Der Absacker - Wenn's im großen Zahlenraum hapert

Do 22.10.20 | 20:15 Uhr | Von Haluka Maier-Borst
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Haluka Maier-Borst
Bild: rbb|24/Mitya

Wasserrechnungen nicht gezahlt, Einnahmen nicht versteuert – heute bestimmen auch große Zahlen abseits von Corona das Nachrichtengeschehen. Und Haluka Maier-Borst fragt sich, ob das auch mit fehlenden Mathematik-Kompetenzen zu tun hat.

Pisa liegt weder in Berlin noch in Brandenburg. Ja, abgesehen von der finanziellen Schräglage des Flughafen BER gibt es hier auch wenig Bauten mit Kippneigung. Und doch klingelte heute das Wort "Pisa" in meinen Ohren, als ich auf unsere Seite schaute. Irgendwie las sich das nämlich so, als hätten gewisse Personen eine Matheschwäche - und die hatte ja eben ein gleichnamiger Test für Deutschland mal offen gelegt.

1. Was vom Tag bleibt

Gleich zwei Mal ging es nämlich um(s) Zahlen oder besser gesagt den eher unglücklichen Umgang damit.

Zum einen ist da das Ermittlungsverfahren gegen die frühere Senatorin für Stadtentwicklung, Katrin Lompscher (Linke). Lompscher hatte Jahre lang versäumt, Geld an die Landeskasse zurückzuzahlen und zu versteuern. Es geht dabei um rund 7.000 Euro, die sie für ihre Aufsichtsratsposten in landeseigenen Unternehmen bekam. Und was natürlich bei jedem Politiker und jeder Politikerin schlecht aussieht, ist bei jemandem, der für den Mietpreisdeckel bekannt wurde, besonders katastrophal.

In Brandenburg geht es derweil um eine nicht-politische und dennoch wichtige Persönlichkeit. Evan Horetsky, der bisher bei Tesla die Fäden in Grünheide in der Hand hatte, wurde entlassen. Der Gesamtprojektleiter für den Bau der Elektroautofabrik hatte im September noch nach Tipps für einen Wohnort in Berlin und Brandenburg gesucht [twitter.com]. Nun kann er sich wohl die Suche sparen. Oder das Beste daraus machen und erstmal ein Sabbatical in der Region abhalten.

Hintergrund für Horetskys Entlassung könnte wohl sein, dass der Wasserverband der Tesla-Fabrik zeitweilig das Wasser abgestellt hatte, da das Unternehmen offene Rechnungen nicht beglichen hatte.

Übrigens um mal meine Mathematikschwächen-These für beide Vorfälle zu unterfüttern: Bei der ersten Pisa-Studie, die damals den berühmten "Bildungsschock" auslöste, lag Deutschland auf Platz 20 von 31 in Mathe. Die USA (Horetskys Heimatland) auf Platz 19.

2. Abschalten.

Falls Sie nach einem Hobby suchen, das sicher auch Ihre Hirnregionen für Mathematik und Logik trainiert, wie wäre es mit Speedcubing [facebook.com]. Dafür müssen Sie einfach nur den ollen Rubik-Cube aus Ihrem Keller/Speicher entstauben und loslegen.

Ob Sie allerdings in fünf Sekunden das Ganze gelöst kriegen, so wie der zwölfjährige Leo Borromeo von den Philippinen, da wäre ich mir, bei allem Respekt, nicht so sicher.

3. Und, wie geht's?

Mein Kollege Sebastian Schöbel hatte ordentlich Grund zu grummeln gestern. Unser Leser Harald fand aber, dass er sich damit vor allem selber schade. Denn die, über die er sich ärgere, interessiere das nicht die Bohne. Er rät darum zu einer anderen Reaktion:

"Wenn ich mich ärgere, bestrafe ich mich für die Fehler der Anderen." Den Satz habe ich vor über 10 Jahren gelesen und mir gemerkt, den Sinn habe ich erst nach einigen Jahren verinnerlicht.

Seitdem hilft es daran zu denken, BEVOR ich mich anfange zu ärgern. Hilft mir und (ein klein wenig) meinem direkten Umfeld, schadet keinem Dritten, also risikolos anzuwenden (mit oder ohne "Guschenpulli").

Was denken Sie? Lieber ausgeglichen und ärgerlos durch diese Zeiten? Oder gehört Granteln und Grummeln zur Volksseele dazu. Schreiben Sie uns an: absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld...

Simple Mathematik sind die Corona-Fallzahlen schon lange nicht mehr. Insbesondere seit das Regelwerk zum Eindämmen der Pandemie immer verästelter und komplexer wird. Masken am Arbeitsplatz ja, aber nur auf dem Weg zur Toilette und auf den Gängen. Sperrstunde für alle ab 23 Uhr, außer in ein paar klagenden Kneipen.

Ein wenig wünschte ich mir in diesen Zeiten da simple Mathebeispiele. In Japan zum Beispiel machte am Anfang der Pandemie der Experte Shigeru Omi die Runde. Immer wieder sagt er, dass alle ihre Kontakte um 80 Prozent senken müssten. Omi wiederholte das so oft, bis ihm der Spitzname "Mister 80 Prozent" anhing. Und ja die Ansage war drastisch, doch sie half. Und sie war auch irgendwie fair, weil es eben alle im gleichen Maße traf.

Inzwischen deutet viel darauf hin, dass schon weniger Einschränkung helfen würde. In Baden-Würtemberg rief der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) jüngst zum Beispiel dazu auf, die Kontakte um 50 Prozent zu reduzieren [stuttgarter-nachrichten.de]. Und ja, es ist natürlich bekannt, wie schwierig man sich in diesen Breitengraden mit schwäbischen Ideen tut. Aber sollte man es nicht mal versuchen?

"Adé, gell", sagt

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