Gläser an einer Berliner Bar (Quelle: dpa/Kalaene)
Video: Abendschau | 10.03.2020 | Max Kell | Studiogespräch mit Gerd Gigerenzer | Bild: dpa/Kalaene

Zweiter Club mit vielen Infizierten - 26 Corona-Infizierte feierten in Berliner Clubs

Mehr als die Hälfte der bis Dienstagmittag bekannten Corona-Infizierten in der Hauptstadt hatte in zwei Berliner Clubs gefeiert. Nun geraten Clubs als Verbreitungsweg ins Visier - erste Amtsärzte plädieren für schärfere Auflagen. Von Robin Avram

Rund die Hälfte der in Berlin bis Dienstagmittag behördlich bekannten Sars-CoV-19-Infizierten haben in Berliner Clubs gefeiert. Entsprechende Recherchen des rbb bestätigte das Bezirksamt Mitte am Dienstag auf Anfrage.

Demnach hatten neun der bis Dienstagmittag bekannten 48 Berliner Covid-19-Erkrankten am 27. Februar im Berliner Club The Reed nahe dem Alexanderplatz gefeiert. Das geht aus einer Mail der Clubbetreiber an seine Gäste hervor, die dem rbb vorliegt. "Es ist leider Fakt, dass (...) mindestens neun der Gäste im Nachgang einen positiven Covid-19-Befund bekamen", heißt es dort. 

Club-Besucher ausfindig gemacht

Es ist bereits der zweite Fall, in dem viele Berliner Covid-19-Infizierte über einen gemeinsamen Club-Besuch identifiziert werden konnten. Am Montag bestätigte die Gesundheitsverwaltung: Bei 17 Personen, die am 29. Februar in dem Club Trompete am Lützowplatz in Mitte gefeiert hatten, ist inzwischen das Coronavirus nachgewiesen worden. Auch zwei Berliner Polizisten, die an diesem Abend in der Trompete waren, wurden positiv auf Covid-19 getestet.

Die beiden Clubs waren in den Fokus der Gesundheitsämter geraten, weil zwei Covid-19-Patienten angegeben hatten, dass sie dort einen Abend lang gefeiert hatten. Allein im Fall der Trompete machten die Gesundheitsämter nach Angaben des Bezirks Charlottenburg daraufhin 300 Gäste ausfindig - und testeten diejenigen, die Symptome zeigten, auf das Coronavirus.

Viele Leute auf engem, stickigem Raum

Ob sich diese Menschen alle wirklich in den Clubs ansteckten, ist offen. Theoretisch könnten sie sich auch anderswo mit dem Coronavirus infiziert haben. Laut dem Amtsarzt von Reinickendorf Patrick Larscheid erfüllen gut besuchte Clubs jedoch mehrere Risikofaktoren, die eine Ansteckung begünstigen: "Viele Leute auf engem, stickigen Raum, sehr enge soziale Kontakte – da kann sich jeder ausrechnen, wo es ein Problem wird."

Larscheid plädiert deshalb für strengere Auflagen für Berliner Clubs. "Wir können [...] eigentlich nicht mehr [...] viele Leute auf einen Haufen stecken, wenn wir jetzt wirklich noch eine intensive Infektionsprävention machen wollen", sagte Larscheid rbb|24. Auch der Chef-Virologe der Charité, Christian Drosten, plädiert dafür, öffentliche Veranstaltungen stärker einzuschränken. "Die großen Versammlungen, die Vergnügen darstellen, auf die müsste man verzichten, wie Fußball und Schützenfest", sagte der Virologe am Dienstag dem NDR.

Stadtrat appelliert an Eigenverantwortlichkeit der Clubbesucher

Entscheiden über schärfere Auflagen für Clubs müssen die Bezirke. Doch soll Berlin wirklich so weit gehen, Institutionen wie Berghain und Watergate so stark zu gängeln, dass sie schließen müssen? Schließlich haben die Clubs Berlin einen internationalen Ruf als Partymetropole eingebracht.

Der Sprecher der Berliner Clubkommission, Luchs Leichsenring, lehnte auf rbb-Anfrage ein Interview zu dem Thema ab. Er werde sich möglicherweise am Mittwoch äußern, wenn einiges geklärt sei.

Der Gesundheitsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Detlef Wagner (CDU) sagt rbb|24: "Wenn wir jetzt an Clubs gehen würden, dann müssten wir das auch bei jeder Privatfete in kleinen Räumen machen, wo sich viele Menschen treffen. Ich glaube eher, dass es jetzt ganz stark auf die Eigenverantwortlichkeit der Menschen ankommt," so Wagner. Wer Husten, Halskratzen oder Fieber habe, sollte nicht in den Club gehen.

Weisen Clubs bald alle italienischen Touristen ab?

Auflagen für Clubs würden aber schon erteilt, so Wagner. So werde die Amtsärztin seines Bezirkes die Clubbesitzer in Charlottenburg anweisen, dass alle Personen, die den Club besuchen, registriert werden, damit sie im Falle einer Infektion zurückverfolgt werden können. Personen, die in den vergangenen 14 Tagen in Risikogebieten waren, sollten zudem generell von Veranstaltungen fern gehalten werden.

Das hieße dann aber auch: Clubverbot für alle italienischen Touristen. Denn am Montag erklärte Italiens Premier Guiseppe Conte das ganze Land zum Risikogebiet.

Mittes Bürgermeister fordert abgestimmtes Vorgehen

Der sonst für markige Ordnungspolitik bekannte Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne) hält sich bei der Frage nach Auflagen für Berliner Clubs zurück. Es brauche hier ein abgestimmtes Vorgehen aller Bezirke, sagt er.

Dabei bringen die Masseninfektionen in den beiden Mitte-Clubs Trompete und The Reed von Dassels Gesundheitsamt bereits an den Rand der Belastungsgrenze. 14 Mitarbeiter anderen Abteilungen des Bezirksamts Mitte seien bereits von anderen Aufgaben abgezogen worden - und telefonieren nun hunderten Kontaktpersonen hinterher, die in Quarantäne gestellt werden und zwei Wochen lang überwacht werden müssen. Wie länge lässt sich dieser Aufwand noch durchhalten?

Am Nachmittag sind die Amtsärzte der Bezirke bei der Corona Taskforce der Gesundheitsverwaltung zu Gast. Dort beraten sie zur Stunde mit der zuständigen Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) über weitere Einschränkungen für Clubs. Es dürfte kontrovers diskutiert werden.

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Beitrag von Robin Avram

21 Kommentare

  1. 21.

    Für das Leben Anderer? Lesen Sie eigentlich manchmal was Sie schreiben? Ihre Hysterie und Panikmache scheint keine Grenzen mehr zu kennen.

  2. 19.

    Habe gerade gelesen RBB24 : Union spielt vor vollem Haus. Alles böse Menschen ?

  3. 18.

    Ansteckungswahrscheinlichkeiten verringert man indem man solche Veranstaltungen reduziert. Schlagen Sie vor mit den wichtigen Veranstaltungen, die nicht dem Vergnügen dienen, zu beginnen, oder wie ist ihr Kommentar zu verstehen?

  4. 17.

    Endlich? In Berlin kann man doch tun und lassen was man will. Daher sind die Menschen wohl auch nicht gewohnt, ihre Freiheit für das Leben anderer mal ein bisschen einzuschränken!

  5. 16.

    So nachvollziehbar Ihre Meinung auch ist, halte ich es nicht für sehr sinnvoll diesen "Egoismus" anzuprangern - und zwar aus folgendem Grund:

    Am 01.03. wurde der erste CoViD-19-Fall in Berlin registriert. Zum Zeitpunkt des Clubbesuchs in der Trompete gab es also offiziell noch keinen einzigen nachgewiesenen Covid-19 Fall in Berlin. Berlin war sauber an dem Tag! In ganz Deutschland gab es an dem Tag zwar schon 70 Infizierte, aber Berlin war sauber.

    Jetzt Vorwürfe zu machen, ist ziemlich einseitig. Wie viele Menschen sind doch zum Bundesliga-Fußball und anderen Großveranstaltungen in dieser Zeit gegangen. Jetzt haben wir über 1000 Fälle und können drüber nachdenken, was zu tun ist.

  6. 15.

    Das Virus macht natürlich keinen Unterschied - jedoch die Frage, was unnötig und somit vermeidbar wäre (Freizeitaktivitäten/Party machen) und was schwer vermeidbar ist (bei weiterem Arbeistweg die S- oder U-Bahn nehmen). Manche Menschenansammlungen lassen sich im Alltag schlecht vermeiden - in der Freizeit aber schon, und seit wann geht Spaß einelzelner vor Gesundheit vieler?

  7. 14.

    Endlich gibt es wieder etwas zu verbieten.
    Klingt so als wären alles kriminelle ,die den Club besuchen. Bleibt dochal alle auf dem Boden.

  8. 13.

    Sowas von egoistische Zeitgenossen. Wenn diese Menschen so dumm sind und immer ihren Spaß haben müssen, ohne Rücksicht auf andere Menschen, muss der Staat soetwas ebend verbieten.
    Zum Wohle der anderen Menschen.

  9. 12.

    In der Trompete hat ein Infizierter in einer Nacht mindestens 16 Mitmenschen angesteckt. Das geht in Clubs ganz schnell, denn man spuckt sich zwangsläufig gegenseitig Speicheltröpfchen ins Gesicht, wenn man bei der enormen Lautstärke auch nur mal kurz kommunizieren will.
    Wer das nicht zum Anlass nimmt, solche Tanzveranstaltungen sofort konsequent zu verbieten, der handelt extrem fahrlässig. Schließlich arbeiten viele der jungen Clubgänger tagsüber als Altenpfleger, Krankenschwester oder in ähnlichen sozialen Berufen.

  10. 11.

    Dass die Clubs nicht schon längst geschlossen wurden zeigt, dass die Behörden die Lage immer noch nicht ernst nehmen.

  11. 10.

    "Die großen Versammlungen, die Vergnügen darstellen, auf die müsste man verzichten, wie Fußball und Schützenfest"

    ach- das Virus macht einen Unterscheid, ob man sich zum Vergnügen unter Menschen begibt oder zum Arbeiten bzw. sonstigen Gründen? Muss dann wohl doch ein deutsches Virus sein...

  12. 9.

    Wieder mit Vorsicht zu genießen! Wir kennen die Dunkelziffer der Infektionen nicht.
    Da könnte auch eine hohe Zahl von Zufallstreffern dabei sein, welche sich nun als vermutliche Kontaktperson haben testen lassen und möglicherweise bei einer ganz anderen Kontaktquelle infiziert haben.

  13. 8.

    Aus dem Alter (jedes Wochenende) in einen Club zu müssen bin ich grundsätzlich raus (aber die Gefahren lauern ja auch in anderen Räumlichkeiten, wo man geschlossen und längere Zeit am Stück mit mehreren Menschen verbringt). Jedoch fallen hier doch nur deshalb so viele Fälle auf, weil es sich um geschlossene Veranstaltungen handelt und man das "Glück" hatte aufgrund anderer Umstände getestet zu werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die eigentlichen Infektionen an anderen Orten in viel größerer Zahl erfolgen (und hier bin ich leider drauf angewiesen): S und U Bahnen etc. Aber da hier keine Möglichkeit der Nachverfolgung besteht, wird halt auch nichts getestet. Und wo nichts getestet wird, da gibt's halt auch keine Zahlen. Immerhin hat unser GM Spahn inzwischen die Thematik ÖPNV erkannt. Sein dringender Rat: In Großstädten soll man den ÖPNV nicht nutzen, sondern das Rad nehmen oder laufen" Danke Herr Spahn. Sehr realistischer Vorschlag (in einer Stadt wie Berlin).

  14. 7.

    Ich frage mich, warum man nicht die Clubs schließt. Im Fußballstadion bei Hertha oder Union wird sicherlich weniger irgendwas übertragen als in diesen Clubs

  15. 6.

    Nein, sofern Sie gesteigerten Wert auf Infektionen mit Spirochäten, Chlamydien, Gonokokken, Papillomaviren, Retroviren etc. legen. Das bisschen Coronaschnupfen stecken Sie so weg.

  16. 5.

    Es gibt sicherlich Leute die sagen " ach mir ist das egal, mich trifft es ja sicherlich nicht".
    Die sagen ich gehe Party machen und feiern. Oder siehe die, die nicht auf Ihr Fußball verzichten wollen
    ob wohl sie es sich ja im TV anschauen können.

    Aber es gibt auch Menschen die es anders sehen, sicherlich auch nicht nur die älteren in unserer Gesellschaft.

    Von daher kann ich es nicht richtig verstehen und nachvollziehen.
    Das man sich mit Absicht ohne Rücksicht auf andere sich in die Masse stürzt.
    Ich mag Fußball und auch Partys und Disco aber ....

  17. 4.

    Wie verhält es sich eigentlich mit Swingerclubs? Da ist man ja sehr nahe bei einander, und beim Sex wird auch viel geknutscht. Sollte man sowas derzeit meiden? Wäre ja schade...

  18. 3.

    Warum eigentlich nicht eine bundesweite einheitliche 7/24 Telefonnummer? Es gibt zig Telefonnummern, die alle zu unterschiedlichen Zeiten erreichbar sind und ständig besetzt...

  19. 2.

    wie "gefährlich" ist in S und U Bahn?

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