Personen warten im Impfzentrum Cottbus auf ihre Schutzimpfung gegen Covid-19. (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 12.01.2021 | Stephanie Teistler | Bild: dpa/Patrick Pleul

Probleme bei Terminen und Transporten - Kritik am Brandenburger Impftempo wächst

Probleme beim Erreichen der Termin-Hotline und der Impfzentren: Nur in Sachsen und Thüringen ist die Impfquote geringer als in Brandenburg. Bei den Pflegeheimen ist die Mark sogar Schlusslicht. Nun regt sich Kritik an der Impfstrategie, quer durch die Fraktionen.

Die Kritik am schleppenden Impfbeginn in Brandenburg nimmt zu - auch innerhalb der Kenia-Koalition. "Der Impfstart ist sehr holprig in Brandenburg verlaufen, gerade auch im Vergleich mit anderen Bundesländern", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Jan Redmann, am Dienstag in Potsdam. Er warb dafür, auch Corona-Schwerpunkt-Kliniken stärker mit einzubeziehen und angeschlossene Pflegeheime mitzuimpfen.

Schlusslicht in den Pflegeheimen

Auch SPD-Fraktionschef Erik Stohn sagte, Krankenhäuser sollten verstärkt einbezogen und mobile Impfteams verstärkt werden. "Hier ist natürlich der Impfstoff der limitierende Faktor." Er hege große Erwartungen an einen für Mittwoch geplanten Impfgipfel von Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) mit den Landräten.

Stohn forderte ein Impfzentrum in jedem Landkreis. Bis Anfang Februar sind elf Impfzentren geplant - in der Hälfte der 14 Kreise sowie in den vier kreisfreien Städten. Brandenburg lag bei Impfungen pro 1.000 Einwohner am Dienstag mit 6,0 an drittletzter Stelle hinter Sachsen und Thüringen, wie aus Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Bei der Impfung von Pflegeheimbewohnern ist Brandenburg Schlusslicht.

Forderung nach besserem Transport zu Impfzentren

Nonnemacher hatte am Montag um Verständnis geworben. Sie verwies darauf, dass die Impfkapazitäten Schritt für Schritt ausgebaut würden und der Impfstoff das Tempo vorgebe. Am Dienstag sollte nach dem Präparat von Biontech und Pfizer erstmals Vakzin des Anbieters Moderna nach Brandenburg geliefert werden. Das Land hat bisher 58.500 Impfstoffdosen von Biontech/Pfizer erhalten. Bis zum 16. Februar sollen es laut Bundesgesundheitsministerium insgesamt 156.000 Impfstoffdosen sein.

Linksfraktionschef Sebastian Walter forderte eine Änderung des Konzepts, sonst werde "die Impfstrategie scheitern und das Impfchaos" weitergehen. Er schlug vor, wohnortnahe Impfungen und Transporte zu organisieren und mit den Kommunen Risikogruppen anzuschreiben. Einige Städte wie Potsdam und Templin schrieben sie bereits von sich aus an. Freie-Wähler-Fraktionschef Péter Vida verlangte, die Kapazitäten mobiler Impfteams für die Pflegeheime aufzustocken. Auch er mahnte, den Transport zu Impfzentren zu erleichtern.

Am Montag hatte in Schönefeld (Dahme-Spreewald) am Terminal 5 des Flughafens BER das dritte Corona-Impfzentrum in Brandenburg eröffnet - nach Cottbus und Potsdam. Allerdings können derzeit in den Impfzentren nur wenige Termine und die auch nur für die nächsten drei Wochen vergeben werden. Grund sei die Impfstoff-Knappheit, teilte das Gesundheitsministerium am Montag mit. Zugleich fänden aber immer mehr Impfungen durch mobile Teams in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern statt, hieß es.

Impf-Aufklärung statt -Pflicht

Der Vorschlag des bayerischen Regierungschef Markus Söder (CSU) nach Prüfung einer Impfpflicht für Pflegekräfte in Heimen stößt in Brandenburg dennoch auf Ablehnung quer durch alle Fraktionen. "Eine Impflicht darf es nicht geben", sagte Nonnemacher. "Unsere Aufgabe ist es, für die Corona-Schutzimpfung zu werben, über die Vorteile zu informieren und Fragen zu Impfstoffen und Nebenwirkungen transparent zu beantworten."

Auch CDU-Fraktionschef Redmann forderte mehr Aufklärung. "Nach meiner Kenntnis macht es einen erheblichen Unterschied, ob die Pflegekräfte vorher informiert wurden über die Impfstoffe - das erhöht die Impfbereitschaft um zweistellige Prozentwerte", sagte Redmann. Auch die anderen Fraktionen zeigten bei dem Thema Einigkeit und sprachen sich gegen eine Impfpflicht aus. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Hans-Christoph Berndt etwa sagte, er sehe - auch angesichts einer kurzen Entwicklungszeit - Risiken beim Impfen gegen Corona.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe Nordost verwahrte sich dagegen, dass nur wenige Pflegekräfte bereit zur Impfung seien und verantwortlich gemacht würden für den holprigen Start der Impfkampagne.

Barnim überschreitet 200er-Inzidenzwert

Die Gesundheitsämter in Brandenburg meldeten derweil am Dienstag 729 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages, etwas weniger als eine Woche zuvor. 55 Menschen starben infolge einer Corona-Erkrankung. Besonders kritisch bleibt die Lage im Kreis Elbe-Elster mit einem Wert von rund 536 neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche.

Der Kreis Barnim überschritt den Wert von 200 und kündigte schärfere Maßnahmen an: Künftig sind dort Versammlungen verboten, Sport und touristische Ausflüge sind nur in einem Radius von 15 Kilometern um die Landkreisgrenze erlaubt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 12.01.2021, 19:30 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

15 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 15.

    Also Herr Spahn und noch viele andere Redner,haben sich heute in der Bundestagsdebatte für den erfolgreichen Start der Impf Kampagne und noch für andere Maßnahmen gefeiert...hmmm
    Mal schauen,was der Bundestag morgen so informatives beschließt,bzw. debattiert.

  2. 14.

    Die Unfähigkeit ist gar nicht mal das Problem. Auch als Politiker muss man nicht alles können. Man muss sich nur eingestehen, dass das so ist. Dann muss man erkennen, ob man einen potentiellen Krisenmanager im Stab hat. Wenn nicht muss man den einkaufen. Auch Verwaltungsangestellte und -Beamte müssen nicht zwingend krisengeeignet sein, brauchen aber jemand der sie da ergebnisorientiert durchleitet. o.g. Krisenmanager.
    1997 Stolpe sagt: Platzeck du hast was technisches studiert, ich bin Jurist und hab davon keine Ahnung. Du organisierst die Hochwasserbekämpfung und holst dir die Unterstützung die du brauchst. Wenn der Helmut Kohl Wahlkampf an der Oder machen will, lass ihn machen. Hauptsache er schickt uns die Hilfe die wir brauchen. Dann haben die Bundeswehr, die lokalen Katastrophenschützer und die Bürger gezeigt, was sie drauf haben, wenn man sie lässt.
    So in etwa stell ich mir vor ist es gelaufen.

  3. 13.

    Mein Mann hat einen Termin, ich fahre ihn hin und betreue ihn. Anstatt man mich gleich mit impft, hab es versucht, nichts zu machen (bin noch nicht 80). Meine Mutter die 84 ist , will sich nicht impfen lassen. Diejenigen die ein Impfrecht haben wollen nicht und die die wollen dürfen nicht. Das ist in meinem Bekanntenkreis ganz oft so. Auch deshalb kommen wir nur schleppend voran.



  4. 12.

    Hauptsache es wurden die ersten Impfungen Medienwirksam durchgeführt und dann begann das Chaos. In anderen Ländern klappt es doch auch z.B.Israel Dänemark nur bei uns herscht das Chaos vor weil wir unfähige Politiker haben die nicht mehr vertrauenswürdig sind.

  5. 11.

    Seit Anfang November wurden die Impfzentren angeblich aufgebaut und nach den Pressemitteilungen waren diese seit Mitte Dezember einsatzbereit. Das was sie schildern und auch andere, zeigt, dass die Aussagen im November und Dezember von Frau Nonnenmacher wohl nicht ganz der Wahrheit entsprachen. Die Verantwortung dafür trägt natürlich niemand

  6. 10.

    Warum ist wohl das Land Brandenburg schon wieder Letzter und bleibt Letzter? Haben wir nicht Besseres verdient?
    Und warum blockiert Frau Nonnemacher (Grüne) die Online-Terminvergabe?

  7. 9.

    Vom Hotlinechaos einmal abgesehen, die widersprüchlichen Meldungen sind nicht vertrauensfördernd.

    Mal heißt es, 75% des Impfstoffes sind eingelagert, Freitag hieß es, Impfstoff wurde geliefert, Gestern hieß es in der Lausitzer Rundschau, zumindest für Südbrandenburg gibt es keinen Impfstoff. Weiß denn das Gesundheitsministerium mit seiner offensichtlich überforderten Chefin überhaupt noch, was los ist?

    Warum impfen BY und MVP fleißg? Haben die sich unrechtmäßig Impfstoff unter den Nagel gerissen? Hat unser Ministerium das Bestellen verschlafen oder freiwillig in der Hoffnung auf sinkende Preise verzichtet oder einfach geschlafen? Auf jeden Fall ist es skandalös und eine Katastrophe, was in Brandenburg, vor Allem im Süden, passiert. Und der MP schweigt weiter ... und die Lausitzer haben für ihn kaum noch gute Worte übrig.

  8. 8.

    Ihnen kann man nur zustimmen. EMA und ehrenamtliche Bürgermeister mit ins Boot holen. Die kennen ihre alten Mitbürger bzw. deren Angehörige.

  9. 7.

    Nicht das Impftempo einzelner Bundesländer sondern für ganz Deutschland ist erschreckend.

    Mal ein bissel Mathematik. Rund 50 Mio. würden sich wohl nach aktuellen Umfragen impfen lassen, was 100 Mio. Impfungen entspricht. Wenn man dies in einem halben Jahr schaffen will, reden wir von rund 4 Mio. Impfungen pro Woche! Doch selbst nach 2,5 Wochen ist nicht absehbar wann wir nur die ersten 2 Mio. Impfdosen überhaupt verimpft haben.

  10. 6.

    Ein kurzes Zwischen-Resümee um für eine 83jährigen einen Impftermin zu ergattern
    Nach vielen Versuchen zweimal eine falsche Aussagen erhalten:
    1. sie müssen zuerst zum Hausarzt, 2. sie bekommen den Termin vom Gesundheitsamt zugeschickt.
    Gestern: „Sie kommen aus der Stadt Brandenburg? Nein, da wird das Impfzentrum wahrscheinlich erst 26.1. eröffnet. Vor dem 19. brauchen sie nicht wieder anrufen.“ Vielen Dank, liebe Landesregierung! Ich würde mich gerne bedanken, weiß aber gerade nicht wofür....ach so, vielleicht ist ja bis dann auch endlich geklärt, ob das Impfzentrum an der Regattastrecke oder am Stahlwerk eröffnet wird.

  11. 5.

    Der Ansatz mit den mobilen Teams muss weiter gedacht werden. Catering- und Marketingtrucks stehen in den Garagen weil Sie nicht dürfen. Da kriegt man leicht was mobiles gebaut. Ab auf die Dörfer diverse Turnhallen, Schulen, Dorfkneipen mit Tanzsaal stehen leer. 1-2 Tage von 7:00-22:00 und ab ins nächste nächste Dorf. Wer nicht kann wird abgeholt. Taxifahrer kümmern sich um den Nachschub aus den Zentrallagern.
    Ein Team von Projektmanagern (keine Mediziner und keine Politiker) muss die Verantwortung für die Organisation bekommen. Die zählen stur die Zahlen, gucken wo es klemmt und halten sich nicht mit Presse, Medien und fachlichen Diskussionen über Impfpflicht oder Auswahl auf. klare messbare Zielvorgabe (S-Kurve) an der sich alle ausrichten, muss her. Einfach verwalten wie alles andere funktioniert nicht bzw. zu langsam.

  12. 4.

    Die Regierungen, ganz gleich ob Bund oder Land, strotzen nur so vor Selbstherrlichkeit. Jetzt ist schon vom Lockdown bis Ostern die Rede. Andere Länder schaffen es, genug Impfstoff für ihre Bevölkerung zu kaufen und diese zügig zu verabreichen. Eines Tages werden wir merken, dass Großbritannien den richtigen Weg gewählt hat. Die EU-Hörigkeit kostet derzeit sogar Menschenleben. Ein hoher Preis für immer mehr Posten und Profit.

  13. 3.

    Tatsächlich hatte Deutschland 70 Millionen Impfdosen mehr zur Verfügung – und gab sie großzügig an die anderen EU-Staaten ab.

    Genügend Impfstoff laut Merkel erst ab zweiter Jahreshälfte zur Verfügung. Eh das alles wurjsam wird, geht es in das kommende Jahr. Da heißt ein Jahr Lockdown.

    https://www.tagesspiegel.de/wissen/coronavirus-in-deutschland-genuegend-impfstoff-laut-merkel-erst-ab-zweiter-jahreshaelfte/25560996.html

  14. 2.

    Na lasst euch Zeit, kenne kaum jemanden der das Zeug geimpft bekommen möchte.... wird wohl Zeit für gottschalk&co die Werbetrommel zu strapazieren

  15. 1.

    Das ist eine Zustandsbeschreibung, die zweifelsohne vom Grunde her stimmt. Ich habe aber keine einzige Lösung zur Steigerung des Impftempos aus dem Artikel entnehmen können. Das gängigste Wort ist Geduld. Wann macht Frau Nonnenmacher endlich ihren Job und schützt die besonders gefährdeten älteren Menschen. Warum muß Brandenburg eigentlich immer Schlusslicht sein.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren