Ein Mann trägt eine Packung Toilettenpapier nach dem Einkauf in einem Supermarkt in Berlin nach Hause. (Quelle: imago images/E. Contini)
Bild: imago images/E. Contini

Hamsterkäufe auf Ebay - Das Geschäft mit der Corona-Angst

Klopapier, Atemmasken, Desinfektionsmittel: Auf Ebay und Amazon brummt das Geschäft mit Mangelartikeln, obwohl Großhändler etwa von FFP2-Masken Krankenhäuser nicht mehr beliefern. Gestoppt wird nur, wer mit dem Coronavirus wirbt. Von René Althammer

Sechs Rollen Toilettenpapier für 34 Euro, eine Atemschutzmaske für knapp 27 Euro: Auf Ebay machen momentan windige Geschäftemacher Kasse - mit allem, was gerade nicht zu kriegen ist. Auch mit Atemschutzmasken vom Typ FFP2, die in Krankenhäusern und Arztpraxen derzeit fehlen. Vor einigen Wochen gab es diese Masken noch in den Apotheken, dort kosteten sie zwischen drei und zehn Euro, wie eine Umfrage von rbb24 Recherche unter Berliner Apotheken ergab. Die Einkaufspreise für Apotheken schwankten dabei zwischen 1,40 Euro und fünf Euro, wie die Barmer Ersatzkasse auf Anfrage mitteilte.

"Coronavirus"-Angebote werden gelöscht

Nachfrage bei Ebay: Was macht das Unternehmen, um das Geschäft mit der Angst zu unterbinden? Die Pressestelle verweist auf die Grundsätze für Naturkatastrophen und tragische Ereignisse: Verboten werden Angebote, "mit denen Profit aus derartigen Vorkommnissen geschlagen werden soll." Außerdem gehe die Plattform derzeit "proaktiv, global und in großem Umfang gegen derartige Anbieter und die entsprechenden Angebote vor." Sogenannte Blockfilteralgorithmen sollen dafür sorgen, dass die Verwendung von Begriffen wie "Coronavirus" zur Produktwerbung eingeschränkt wird. Auch würden derartige Angebote in großem Umfang gelöscht.

Das scheint zu funktionieren, denn wer bei Ebay nach "Corona" sucht, landet bei der Biermarke oder Steampipes. Doch das Geschäft mit der Panik vor dem Virus wird dadurch nur bedingt eingeschränkt. In den USA ist man da schon weiter: Laut Ebay dürfte dort "aufgrund von regulatorischen Einschränkungen" mit bestimmten Schutzmasken und Desinfektionsmitteln bereits nicht mehr gehandelt werden.

Krankenhäuser: Atemschutzmasken nur für eine Schicht

Gerade bei Atemschutzmasken sollten sich Kunden genau überlegen, ob sie sich damit für teures Geld eindecken. Im klinischen Bereich dürfen Mitarbeiter FFP2-Masken derzeit maximal eine Schicht lang nutzen, danach besteht keine Sicherheit mehr. Zudem muss beim Umgang, also beim Auf- und Absetzen der Masken, darauf geachtet werden, dass Anhaftungen nicht von der Außenhaut in den Innenraum gelangen. Wer darin nicht geübt ist, riskiert, dass er den Virus im schlimmsten Fall direkt vor der Nase hat und rein gar nichts gewonnen ist. Der feucht-warme Innenraum der Maske ist für Viren nämlich ein perfektes Biotop.

Auch Großhändler verkaufen auf Ebay

Die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände e.V. (ABDA) hatte deshalb schon Anfang Februar vor Panikkäufen gewarnt. Gesunde sollten sich stattdessen die Hände waschen und desinfizieren und Abstand zu seinen Mitmenschen halten. Der bekannte Mund-Nasen-Schutz indes schützt zumindest andere Menschen vor dem Husten-Ausstoß Kranker.

Nichtsdestotrotz, das Geschäft blüht: Wer heute nach FFP2-Masken sucht, der bekommt bei Ebay 5.275 Angebote – darunter auch seriöse. Bei Amazon sollen es mehr als 10.000 sein. Was auffällt: Selbst Großanbieter nutzen diesen Markt. Und das, während Krankenhäuser und Arztpraxen händeringend Nachschub benötigen.

Was Sie jetzt wissen müssen

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie geschieht die Krankheitsübertragung?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

Beitrag von René Althammer

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

18 Kommentare

  1. 18.

    Vielleicht sollte der Staat über Lebensmittelmarken oder Gutscheine nachdenken. Und diese nur pro Haushalt vergeben. Auf denen dann aufgedruckt ist, dass nur noch jeder Haushalt eine Packung erhält. Damit würde vermieden , dass viele zweimal oder öfter einkaufen.

  2. 17.

    Atemmasken kann man sich notfalls aus Kaffeefiltertüten basteln. Die helfen wie die normalen Mundschutze überhaupt nicht gegen ankommende Coronaviren, blockieren aber die von einem selbst ausgehenden Tröpfchen in der Atemluft und lassen nur das Aroma durch.

    Ansonsten können sich die Älteren noch an ihre Weltkriegsübungen in der Schule erinnern und wie man damals aus Tempos und Muttis Nylons was für den Ernstfall geschaffen hat. Opa erzählt von '68...

  3. 16.

    Nachdem die Behörden unter anderem das Gesundheitsministerium mehr als 6 Wochen Zeit hatten ihren Winterschlaf zu beenden, nicht nur schön zu reden sondern etwas zu tun, helfen jetzt wohl nur noch drastische Maßnahmen gegen den Wildwuchs des Wuchers mit lebensnotwendiger Schutzausrüstung für das medizinische Personal: Betreffende Händler erfassen und deren Waren in Deutschland beschlagnahmen.

  4. 15.

    Das ist erst der Anfang der Talfahrt. Die Politiker konzentrieren sich nur auf die Fallzahlen. Die Fallzahlen in der Wirtschaft werden (noch immer) vernachlässigt und ich fürchte die Folgen da werden noch viel schlimmer werden. Wenn hier der Journalismus auch den FInger genauso in die Wunde legt, wie bei der Erkrankung, ist vielleicht noch was zu retten. Rechnen Sie doch mal die Zahlen auf, die in den "paar Tagen" schon absehbar sind.

    Auch ich habe Menschen aus der Risikogruppe im engeren Umkreis und möchte sie nicht verlieren, und dennoch muss man das Geschehen aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Von den Wirtschaftsexperten hört man noch nicht viel.

    Es ist sehr schwer, zu entscheiden. Beides sind Katastrophen.

  5. 14.

    Warum sollten sie? Die verdienen doch gut daran!
    Sprichwort: "Bei Geld hört die Freundschaft auf." und die Solidarität wohl auch.

  6. 13.

    Eine mengenmäßig beschränkte Warenausgabe pro Kopf kann nur funktionieren, wenn nicht alle (Groß-)Familienmitglieder nacheinander losgeschickt werden, damit dann jeder etwas ausgehändigt bekommt - dann kommen nämlich auch ziemliche Mengen zusammen...

    (ich wüsste gern, warum mein sinngemäß gleichklingender früherer Kommentar mal wieder nicht veröffentlicht wurde)

  7. 11.

    Eine kluge Hausfrau hat immer eine gute Idee. Weder bei NORMA noch bei ALDI war heute hier das begehrte Papier zu bekommen. Gestern bei NETTO nur vormittags. Bald ist ja wieder Laub an den Bäumen.

  8. 10.

    Was spricht denn dagegen, daß Jeder, der solche "Angebote" findet, über die bekannten Portale der Rechtsorgane zur Internetkriminalität zur Anzeige zu bringen? Immerhin haben wir den bekannten Paragraphen 291 im Strafgesetzbuch, der sich mit Wucher beschäftigt.

    Ich zitiere mal Absatz 2:
    "(2) 1In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. 2Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

    1. durch die Tat den anderen in wirtschaftliche Not bringt,
    2. die Tat gewerbsmäßig begeht,
    3. sich durch Wechsel wucherische Vermögensvorteile versprechen läßt."
    Urteile im Schnellverfahren dürften sich auch schnell herumsprechen.

  9. 9.

    Wenn der Staat nicht n der Lage ist, bzw. sein will, hier einen Riegel vor zu schieben, besser noch solche Typen gleich zu Hilfsaktionen in Krankenhäusern o.ä. zu verknacken, wird die Panik in der Bevölkerung sicher immer größer.

  10. 8.

    Amazone und Ebay sind in der Pflicht, den Riegel vorzuschieben, da sowas auf deren Plattformen betrieben wird.

  11. 7.

    Wer zu Wucherpreisen verkauft, bei dem sollten die Waren konfiziert werden. Aber das ist Kapitalismus - Angebot und Nachfrage. So lange es Menschen gibt, bei denen es heißt: Jeder ist sich selbst der Nächste, wird es so etwas geben.
    So etwas nennt sich Egoismus.

  12. 6.

    An alle, die hamstern, das ist vollkommen unnötig.
    Und in speziell dieser Situation vor allem höchst asozial.

  13. 5.

    Politiker sollen endlich ihre Arbeit machen und Klopapier, Atemmasken und Desinfektionsmittel rationieren!

  14. 4.

    Warum unterbindet der deutsche Staat diesen Handel nicht rigoros. Er braucht doch nur diese "Handelsplattformen" per Dekret dazu verpflichten. Haben wir eine nie dagewesene Ausnahmesituation oder nicht!!! Appele zum freiwilligen Handeln nutzen nichts!

  15. 3.

    Einfach mal Toilettenpapier eingeben bei Ebaykleinanzeigen, dann erscheinen etliche Seiten wo Ra...n in der Not ein Geschäft machen wollen.

  16. 2.

    Wer den Quatsch kauft ist selber Schuld! Sowas braucht im privaten Bereich niemand.

  17. 1.

    Habe von prima Mittel gegen Hamsterkäufe gelesen:
    Nur ein Paket zum normalen Preis, alle weiteren 30x teurer. Da lohnt es sich nicht mehr

Das könnte Sie auch interessieren

Robert-Koch-Institut in Berlin
dpa

Corona-Krise - So arbeitet das Robert-Koch-Institut

Das Robert-Koch-Institut steht in der Corona-Krise im Rampenlicht wie nie zuvor. Auch die Bundesregierung lässt sich von den Experten des Instituts in Berlin beraten. Aber was ist das RKI eigentlich und wie arbeitet es? Guido Ringel hat es sich erklären lassen.

Asiatsich Menschen in Berlin (Quelle: imago.images/Frank Sorge)
imago.images/Frank Sorge

Corona-Krise - Mehr Anfeindungen gegen asiatische Community registriert

Der Verein Korientation berichtet von einer starken Zunahme rassistischer Anfeindungen gegen die asiatische Community in der Corona-Krise. Selbst die südkoreanische Botschaft ist besorgt und versucht, Betroffene gegen stärkeren Rassismus zu wappnen. Von Sigrid Hoff