Vorläufige Bilanz bis Anfang Mai - Keine Übersterblichkeit durch Corona in Berlin und Brandenburg

Fr 05.06.20 | 17:44 Uhr
Keine Übersterblichkeit in Berlin und Brandenburg
Bild: rbb|24

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass weder Berlin noch Brandenburg aufgrund des Corona-Virus mehr Tote als in den vergangenen Jahren verzeichnet. Das spricht vor allem wohl für und nicht gegen die Maßnahmen. Von Haluka Maier-Borst

169 Tote in Brandenburg, 200 Tote in Berlin. Die offiziellen Zahlen des Berliner Senats und des Brandenburger Gesundheitsministeriums zeigten bisher, dass die Region verhältnismäßig glimpflich durch die Krise gekommen ist. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum Jahresanfang bis Anfang Mai untermauern nun diese vorläufige Bilanz. Und sie deuten darauf hin, dass wohl auch die Nebenwirkungen der Maßnahmen bisher gering sind, zumindest wenn es um Tote geht. Das legen die Zahlen zur sogenannten Übersterblichkeit nahe.

Von Übersterblichkeit spricht man, wenn in einem Zeitraum mehr Menschen sterben als aufgrund der Vorjahre zu erwarten wäre. Die Gründe dafür können vielschichtig sein. Es kann sein, dass mehr Menschen sterben, weil sie an einem tödlichen Erreger erkranken wie dem Corona-Virus. Es kann aber auch sein, dass die Krankenhäuser überlastet sind und Patienten mit anderen Erkrankungen nicht die optimale Versorgung bekommen. Und es kann auch sein, dass mehr Menschen sterben, weil sie zum Beispiel aus Angst vor einer Ansteckung nicht in Krankenhäuser gehen. Das war zum Beispiel die Sorge einiger Kardiologen in Berlin, weil Patienten mit Herzinfarkt- oder Schlaganfallsymptomen seltener als sonst zu Kliniken kamen.

Die aktuellen Statistiken zeigen jedoch derzeit keine messbare Veränderung, die auf das eine oder auf das andere hindeuten könnte. Zwar gab es zum Beispiel mit dem Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann einen Ausbruch, der zu vielen Toten führte. Doch statistisch gesehen sind die Zahlen für Brandenburg unauffällig.

In Berlin kann man ebenfalls zu keinem Zeitpunkt dieses Jahres von einer Übersterblichkeit sprechen. In der Kalenderwoche 19 (04.05. bis 10.05.2020) lag die Sterblichkeit sogar unter dem Niveau der Vorjahre. Allerdings muss beachtet werden, dass Nachmeldungen womöglich die Todeszahlen noch nach oben korrigieren könnten.

Bundesweit dagegen sieht die Lage anders aus. Deutschland hat zwar keine massive Übersterblichkeit zu verzeichnen, doch im April lag die Sterblichkeit zeitweilig um 13 Prozent über dem Niveau der Vorjahre, wie das Statistische Bundesamt schreibt [destatis.de]. Das ist zwar nach dem Beginn der Kontaktverbote, erklärt sich aber unter anderem damit, dass zwischen Beginn der Erkrankung und einem etwaigen Todesfall meist mehrere Wochen liegen.

Im europäischen Vergleich gehört Deutschland jedoch zu den Ländern mit geringerer Sterblichkeit. Italien verzeichnete sogar eine um 49 Prozent erhöhte Sterbefallzahl für den März 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019, schreibt das Statische Bundesamt in Deutschland.

Auch Schweden, das immer wieder als Beispiel für eine weniger restriktive Maßnahmenpolitik angeführt wurde, hat eine deutlich höhere Übersterblichkeit. So lag die Sterblichkeit zeitweilig um 47 Prozent über dem Niveau der Jahre 2015 bis 2019 [scb.se]

Eine erste wissenschaftliche Studie von Forschern vom Karolinska Institut in Stockholm und dem Max Planck Institut für Demographie in Rostock zeigt, dass vor allem die Alten davon betroffen sind [medrxiv.org]. So schreiben Karin Modig und Marcus Ebeling in ihrer Vorveröffentlichung, dass im April schwedische Männer und Frauen insgesamt eine deutlich erhöhte Sterblichkeit zeigten, aber insbesondere davon betroffen die Menschen jenseits der 60 gewesen seien. Auch der schwedische Chef-Epidemiologe Anders Tegnell räumte inzwischen gegenüber dem schwedischen Rundfunk ein [sverigesradio.se], dass strengere Maßnahmen wohl notwendig gewesen wären.

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