Paralympics-Bilanz des BPRSV - Bloß nicht den Anschluss verlieren

In Paris gab es für den BPRSV wieder einige paralympische Erfolge zu feiern. Das Fazit fällt dementsprechend positiv aus. Und trotzdem zeigten die Spiele, dass es auch für die Brandenburger Medaillenschmiede immer schwerer wird, den Anschluss zu halten.
Josia Topf und Maike Hausberger - so heißen die beiden Helden von Paris des Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportvereins (BPRSV). Radsportlerin Hausberger gewann bei den Paralympics im Zeitfahren jeweils Gold und Bronze, Schwimmer Topf nahm sogar ein gesamtes Medaillenset mit nach Hause: Er holte Gold über 150m Lagen, Silber über 50 Meter Rücken und Bronze über 50 Meter Freistil.
"Fünf Medaillen sind für uns eine tolle Ausbeute. Ich bin absolut zufrieden", bilanziert Ralf Paulo. Der Paralympische Stützpunktverantwortliche aus Brandenburg war selbst in Paris dabei und schwärmt immer noch von der Erfahrung. "Die Eindrücke waren teilweise überwältigend. Es waren extrem gut organisierte Spiele mit einem hohen Leistungsniveau", erklärt er.
Probleme mit Ansage
Das positive Fazit scheint erst einmal überraschend, schließlich fiel das Ergebnis der Brandenburger Para-Medaillenschmiede eigentlich wesentlich schlechter aus als noch bei den letzten Paralympics in Tokio. Dort hatte der BPRSV einen Erfolg nach dem anderen gefeiert und am Ende insgesamt doppelt so viele Medaillen geholt wie nun in Paris.
Dass die Verantwortlichen trotzdem zufrieden sind, liegt wohl vor allem daran, dass sie genau damit bereits gerechnet haben. "Wir hatten schon vorausgesagt, dass es nicht so einfach sein wird, das Ergebnis aus Tokio zu wiederholen. Und so ist es auch gekommen", erklärt Paulo.
Zum einen hätte bei den Spielen in Japan einfach alles gepasst, während nun viel Pech dabei gewesen wäre, sagt der Stützpunktverantwortliche. So hatte zum Beispiel Dressur-Reiterin Martina Benzinger ihren Start in Paris kurzfristig absagen müssen, nachdem ihre Stute überraschend verstorben war. Sie galt als sichere Medaillenkandidatin. Auch die Cottbuser Leichtathletin Frances Herrmann spielt sonst eigentlich immer oben mit, war nun aber kurz vor den Wettkämpfen erkrankt und wurde mit eingeschränktem Leistungsvermögen nur Fünfte.
Hinzu kamen zahlreiche vierte Plätze, bei denen BPRSV-Athletinnen und -Athleten teilweise nur haarscharf an einer Medaille vorbeischrammten. "Ein vierter Platz ist auch sehr gut und man gehört zur Weltspitze. Aber es gibt eben auch immer ein weinendes Auge, wenn man so knapp am Podium scheitert," sagt Paulo.
Weltspitze zieht davon
Zum anderen zeichnet sich seit einiger Zeit aber auch eine negative Entwicklung im deutschen Parasport ab, die auch vor den Brandenburgern keinen Halt macht. Der Anschluss an die Weltspitze scheint zunehmend verloren zu gehen. Wie schon 2021 reichte es für Deutschland mit einer Gesamtausbeute von 49 Medaillen auch in Paris nicht für einen Platz unter den Top-Ten der Nationen im Medaillenspiegel.
Selbst in den Paradedisziplinen wie Schwimmen, Radfahren und Leichtathletik ist die große Überlegenheit passé und andere Nationen sind mit einem Tempo auf dem Vormarsch, das hierzulande nicht mitgegangen werden kann. "Man merkt, dass Parasport weltweit immer mehr an Zulauf gewinnt und die Professionalität steigt. Dem müssen wir uns auch stellen. (...) Definitiv ist da die Finanzierung ein großes Thema", sagt Paulo.
Standortvorteil in Brandenburg
Wie brisant die finanzielle Situation ist, zeigte auch eine Ankündigung inmitten der Spiele. Karl Quade, der Chef de Mission des deutschen Teams, hatte bekanntgegeben, dass der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sich im kommenden Jahr von zehn der insgesamt 50 Trainer trennen müsse. Schuld daran sei eine Kürzung der Fördergelder im Bundeshaushalt für 2025.
"Das ist natürlich bitter und bringt für die Trainer - aber auch die Athleten - jede Menge Unsicherheiten mit. Sie wissen teilweise nicht, wie es im nächsten Jahr weitergeht. Und das hängt natürlich in den Gedanken schon mit drin, wenn man in Paris im Wettkampf steht", sagt Paulo.
Beim BPRSV sei man von solchen Kürzungen glücklicherweise noch verschont geblieben, erklärt der Stützpunktverantwortliche. Die Förderung des Landes Brandenburg sei äußerst gut und deutlich besser als an vielen anderen Standorten. Unter den strukturellen Problemen, die sich im Parasport durch die fehlenden Gelder ergeben, leidet man aber auch in Cottbus und Potsdam. "Unser großes Problem ist, dass Trainer auf dem Markt Mangelware sind. Wir suchen weiter händeringend Unterstützung", erklärt er. Auch die Nachwuchsförderung sei herausfordernd.
Paralympics im eigenen Land als große Chance
Hoffnung macht deshalb die avisierte deutsche Olympiabewerbung für das Jahr 2040. Darin sehen sowohl die Verantwortlichen im Brandenburger, aber auch im bundesweiten Parasport eine große Chance. "Ich gehe fest davon aus, dass dann wesentlich mehr in den Sport investiert wird, wir weiterkommen und größere Erfolge erzielen", sagt Paulo.
Dass das funktionieren kann, zeigt ein Blick auf andere Nationen, die Olympische und Paralympische Spiele ins eigene Land geholt haben. "Bei China war es 2008 extrem. Anfang der 2000er hat man von China im Parasport noch gar nichts gehört. Mittlerweile sind sie vollkommen überlegen und haben in Paris fast doppelt so viele Medaillen wie der Zweite geholt", sagt er. Auch Australien hat seinen Sportetat in Hinblick auf die Spiele in Brisbane 2032 für das kommende Jahr bereits verdoppelt.
Unabhängig davon will der BPRSV aber weiterhin mit den bestehenden Möglichkeiten alles tun, um weiter an der Weltspitze mitzuspielen. "Ich bin grundsätzlich Optimist und denke, dass wir weiterkommen", so Paulo. Und Josia Topf und Maike Hausberger haben gezeigt, dass Brandenburg an der paralympischen Weltspitze auch weiterhin ein Wörtchen mitzureden hat.
Sendung: Der Tag, 10.09.2024, 19:15 Uhr
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