Keine Übersterblichkeit in Berlin und Brandenburg
Bild: rbb|24

Vorläufige Bilanz bis Anfang Mai - Keine Übersterblichkeit durch Corona in Berlin und Brandenburg

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass weder Berlin noch Brandenburg aufgrund des Corona-Virus mehr Tote als in den vergangenen Jahren verzeichnet. Das spricht vor allem wohl für und nicht gegen die Maßnahmen. Von Haluka Maier-Borst

169 Tote in Brandenburg, 200 Tote in Berlin. Die offiziellen Zahlen des Berliner Senats und des Brandenburger Gesundheitsministeriums zeigten bisher, dass die Region verhältnismäßig glimpflich durch die Krise gekommen ist. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum Jahresanfang bis Anfang Mai untermauern nun diese vorläufige Bilanz. Und sie deuten darauf hin, dass wohl auch die Nebenwirkungen der Maßnahmen bisher gering sind, zumindest wenn es um Tote geht. Das legen die Zahlen zur sogenannten Übersterblichkeit nahe.

Von Übersterblichkeit spricht man, wenn in einem Zeitraum mehr Menschen sterben als aufgrund der Vorjahre zu erwarten wäre. Die Gründe dafür können vielschichtig sein. Es kann sein, dass mehr Menschen sterben, weil sie an einem tödlichen Erreger erkranken wie dem Corona-Virus. Es kann aber auch sein, dass die Krankenhäuser überlastet sind und Patienten mit anderen Erkrankungen nicht die optimale Versorgung bekommen. Und es kann auch sein, dass mehr Menschen sterben, weil sie zum Beispiel aus Angst vor einer Ansteckung nicht in Krankenhäuser gehen. Das war zum Beispiel die Sorge einiger Kardiologen in Berlin, weil Patienten mit Herzinfarkt- oder Schlaganfallsymptomen seltener als sonst zu Kliniken kamen.

Die aktuellen Statistiken zeigen jedoch derzeit keine messbare Veränderung, die auf das eine oder auf das andere hindeuten könnte. Zwar gab es zum Beispiel mit dem Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann einen Ausbruch, der zu vielen Toten führte. Doch statistisch gesehen sind die Zahlen für Brandenburg unauffällig.

In Berlin kann man ebenfalls zu keinem Zeitpunkt dieses Jahres von einer Übersterblichkeit sprechen. In der Kalenderwoche 19 (04.05. bis 10.05.2020) lag die Sterblichkeit sogar unter dem Niveau der Vorjahre. Allerdings muss beachtet werden, dass Nachmeldungen womöglich die Todeszahlen noch nach oben korrigieren könnten.

Bundesweit dagegen sieht die Lage anders aus. Deutschland hat zwar keine massive Übersterblichkeit zu verzeichnen, doch im April lag die Sterblichkeit zeitweilig um 13 Prozent über dem Niveau der Vorjahre, wie das Statistische Bundesamt schreibt [destatis.de]. Das ist zwar nach dem Beginn der Kontaktverbote, erklärt sich aber unter anderem damit, dass zwischen Beginn der Erkrankung und einem etwaigen Todesfall meist mehrere Wochen liegen.

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland jedoch zu den Ländern mit geringerer Sterblichkeit. Italien verzeichnete sogar eine um 49 Prozent erhöhte Sterbefallzahl für den März 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019, schreibt das Statische Bundesamt in Deutschland.

Auch Schweden, das immer wieder als Beispiel für eine weniger restriktive Maßnahmenpolitik angeführt wurde, hat eine deutlich höhere Übersterblichkeit. So lag die Sterblichkeit zeitweilig um 47 Prozent über dem Niveau der Jahre 2015 bis 2019 [scb.se]

Eine erste wissenschaftliche Studie von Forschern vom Karolinska Institut in Stockholm und dem Max Planck Institut für Demographie in Rostock zeigt, dass vor allem die Alten davon betroffen sind [medrxiv.org]. So schreiben Karin Modig und Marcus Ebeling in ihrer Vorveröffentlichung, dass im April schwedische Männer und Frauen insgesamt eine deutlich erhöhte Sterblichkeit zeigten, aber insbesondere davon betroffen die Menschen jenseits der 60 gewesen seien. Auch der schwedische Chef-Epidemiologe Anders Tegnell räumte inzwischen gegenüber dem schwedischen Rundfunk ein [sverigesradio.se], dass strengere Maßnahmen wohl notwendig gewesen wären.

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25 Kommentare

  1. 25.

    Die Statistiken zeigen, dass der Lockdown unterstützend dabei wirkte, die Infektionskurve und damit die Übersterblichkeit zu verflachen, und in der Großstadt Berlin sogar zu vermeiden.

    Der Vergleich mit Schweden ist erst zielführend wenn, und das wird noch dauern, die Pandemie global abgeklungen ist. Denn erst dann werden wir ablesen können, ob der schwedische Weg nur das Erkranken und ggf. auch Sterben auf einen kürzeren Zeitraum verdichtet hat, und europäische Länder mit hartem Lockdown das Ganze nur in die Länge ziehen, mit schwerwiegenden Schäden wirtschaftlicher und sozialer Art, oder ob der harte Lockdown wirklich ein "Mehr" an Gesundheit und Überleben in toto gebracht hat.
    Taiwan hat gezeigt wie man die Sterberate minimal hält ohne Lockdown: durch vielfältige koordinierte frühe Maßgaben, strikte Grenzkontrollen, und vor allem konsequentes sehr schnelles Einzelfall- und Umfeldmonitoring ab dem ersten Fall

  2. 24.

    Und wieder ein Bericht aus den Bundesministerium. Wo ist der investigative Journalismus? Wo sind Fakten, die untermauert sind und nicht könnte, vielleicht usw. Der R Wert war bereits vorm LockDown bei 1, ebenso der Höchste Neuinfektionsstand( Quelle RKI ), Impfung - sollen jetzt alle 5 Jahre mit Masken und Abstand leben? Wie hoch soll die Suizid Rate werden? In USA hat sie sich mehr als verzehnfacht! Denkt mal über folgenden Satz nach : Man muss die Bevölkerung vor einer Infektion schützen, aber jeder muss erst infiziert sein, um Schutz zu haben! Auch eine Influenza Schutzimpfung bietet nur zu etwa 60 % Schutz der geimpften. D.h. eine Impfung bietet nie 100% Schutz, der aber als Immunitätsnachweis gefordert wird. In den Aussagen der Regierung sind sehr viele Widersprüche. Nur durch die verbreitete Panik übersehen dies viele.

  3. 23.

    Leider müssen wir noch ca. 9 Monate so weiter vegetieren. Bis es einen Impfstoff gibt. Denn das ist das Ziel aller Regierungen, außer Schweden und einigen anderen Ländern, in denen es ganz andere Probleme gibt. Die sind bald durch und haben Antikörper gebildet.

  4. 22.

    Eine neutrale Darstellung von Fakten ist etwas anderes. Leider muss man auch beim RBB immer häufiger darauf verzichten und bekommt stattdessen die persönliche Meinung irgendwelcher Reporter präsentiert.... gern auch ohne dies im Artikel oder Bericht kenntlich zu machen.

  5. 21.

    Man hätte die Verantwortung viel stärker an die Bürger geben müssen.
    Viele sagen jetzt: Na wenn's wieder schlimmer wird, kann Merkel wieder alles zumachen.
    Beim Dreck haben Sie übrigens recht:
    Wenn ich sehe, wie nach der Panik jetzt schon wieder Toiletten usw. aussehen.
    Vor den Läden 5x Security mit Gummihandschuhen, aber nicht in der Lage, Griffe zu desinfizieren.
    Überall nur Scheinmaßnahmen.
    Übrigens bekommen wir bald eine Handkrise.
    Viele haben schon augescheuerte und wunde Hände, die für Keime zugänglich sind, weil sie sich sinnloserweise mit Keimdesinfektion einreiben.
    Waschen mit Fiit oder Duschbad würde hier reichen.

  6. 19.

    Mit "vernünftig" meinte ich definitiv nicht "panisch"... ok, ich bin auch jemand, der lieber keine S-Bahn fährt, oder in Gummihandschuhen mit Schuhüberziehern, und danach einen Waschzwang entwickelt... aber das hat NICHTS, aber auch gar nichts mit Corona und Schnuppen oder so zu tun, das ist dem DRECK geschuldet. Bah. Also nochmal, vernünftig heisst, dass man auch ohne unsinnige Verordnungen wie Betretungsverbot oder Niedersitzverbot allein auf Parkbänken gewillt ist, sich und andere vor Ansteckungen mit was auch immer zu schützen durch gesunden Abstand (immer, nicht nur bei Corona!), durch Hygiene, also Händewaschen etc, Anstand (beim Rumhusten) und Sauberkeit (Ladenbesitzer, ich meine Eure Einkaufswagen! BVG, ich meine Eure Haltestangen!). Dazu hätte es keine Polizeieinsätze geben müssen, keine MaskenPFLICHT, ganz viel Mist wäre uns erspart geblieben, wenn ALLE vernünftig gewesen wären.
    Aber für die 5% Blödmänner machen wir ja gerne einen kompletten Lockdown mit Quarantäne!

  7. 18.

    Schön dass ich hiermit bestätigt werde, was ich schon vor 2 Monaten hier in einem der Kommentare hinterlassen hatte.
    Es gibt und wird keine Übersterblichkeit wegen Corona geben, wer mit sowas noch argumentiert, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
    Ich denke man hatte sich viel zu sehr auf die 3-4 Hotspots in der Welt konzentriert und dort alle Horror Bilder heraus posaunt, dies überhaupt nur zu haben gab.
    Damit hat man leider der Weltbevölkerung keinen Gefallen getan, sondern einen Angst Virus injiziert, der uns noch schwer zu schaffen machen wird.

  8. 17.

    Wenn das "für" die Maßnahmen spricht, dann spricht die Übersterblichkeit deutschlandweit - die gibt es nämlich! - gegen (!) die Maßnahmen (= Grundrechtseinschränkungen). Abgesehen davon gibt es mehr als Leben und Tod. Es gibt ein Leben und ein Dahinvegetieren. Die Grundgesetzeinschränkungen dürfen nicht nur nach 1 Kriterium beurteilt werden. Das scheint dem/der Autor/in nicht klar zu sein. Jedem Juristen und Demokraten sollte es aber klar sein.

  9. 16.

    Der Text ist zu lang :
    Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, ich werde jetzt ein halbes Jahrhundert und habe noch gelernt, daß Artikel von persönlichen Meinungen getrennt werden und kenntlich gemacht werden. Nun steht der Bericht unter Panorama unter Ihrem Namen, da kann man vermuten, dass Ihre Meinung enthalten ist, dies dürfte jedoch nicht allen Lesern klar sein. Wie in der ARD :Zu den Entscheidungen jetzt Tina Hassel aus Berlin... Früher hätte es geheißen :ein KOMMENTAR von Tina Hassel!

  10. 15.

    Hallo Haluka,

    das ist aber schön, dass der rbb wieder vieles an Rückmeldungen veröffentlicht und ich zudem eine persönliche Rückmeldung bzw. Frage erhalte.
    Ich meinte die blauen und ockergelben Linien in der Grafik : Wenn man diese loslöst und etwas nach links verschiebt, dann sind die Spitzen und Tiefs innerhalb des grauen Hintergrundbereiches, also innerhalb der Durchschnittsraten. Und diese "Spielerei" sei durchaus erlaubt, weil durch den Lockdown sind die Menschen (so blöd sich das liest) später gestorben. Und die ganzen Meldungen und Fallzahlen trudeln auch mit Verspätung ein (in dieser Krise arbeiten die Gesundheitsämter eben am Wochenende nicht).

  11. 14.

    Vernünftig?
    Bei 85% der Bevölkerung sind kollektiv die Sicherungen durchgebrannt.
    Ich komme gerade von draußen, und in den Cafés terrorisieren sich die Leute mit ihren Corona-Analysen und ihren Ideen.
    Wo sie welche Desinfektionsspender anbringen und in welcher Höhe.
    Wieviel Minuten Corona auf Ruccola überlebt.
    Ob Pilze Vorerkrankungen sind usw.
    Leute fahren mit Gummihandschuhen und Fuß-Überziehern S-Bahn.
    Also irgendwann ist auch mal gut jetzt.

  12. 13.

    Schon klar. Kein "Viruloge" weiß was. Aber die Virologen schon. Vielleicht sehen Sie dort mal nach. Vielleicht wissen die sogar mehr als Sie. Immerhin beschäftigen die sich schon sehr lange und sehr intensiv mit Viren und Infektionen. Falls die Virologen dann aber tatsächlich nichts wissen, haben wir ja noch Sie.

    Sie schreiben: "Die Lockdown-Gegner haben übrigens nur die Schärfe kritisiert. Keiner hat gesagt, dass bei Abstand die Viren erst recht springen, weil sie Entfernungen mögen oder so." Wer hat das "den" Lockdown-Gegnern denn untergeschoben? Sie grenzen sich von etwas ab, was nie stattfand.

  13. 12.

    Sehr gute Nachrichten. Da sind uns dann wohl doch nicht so viele Fälle durchs Testraster gerutscht. Das macht echt Hoffnung.

  14. 11.

    Hallo Peter,

    ich glaube, Sie verwechseln da was. Was wir zeigen, sind nicht die Fallzahlen sondern die Totenzahlen und die verschieben sich nach rechts aufgrund des Verlaufs der Krankheit. Nicht weil ich an der Achse rumgespielt habe.

    Wenn Sie meinen, dass die hohen Totenzahlen nach dem Lockdown einfach später kommen, dann haben Sie Recht, falls man alle Maßnahmen fallen lässt. Das ist aber nicht der Fall. Wir hatten das vor ein paar Wochen hier erklärt. https://www.rbb24.de/panorama/thema/2020/coronavirus/beitraege_neu/2020/04/modellrechnungen-epidemie-corona-massnahmen-nach-lockdown.html

    Zuletzt zur Meinung: Das Statistische Bundesamt schreibt, dass die Übersterblichkeit abnimmt. Ferner schreibe ich, dass eine Übersterblichkeit nicht gleichzusetzen ist mit "Starben alle an X". Sondern eben möglicherweise durch die Nebenwirkungen von X. Und ich linke zu Artikeln anderer Medien. Insofern verstehe ich den Vorwurf, dass das nur meine Meinung sei, nicht. Könnten Sie das erklären?

  15. 10.

    Kein Viruloge weiß was, und im rbb ließt man, die Maßnahmen waren so gut.
    Das ist mindestens etwas voreilig analysiert.
    Die Grafiken habe ich ja auch gelobt, weil man sie leicht verstehen kann. Solche Zeichnungen würde man sich manchmal bei Merkel wünschen.
    Die Lockdown-Gegner haben übrigens nur die Schärfe kritisiert.
    Keiner hat gesagt, dass bei Abstand die Viren erst recht springen, weil sie Entfernungen mögen oder so.
    Aber meine Strichpunkte sind ja nicht von der Hand zu weisen.
    Bitte sagen Sie mir, wo ich falsch liege.

  16. 9.

    Zitat: "Vielleicht war aber alles nur ein Fehlarlarm?
    Ist das wirklich ausgeschlossen?"

    Ja, das ist ausgeschlossen, Bernhard! Schauen Sie sich die Daten und Bilder aus bspw. (Nord-) Italien, New York, GB oder Brasilien an. Das dürfte Sie von Ihrer Vermutung kurrieren. Und mal anbei bemerkt, im "Vorzeigeland" Schweden liegt die Covid-19 bedingte Sterblichkeitsrate prozentual gerechnet 4 x so hoch wie in Deutschland.

  17. 8.

    Schweden hatte offensichtlich die Altenpflege vergessen und dank des mangelhaften Arbeitsschutz und der grassierenden prekären Beschäftigungsverhältnisse im Pflegebereich, musste dort die Sterblichkeit höher sein. Der Rest der Welt steht zum teil noch an der Startlinie des Corona-Marathons, wo am Ziel ein Medikament oder eine "Herdenimmunität" stehen wird.

  18. 7.

    Und die, die jetzt vorzeitig verstarben, fehlen nächstens, denn jeder stirbt nur ein Mal. Wer Mundschutz trägt und Hände wäscht kriegt auch keine Grippe oder Magendarm.

    Am Schluss hatten wir Glück und es zeigte keine statistisch relevanten Auswirkungen.

    Die meisten von uns waren aber auch liebenswerter Weise sehr vernünftig.

  19. 6.

    Ich glaube, das es dieses Jahr durch die Coronamaßnahmen weniger Grippetote gegeben hat und das sich die Gesamttodeszahlen dadurch ausgleichen.

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