Interview | Konzertveranstalter aus Berlin - "Wir haben mit der 3G-Regel keine Probleme"

Die Berliner Philharmoniker spielen in der Waldbühne, nachdem im vergangenen Jahr das traditionelle Konzert wegen der Pandemie ausgefallen war. Rund 6000 Zuschauer waren zugelassen. (Quelle: dpa/Christoph Gateau)
Audio: Inforadio | 20.08.2021 | Interview mit Peter Schwenkow | Bild: dpa/Christophe Gateau

Seit Freitag gilt in Berlin die sogenannte 3G-Regel: Nur Geimpfte, Genesene und Getestete können drinnen oder draußen Veranstaltungen besuchen. Wie die Branche und Besucher damit umgehen, erklärt der Berliner Konzertveranstalter Peter Schwenkow.

rbb: Herr Schwenkow, was findet derzeit statt?

Peter Schwenkow: Wir haben in der letzten Woche in London zwei ausverkaufte Indoor-Shows mit den Gorillas gehabt - mit hundert Prozent Kapazität. Das ist das, was in England derzeit möglich ist. Da geht derzeit alles. In Deutschland sind wir eingeschränkt - von Bundesland zu Bundesland, in der Schweiz von Kanton zu Kanton. In Skandinavien ist es mit kleineren Veranstaltungen teilweise gleich, mit größeren schwierig. Aber ich denke, wir sehen Licht am Ende des Tunnels.

Zur Person

Peter Schwenkow ist Chef der Deutschen Entertainment AG (DEAG) aus Berlin. Die Konzertagentur arbeitet national und international. In der Region richten sie die Potsdamer Schlösserbacht und das Konzert der Berliner Philharmonier in der Waldbühne aus.

Im Frühjahr haben Sie noch prophezeit: Wenn die Impfungen für alle zur Verfügung stehen, fliegen im Herbst die Korken aus der Champagnerflasche. Sind Sie schon dabei, den Draht aufzudrehen oder wird es doch noch nichts mit dem Korkenknallen?

Wir hatten am 26. Juni die Berliner Philharmoniker in der Berliner Waldbühne. Mit erhöhter Kapazität treten sie unter Kiril Petrenko nochmal am 26. August dort auf. Wenn wir bei dem Beispiel bleiben, wir haben jetzt mal ein Piccolo aufgemacht und die Reaktion ist überwiegend euphorisch und positiv.

Aber es ist absehbar, dass es im Frühjahr losgeht, wenn wir der Politik glauben und wir uns bei den Engländern bedanken, dass sie uns im Moment vormachen, wie das funktioniert: Alles ist offen und es gibt keine Inzidenz über 500, keine hohe Hospitalisierung und keine hohe Mortalitätsrate. Dann sieht es danach aus, dass die Champagnerflasche spätestens Weihnachten geköpft werden kann.

In unserer Region steht Freitag und Samstag eine Veranstaltung von Ihnen an, die Potsdamer Schlössernacht. Die findet als Modellversuch mit 12.500 Gästen statt, also mit der Hälfte der normalen Auslastung. Wie wird das 3G-Konzept angenommen?

Die Besucherinnen und Besucher nehmen diese Auflagen schneller und dankbarer an als diejenigen, die diese Auflagen im Moment erteilen. Wir haben keine Probleme. In der Regel sind 95 Prozent unserer Gäste vorbereitet. Sie haben auf dem Handy entweder den CovPass oder eine andere Bestätigung oder den gelben Impfpass. Sie haben die personalisierte Eintrittskarte. Die derzeitige Quote von Besucherinnen und Besuchern, denen wir helfen müssen, liegt in der Größenordnung zwischen fünf und sechs Prozent. Beispielsweise hat es einen Übertragungsfehler vom Impfpass aufs Handy gegeben. Die Leute haben Lust auf Veranstaltungen, bereiten sich vor und kommen zum Teil auch mal eine halbe oder eine dreiviertel Stunde früher.

Die Leute haben Lust auf Veranstaltungen, bereiten sich vor und kommen zum Teil auch mal eine halbe oder eine Dreiviertelstunde früher.

Peter Schwenkow, Chef der Deutschen Entertainment AG (DEAG) aus Berlin

Jens Michow, der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, hat gesagt, dass sich Großveranstaltungen mit den Abstandsregeln hierzulande nicht wirtschaftlich durchführen lassen. Er fordert deswegen keine Abstandsregeln und Einlass nur für Geimpfte und Genesene, also die 2G-Regel. Würden Sie da mitgehen?

Es kommt drauf an. Am Ende des Tages ist es nicht unsere Entscheidung. Es ist eine bundesweite Diskussion. Wir haben länderweit unterschiedliche Regelungen. In Baden-Württemberg gelten andere Regeln als in Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Schleswig-Holstein.

Die Entscheider befinden sich auf der regionalen oder der Bezirks-Ebene. Dem stellvertretenden Leiter des Gesundheitsamtes stellt sich beispielsweise die Frage, ob er eine 100-prozentige Kapazität freigeben kann oder nicht. Das ist ein Lernprozess, der für die Veranstalter zu lange dauert. Wir verschieben immer noch viel ins nächste Jahr. Aber dieser Prozess läuft parallel zur Erwartungshaltung der Besucher.

Wir haben jetzt die Potsdamer Schlössernacht. Das Areal ist 47 Hektar groß. Statt der 25.000 Besucher pro Tag haben wir 12.500 genehmigt bekommen. Aber die Leute müssen sich auch wohlfühlen und verstehen, dass wir auf sie aufpassen. Von daher ist meine These, dass es uns überhaupt nichts bringen würde, wenn wir die Mercedes-Benz-Arena plötzlich zu 100 Prozent mit 2- oder 3G-Regelung zur Verfügung hätten. Die Menschen sind einfach noch nicht so weit. Das braucht drei bis vier Monate, bis wir die tatsächlich ausverkaufen können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Peter Schwenkow führte Dörthe Nath, Inforadio.

Der Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung. Das komplette Gespräch können Sie im Audio-Player nachhören.

Sendung: Inforadio, 20.08.2021, 06:10 Uhr

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