Corona-Schnelltests am Humbold-Gymnasium in Berlin im November 2020. (Quelle: rbb/Anke Michel)
Bild: rbb/Anke Michel

Freiwillig und kostenlos - Humboldt-Gymnasium in Tegel testet Schüler jede Woche auf Corona

Seit dem Ende der Sommerferien können sich alle Schüler und Lehrkräfte am Humboldt-Gymnasium in Berlin auf das Coronavirus testen lassen - freiwillig und kostenlos. Experten erhoffen sich davon auch Erkenntnisse über das allgemeine Infektionsgeschehen. Von Anke Michel

 

Seit gut zehn Wochen ist es nun Routine: Jeden Donnerstag nach dem Aufstehen schieben sich hunderte Schüler des Humboldt-Gymnasiums in Berlin-Tegel den Testspachtel des Corona-Test-Kits tief in den Rachen. Am Anfang hat es ein wenig Überwindung gekostet, aber mittlerweile kommen sie gut klar. Die Schüler haben erst Erklärvideos gesehen, dann gemeinsam unter Anleitung der vorher geschulten Lehrer geübt und nun sind sie gefühlt Profis im Selbst-Abnehmen der PCR-Tests.

"Wenn man es einmal richtig verstanden hat, dann weiß man direkt, wie es geht", sagt Lioba aus der 10. Klasse. Ihre Röhrchen mit dem Testspachtel bringen die Schüler mit zur Schule, dort geben sie es klassenweise ab. Der QR-Code der Proben wird eingescannt, anschließend geht es zur Analyse ins Labor. Nach etwa einem Tag kann man das Ergebnis der Probe in einem Online-Portal abrufen. Sollte die Probe positiv sein, meldet sich das Gesundheitsamt.

Finanziert werden die PCR-Tests von dem deutschen Biotechnologieunternehmen Centogene, das unter anderem auch die Corona-Testcenter am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg und am Flughafen in Frankfurt am Main betreibt.

Etwa 900 Proben pro Woche

Diese Massentests seien eine logistische Herausforderung für die Schule, sagt Schuldirektor Jörg Kayser. Denn das Angebot wird gut angenommen. Jede Woche werden ungefähr 900 Proben abgegeben und müssen erfasst werden. Ohne die Unterstützung engagierter Eltern wäre das kaum zu schaffen.

Über 90 Prozent der Lehrkräfte machen bei den freiwilligen Tests mit. Sie sind froh, dass es dieses Angebot an ihrer Schule gibt. Durch die regelmäßigen Testungen hoffen sie, dass etwaige Infizierte schnell entdeckt werden und sich das Virus nicht unbemerkt verbreiten kann. Denn, so drückt es die Bio- und Chemielehrerin Rena Degen aus, die als Qualitätsbeauftragte der Schule alles organisiert und koordiniert: "Wir Lehrer stehen jede Unterrichtsstunde mit Mitgliedern aus 32 Haushalten in einem Raum. Da können wir zusätzliche Sicherheit gut gebrauchen." Auch bei den Schülerinnen und Schülern wird das Angebot sehr gut angenommen.

Tests aufschlussreich für die Wissenschaft

Für die Wissenschaft sind die Testreihen aufschlussreich, denn hier werden PCR-Massentests an symptomlosen Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Hier könne man sehen, wie gut diese Tests auch in diesen Fällen positive Befunde anzeigen könnten, meint Degen. Das Humboldt-Gymnasium spiegelt mit seinen Testergebnissen das allgemeine Infektionsgeschehen, haben sie hier den Eindruck.

Zu Beginn der Testreihen vor knapp drei Monaten war nur selten eine positive Probe dabei. Das hat sich in den vergangenen Wochen geändert. Mittlerweile haben sie jede Woche fünf bis sechs positive Tests. Momentan sind gut 100 Schüler und Lehrkräfte als Kontaktpersonen in Quarantäne, sechs Klassen können nur digital unterrichtet werden.

Corona-Schnelltests am Humbold-Gymnasium in Berlin im November 2020. (Quelle: rbb/Anke Michel)Seit Ende der Sommerferien können sich Schüler, Lehrer und Mitarbeiter des Humboldt-Gymnasiums selbst testen

Kritik von der Elternschaft

Vereinzelt gibt es von Eltern deswegen Kritik an den regelmäßigen Testreihen. Sie haben sich beschwert, dass ihre Kinder als Kontaktpersonen in Quarantäne müssten, weil man Corona-positive Schüler entdeckt habe, die sonst nicht aufgefallen wären, erzählt der Direktor. Allerdings geht es genau darum: Symptomlose infizierte Schüler zu identifizieren, um schnell reagieren zu können, um Ansteckungen zu vermeiden.

In diesem Sinne ist auch diese vereinzelte Kritik der Eltern eher eine Bestätigung für die Test-Strategie. Und der weit überwiegende Teil der Schulgemeinschaft freut sich ohnehin über ein wenig mehr Sicherheit in der Corona-Pandemie.

Sendung: rbb88,8, 06.11.2020, 06:52 Uhr

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Beitrag von Anke Michel

13 Kommentare

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  1. 12.

    Danke für den Textauszug! Also ist es eine Firma, die das Ganze trägt.... Na gut. Was sich für mich dabei wirklich toll anhört, ist, dass anscheinend die Teststelle mit dem Gesundheitsamt vernetzt ist und das Amt dann automatisch mit den Schülern Kontakt aufnimmt.
    Denn ich habe das Gefühl, dass bei individuell durchgeführten Tests der Weg andersherum gegangen werden muss und man selber bzw. der testende Arzt sich ans Amt zu wenden hat.

  2. 11.

    Totaler Schwachsinn solche Massentests, es sollten nur noch symptomatische Leute getestet werden, alles andere macht keinen Sinn und bringt auch nicht mehr Sicherheit, wie kommt man denn auf den Trichter?
    Es wird hier nur eins erreicht, dauerhafte Angst und Panik, die uns nicht weiter bringt.

  3. 10.

    Ein PCR Test wird dem Labor mit 56 Euro bezahlt.
    Bei 900 Proben die Woche sind es also gut 50000 Euro Laborkosten.
    Dafür werden derzeit 5-6 positive Menschen gefunden die entweder asymptomaisch sind oder leichte Infektzeichen haben.

  4. 9.

    Super und an Kreuzberger Schule bekommen die Eltern eine Email,dass sich die Kinder nur testen lassen sollen wenn sie Symptome haben. Wo Kinder bekanntermaßen atypische Symptome zeigen. Das zeigt sich wieder das das Berliner Bildungssystem alles durcheinander macht. Siehe Schulen die auf Gelb sind in denen aber ganze Klassen in Quarantäne sind.

  5. 8.

    Ich finde das gut was das Humboldtgymnasium dort macht habe aber wenig Verständnis warum es bei manchen Schulen durchgeführt wird und manchen nicht. Das Gymnasium meines Sohnes testet die Kinder nicht. Im Gegenteil ich bin mit Sympthonen zum Arzt und die Antwort war das die Kinderärzte nicht testen weil das können die Schulen bitte selber machen weil das HumboldtGymnasium macht das schließlich auch selber.... daher weiß ich es. Und das war vor 3 Monaten. Mein Kind wurde bisher nicht einmal getestet, ich kenne auch kein anderes Kind mit Symptomen was getestet wurde.

  6. 7.

    Die Kontaktpersonen müssen mit in Quarantäne, weil sie sich in der Zeit zwischen Test und Ergebnis angesteckt haben könnten.

  7. 6.

    Habe grad gesehen, dass die Schule nach den Ferien auch schon alle getestet hat, gesponsort. Da aber noch nicht so umfassend...:
    Schule in Alt-Tegel
    Humboldt-Gymnasium testet Schüler wöchentlich auf Corona
    10.08.20 | 12:47
    Zum Schulstart unter Corona-Bedingungen beschreitet das Berliner Humboldt-Gymnasium in Alt-Tegel einen eigenen Weg: Statt Unterricht bekamen die Schülerinnen und Schüler erst einmal einen Corona-Test. Getestet wird in dieser und in der kommenden Woche zweimal, dann nur noch einmal pro Woche. Die Tests werden der Schule von einem Rostocker Bio-Technologie-Unternehmen kostenlos zur Verfügung gestellt.

  8. 5.

    Echt krass, auf welchen Schwachsinn die Leute kommen. Würde mich auch interessieren, wer das finanziert. Und ich verstehe jetzt gar nicht mehr, wieso in den Teststellen solch ein Zirkus mit Schutzkleidung gemacht wird und besonders mit den im Zweifel hochinfektiösen Proben umgegangen wird. Wenn man sich auch zu Hause im Bad testen kann und den Test dann in der Mappe mit in die Schule nimmt. Und - mit Symptomen getestet. wartet man fünf Tage auf das Ergebnis. Da macht es Sinn 900 Tests an Kindern ohne Krankheitsanzeichen pro Woche zu machen. Alles klar...

  9. 4.

    Ich habe jetzt nicht verstanden, wer das alles finanziert. Kann mich bitte mal jemand aufklären?

  10. 3.

    Sie haben vollkommen Recht! Kostet ja alles nix! Dass die Labore Sonderschichten schieben und die Gesundheitsämter nicht hinterher kommen scheint aber leider auch die Berichterstatter nicht zu interessieren.

  11. 2.

    So kann man die stark begrenzten Testkapazitäten natürlich auch verschwenden. Andere Personen mit Symptomen warten dafür mehrere Stunden oder sogar Wochen auf eine Testmöglichkeit und dann nochmal anschließend auf das Ergebnis..oder Verzichten mit diesen Aussichten gleich ganz auf einen Test und infizieren schön weiter andere Personen. Das ist mir ehrlich gesagt unverständlich!

  12. 1.

    Testreihe finde ich super,
    warum müssen aber Kontaktschüler in Quarantäne, wenn sie doch negativ getestet wurden?

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