeben werden. Vor diesem Hintergrund wurden die AfD-Vertreter zur Berlinale-Eröffnung eingeladen", hieß es.

Berlinale will AfD persönlichen Brief schicken

In dem Statement schreibt die Berlinale Leitung weiter: "Menschen – auch gewählte Volksvertreter –, die im Widerspruch zu demokratischen Werten stehen, sind auf der Berlinale nicht willkommen. Dies werden wir in einem persönlichen Brief an die AfD-Vertreter sowie bei anderen Gelegenheiten deutlich und nachdrücklich zum Ausdruck bringen. Die Berlinale steht für demokratische Grundwerte und gegen Rechtsextremismus und unterstützt alle Demonstrationen und andere Initiativen gegen die undemokratischen Strömungen."

Die Berlinale unterstütze zudem ausdrücklich die seit Wochen stattfindenden deutschlandweiten Demonstrationen gegen Rechts und schließe sich ihnen an.

Minderheiten seien in Anwesenheit der Politiker nicht sicher

Die Unterzeichner hatten dem Filmfestival fehlende Integrität vorgeworfen: "Die Einladungen [der AfD-Politiker] entkräften diese Aussagen und sind ein weiteres Beispiel für das feindselige und heuchlerische Umfeld, mit dem Kunst und Kultur in Berlin und Deutschland konfrontiert sind", heißt es in dem Brief, wie von "Deadline zitiert. Und weiterhin: "Wir glauben nicht, dass die Eröffnungszeremonie als sicherer Ort für Juden, Frauen, Mitglieder des BIPOC, LGBTI+, Behinderte, Roma und Sinti oder Gemeinschaften der Zeugen Jehovas angesehen werden kann, die unter anderem Verfolgung und Völkermord ausgesetzt waren während einer weiteren rechtsextremen, nationalkonservativen Bewegung in Deutschland."

Im Januar war bekannt geworden, dass Brinker im Sommer bei einem Treffen unter anderem von radikalen Rechten in der Wohnung des früheren CDU-Finanzsenators Peter Kurth dabei war. Ronald Gläser ist stellvertretender Vorsitzender der AfD Berlin. Parallel arbeitet er als Redakteur bei der neu-rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" und ist Stammautor bei "Eigentümlich frei".

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.02.2024, 15:00 Uhr

75 Kommentare

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  1. 75.

    Warum fragen Sie nicht direkt beim Verfassungsschutz nach, die können alle Ihre Fragen beantworten. Rechtsextreme wählt man nicht. Wenn Sie diese trotzdem wählen, bewusst, muss ich eher Sie fragen, warum Sie das tun? Was würde die AfD für Sie persönlich verbessern wollen?
    ich denke, Rechtsextreme haben noch nie etwas für irgendwen verbessern wollen, vielleicht für sich selbst unbegrenzte Macht? Fr alle anderen Unfreiheit? Genießen Sie Ihre Freiheit, solange es noch geht.

  2. 74.

    Nichts anderes habe ich von Ihnen erwartet. Und einen Beitrag zum Thema schon gar nicht....

  3. 73.

    Dass ausgerechnet Sie anderen Hetze vorwerfen, ist schon fast wieder lustig...

  4. 72.

    sehr wichtig aber oft nicht ernstgenommen: Die Würde DES Menschen ist UNANTASTBAR.

  5. 71.

    Das ist mir vollkommen klar, das Sie BSW und AfD gleichsetzen. Und das ist nicht mehr zum Lachen. Sie haben schon oft hier bewiesen, daß Sie kein Interesse haben, sich mit Parteien zu beschäftigen, sondern ausschließlich auf übelste Weise zu hetzen Mike, TZ, Uwe oder wie auch immer Sie sich genannt haben oder noch nennen werden.

  6. 70.

    Erfassend zu lesen ist mittlerweile genau wie Zuhören eine unerreichbare Kunst. Viele "demokraten" tun sich schwer damit, andersartige Meinungen zu akzeptieren und gerechterweise auch zu loben, was gut läuft.

  7. 69.

    Ich finde Ihre Antworten mittlerweile nur noch sehr befremdlich. Kann ich nicht mehr nachvollziehen. Haben mit einem demokratischen Diskussionsforum nur noch wenige Anknüpfungspunkte.

  8. 68.

    Unser GG besteht aus ein wenig mehr als "Einigkeit und Recht und Freiheit"!

  9. 67.

    die internationale rechtslastige Verbrecherallianz wird ihm alle Wege öffnen. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich keine Angst vor Dingen und Vorgängen, auf die man sich vorher etwas einstellen kann.

  10. 66.

    mir wurde bei der Einbürgerung damals: Einigkeit und Recht und Freiheit beigebracht. Komisch nur das die Migranten sich einig sind und die in Deutschland geboren wurden, damit nix anfangen können. Kann nur besser werden, dazu benötigen wir aber gegenseitigen Respekt was für die meisten hier wohl nicht zutrifft!

  11. 65.

    Ich sagte doch, Rechtsextreme und Humor passen einfach nicht zusammen.

  12. 64.

    "Mir als zukünftigen BSW-Wähler passt die AfD auch nicht."

    Da hätte ich doch fast vor Lachen mein Bier verschüttet, danke dafür. :-)

  13. 62.

    "Mir als zukünftigen BSW-Wähler passt die AfD auch nicht."

    Da hätte ich doch fast vor Lachen mein Bier verschüttet, danke dafür. :-)

  14. 61.

    1. "Diese (Noch-) Partei ". Mir als zukünftigen BSW-Wähler passt die AfD auch nicht. Aber es gibt Gründe für das Erstarken dieser Partei. Millionen Menschen sind nicht auf einmal, innerhalb weniger Jahre Rechtsextrem geworden. 2. "Sollte Putin uns okkupieren..." Das glauben Sie ernsthaft? Putin mit seiner geschwächten Armee würde einen Nato-Mitglied angreifen?

  15. 60.

    "Sollte Putin uns okkupieren...." . Um Himmels Willen, atmen Sie mal tief durch und suchen Sie sich Hilfe. Angsstörungen sind sehr belastend, können aber therapiert werden. Ohne jegliche Ironie: alles Gute!

  16. 59.

    Keine Frage. Da haben Sie recht! Die AfD agiert so. Mag ich auch nicht! Ist dann aber die Aussage " Alle AfDler töten" auf einer Demo oder der Aufruf zur Demo von verurteilten Straftätern (Letzte Generation) ein "bisschen Gegenwind " ? Oder wie würden Sie das nennen?

  17. 58.

    Sie sind also der Meinung, dass die Mehrzahl der Gewalttaten gegenüber jüdischen Mitbürgern von AfD-Mitgliedern verübt wurden? Glauben Sie das eigentlich selbst?
    Und wenn ich diesen - Ihren - Glaubenssatz in Frage stelle, bin ich dann für Sie auch ein "Faschist"?

  18. 56.

    "gehts eigentlich noch lächerlicher?" >das demonstrieren Sie ja mit Ihrem "kommentar". Gewaltaten gegenüber jüdische MItbürgern, Anschläge auf Synagogen - nach Ihrer Meinung alles lächerlich? Komischerweise bekommen Sie und Ihre Gesinnungsgenossen schon Schnappatmung, wenn man Sie und Ihre Gesinnungsgenossen berechtigterweise als Faschisten bezeichnet. Damit beantwortet sich von selbst, wer heir lächerlich agiert.

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