Pandemie-Sommer - Berliner Clubs setzen auf Events unter freiem Himmel

Archivbild: Der Open-Air-Club Else am Ufer an der Spree in Berlin Treptow. (Quelle: imago images/T. Maelsa)
Audio: radioeins | 15.04.2021 | Interview mit Klaus Lederer | Bild: imago images/T. Maelsa

Die Berliner Clubs wollen im Sommer Outdoor-Veranstaltungen anbieten. Für Kultursenator Lederer wäre das der richtige Schritt, auch um den Menschen "Hoffnung" zu bringen. Das neue Infektionsschutzgesetz könnte dabei zum Problem werden.

Die Berliner Clubszene will den Pandemie-Sommer mit Events unter freiem Himmel überstehen. "Es bringt uns wirtschaftlich nicht weiter, aber wir wollen den Leuten was geben", sagte Pamela Schobeß, Vorsitzende der Berliner Clubcommission, am Donnerstag in Berlin. "Wir sind gut in der Lage, auf Außenflächen Hygienekonzepte umzusetzen." Schobeß verwies auf erste Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr.

Aus Sicht der Clubcommission, ein Zusammenschluss vieler der mehr als 300 Clubs der Stadt, geben Veranstaltungen unter freiem Himmel den Menschen nicht nur Lebensqualität zurück, sie seien auch viel sicherer als private Treffen in geschlossenen Räumen.

Lederer sieht Clubs als verantwortliche Partner

Schobeß, auch Chefin des "Gretchen", nannte die nun 13 Monate währende Schließung eine "emotional unglaubliche Belastung" und "finanzielle Katastrophe". Hilfen kämen nur zeitverzögert an und reichten nicht aus. Die sonst nicht subventionierten Clubs seien "erstmals komplett abhängig vom Staat".

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte am Donnerstag auf Radioeins vom rbb, es sei "wichtig, diese Branche über die Pandemie zu bekommen". Die öffentliche Hand müsse dabei ihre Verantwortung wahrnehmen. Er habe die Clubs als verantwortliche Partner erlebt. Deswegen sei ein Verbot von Aktionen unter freien Himmel ab einer Inzidenz von 100, wie in der Novelle des Infektionsschutzgesetzes vorgesehen, "nicht mehr rational".

Clubcommission führt Aktion fort

Veranstaltungen draußen sind für den Linke-Politiker "gut, weil man Menschen Hoffnung gibt, weil man Menschen Alternativen bietet, weil man Menschen auch irgendwie die Lebenslust zurückgibt".

Im rbb warnte Lederer, dass bisherige Modellprojekte mit dem neuen Bundesinfektionsschutzgesetz verhindert würden. "Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie unsere Stadt ist, wenn im Sommer überhaupt keine Kultur stattfinden kann - nicht mal im Park oder im Außenbereich eines Clubs." Lederer bekräftigte erneut, dass die Hygienekonzepte unter freiem Himmel besser umgesetzt werden könnten.

Die Clubcommission kündigte derweil die Fortsetzung einer Aktion zur Unterstützung der Clubs an. Dabei werden rund 30 Kunstwerke in Gitarrenform und -größe jeweils mit Logo und Signaturen einer Band zu Gunsten eines Clubs versteigert. Mit dabei sind etwa Rammstein, Die Ärzte, Seeed, In Extremo, Culcha Candela, The Bosshoss oder Karat.

Die international gefeierten Berliner Clubs sind sonst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Jenseits von Pandemie-Zeiten locken sie rund drei Millionen Touristen jährlich in die Stadt mit rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz im Transport-, Gastronomie- und Gastgewerbe. Allein die Clubszene setzt sonst 168 Millionen Euro um. Von der Krise sind etwa 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie rund 20.000 Künstlerinnen und Künstler betroffen.

Sendung: Abendschau, 15.04.2021, 19:30 Uhr

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13 Kommentare

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  1. 13.

    @rbb
    Ich finde es ja sehr merkwürdig,dass ausgerechnet hier keine Kommentare freigeschaltet sind:
    https://www.rbb24.de/politik/thema/corona/beitraege/2021/04/patienten-corona-erkrankung-besondere-rechte-verwaltungsgericht-berlin-urteil.html

    Dabei ist das Thema doch sehr diskussionswürdig. Was unterscheidet zum Beispiel eine Impfung von einer durchgemachten Erkrankung?

  2. 12.

    Interessant wäre ja mal, wie diese Hygienekonzepte aussehen sollen.
    Malt man Kästchen auf den Boden? Testet man vor der Location? Es gab ja schon wissenschaftlich untersuchte Testkonzerte in anderen Ländern.
    Ein gutes Hygienekonzept mit Maske, Testen und Abstand an frischer Luft ist wahrscheinlich besser, als das, was in manchen Berliner Firmen als Hygienekonzept läuft.
    Allerdings ob das Berliner Club-Publikum maßnahmenfähig ist? ;-)
    Bei der Frage, ob sowas jetzt sein muss, wird es sowieso keinen Konsens geben. Ich kann auch bis 2022 warten.

  3. 11.

    Ich wiederhole mich gern, Bewegung raus, jeder muss mitmachen, daheim bleiben und solidarisch sein, alles andere ist kontraproduktiv. Es ist 5 nach 12. Stammt von einem Intensivmediziner, von dem hab ich meine Weisheiten.

  4. 9.

    Ähm ... ging es hier nicht um Clubevents? Glaube, Fitnessclubs waren da nicht gemeint ;-). Ok - die haben auch zu. Aber zum Sport braucht es keinen Club.

    Ok - im "Mukke-Club" schüttelt und rüttelt man sich auch - is' aber echt kein Sport.
    Nee - der hat schon recht - der Frank.

  5. 8.

    Solche Kommentare sind echt unverantwortlich und wundert mich dass sowas durchgeht, aber meine meistens zensiert werden.
    Da draußen das ansteckungsrisiko extrem gering ist, spielt hier nur einer mit menschenleben und das ist Frank.
    Denn gerade Bewegungsmangel und auch natürlich daraus resultierende Fettleibigkeit ist für schwere Verläufe und Tode verantwortlich.

  6. 7.

    Schade, Schade das mit den Outdoor-Events! Freiluftveranstaltungen wären mir lieber.

  7. 6.

    "Bewegung raus, bleibt zuhause, alles andere ist Unfug"

    Ja Bewegung ist Unfug, Immunsystem ist Unfug. Coca Cola, Alkohol und in die eigenen Wände einsperren ist die Lösung. Frische Luft macht krank. Physischer Kontakt macht krank und gefährdet auch die, die sowieso zuhause bleiben.
    Leider muss ich es wohl dazusagen, das war Ironie.

    https://www.n-tv.de/wissen/Bewegung-beugt-schwerem-Covid-Verlauf-vor-article22489287.html
    "Dabei stellte sich heraus, dass Bewegungsarmut für den Krankheitsverlauf ein wesentlich höheres Risiko darstellt als beispielsweise Rauchen, Fettleibigkeit oder Bluthochdruck."

  8. 5.

    Bewegung raus, bleibt zuhause, alles andere ist Unfug.

  9. 4.

    Solche Events findet der Linke Herr Lederer also gut...

    Und wenn sich dadurch wieder viele Menschen anstecken und auf die ohnehin überfüllten Intensivstationen müssen juckt ihn das wohl nicht.
    Der Mann spielt mit Menschenleben!

  10. 3.

    Man hat doch schon im letzten Jahr so gute Erfahrungen mit den Park Partys gemacht .... warum das ändern... 1 Jahr später haben die Leute bestimmt noch weniger Lust sich zu treffen.
    Ironie off

  11. 2.

    Eine Inzidenz von 100 und mehr ist kein unausweichlich eintretendes Naturereignis. Es muss nicht so weit kommen bzw. dabei bleiben.
    Das geplante Bundesinfektionsschutzgesetz hindert keine Landesregierung, schon jetzt wirksame Maßnahmen zur Infektionseindämmung zu ergreifen.
    Gefragt sind jetzt Konzepte, wie die Fallzahlen wirkungsvoll und nachhaltig gesenkt werden können, da kommen aber keine Vorschläge. Kritik üben ist leicht, bringt uns aber nicht wirklich weiter. Öffnungsvorschläge sind keine Alternative.

  12. 1.

    3. Oktober 2020 immer noch nicht vergessen?

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