Symbolbild: Paar küsst sich in Corona-Zeiten (Quelle: dpa/Laporta)
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Begegnung mit Corona-Infizierten - Was tun, wenn ich Kontaktperson bin?

Die Corona-Fallzahlen steigen derzeit in Berlin und Brandenburg - und entsprechend auch die Zahl der Kontaktpersonen. Diese werden in drei Kategorien unterteilt. Eine Übersicht, wie sie sich unterscheiden und welche Auflagen jeweils gelten.

Wer positiv auf das Corona-Virus getestet wird, muss sich unverzüglich beim zuständigen Gesundheitsamt melden und in Selbstisolation begeben. Vom Gesundheitsamt bekommt die oder der Infizierte dann offizielle Anweisungen und weitere Informationen - so weit, so klar. Doch die Zahl der Infektionen steigt und somit auch die Zahl der Menschen, die mit einem Infizierten Kontakt hatten.

Diese Kontaktpersonen erfahren zurzeit meist entweder durch eine infizierte Person selbst, durch das Gesundheitsamt, das die Kontakte (mit Hilfe von Bundeswehrsoldaten) ermittelt hat, oder durch die Corona-App von ihrem Status. Vor allem diejenigen, die von der infizierten Person selbst vom eigenen Risiko erfahren, sind erst einmal auf sich selbst gestellt. Dabei müssen sie vor allem herausfinden, wie hoch die Ansteckungsgefahr war, denn hiernach wird vom Robert Koch Institut (RKI) in unterschiedlich kategorisierte Kontaktpersonen [rki.de] unterteilt.

Der Umgang mit Kontaktpersonen ist nach dem bisherigen Wissen über Ansteckungsfähigkeit und Inkubationszeit ausgerichtet. Nach bisherigen Erkenntnissen können Corona-Infizierte schon anstecken, bevor sie selbst Symptome bekommen. Laut RKI gilt als sicher, "dass die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit um den Symptombeginn am größten ist und dass ein erheblicher Teil von Transmissionen bereits vor dem Auftreten erster klinischer Symptome erfolgt".

Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit beträgt nach bisherigem Wissensstand bei milden bis moderaten Verläufen etwa zehn Tage nach Symptombeginn, bei schwereren Verläufen kann sie aber auch länger andauern.

Im Durchschnitt beträgt die Inkubationszeit - also die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten von Symptomen - fünf bis sechs Tage. Nach einer Ansteckung kann es aber auch bis zu 14 Tage dauern, bis Krankheitszeichen auftreten.

Nach den Kriterien des RKI ist Kontaktperson I, wer eine corona-positive Person mit Symptomen direkt getroffen hat - und zwar ab zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome des Erkrankten bis zehn Tage nach Symptombeginn.

Für Fälle, bei denen keine Symptome bemerkbar sind, gilt als Kontaktperson I, wer diese ab zwei Tage vor bis zehn Tage nach dem Test direkt getroffen hat.

Direkt getroffen bedeutet laut RKI [rki.de]: mindestens 15 Minuten "face-to-face"-Kontakt, oder längeres gemeinsames Aufhalten in einem schlecht gelüfteten Raum, direkter Kontakt zu Sekreten, naher Kontakt zu oder langer Aufenthalt mit Kranken ohne Schutzkleidung.

Wer als Kontaktperson der Kategorie I identifiziert wird, muss in Quarantäne gehen und die Behörden informieren. Dazu muss er den "Erhebungsbogen für Kontaktpersonen von SARS COV-2-Fällen" [berlin.de/lageso] ausfüllen und an das für ihn zuständige Gesundheitsamt versenden. Bei der Suche nach dem zuständigen Amt hilft das Postleitzahlen-Tool des Robert-Koch-Institus [tools.rki.de]. Daraufhin sollte sich das Gesundheitsamt zurückmelden.

Allerdings sind die Gesundheitsämter in Berlin überlastet. Daher fokussiert sich Berlin jetzt erst einmal auf die Risikogruppen. Menschen mit positivem Testergebnis sind aufgerufen, sich auch ohne Kontakt zum Gesundheitsamt so schnell wie möglich in häusliche Isolation zu begeben und Kontaktpersonen selbst informieren. Das bedeutet, dass es mit einer Rückmeldung des Gesundheitsamtes bei den Kontaktpersonen dauern kann.

Kontaktpersonen der Kategorie I müssen in eine 14-tägige häusliche Quarantäne gehen. Diese wird in Berlin vom Gesundheitsamt offiziell angeordnet.

Zur Entlastung des Gesundheitssystem haben viele Bezirke es [Übersicht bei berlin.de] so geregelt, dass die Quarantänepflicht schon dann in Kraft tritt, wenn jemand erfährt, dass er Coronapositiv, Verdachtsfall oder Kontaktperson I ist.

Angeordnete Quarantäne-Maßnahmen können zudem - je nach Bezirk - beispielsweise auch über "qualifizierte Dritte" mitgeteilt werden - wie Schulleitungen oder Arbeitgeber.

Berlinweit gilt: wer weiß, dass er sich isolieren müsste, darf auch ohne offizielle Anordnung des Gesundheitsamtes nicht mehr draußen unterwegs sein. Schon dann droht ein Bußgeld, wie die Senatsgesundheitsverwaltung am 23. Oktober angekündigt hat.

Wer als Kontaktperson-I-Einstufung keine Symptome aufweist, wird nur im Einzelfall auf das Coronavirus getestet. Die Entscheidung liegt bei Gesundheitsamt oder Arzt. Allerdings wird die Gesundheit überwacht - die Kontaktperson muss u.a. zwei Mal täglich Fieber messen und darüber Tagebuch führen.

Neben Kontaktpersonen der Kategorie I gibt es noch die Kategorien II und III.

Für eine Einstufung in Kategorie II definiert das RKI: "face-to-face"-Kontakt weniger als 15 Minuten, kein längerer gemeinsamer Aufenthalt in einem schlecht gelüfteten Raum, naher Kontakt, aber mit Maske bei Infiziertem und Kontaktperson.

In Kategorie III wird eingestuft, wenn Pflegepersonen einem Infizierten zwar nahegekommen sind, aber Schutzausrüstung trugen, Kontakt auf Abstand über 1,50 Meter, ohne Kontakt zu Sekreten oder mit nur kurzem Aufenthalt in einem ungelüfteten Raum.

Kontaktpersonen der Kategorie II wird eine Kontaktreduktion empfohlen. In beiden Fällen wird aber nicht weiter ermittelt oder symptomlos getestet. Wer selbst keinen direkten Kontakt mit einer erkrankten Person, sondern über Dritte, ist übrigens weder Kontaktperson I noch II noch III, sondern "Kontaktperson einer Kontaktperson".

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24 Kommentare

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  1. 24.

    Man hat letzten Sonntag gesehen wie es mit dem Kontaktverbot so aussieht, halb Berlin ist nur auf Achse. Wohin ging die Fahrt wenn die Geschäfte gar nicht auf haben?

  2. 23.

    "Bei der Suche nach dem zuständigen Amt hilft das Postleitzahlen-Tool des Robert-Koch-Institus [tools.rki.de].". Das ist in Berlin nur bedingt tauglich, denn die Leitzahlen der Post richten sich nicht nach den Bezirksgrenzen. Für eine Postleitzahl können bis zu vier Gesundheitsämter zuständig sein.

  3. 22.

    @ekieh
    Das ist bedauerlich, immerhin über 2 Wochen und keine Resonanz vom Gesundheitsamt!

    Da braucht man sich nicht zu wundern über Resignation. Zumal viele um ihren Arbeitsplatz besorgt sind.
    Verständl. Vermittlung dem Bürger gegenüber, funktionierende Gesundheitsämter... stattdessen Bürokratie pur und dem Bürger wird alles übergeholfen.
    Alles was nachverfolgbar ist wie Restaurants, Museen, Sportvereine wurde gestrichen... Was ist mit den Öffis, die sind manchmal unumgänglich. Ich bin Radfahrerin, nutze sie nur im Notfall... letztes WE setzt sich eine Dame Ü70 neben mich, haut das Fenster zu (öhm... man soll lüften) und meint ich solle mich neben die Tür stellen.

  4. 21.

    Was tun, wenn ich Kontaktperson bin?
    Ab 20 000 Infizierten kommt der 2.Lockdown!
    Habe ich gerade gelesen!
    Eigentlich haben wir ja jetzt alles!
    Masken und Hygienemittel!
    Mann muss nur noch die Regeln befolgen!
    Aber das tun ja viele Hirseköpfe leider nicht!

  5. 20.

    Seit 21.10.2020 bin ich Kontaktperson 1 und in Quarantäne. Bei mir hat sich "Niemand" vom Amt gemeldet. Ich werde mich dann mal an eine Teststation 1,5 Stunden anstellen um vielleicht getestet zu werden mit Symtomen, denn wegsperren und nicht kümmern ist ja auch keine Lösung. Also muss ich dann meine Wohnung verlassen. Mein Partner geht weiter arbeiten. Ob das die Familienfeiern sind, welche verboten werden sollen? Ich staune nur noch.

  6. 19.

    Genau erfasst. Deswegen gehen ja alle potenziellen Risiken weiter arbeiten und der Arbeitsplatz als Infektionsquelle rückt immer weiter vor.

  7. 18.

    Sie sollten sich erstmal mit dem Charakter einer Allgemeinverfügung beschäftigen, bevor Sie Unterstellungen hinsichtlich strafrechtlicher Tatbestände von sich geben. Ordnungsrechtliche Maßnahmen können Sie gerne vor dem VG hinterfragen. Sie können natürlich auch die Strafverfolgungsbehörden und die ordentliche Gerichtsbarkeit bemühen. Aber alles in einen Topf werfen geht nicht.

  8. 17.

    Leider funktioniert dieses System so gar nicht. Ich kenne drei Fälle, die 1. Kontaktperson bei einem positiv getesteten sind und die sich demnach ohne Anordnung des Gesundheitsamtes in Quarantäne begeben sollen. Ihre jeweiligen Arbeitgeber werten die häuslichen Isolation ohne entsprechende schriftliche Anweisung des Gesundheitsamtes als unentschuldigtes Fernbleiben und drohen sogar mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Da könne ja jeder behaupten Kontaktperson gewesen zu sein und 14 Tage "Urlaub" machen, so hieß es.

  9. 16.

    Das ist so kompliziert, da blick ich nicht durch (RKI-Grafik hilft auch nicht weiter) und hoffe nur, dass der Kelch an unserer Familie vorübergeht....

  10. 15.

    Also ich glaube ja, dass die meisten Vorgesetzten meinen, Quarantäne kann so lange im Büro abgeleistet werden, bis die auftretenden Symptome die anderen Kollegen erschrecken. Dann geht's ab ins Home-Office. Als ernstzunehmende Krankheit ist das noch nicht akzeptiert. Die Arbeitnehmer werden also weiter arbeiten gehen, die Kontakte zu Infizierten verschweigen. Irgendwas von "ist nur ne Erkältung" nuscheln und fertig. "In 20 Jahren Betriebszugehörigkeit war ich noch nicht einen Tag krank". Super, Du Held! Ich aber, denn ich sitze neben dir und mich haut's jedes Mal komplett um!!

  11. 14.

    Ja, genau, wer normal denkt, der befolgt gefälligst ohne weiteres Nachdenken alle Regeln, die von oben kommen. Damit ist man gerade in Deutschland in den letzten hundert Jahren supi gefahren.


  12. 13.

    Erfahrungsbericht:
    Als AG von 8 Angestellten kam es im August dazu, dass ein Angestellter positiv getestet wurde, also Quarantäne. Zwei weitere Angestellte auch, da privat Kontakt. Habe mit der Anordnung die Entschädigung beantragt, vielleicht bekomme ich die irgendwann mal (Durchschnittseinkommen der letzten zwölf Monate ist maßgebend). Das Amt kam nämlich auf die Idee, dass ich mangels korrekten Büromanagements das selbst verschuldet hätte. Interessant, da alle drei im Homeoffice oder einzeln im Außendienst waren. Interessiert das Amt aber nicht. Damit schlage ich mich jetzt noch rum und bin also einer der Querulanten, die die Verwaltung zusätzlich mit Anwalt und demnächst Gericht beschäftigen. Wird jetzt ohne schriftliche Anordnung sicher noch schwieriger.

  13. 12.

    Noch mal zur finanziellen Entschädigung: Wo ist das denn genau geregelt, und an welche Behörde muss man im Falle eines Falles den Antrag richten? Und wird da wirklich nur ein Durchschnittswert ausgezahlt, auch wenn der tatsächliche Schaden durch die Quarantäne höher ist? Und macht es einen Unterschied, ob dann irgendwann ein Test positiv oder negativ ist?

    Nehmen wir mal an, man hat gerade mehrere Aufträge zu 90 Prozent fertig. Der Kunde benötigt aber einen Fertigstellungsgrad von 100 Prozent, und dies zu einem bestimmten Zeitpunkt und keinen halben Tag später. Und in genau so einer Situation bekommt man dann eine Quarantäne-Anordnung. Für ein 90-Prozent-Ergebnis wird man aber nicht bezahlt. Man erhält also nicht nur kein Geld, sondern bleibt auch noch auf allen bis dahin aufgewendeten Kosten sitzen. Da kann der Schaden mal ganz schnell mehrere zehntausend Euro betragen. Bekommt man die dann vom Gesundheitsamt erstattet? Dazu bitte mehr Infos!

  14. 11.

    Sehr interessant.

    Herzlichen Dank für die schnelle Antwort.

  15. 10.

    Es ist schwierig das eine Freiheitsberaubende Maßnahme (muss sich jetzt keiner Aufregen so heißt das nun mal) Per Zuruf vom AG verhängt wird. Na den letzten Erfahrungen von Anordnungen die vor Gericht gingen .... ist ein Zweifel schon angebracht.

  16. 9.

    Doch, dem ist tatsächlich so. Das Bezirksamt Neukölln war eines der ersten, das eine solche Allgemeinverfügung mit genau diesem Wortlaut bereits am 9. Oktober veröffentlicht hat. Hier der entsprechende Link: https://www.berlin.de/ba-neukoelln/aktuelles/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.1002091.php

  17. 8.

    Liebe Kollegen des rbb,

    ich bitte darum, folgende Aussage mit Angabe der Rchtsquelle zu belegen:

    "Angeordnete Quarantäne-Maßnahmen können so beispielsweise auch über "qualifizierte Dritte" mitgeteilt werden - wie Schulleitungen oder Arbeitgeber."

    Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass das zulässig sein soll und damit ein Vetwaktungsakt als verkündet gilt.

  18. 7.

    So ist es. Hinzukommen leider die egoistischen Menschen, die nach Lücken in den Regeln suchen. Ich fürchte, es gibt genug, die einfach nicht kapieren wollen.

  19. 6.

    Genau wegen dieser Denke haben wir alle die Probleme. Von einem normal denkenden Menschen kann wohl erwartet werden, dass er sich an Regeln hält. Nur so funktioniert Gesellschaft.

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