Archivbild: Eine alte Frau beim Mittagessen in einem Pflegeheim, aufgenommen in Berlin, 27.04.2018 (Bild: imago images/Floridan Gaertner)
Bild: imago images/Florian Gaertner

Infektionen in Berlin - So ist die Corona-Lage in Berliner Kliniken und Altenheimen

Die Angst, sich mit Sars-Cov-2 anzustecken, bestimmt den Alltag in Altenheimen und Kliniken. Neue Zahlen für die letzten Monate deuten nun an, dass die Corona-Eindämmung in den Einrichtungen zumindest teilweise in Berlin funktioniert. Von Haluka Maier-Borst

Erst sechs, dann 20 und schließlich 30 Fälle: Was vor einigen Wochen am Berliner Humboldt-Klinikum passierte, ist der Albtraum für das Gesundheitssystem. Ein Corona-Ausbruch, bei dem sich das Virus schnell unter Pflegepersonal, Patientinnen und Patienten ausbreitet, noch dazu mit der britischen Variante B.1.1.7.

Doch aktuelle Daten der Berliner Gesundheitsverwaltung zeigen, dass solche Vorfälle in den letzten Monaten glücklichweise eine Seltenheit waren. Nicht einmal drei Prozent aller registrierten Corona-Infektionen in Berlin ließen sich in den letzten zwei Monaten auf Ansteckungen in Kliniken zurückführen. Es scheint also, dass hier die Schutzkonzepte greifen.

Das ist insofern wichtig, weil schon in der ersten Phase der Pandemie Ärztinnen und Ärzte sich besorgt zeigten, dass Menschen mit anderen Diagnosen wie zum Beispiel Herzinfarkt seltener in Kliniken kommen. Dies könnte zwar teilweise damit zusammenhängen, dass es durch den Lockdown weniger Stress und damit auch weniger Infarkte gibt. Ebenso wahrscheinlich erscheint aber eben auch, dass aus Angst vor einer Ansteckung Menschen mit Symptomen nicht in ein Krankenhaus gehen.

Nach wie vor viele Infektionen in Altenheimen

Ein wesentlich größeres Problem dagegen waren und bleiben die Infektionen in Berliner Altenheimen. Trotz Schutzkonzepten bleibt die Zahl der Infektionen hier recht konstant hoch. Rund ein Fünftel aller Infektionen in Berlin finden wohl hier statt.

Der kurze prozentuale Anstieg der Fälle in Altenheimen in den Feiertagswochen vom 21.12.2020 bis zum 03.01.2021 lässt sich allerdings wohl damit erklären, dass in anderen Bereichen weniger getestet wurde und damit die Tests und Fälle in Altenheimen einen kurzzeitig größeren Anteil ausmachten.

Infektionsgeschehen anders als im Bundestrend

Interessant ist derweil auch, wie sich die bundesweite Situation darstellt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sammelt hierfür die Daten, bekommt allerdings nicht von allen Landkreisen eine Aufschlüsselung und führt die Statistik zudem etwas anders als das Land Berlin.

Einigermaßen miteinander vergleichen lässt sich zwischen Berlin und Gesamtdeutschland das Verhältnis von Infektionen in Pflegeheimen zu Infektionen in Krankenhäusern. Während auf einen Fall in einer Klinik in Berlin zwölf Fälle in Pflegeheimen kommen, sind es bundesweit laut RKI-Daten ungefähr sechs.

Je nach Perspektive lässt sich also sagen, dass Berlin besser als der Bundesschnitt abschneidet, wenn es um das Verhindern von Infektionen in Krankenhäusern geht. Oder eben schlechter, wenn es um Ansteckungen in Altenheimen geht. Gerade die Infektionen in Altenheimen - das bleibt jedoch die Hoffnung - sollten mit fortschreitenden Impfungen seltener werden.

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Beitrag von Haluka Maier-Borst

8 Kommentare

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  1. 8.

    Mir ist ein Heim bekannt, wo durch, mit und während Corona 1/5 der Bewohner verstorben sind, da gab es überhaupt kein mediales Echo.
    Dass sich jetzt Gesunde in der Impfreihe vordrängen, ist bitter und nicht akzeptabel. Ich hoffe, dass Biontech in die Hufe kommt, der Engpass sollte ja bis MItte Feb. sein und danach viel mehr kommen. Somit besteht wieder bessere Hoffnung, dass, selbst wenn neben der Stufe 2 jetzt noch andere erfasst werden, einfach aufgrund sich verbessert habender Kapazitäten Risikopatienten zeitnah geimpft werden können.

  2. 7.

    Wenn in einem Heim 15 Menschen sterben ist das schlimm aber auch medienwirksam. Es geniest unsere Aufmerksamkeit. Wenn aber 60 Hochrisikopatienten mit kritischen Vorerkrankungen an einem Tag sterben interessiert es niemanden.
    Es wurde eine Impfreihenfolge entwickelt, die man jetzt aufgeweicht, indem die Gruppe 2 weiter aufwächst und ihren Sinn verliert. Für jeden geimpften Erzieher und jeden unberechtigt geimpften Politiker/Amtsinhaber stirbt unter Umständen ein Risikopatient. Die Patienten mit z. B. COPD sind in der Prio2. Bei einer COPD ist die Lunge irreparable geschädigt. Ein Großteil der Alveolen sind abgestorben und vernarbt. Wenn bei diesen Menschen Corona den verbleibenden Rest befällt, sterben sie zu 100 %.
    Diese Menschen treten jetzt zurück, damit Kitapersonal, Lehrer und wichtige Politiker/Funktionäre geimpft werden können. Sie genießen nicht den relativen Schutz eines Alten- oder Pflegeheimes. Sie interessieren nicht. Es sind die unbedeutenden 60. Sie haben keine Lobby.

  3. 6.

    Hätt ich an ihrer Stelle überhaupt nicht persönlich genommen! Ich habe erst Markus' Beitrag gelesen und dann ihre Antwort und mich sehr gewundert. Denn ich hatte die Frage mehr so verstanden, erst gab es eine Zahl, jetzt ist eine weitere, anderslautende aufgetaucht, wie kann das sein? Also eine Kritik an den die Daten erhebenden Stellen und nicht an Ihnen...
    Vielleicht gab es da ein Missverständnis.
    Die Sache hatte auch ihr Gutes, denn ich habe mich gewundert, wo diese diskutierten Zahlen jeweils überhaupt sind?
    Durch Spielen mit der Maus habe ich gemerkt, dass sich hinter den Grafiken oben noch mehr Funktionen verbergen.
    Damit sollte man nicht hinterm Berg halten, finde ich, und einen kleinen Hinweis, dass es sich um interaktive Grafiken handelt, hätte ich begrüßt. Wenn man sich die Mühe der Erstellung schon mal gemacht hat...

  4. 5.

    Aus erster Quelle (Tochter arbeitet in der stationären Pflege): es gibt in Pflegeheimen auch einen gewissen Prozentsatz von Bewohnern unter 70. Auch die werden als infiziert registriert.

  5. 4.

    Auf jeden Fall Dank an Merkel, wo doch bewiesen ist, wie großzügig Merkel ist und immer in EU Dimensionen denkt, und 70 Millionen Impfdosen an die EU abgegeben hat. Und wie konsequent Merkel eingeschritten ist, als vier EU Gesundheitsminister, darunter auch ihr Herr Spahn, in gleicher Art wie Boris Johnson in England, versuchten, ausreichend und rechtzeitig Impfdosen zu beschaffen.
    Übrigens, die nun fehlenden 70 Millionen Impfdosen sind in etwa die jetzt gelante Liefermenge eines Jahres für Deutschland, wenn alles so kommt, wie erhofft.

  6. 3.

    P.S. man kann das natürlich auch so interpretieren, dass nur In Pflegeheimen die Infektionen registriert werden - weil es darüber hinaus ja in der Altersklasse so gut wie keine Fälle gibt.

  7. 2.

    Hallo Markus,

    1. Es stecken sich ja nicht nur Bewohner/innen an sondern auch Pfleger/innen, die sind in der Regel jünger. Der Senat schlüsselt das nicht gesondert auf, aber in den RKI-Berichten ist das Verhältnis ungefähr 2:1. Sprich für zwei infizierte Bewohner/innen gibt es eine infizierte Pflegekraft.
    2. Sie müssen auch noch die ganze KW vom 13.12. miteinberechnen (darum KW-weise siehe Grafik)

    Ansonsten begrüße ich es natürlich, wenn man bei solchen verständlichen Rückfragen nicht gleich noch losschießt und infrage stellt, ob der Autor wahlweise richtig zählen, rechnen oder schreiben kann. Wir haben in der Redaktion meines Wissens nach alle die Grundschule erfolgreich abgeschlossen. Fehler passieren, aber haben nichts mit unseren Grundkompetenzen zu tun.

    Einen schönen Freitag noch

    HMB

  8. 1.

    Eine Frage an den Autor des Artikels: Wie kann es sein, dass es in den Berliner Pflegeheimen vom 13.12. bis 07.02. insgesamt 12.345 Coronainfektionen gab aber in Ganz-Berlin laut Lagebericht vom 13.12. bis 11.2. nur 9390 Fälle in der Altersgruppe ab 70? Kann es sein, dass da jemand nicht richtig zählt?

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