Kommentar - Tanzen nur für Geimpfte und Genesene? Ja, bitte!

Symbolbild: Zahlreiche Menschen tanzen am 27.07.2018 in Berlin. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: rbb-Landespolitik | 29.07.2021 | Birgit Raddatz | Bild: dpa/Paul Zinken

Der Verband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft fordert Perspektiven, wie es im Herbst mit Großveranstaltungen weiter gehen kann. Konzerte nur noch mit Geimpften und Genesenen ist so eine Idee. Die Politik drückt sich vor verbindlichen Zusagen. Von Birgit Raddatz.

Kürzlich fielen mir zwei Konzerttickets in die Hände. Gekauft hatte ich sie bereits im Herbst 2019. Wie sehr hatte ich gehofft, die Künstlerin in diesem Jahr live erleben zu können. Doch mit Blick auf die Infektionslage und den Veranstaltungsort (in die Max-Schmeling-Halle in Berlin passen bei einer Bühne in der Mitte und ohne Stühle rund 12.000 Menschen hinein) schwand jede Hoffnung. Das Konzert wird nachgeholt – im September 2022.

Der Frust, den der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) wegen der Unsicherheiten in der Corona-Pandemie schiebt, ist nachvollziehbar. Derzeit ist es so: Tanz- oder Musikveranstaltungen draußen mit Hygienekonzept wie Abstandhalten, Masken- und Testpflicht sind in Berlin zugelassen mit bis zu 1.000 Menschen. Für Messen und andere Großveranstaltungen gilt eine Obergrenze von 2.000 Personen im Freien und 1.000 bis 2.000 in Innenräumen. Für die wenigsten großen Player auf dem Konzertmarkt ist das eine Option, die sich wirtschaftlich lohnt.

Wirtschaftlich ist auch das Bezuschussen der Veranstaltungsbranche von staatlicher Seite nicht wirklich. Über 24 Millionen Euro hat allein das Land Berlin mit der Soforthilfe IV ausgeschüttet. Hinzu kommen Bundesmittel.

Die Hängepartie hätte ein Ende

Der BDKV fordert deswegen Zusagen von der Politik, wie es ab September – 2021 wohlgemerkt – weitergehen soll. Und schlägt vor: Wenn von Getesteten nicht ausreichend Sicherheit ausgeht, dann wolle man künftig nur noch vollständig Geimpfte und Genesene reinlassen. Dafür dann aber auch ohne Abstandsregeln, um die Hallen zu füllen und wieder wirtschaftlich zu werden. Über eine Maskenpflicht ließe sich sprechen, bekräftigt der Präsident und Geschäftsführer des BDKV, Jens Michow. Aber zumindest hätte die Hängepartie für die Veranstaltungsbranche dann ein Ende.

Doch der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) bleibt weiterhin vage. Noch könnten ja nicht alle Menschen durchgeimpft sein, vielen stünde das Angebot erst seit kurzem zur Verfügung. Das ist wahr. Und dann gibt es ja noch die aggressive Delta-Variante, die auch im Freien um sich greift. Auch das ist wahr.

Allerdings ist rein theoretisch schon damit zu rechnen, dass spätestens Ende September jede und jeder zweimal gestochen worden ist. Rein rechnerisch und rein theoretisch. Bisher schleppt sich die Quote nur langsam voran: Knapp 60 Prozent der Deutschen haben eine Erstimpfung erhalten, rund 50 Prozent sind vollständig geimpft. Das ist aber nicht die Schuld der Veranstaltungsbranche. Dass Geimpfte zumindest kaum einen schweren Verlauf zu befürchten haben, ist erwiesen und kann von daher als Gradmesser herhalten.

Künstlerische Freiheit bei politischem Diskurs

Um die Impfquote zu erhöhen, schlägt Leder deshalb vor, die privaten Veranstalter könnten doch die Kampagnen unterstützen. Denkbar wären mobile Impfteams vor Veranstaltungen. Dass so eine Beteiligung an einem politischen Diskurs auch schlecht laufen kann, zeigt das kurz vor der Zugabe abgebrochene Nena-Konzert am vergangenen Wochenende.

Dass sich so etwas wiederholt, will auch der BDKV nicht. Deshalb hoffe man, dass sich viele bekannte Künstler*innen für Impfangebote vor ihren Fans aussprechen und nicht – wie in Nenas Fall – indirekt dagegen. So weit, so kein Konflikt. Doch auch die Politik ist gefragt.

Es gilt jetzt, Zusagen auch einzuhalten. Wer hätte gedacht, dass wir im September, wie es von Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt wurde, wirklich alle ein Impfangebot erhalten würden (Kinder und Jugendliche mal ausgenommen)? Und selbst Klaus Lederer sagte bereits an anderer Stelle: Wenn dieser Punkt erreicht ist, muss man sich schon fragen, wie Einschränkungen für Geimpfte dann noch gerechtfertigt sein können.

Die Veranstaltungsbranche sollte nun also auch das Recht bekommen, auf ihren Teil der Abmachung zu bestehen und dafür auch verbindliche Zusagen zu erhalten. Denn was Menschen noch trauriger stimmen würde, als ein verschobenes Konzert wäre wohl ein komplett abgesagtes Konzert. Nämlich dann, wenn der Veranstalter pleite ist.

Sendung: Inforadio, 29.07.2021, 09:25 Uhr

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Beitrag von Birgit Raddatz

52 Kommentare

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  1. 52.

    Da wirbeln sie aber ein paar Sachen durcheinander die nichts miteinander zu tun haben.
    Veranstalter müssen nicht jeden rein lassen, klare Sache Hausrecht.
    Das mit der Fahrerlaubnis ist aber öffentliches Recht und hat nichts mit Hausrecht zu tun.
    Ungeimpften von staatsseite etwas zu verweigern, wäre Impfpflicht durch die Hintertür und da wird es schwierig
    https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/corona-impfpflicht-einschraenkungen-ungeimpfte-positionen-parteien-100.html
    https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-impfpflicht-rechtslage-100.html

  2. 51.

    Ein Club hat Hausrecht. Er kann entscheiden wer rein kommt und wer nicht. Wenn er so entscheidet das nur geimpfte oder genesene rein dürfen dann ist das eben so. Aber mal davon abgesehen. Es sind jede Menge gefälschte Impfpässe unterwegs. Wie will man das denn kontrollieren.

  3. 50.

    Selbstverständlich sind Geimpfte nicht die 'besseren Menschen', selbstverständlich haben alle die gleichen Grundrechte. Aber erstens ist es unsinnig zu behaupten, Geimpfte seien superspreader und würden die 4. Welle auslösen und zweitens halte ich es für vollkommen legitim, daß Veranstalter von ihrem Haurecht Gebrauch machen und ihre Veranstaltungen zunächst nur Geimpften zugänglich machen wollen. Es gab Zeiten, in denen man nicht betrunken Einlass zu einer Veranstaltung bekam, sogar eine Garderobenordnung war manchmal vorgeschrieben beim Besuch einiger Veranstaltungen, man darf keine Waffen oder Drogen dabei haben, wenn man eine Veranstaltung besuchen will usw. M.E ist das nichts anderes, als für die Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr eine Fahrerlaubnis als verpflichtende Voraussetzung vorweisen zu müssen. Wer das nicht akzeptieren kann oder will, bleibt außen vor. Hat nicht mit dem GG zu tun, nichts mit der 'unantastbaren Würde', nicht mal mit typisch deutsch.

  4. 49.

    Jetzt hat jeder die Möglichkeit, sich Impfen zu lassen.
    Die wenigen, die sich nicht Impfen lassen dürfen, sind doch wirklich gering. Selbst Schwangere ab einem bestimmten Monat, Autoimmunerkrankte und Kinder über 12 können sich impfen lassen. Die langfristigen Impfrisiken, wenn es welche geben sollte, dürften wesentlich geringer sein, als die langfristigen Risiken auch bei einem milden Corona-Krankheitsverlauf.
    Wir würden noch unter vielen Krankheiten leiden, wäre nicht flächendeckend geimpft worden, ich sag nur Kinderlähmung.
    Aber vielleicht ist das eine Generationenfrage. Ich bin noch im Klassenverband zum Impfen geschickt worden , das war völlig normal. Soweit ich weiß, sind die Covid19 Impfstoff zwar schnell zugelassen worden, aber die Forschung bezüglich der Impfstoffe beruht auf alten Methoden oder war für andere Bereiche schon lange in der Forschung. Es wurde nur das bürokratische Verfahren ausgelassen.Aber die 4. Welle steht ja schon bereit, also Herbst/Winter wird spannen

  5. 48.

    >Wenn sich auch Geimpfte infizieren und andere anstecken können, dann können auch dort Mutationen entstehen - siehe CDC.

    RIchtig ist: Die (Zweit-)Impfung bietet keinen 100%igen Schutz vor einer Ansteckung und wer sich dennoch ansteckt, kann auch andere anstecken. Aber, die Impfung schützt je nach Impfstoff bis zu 90% vor einer Übertragung. Ohne Impfung liegt der Schutz bei annähernd 0%.

    Wenn ich in einer Turnhalle 1000 Menschen stehen habe, und davon schon mal 900 rausrechnen kann ist das eine Menge; das hat einen massiven Einfluss auf Ansteckungsketten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort, oder wenigen Iterationen zu erliegen kommen, als auch auf das Mutationsgeschehen das massiv reduziert ist.

    >Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen?
    Wenn keine ImpfBEFÄHIGUNG vorliegt sind diese Personen natürlich solange ausgenommen, bis (wenn) eine Befähigung vorliegt. Im Gegensatz zu Verweigerern haben diese Menschen keine Entscheidungsgrundlage.

  6. 47.

    Dann wären wir alle durchsucht, die einen hätten es überlebt , andere eben nicht, so einfach ist das
    ....und es gäbe diese leidlichen Diskussion nicht

  7. 46.

    In keinem anderen Land wird so diskutiert wie in D
    Erst diese schwachsinnigen Diskussion über Impfprioritäten, " Ich, ich, ich" In anderen geht man mit Älteren respektvoller um. Und genauso ist es jetzt, was bildet sich eigentlich jemand ein, der eine Impfung hat? Das er jetzt the King of the world ist?

  8. 45.

    Mit das übervorsichtige agieren von Seiten der Politik und den Angst davor die Bevölkerung in s.g. erster und zweiter Klasse (geimpfte und nicht geimpfte) einzuteilen, glaube ich hat es mit der Berliner Kultur (u.a. Klubs, Partyveranstaler u. ä.) so lange Aussichten dass es wie wir es früher kannten, zukünftig nicht mehr geben werde :-( Dafür nimmt man gerne im Kauf dass eine ganze Branche der u.a. ganz viele Besucher (und deren Geld was wir ja gerne haben wollen) in die Stadt bringt, mehr oder weniger ausstirbt

  9. 44.

    Ich sprach nicht vom Baden gehen am seichten Ufer, sondern vom tiefen Wasser. Die meisten Nichtschwimmer sind zum Glück so vernünftig, nicht ins tiefe Wasser zu springen.

  10. 43.

    Welche Intelligenz wozu nötig ist spielt da keine Rolle.
    Das GG gilt für den Dümmsten genauso wie für den schlauesten, nicht einmal Analphabeten werden ausgeschlossen.
    Es ist halt einfach ein Fakt, es gilt was da geschrieben steht... mehr nicht und auch weniger nicht.
    Am klarsten bringt das Artikel 1 auf den Punkt, auch im Bezug auf das Verwirken von Grundrechten.

  11. 42.

    Wenn sich auch Geimpfte infizieren und andere anstecken können, dann können auch dort Mutationen entstehen - siehe CDC.

    Wie wird dann mit den Menschen verfahren, die sich nicht impfen lassen können? Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen? Die haben halt Pech gehabt nach Ihren Gedanken? Oje.

  12. 41.

    Ungeimpfter zu diskreditieren ist unterste Kaste und typisch deutsch."
    Eigentlich ist typisch deutsch anderen vorzuwerfen sie seien typisch deutsch.

  13. 40.

    Haben Sie mal darüber nachgedacht was passiert wäre auf dieser Welt wenn wir diesen Impfstoff nicht zur Verfügung hätten? 12 Jahre warten wäre keine gute Idee gewesen, ich bin im übrigen auch glücklich geimpfter.

  14. 39.

    Na dann los, denn als Geimpfter hat man keine Sorgen mehr ...

    „Die CDC verwies auf neue Informationen über die Fähigkeit der Delta-Variante, sich auch unter Geimpften zu verbreiten und erklärte, in den Schulen sollten Schüler, Mitarbeiter und Besucher in jedem Fall auch dann eine Maske tragen, wenn sie bereits zwei Mal geimpft worden seien." Aber bei der Delta-Variante sei die Virusmenge in infizierten geimpften Menschen nicht von der Virusmenge in den Nasen und Rachen von ungeimpften Menschen zu unterscheiden. Geimpfte Menschen "haben das Potenzial, dieses Virus auf andere zu übertragen", sagte Walensky.

    https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-dienstag-223.html#US-Behoerde-empfiehlt-wegen-Delta-wieder-Maskentragen

    Alle Impfstoffe sind nur auf Verhinderung von schweren Verläufen getrimmt, nicht auf Nichtansteckung!

    https://www.forbes.com/sites/williamhaseltine/2020/09/23/covid-19-vaccine-protocols-reveal-that-trials-are-designed-to-succeed/#478a7b7a5247

  15. 38.

    Danke für Ihren Kommentar, "Partymaus" (14).
    Genau, das meine ich. Erst einmal lesen, dann Gehirn einschalten, nachdenken (falls möglich) und dann über den Tellerrand schauen. Es geht hier NICHT um Menschen, die sich aus nachweislich gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen dürfen oder um generelle Impfgegener (die sind sowieso beratungsresistent). Gemeint sind diejenigen, die sich impfen lassen könnten und würden, aber entweder nie Zeit haben, nicht wissen woher, oder einfach insgesamt zu unflexibel sind. Impfangebote sind ja inzwischen für jeden da. Man muss nur mal den Hintern heben und sich bewegen. Aber vielleicht warten ja einige wirklich darauf, dass ein mobiles Impfteam den Stoff bis an die Couch bringt.

  16. 37.

    @Sebastian: Mal drüber nachgedacht, wie es sein kann daß, nach lediglich 7 Monaten, ein Impfstoff frei gegeben wird, wo andere Zulassungen (und ich meine, daß das auch so richtig ist) mit Prüfungen unterzogen werden, bis die Freigabe nach ca.12 Jahren eventuell vergeben wird ? Nicht nur in Europa, auch in den Staaten? Kann man da die Impfverweigerer auch mal verstehen ? Bevor gemeckert wird,- bin geimpft...!

  17. 36.

    > Die vulnerablen Gruppen sind geschützt und was soll nun passieren.

    Das die Ungeimpften einen riesigen Inkubator für mögliche Mutationen bieten und der Spaß von vorn losgeht.
    Zum Beispiel?

    >Wenn man sich nicht mehr testen lassen kann, da man nicht geimpft werden kann, dann hat man sich eben ausgeschlossen von allem?

    Die betroffene Person hat sich selbst ausgeschlossen, korrekt; wer nicht bereit ist für die Gemeinschaft einzustehen und die vermeitlichen Kosten der Teilhabe (ein Piks) partout nicht tragen will, steht halt draußen. Es ist keineswegs so, dass das Impfen mit unüberwindbaren und unzumutbaren Hürden einhergeht. Es ist ihre freie Entscheidung, leben sie damit, aber auch mit den Konsequenzen.

  18. 35.

    „ In eineinhalb Jahren Corona hat sich für mich vieles als verzichtbar erwiesen. Die „neue Normalität“ lässt grüßen.“
    So ist es. Man hat gemerkt, dass man auch mit weniger zufrieden sein kann und vieles eigendlich nur Luxusprobleme sind.

  19. 34.

    Echt jetzt? Sie können sich immer noch infizieren. Möchten Sie das volle Programm? Mit Beatmung usw? Nur, um sicher zu gehen, dass Sie auch richtig genesen können…. Sie sind doch nicht mehr ganz richtig… Wer wünscht sich so etwas?

  20. 33.

    All denen, die immer wieder auf dem Grundgesetz herumreiten, möchte ich mal sagen, dass es nicht reicht, das Grundgesetz nur lesen zu können(normale Intelligenz) im Leben ist auch eine emotionale Intelligenz wichtig, die ist einigen im letzten Jahr anscheinend abhanden gekommen, falls sie überhaupt jemals vorhanden war.

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