Wasserdemo - Rebellion der Träumer, vor dem Urbankrankenhaus in Berlin Kreuzberg auf dem Landwehrkanal. (Quelle: dpa)
Bild: dpa

Der Absacker - Sind wir wirklich alle in einem Boot?

Die Berliner Technofans sind zurück, zumindest einige von ihnen. Und die haben sich am Sonntag auf fast 400 Booten versammelt, um zu feiern. Heute genießt Laura Kingston die Ruhe nach dem Rave, aber eine Frage lässt ihr keine Ruhe.

Die letzten Zecken sind entfernt. Die Füße sind geschrubbt. Und die stinkenden Klamotten inzwischen in der Waschmaschine. Nach einem Wochenende auf dem Brandenburger Land bin ich wieder in Berlin angekommen. Als ich am Montagmorgen mit dem Fahrrad von Prenzlauer Berg gen Kreuzberg fahre, frage ich mich, warum die Straßen so leer sind. Ach ja, Pfingsten. Die heile Welt vom Wochenende hält noch ein bisschen an, ganz ohne Lärm, ganz ohne Gedanken.

1. Was vom Tag bleibt

Lärm gab es offenbar während meiner Flucht aufs Land in Berlin zu Genüge. Vor allen Dingen entlang des Landwehrkanals, wo eine Feier-Demo mit rund 3.000 Leuten stattfand. Die Veranstalter von "Für die Kultur - Alle in einem Boot" wiesen zwar daraufhin, allen ihren "Space" zu lassen. Das ist aber bei genauerer Betrachtung der Aufnahmen von Sonntag nicht gerade geglückt. Beliebt machen sich die Demonstrierenden / Feiernden dadurch nicht beim Rest der Bevölkerung. Ein User schreibt etwa:

"Damit haben die Gäste ihre Clubs selbst abgeschossen. Grandiose Leistung. Gratulation zur erfolgreichen Corona-Party! Wo ist der Weiße Hai, wenn man ihn braucht? Immer noch im Müggelsee?"

Heute ist es dafür umso ruhiger auf den Berliner Straßen. Der Kater wird wohl im Park oder am See auskuriert. Die Frage, die sich mir an diesem Tag, der Ruhe nach dem Sturm, stellt: Sind wir wirklich alle in einem Boot? Ich finde es wichtig, für den Erhalt der Berliner Clubkultur zu kämpfen; ich habe selbst schon gespendet. Aber eine Versammlung und Party mit 3.000 Menschen direkt vor einem Krankenhaus ist vielleicht nicht das Zeichen, was die Berliner Clubszene senden sollte.

2. Abschalten

Können Sie sich noch an den blauhaarigen jungen Mann erinnern, der vergangenes Jahr die CDU zerstört hat? Das war Rezo. Und der zerstört am Sonntagabend eine Institution, die in den letzten Jahren verstärkt an Vertrauen verloren hat: die Presse. Das Video ist gerade einmal 24 Stunden online, und hat schon fast eine Million Klicks. Ob das Video so viel Diskussion auslöst wie damals "Die Zerstörung der CDU"?

Ich selbst bin Teil der Medienmaschinerie und muss sagen: Rezos Video ist wichtig. Ich finde es erbaulich, einmal eine differenziertere Kritik an den Medien zu hören als: "Lügenpresse" oder "Staatsfunk". Eine ausführlichere Analyse des Videos schreibt übrigens Daniel Bouhs für rbb|24.

3. Und, wie gehts?

"Ach ja, es geht so": Das ist die Antwort, die ich in der letzten Zeit häufig bekomme, wenn ich mit meiner Mutter spreche. Sie ist gerade aus der Klinik entlassen worden, in der sie zuletzt wegen ihrer Depression behandelt wurde. Sie hat die "normale" Welt unter dem Einfluss von Corona bislang gar nicht mitbekommen. Jetzt versucht sie langsam, sich wieder zu fangen und auf eigenen Beinen im Leben zu stehen. 

Warum ich hier ausgerechnet über meine Mutter schreibe? Weil ich denke, dass viele psychisch kranke Menschen in dieser komischen Zeit Erwähnung finden sollten. Für sie ist und bleibt es besonders schwer, diese Monate zu überstehen.

4. Ein weites Feld

Home-Office und Maskenpflicht scheinen der Feind ganz besonders einer Branche zu sein: Kosmetik. Die Nachfrage nach Make-Up ist laut des Kosmetikverbands VKE in der Corona-Krise zurückgegangen. Umsätze seien im April um 60 Prozent gesunken. 

Sagt das über uns aus, dass wir uns "nur" für andere Leute schminken? Geht der Trend zum natürlichen Look? Wann haben Sie sich das letzte Mal geschminkt?

Passen Sie auf sich auf und bewahren sie ein (ungeschminktes) Lächeln unter Ihrer Schutzmaske. 

Ihre Laura Kingston 

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17 Kommentare

  1. 17.

    Nö, ich versuch doch nix zu verstecken, ich denk es kommt rüber, dass ich Techno nicht mag :)
    Und dass Techno für mich persönlich nicht als "Musik" zählt, ist doch keine rationale Begründung, sondern pure subjektive emotionale Bewertung ohne jeden Anspruch an objektive Aussagekraft :)

  2. 16.

    "Zu Musik vielleicht schon eher - aber dann wiederum is Techno auch nix, was ich so richtig unter Musik zählen würde ;p "
    Versuchen Sie ihre gefühlsmäßige Abneigung gegenüber Techno unter rationalen Begründungen zu verstecken?

  3. 15.

    Das damalige Video von Rezo war ja willkommenes Futter für "die" Medienlandschaft um der CDU "so richtig" eins auszuwischen und um eine politisch grüne Wende in Deutschland einzuleiten. Was glücklicherweise bekanntlich dann doch nicht gelungen ist.

    Das derzeitige Rezo Video wird der großflächigen Medienlandschaft weniger gefallen. Dazu gehört auch der rbb.
    Der bekanntlich auf radio eins seit Monaten nicht müde wird, die geschlossene BerlinerClubkultur wieder zu beleben. Die Berichte zum jetzigen Fehlverhalten dazu fallen (nicht) überraschend sehr verhalten aus. Während man andrerseits nicht müde wird, an jeder Stelle auf Verhaltensregeln hinzuweisen (was insgesamt richtig ist), fällt man hier scheinbar für den geneigten Leser, Hörer und
    TV Seher den Deckmantel der Bagatelle.
    Was es am ende auch nicht besser macht, dass die Veranstalter von denen man noch nie etwas gehört hat, sich hinterher für das Fehlverhalten entschuldigen.
    Die neuen Fallzahlen werden es zeigen.

  4. 14.

    Du bist ja wirklich sowas von neben der Spur. Hättest du mitbekommen was in unserer Klinik los war würdest du lielleicht ander denken.

  5. 13.

    Steht bei Wiki..ok. Wiki ist weder wissenschaftlich noch seriös, zumeist abgeschrieben und oft falsch zitiert. Scene oder Milieu ist übrigens nicht abwertend, ist einfach soziologisch präziser. In der einfach-oberflächlich Fassung auch bei Wiki: sinus-milieus.

  6. 12.

    Na ja, die eine sagen so, die anderen sagen so....Kultur is ja nun ein seeeehr weit gefasster Begriff.
    Obwohl - musste eben schmunzeln, als ich las, was Albert Schweitzer unter Kultur verstand:
    "Nach Albert Schweitzer erstrebt die Kultur letztlich „die geistige und sittliche Vollendung des Einzelnen“" (auch aus Wiki)
    also das passt in meinem Kopf jetzt nicht sooo doll zu den Clubbern ;)
    Zu Musik vielleicht schon eher - aber dann wiederum is Techno auch nix, was ich so richtig unter Musik zählen würde ;p .... aber wie schon gesagt, die einen sagen so, die anderen so :)

  7. 11.

    Sicher, Clubs sind Kultur, aber einige der Besucher gehören nicht dazu, die versauen nur, wofür einige Engagiert geackert, gelitten und gehofft haben. Ihr seit es nicht wert, jemals wieder in Clubs eingelassen zu werden.

  8. 10.

    Ich schlage vor, Sie schlagen nochmal nach wie Kultur überhaupt definiert wird:

    "Kultur bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbstgestaltend hervorbringt – im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur"

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur

    Die Clubs und die Musik wurden vom Menschen geschaffen, also ist es Kultur.

  9. 9.

    So ein schwachfug, genau wie die ganzen spießbürgerlichen Kommentare hier und leider auch von der Autorin.
    Aber schön pauschalisiert auf alle Leute ein kloppen, die nicht dem eigenen extremst ängstlichen Weltbild entsprechen, so kommen wir bestimmt vorwärts.
    Es gibt praktisch keine Zahlen mehr zu messen, also keine Fallzahlen mehr, was jetzt hier noch geschieht ist lediglich Willkür der Medien und Staatsmacht.

  10. 8.

    Dem kann ich nur zustimmen. Wer geglaubt hat, dass die Leute die Regeln einhalten, der lebt fern jeglicher Realität.

    Genau diesen Menschen ist es zu verdanken, dass wir noch sehr lange nicht zu unserem alten Leben zurückkehren können.

  11. 7.

    Was erwarten Sie von Menschen, deren Horizont nur von Feiern bis Spaß reicht? Die wissen weder was richtige Kultur ist noch kennen die die wirklichen Werte des Lebens. Dazu kommt noch völlige Emphatielosigkeit den Mitmenschen gegenüber und ein Senat der solchen Schwachsinn genehmigt. Niveau wo?

  12. 6.

    In unserer Rezo-Analyse steht:

    "Wie damals möchte Rezo nach eigener Aussage auch jetzt niemanden "zerstören". Der Ausdruck steht im Jargon der Youtuber für Kritik, die sitzt. "Ich möchte Missstände aufzeigen, um sie zu lösen." Rezo bringt in beinahe auf die Sekunde genau einer Stunde die Probleme der Medienlandschaft, der Mediengesellschaft und vor allem auch die Profitgier einzelner Medienkonzerne auf den Punkt."

  13. 5.

    Wieder ein schöner zusammenfassender Beitrag, danke. :)

    Ich, obwohl selbst aus dem medizinischen Bereich, tue mich mit psychischen Krankheiten wahnsinnig schwer - ich weiß dass es sie gibt, ich weiß welche es gibt, ich weiß dass diese ernst genommen werden müssen nuns doch sind sie einfach nich greifbar.

    Ein gebrochenes Bein kann man sehen, eine Erkältung hören...aber psychische Erkrankungen...?
    Ich habe selbst Menschen im Umfeld die betroffen sind und ich nehme sie und ihre Lage ernst, aber wirklich hinein versetzen kann ich mich nicht. Und es überkommt mich ein Gefühl von Ohnmacht, diesen Menschen nicht wirklich helfen zu können.
    Eine Depression kann man nicht mit Floskeln wegtrösten. Man kann nur anbieten da zu sein...aber selbst das hilft oft einfach nicht.

    Und zum Thema Schminke: Unter den Masken kondensiert die Feuchtigkeit, da verschmiert eh alles. Und schminken für‘s Home Office, für die Kinderbetreuung, für das Einkaufen gehen unter einer Maske - wozu?

    Ich weiß, manch eine(r) schminkt sich auch für den Gang zur Mülltonne, aber die meisten doch eher dann, wenn es um gesellige Dinge geht - Arbeit, Schule, Uni, Party... fiel ja alles weg.

  14. 4.

    Danke für den Absacker und die zum Nachdenken anregenden offenen Fragen und Gedanken. Jedoch stört mich die ein oder andere Formulierung sehr.
    Rezo hat mitnichten die CDU oder die Presse zerstört. Er fasst lediglich gut zusammen, wie z.B. Die CDU sich selbst zerstört. Der Titel dieser Videos provoziert zwar zu denken er würde etwas zerstören, stünde der Titel aber so in einer Zeitung ginge niemand davon aus, dass der Autor irgendwas zerstört.
    Ich nehme an, der Kolumnist vom Absacker hat es absichtlich so formuliert. Die Richtigstellung halte ich aber für entscheidend um das Thema in das vorgesehene Licht zu rücken.

  15. 3.

    Einfach nur dumm und rücksichtslos. Hier hat man etwas überhaupt nicht verstanden!

  16. 2.

    Ich schlage vor, in Zukunft nicht mehr den Begriff Clubkultur zu verwenden. Kultur ist etwas Anderes - kann vielfältig und auch progressiv sein und muss nicht jedem Geschmack entsprechen. Aber dies hier ist bestenfalls Clubszene und diese Aktion hat das Bild von Party -Trinken -Koksen und geballter Verantwortungslosigkeit dermaßen befördert, dass man dieses von Kultur sprachlich abgrenzen sollte. Vielleicht passt Clubmilieu noch besser als -szene.
    Und zum Schminken....stimmt- MNS spart tatsächlich Lippenstift.

  17. 1.

    Danke für den Hinweis auf Rezo - ich hab´s gestern schon gesehen und kann es nur wärmstens empfehlen!!

    Danke auch für die Erinnerung an die Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ich habe auch im engsten Familienkreis damit zu tun und weiß was es heißt... Ich wünsche Ihrer Mutter, aber auch Ihnen viel Kraft und Unterstützung.

    Und das mit dem Schminken - einer der positiven Effekte der Krise, dass das jetzt weniger wird. Ich habe diese Art von "Maske" so gut wie nie benutzt, abgesehen von nem Eyeliner ab und zu. Und ich find auch meine Freundinnen in Natur alle jetzt viel schöner. Nur das Färben hat leider noch keine von ihnen aufgegeben - die Friseure haben einen Tick zu früh wieder aufgemacht, der "Entzug" konnte so nicht gelingen ;)

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