Keine Übernahme durch Bund mehr - Was für und gegen das Ende der kostenlosen Corona-Tests spricht

Im temporären Corona-Testzentrum in Berlin (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Bild: dpa/Jörg Carstensen

Mit dem 11. Oktober soll das Angebot der kostenlosen Corona-Tests eingestellt werden. Doch was denkt die Forschung über diesen Schritt hier und in anderen Ländern? Ein vorsichtiger Überblick. Von Haluka Maier-Borst

Das Kitzeln, Kratzen, Bohren in der Nase, es wird nicht ganz aufhören. Es werden weiterhin kostenlose PCR-Tests bei Verdachtsfällen durchgeführt. Und es wird sich jeder auch mit eigenem Geld testen lassen können.

Aber die kostenlosen Schnelltests, durchgeführt im leeren Ladenlokal, im Kaufhaus oder gar beim Spätkauf, das wird nun enden. Forscherinnen und Forscher sehen diesen Schritt mit gemischten Gefühlen.

Was für weniger kostenlose Schnelltests spricht

Es gibt durchaus Argumente dafür, wieso Schnelltests nicht mehr denselben Nutzen haben wie vor einigen Monaten. Schon bei Einführung der Schnelltests warnten Expertinnen und Experten davor, dass die Schnelltests zwar gut darin sind, symptomatisch Infizierte zu erkennen. Deutlich schlechter schneiden sie dagegen ab, wenn es um symptomlose Fälle geht [thelancet.com].

Nur ein Drittel der asymptomatischen Infizierten könnte man wohl mit Schnelltests aufspüren, das war das Ergebnis einer Studie der amerikanischen Seuchenbehörde CDC [cdc.gov]. Inzwischen ist das wohl noch schwieriger und zwar wegen einer guten und einer schlechten Nachricht: wegen der Impfungen und der Delta-Variante.

Nach allem, was man weiß, führen die Impfungen nämlich dazu, dass in der Regel selbst bei Durchbruchsinfektionen der Verlauf deutlich milder ist. Das heißt aber meist aber auch, dass die Betroffenen weniger Virus im Rachenraum haben [bmj.com] und wahrscheinlich eher ein Schnelltest sie fälschlich als negativ deklariert. Fraglich ist, ob sie durch diese geringere virale Last, so der Fachbegriff, auch weniger ansteckend sind. So oder so, bei Geimpften sind wahrscheinlich die Schnelltests ungenauer.

Für Geimpfte und auch Ungeimpfte kommt aber auch mit der Delta-Variante noch ein weiterer Faktor hinzu, der das Aufspüren von Infektionen mit Schnelltests schwieriger macht. Die inzwischen dominierende Variante ist wohl fast doppelt so ansteckend [nature.com] wie die ursprüngliche Variante des Virus, der Wildtyp.

Das könnte unter anderem daran liegen, dass zum einen die Viren dieser Variante sich viel schneller vermehren und auch insgesamt eine höhere Virendichte im Rachenbereich zu finden ist. Heißt: Jemand, der vor einigen Stunden noch negativ war, kann sehr schnell infektiös werden und dann auch im schlimmsten Fall deutlich ansteckender werden als jemand, der nur den Wildtyp des Coronavirus hatte. Also ist auch insgesamt die Chance geringer, mit Schnelltests jemanden herauszufischen, der bislang keine Symptome zeigte.

Vor diesem Hintergrund ist es teilweise verständlich, dass man das milliardenschwere Testprogramm herunterfahren will.

Was für ein Beibehalten von kostenlosen Schnelltests spricht

Dem gegenüber stehen andere Überlegungen. Zum einen könnte man durch häufigere Tests hintereinander zumindest das Problem der rapide ansteigenden Infektiösität der Delta-Variante teilweise ausgleichen. Nur wer ist bereit, sich jeden Tag zu testen, wenn es für ihn selbst nicht kostenlos ist?

Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass sich das Dunkelfeld der Infektionen nun deutlich vergrößert. Denn bei allen Schwächen der Schnelltests: gar keine Test zu machen, ist noch riskanter im Hinblick auf das Infektionsgeschehen.

"Die Frage ist ja, was durch den Wegfall der kostenlosen Tests passiert. Ich glaube eher, dass die Impfskeptiker sich gar nicht mehr testen lassen, anstatt dass sie sich jetzt wegen der fehlenden Tests impfen lassen", sagt Peter Kilimek, epidemiologischer Modellierer der Medizinischen Universität Wien.

Klimeks Einschätzung wird auch von Daten gestützt. Die Cosmo-Studie der Universität Erfurt zeigt, dass die Zahl der zur Impfung positiv eingestellten Menschen über die letzten Monate kontinuierlich stieg. Gleichwohl ist der harte Anteil der Impfskeptiker in der Befragtengruppe konstant geblieben.

Entsprechend würde das Weniger an Tests tatsächlich wohl auch zu einem Mehr an unentdeckten Clustern und weniger Überblick führen. Und das könnte ein Problem für eine besondere Gruppe an Menschen sein: die, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Und diejenigen, bei denen die Impfungen nicht genügend wirken.

Denn für diese Menschen bedeutet das Ende der kostenlosen Tests dann wohl, dass die Gefahr, sich unbemerkt anzustecken, größer wird. Und dass sie im Verdachtsfall mehr Mühen auf sich nehmen müssen, um einen Schnelltest zu bekommen.

Klimek sieht darum eigentlich nur einen Weg, dieses ethische Dilemma zu vermeiden. Zum einen müssten vorerst Tests kostenlos bleiben und auch besser werden. So habe Österreich beschlossen, dass bis Ende März die Tests kostenfrei bleiben. Außerdem schwenke man zunehmend in der Teststrategie von den Antigen-Tests auf die besseren PCR-Gurgeltests um.

Zum andrenmüssten sich aber eben mehr Menschen impfen lassen. "Es hängt an den Impfungen, das ist die Lösung und das ist klar", sagt Klimek. Das beste Argument dafür seien eben mehr Freiheiten wie Konzerte, Ausstellungen und andere Dinge, die auch mit Tests nur mit Impfung zugänglich wären. Und eben nicht das grundsätzliche Verwehren von Tests.

Sendung: Abendschau, 10.10.2021, 19:30 Uhr

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Beitrag von Haluka Maier-Borst

114 Kommentare

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  1. 113.

    "Nur gerade mRNA-Impfstoffe sind bisher noch nicht ausreichend erforscht, ..."

    https://naturwissenschaften.ch/covid19-vaccination-explained/mrna_vaccines/ist_die_mrna_technologie_neu_
    Zitat: "Die mRNA-Technologie ist seit ungefähr 30 Jahren bekannt. Bereits vor über 10 Jahren wurden erste klinische Studien für die Krebstherapie beim Menschen durchgeführt. Die Technologie ist somit bereits lange in Gebrauch."

    "... insbesondere in ihrer Langzeitwirkung."

    Ich schätze, Sie zielen auf Nebenwirkungen ab, die erst lange nach der Impfung auftreten könnten, oder? Falls ja: https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-impfstoff-langzeitschaeden-100.html
    Zitat: "Langzeit-Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt"

    Also: Auf zum Impfen, statt sich schlecht informiert der Impfung zu verweigern! Gilt auch für die anderen Angsthasen.

  2. 112.

    Naja, wenn Sie sich diskriminiert fühlen, weil Sie als Ungeimpfter (der sich impfen lassen könnte) Nachteile haben, reichen Sie doch Klage ein. Am besten mit der Bitte, das Gericht möge nicht dem deutschen Recht folgen, sondern Ihrer Definition von Diskriminierung. Ich bin gespannt...

  3. 111.

    Meiner Familie und mir egal, wir sind alle Genesende und geimpft.
    Ich bleibe dennoch vorsichtig und halte mich an Regeln da wo die Maskenpflicht verlangt wird, letztendlich laufe ich ja auch nicht bei Rot über die Straße. oder fahre bei absoluter Dunkelheit ohne Licht.

  4. 110.

    Diskriminierung bezeichnet eine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen nach Maßgabe bestimmter Wertvorstellungen oder aufgrund unreflektierter, z. T. auch unbewusster Einstellungen, Vorurteile oder emotionaler Assoziationen.

    Quelle: Wikipedia
    Das Deutsche Recht ist für die Definition unerheblich. In diesem Falle handelt es sich um eine Wertvorstellungen und emotionale Vorurteile die zur Benachteiligung einer Minderheit führen.

    Nehmen wir Sie beim Wort wie würden Sie es nennen wenn Sie aufgrund Ihrer Wertvorstellungen ungeimpfte Menschen benachteiligen?

  5. 109.

    Wenn man sich die Kommentare einer einzelnen, sehr echauffierten Kommentatorin wegdenkt, geht es hier alles in allem ziemlich sachlich zu.
    Danke an die anderen!

  6. 108.

    Ihre Fragen halte ich für wenig zielführend:

    Zum Einen würden viele Nichtgeimpfte doch gar nicht leugnen, dass die Impfung einen Nutzen hat. Wenn ich alt oder besonders vorerkrankt wäre, hätte ich mich auch als Erstes angestellt für eine Impfung. Nur gerade mRNA-Impfstoffe sind bisher noch nicht ausreichend erforscht, insbesondere in ihrer Langzeitwirkung. Von daher ist doch im Rahmen einer persönlichen Risikoabwägung zu klären, welchem Risiko man sich eher aussetzt. Da spielen viele Faktoren eine Rolle, ganz gewiss auch nichtrepräsentative Erfahrungen im eigenen Umfeld.

    Zum Anderen haben doch mittlerweile diejenigen, die sich impfen lassen wollen und können, auch den vollen Impfschutz erhalten und somit vor schwerwiegenden Verläufen besser geschützt. Ansteckend können die Geimpften trotzdem sein, wenn auch vielleicht (wissen Sie es genau?) in geringem Maße.

    Bleibt noch die Gruppe derjenigen, die sich nicht impfen lassen können. Zu deren Schutz wären kostenl. Tests gut.

  7. 107.

    Es ist eben nicht eine Diskriminierung, da es sachliche Gründe gibt. Wenn Sie mir nicht glauben, reichen Sie bitte Klage ein beim Bundesverfassungsgericht. Gerne die Adresse Bundesverfassungsgericht Postfach 1771 76006 Karlsruhe. Es besteht glaube ich Anwaltspflicht.

  8. 106.

    Ich beantworte Ihre Fragen in der Hoffnung meine Beantwortet zubekommen.

    Frage 1:

    Der Staat macht den Betreiber verantwortlich. Ob das Fair ist muss man mit den Entscheidungsträgern diskutieren. Es handelt sich schlicht um eine Notlösung. Diese sind unter Aufsicht des Ladeninhabers herein gekommen.

    Frage 2:

    Zunächst muss Festgestellt werden das eine Person die Regeln gebrochen hat, in den Läden gekommen ist und dadurch eine Erkrankung bei einer Person verursacht hat. Wenn wir auf die Verantwortlichkeit sind dann hätte der Inhaber die Person nicht hinein lassen dürfen. Ist der/die InhaberIn somit nicht verantwortlich?

  9. 105.

    Hallo Adriana, Sie vermischen da viele Faktoren zu einer.Natürlich hat die Impfung und dessen Erfolg beigetragen, dass es bedeutend weniger schwere oder tödliche Fälle gibt. Dieser Punkt ist unstrittig und mit der steigende Impfquote die Gefahr insbesondere für die Risikogruppen kleiner. Jetzt ist auch der Punkt gekommen, wo die staatliche Fürsorge(Bevormundung) zurückgenommen werden muss, relativ zeitnah, da weiterhin in mindestens 4 Grundrechten eingegriffen wird. Das Fingerzeigen auf Ungeimpfte wird daran nichts ändern. Schauen Sie sich die Ausgaben der Corona Politik an. Da können wir auch noch bis zum Frühjahr die Tests stemmen.
    Leider gibt es kaum öffentliche Zahlen über Impfschäden und Impfverstorbende, ich persönlich kenne drei schwere Impfschäden bei Leuten und einen Verstorbenden. Aus meinen privaten und Arbeitsumfeld. In diesem Sinne, schön locker bleiben

  10. 104.

    Ich bin geimpft. Sobald sie zwischen Menschen unterscheiden wird diskriminiert. Ob das Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Impfstatus ist handelt es sich um Diskriminierung.
    Zu den Fragen würde ich gern Ihre Beweggründe verstehen weshalb sie gegen 15% der Bevölkerung weiter so argumentieren wollen? Ist es nicht Zeit mit der Spaltung aufzuhören?

  11. 103.

    Das stimmt so einfach nicht. Und das wissen Sie vermutlich auch...

  12. 102.

    Öhm, eigentlich sind Sie es, der sich ganz schön herablassend und verachtend äußert. Alleine schon Ihre abschließenden Fragen in Ihrem Kommentar von 12.37 Uhr sind ziemlich daneben.

  13. 101.

    Freiheit auf Kosten anderer. Sie können doch gerne ungeimpft bleiben. Aber warum soll die Mehrheit der Bürger auch durch Sie verursachten Kosten aufkommen? Zuzahlungen kennt unser Gesundheitssystem doch zur genüge. Eine Diskriminierung unterzuschieben hat schon den Ansatz einer Verschwörungstheorie. So was kennen wir auch von den Querdenkern.

    Sie gingen leider auf nicht eine der beiden gestellten Fragen ein.

  14. 100.

    Auf die Fragen haben sie leider nicht geantwortet. Wieviel sind an Impfungen verstorben oder erkrankt? Wieviel wären an Corona verstorben oder erkrankt, insbesondere wenn keiner geimpft worden wäre? Nach ihrer Ansicht dürften sich Ungeimpfte zügellos bei der Solidargemeinschaft bedienen, frei nach dem Motto "Nehmen ist schöner als Geben".

  15. 99.

    Ihr Vergleiche sind vollkommen absurd und zeigen deutlich, dass sie die Problematik nicht einmal im Ansatz verstanden haben. Impfgegnern gefährden eben andere Menschen. Wegen Impfgegnern entstehen anderen Verluste und auch den Unternehmen Aber dafür wollen sie eben nicht gerade stehen. Zukünftige Generationen werden noch an den Kosten zu tragen haben.

  16. 98.

    Ich frage mich ernsthaft,was so ein Kommentar soll.
    Jung sein schützt sehr zuverlässig vor schweren Verläufen. Junge Menschen landen in der Regel nicht im Krankenhaus hättet ihr auch schreiben können. Hat bisher aber auch keine Rolle gespielt.

  17. 97.

    Ein ungetesteter Geimpfter oder "Genesener" steckt durchschnittlich wieviele Menschen an?
    Ein ungetesteter Ungeimpfter steckt durchschnittlich wieviele Menschen an?

  18. 96.

    Ungeteste Geimpfte und "Genesene" gefährden Menschen ebenso wie ungetestete Ungeimpfte.

  19. 95.

    Diskriminierung ist auch Menschenverachtend. Sie weisen nicht nach wie Menschenleben gefährdet werden. Wir sind von der Impfqoute nahe an der Forderung Ihres Lieblingspolitikers. Wird das Risiko nicht langsam vertretbar?
    Das Ziel ist die Überbelastung des Gesundheitssystems nicht durch extreme Verbreitung des Viruses zu verhindern. Das haben wir mehr als erreicht. Es geht nicht darum das sich keiner mehr anstecken wird. Die ganze Situation ist bedenklich. Es setzt die falschen Signale in einer Gesellschaft die auf Freiheit basieren soll.
    Momentan sind Sie meiner Meinung nach Menschenverachtend da Sie anderen Ihre Freiheit entziehen wollen indem Sie alle die nicht denken wie Sie diffamieren wollen. Fühlen Sie sich bestärkt wenn Sie auf andere herablassend reagieren können? Macht es Ihnen Spaß?

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