Freiwillig und kostenlos - Humboldt-Gymnasium in Tegel testet Schüler jede Woche auf Corona

Fr 06.11.20 | 16:07 Uhr | Von Anke Michel
Corona-Schnelltests am Humbold-Gymnasium in Berlin im November 2020. (Quelle: rbb/Anke Michel)
Bild: rbb/Anke Michel

Seit dem Ende der Sommerferien können sich alle Schüler und Lehrkräfte am Humboldt-Gymnasium in Berlin auf das Coronavirus testen lassen - freiwillig und kostenlos. Experten erhoffen sich davon auch Erkenntnisse über das allgemeine Infektionsgeschehen. Von Anke Michel

 

Seit gut zehn Wochen ist es nun Routine: Jeden Donnerstag nach dem Aufstehen schieben sich hunderte Schüler des Humboldt-Gymnasiums in Berlin-Tegel den Testspachtel des Corona-Test-Kits tief in den Rachen. Am Anfang hat es ein wenig Überwindung gekostet, aber mittlerweile kommen sie gut klar. Die Schüler haben erst Erklärvideos gesehen, dann gemeinsam unter Anleitung der vorher geschulten Lehrer geübt und nun sind sie gefühlt Profis im Selbst-Abnehmen der PCR-Tests.

"Wenn man es einmal richtig verstanden hat, dann weiß man direkt, wie es geht", sagt Lioba aus der 10. Klasse. Ihre Röhrchen mit dem Testspachtel bringen die Schüler mit zur Schule, dort geben sie es klassenweise ab. Der QR-Code der Proben wird eingescannt, anschließend geht es zur Analyse ins Labor. Nach etwa einem Tag kann man das Ergebnis der Probe in einem Online-Portal abrufen. Sollte die Probe positiv sein, meldet sich das Gesundheitsamt.

Finanziert werden die PCR-Tests von dem deutschen Biotechnologieunternehmen Centogene, das unter anderem auch die Corona-Testcenter am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg und am Flughafen in Frankfurt am Main betreibt.

Etwa 900 Proben pro Woche

Diese Massentests seien eine logistische Herausforderung für die Schule, sagt Schuldirektor Jörg Kayser. Denn das Angebot wird gut angenommen. Jede Woche werden ungefähr 900 Proben abgegeben und müssen erfasst werden. Ohne die Unterstützung engagierter Eltern wäre das kaum zu schaffen.

Über 90 Prozent der Lehrkräfte machen bei den freiwilligen Tests mit. Sie sind froh, dass es dieses Angebot an ihrer Schule gibt. Durch die regelmäßigen Testungen hoffen sie, dass etwaige Infizierte schnell entdeckt werden und sich das Virus nicht unbemerkt verbreiten kann. Denn, so drückt es die Bio- und Chemielehrerin Rena Degen aus, die als Qualitätsbeauftragte der Schule alles organisiert und koordiniert: "Wir Lehrer stehen jede Unterrichtsstunde mit Mitgliedern aus 32 Haushalten in einem Raum. Da können wir zusätzliche Sicherheit gut gebrauchen." Auch bei den Schülerinnen und Schülern wird das Angebot sehr gut angenommen.

Tests aufschlussreich für die Wissenschaft

Für die Wissenschaft sind die Testreihen aufschlussreich, denn hier werden PCR-Massentests an symptomlosen Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Hier könne man sehen, wie gut diese Tests auch in diesen Fällen positive Befunde anzeigen könnten, meint Degen. Das Humboldt-Gymnasium spiegelt mit seinen Testergebnissen das allgemeine Infektionsgeschehen, haben sie hier den Eindruck.

Zu Beginn der Testreihen vor knapp drei Monaten war nur selten eine positive Probe dabei. Das hat sich in den vergangenen Wochen geändert. Mittlerweile haben sie jede Woche fünf bis sechs positive Tests. Momentan sind gut 100 Schüler und Lehrkräfte als Kontaktpersonen in Quarantäne, sechs Klassen können nur digital unterrichtet werden.

Corona-Schnelltests am Humbold-Gymnasium in Berlin im November 2020. (Quelle: rbb/Anke Michel)Seit Ende der Sommerferien können sich Schüler, Lehrer und Mitarbeiter des Humboldt-Gymnasiums selbst testen

Kritik von der Elternschaft

Vereinzelt gibt es von Eltern deswegen Kritik an den regelmäßigen Testreihen. Sie haben sich beschwert, dass ihre Kinder als Kontaktpersonen in Quarantäne müssten, weil man Corona-positive Schüler entdeckt habe, die sonst nicht aufgefallen wären, erzählt der Direktor. Allerdings geht es genau darum: Symptomlose infizierte Schüler zu identifizieren, um schnell reagieren zu können, um Ansteckungen zu vermeiden.

In diesem Sinne ist auch diese vereinzelte Kritik der Eltern eher eine Bestätigung für die Test-Strategie. Und der weit überwiegende Teil der Schulgemeinschaft freut sich ohnehin über ein wenig mehr Sicherheit in der Corona-Pandemie.

Sendung: rbb88,8, 06.11.2020, 06:52 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Beitrag von Anke Michel

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Berlins Marvin Plattenhardt (l) kämpft gegen Munas Dabbur von TSG Hoffenheim um den Ball. (Foto: Andreas Gora/dpa)
Andreas Gora/dpa

Analyse nach dem 1:1 gegen Hoffenheim - Hertha findet sich

Das 1:1 gegen die TSG Hoffenheim hielt für Hertha BSC gleich mehrere Erkenntnisse bereit: Zwar ist das Team nur schwer zu schlagen, doch tut es sich auch mit dem Gewinnen schwer. Allmählich findet Hertha sein Niveau. Von Marc Schwitzky