Der Absacker - Das Berühren der Figüren durch Idioten ist verboten

Mi 21.10.20 | 18:55 Uhr
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Statue mit einem gebrochenen Flügel (Quelle: dpa)
Bild: dpa

Gerade jetzt sind Museumsbesuche so wertvoll wie nie zuvor. Umso unverständlicher, wenn selbsternannte Bilderstürmer Kulturschätze zerstören wollen, wie nun offenbar auf der Museumsinsel geschehen. Da fällt es Sebastian Schöbel schwer, einen fröhlichen Absacker zu liefern.

Nach meinem gestrigen Absacker meldete sich ein besorgtes Familienmitglied und fragte, ob alles in Ordnung sei, ich hätte so "rotzig" geschrieben. Da kommt man natürlich ins Grübeln: Rotzig passt so gar nicht zu dieser infektionsbelasteten Zeit. Am Ende lassen sie mich pandemiebedingt gar nichts mehr schreiben, weil meine Texte ansteckend sein könnten.

Aber wie soll man in diesen Tagen denn frohe Kunde verbreiten? Bei DIESEN Nachrichten!

Denn...

1. Was vom Tag bleibt

... sind Idioten. Überall nur Idioten.

Da wären natürlich die Schwachmaten, die sich auf der Museumsinsel am 3. Oktober an über 60 Exponaten vergangen haben: Sie spritzten im Pergamonmuseum, im Neuen Museum und der Alten Nationalgalerie eine ölige Flüssigkeit auf ägyptische Sarkophage, Steinskulpturen und Rahmen von Gemälden. Nun wird darüber spekuliert, ob es Anhänger des Verschwörungsideologen Attila Hildmann oder krawallsüchtige Jugendliche waren. Glaubt man Hildmanns irre Hetze auf seinem Telegram-Kanal (heute ganz besonders), wäre der ehemalige Kochbuchautor und Brausegetränkverkäufer vermutlich sogar stolz darauf, wenn seine Fans etwas damit zu tun hätten. Mit welcher Wahnhaftigkeit er sich die Zerstörung des Pergamonaltars ausmalt, hat er jedenfalls schon bewiesen - echte Hinweise auf die Täter gibt es bisher allerdings nicht.

Noch so ein Idiot bekommt es nun mit der Justiz zu tun: Ein 44-Jähriger soll im Mai besoffen nach einem Ehestreit sein Auto mit bis zu 150 Sachen durch Berlin gejagt haben. Er rammte einen Rollerfahrer und verletzte ihn schwer. Danach beging er Fahrerflucht. Nun sitzt er in Untersuchungshaft.

Dagegen kommt die Idiotie der Unbekannten, die heute mit Maschinenpistolen eine Sparkasse Berlin-Frohnau überfallen haben, fast erfrischend normal daher. Sie waren zu dritt, maskiert und entkamen hinterher mit einem Fluchtauto.

Die vielleicht einzige gute Nachricht des Tages lieferte ausgerechnet der BER: Hier können jetzt schon Staatsgäste aus aller Welt sowie die Mitglieder der Bundesregierung empfangen und verabschiedet werden, das Regierungsterminal wurde heute eröffnet. Die beiden ersten Gäste waren ein fiktiver Staatsgast und Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). Der fiktive Staatsgast bekam Salutschüsse und einen Eurofighter-Überflug.

2. Abschalten

Gerade haben wir uns noch über das Alkoholverbot nach 23 Uhr und das coronagetrübte Gruppen-Trink-Erlebnis allgemein geärgert, da schickt mir Absacker-Fan "Popelchen" eine wissenschaftlich fundierte Begründung für die Kneipenabstinenz, in Form eines Video-Tipps.

Dem folgenden Vortrag (unten) der beiden "Gasto-Virologen" Dr. Mathias Zeh und Dr. Rainer Schacht sollten umgehend drakonische Eindämmungsmassnahmen folgen. Nussschüsselquarantänepläne sind das Mindeste!

Warum tut der Senat nichts?

Steckt dahinter ein perfider Plan??

Nüsse kommen doch auch aus China!

Nuss-basierter Volksaustausch!!

...

Oh Gott, so schnell geht das... jetzt lassen sie mich bestimmt nicht mehr auf die Museumsinsel. Vorsichtsmaßnahme.

3. Und, wie geht's?

Als wollte er die Ansteckungsgefahr von allzu rotziger Absacker-Schreibe unterstreichen, hat uns Leser Sven eine ziemlich verschnupfte Email geschickt.

Sorry, dieses Format finde ich total überflüssig. Es ist eine Aneinanderreihung von Befindlichkeiten und Meinungen. Es findet keine intellektuelle Auseinandersetzung statt, die hilft, den Standpunkt zu verstehen oder neue Einsichten schaffen kann.

Was daran Journalismus ist, kann ich nicht erkennen. Warum dafür Steuergelder ausgegeben werden, verstehe ich nicht. Sowas bekommt man auf beliebigen Facebook Seiten kostenlos und umsonst.

Stimmt, wenn für den Absacker Steuergelder ausgegeben würden, wäre ich auch sauer. Es sind aber Rundfunkbeiträge*. Die sind zwar auch nicht kostenlos, aber wenigstens nicht umsonst. Denn für die bekommt man für seine Leserpost sogar eine Rechtschreib- und Grammatikkorrektur. Und ein Lächeln, weil wir uns über alle Leser*innen freuen - auch die grantigen.

Wollen auch Sie uns die Meinung geigen?

Hier erreichen Sie uns: absacker@rbb-online.de.

 

Kinderzeichnungen liegen auf einem Schreibtisch (Quelle: rbb/Sebastian Schöbel)
Bild: rbb/Sebastian Schöbel

4. Ein weites Feld...

So richtig sonnige Stimmung kam ja nun auch beim heutigen Absacker nicht auf.

Vielleicht drückt mir die Corona-Lage doch etwas aufs Gemüt. Mein Junior (5) bereitet nämlich gerade seine erste eigene Halloween-Party vor. Dafür bastelt er seit Tagen Deko: Skelette, Kürbisse, sogar spezielle Taler, die als Eintrittsticket verteilt werden sollen.

Jetzt müssen wir ihm vermutlich bald beibringen, dass das mit der Party wohl nichts wird, pandemiebedingt.

Wenn man dann noch jemanden ohne Maske in der vollen S-Bahn oder beim Einkaufen sieht, murmelt man vielleicht zu Recht vor sich hin: "Idiot."

Grummelnd,

Sebastian Schöbel

*Ich hatte zuerst "Rundfunkgebühren" geschrieben. Es sind aber natürlich Rundfunkbeiträge. Absacker-Leser Oliver hat mich freundlich darauf hingewiesen. Asche auf mein Haupt.

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