Der regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) während einer Pressekonferenz im Roten Rathaus zum Thema Coronavirus (Bild: dpa/Annette Riedl)
Audio: Inforadio | 10.03.2020 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/Annette Riedl

Coronavirus - Müller will Großveranstaltungen vorerst nicht pauschal verbieten

In Bayern wurden vorerst alle Events mit mehr als 1.000 Menschen untersagt. Damit folgt das Land der Empfehlung von Gesundheitsminister Spahn. Die Berliner Regierung hält von solchen Alleingängen nichts - am Donnerstag sollen die Länder gemeinsam entscheiden.

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Großveranstaltungen werden in Berlin weiterhin nicht pauschal untersagt, um eine Ausbreitung des neuen Coronavirus einzuschränken. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Dienstag in einer Pressekonferenz, dass nur eine bundesweit einheitliche Regelung sinnvoll sei. "Das macht keinen Sinn. In Zehlendorf werden Veranstaltungen abgesagt und 100 Meter weiter in Kleinmachnow finden sie statt", sagte er.

Beim Treffen der Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag solle über den Umgang mit besucherintensiven Ereignissen gesprochen werden, so Müller. Vorerst bleibe es dabei, dass Großveranstaltungen kritisch hinterfragt würden. "Im Einzelfall wird aber nach wie vor überprüft und entschieden, in Abstimmung auch mit den Gesundheitsämtern", so Müller.

Geisel fordert ebenfalls einheitliche Regelung

Innensenator Andreas Geisel (ebenfalls SPD) kritisierte den empfohlenen Grenzwert von 1.000 Teilnehmern für die Absage von Veranstaltungen als willkürlich. "Einfach mal eine Größenordnung in den Raum zu stellen, dann aber nicht durch die Bundesregierung eine klare Verordnung rauszugeben, an der man sich orientieren kann, ist schwierig", sagte der SPD-Politiker am Dienstag im Sender RTL/n-tv.

Geisel forderte eine bundesweit einheitliche Regelung. Theater, die maximal 700 Plätze haben, dürften weitermachen. "Das zeigt auch die Willkürlichkeit einer Festlegung von tausend Menschen", sagte Geisel. "Ich rate dazu, mit kühlem Kopf zu entscheiden und immer das Ende zu bedenken." In Berlin werde vorerst weiter für jede Veranstaltung eine individuelle Entscheidung getroffen statt einer pauschalen Regelung.

Nach Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte auch das Robert-Koch-Institut (RKI) am Dienstag dafür plädiert, Events mit mehr als 1.000 Menschen abzusagen.

Konzertveranstalter: "Wo soll dieses Geld herkommen?"

Veranstalter von Konzerten müssen demnach mit Absagen rechnen. Noch sei das nicht der Fall, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Konzertveranstalter, Jens Michow dem rbb. "Wir stellen fest, dass Veranstaltungen durchaus auch mit älteren Leuten bis in die letzte Reihe besetzt sind." Aber man könne sicherlich davon ausgehen, dass sich das Kaufverhalten der Menschen aufgrund des Coronavirus ändern werde.

Viele Veranstalter würden im Falle einer Absage auf den Kosten sitzen bleiben. Das könne sehr schnell zu existenziellen Ängsten führen, sagte Michow im rbb-Inforadio. "Wenn es so kommt, wie es jetzt aussieht, werden Überbrückungskredite nicht ausreichen, denn Kredite müssen auch zurückgezahlt werden - wo soll dieses Geld herkommen?", so Michow weiter. Die Konzertveranstalter würden stattdessen Gelder vom Staat brauchen, um entgangene Gewinne, aber auch die erheblichen Kosten zu kompensieren.

RKI: Auf Fußballspiele verzichten

Ob in Berlin Sport-Veranstaltungen abgesagt werden, werde laut Innensenator Geisel im Laufe der Woche entschieden. Dabei gehe der Bevölkerungsschutz vor, aber das müsse auch mit kühlem Kopf und auf Grundlage von Fakten entschieden werden. Im Moment gehe Geisel das zu schnell. Wie am Dienstag bekannt wurde, werden die beiden Bundesliga-Derbys zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund (Samstag), sowie dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbah (Mittwoch) wegen des Coronavirus ohne Zuschauer stattfinden.

Das RKI rät vom Besuch von Fußballspielen ab. Präsident Lothar Wieler sagte, für ihn wiege der Schutz älterer Menschen schwerer als das persönliche Interesse am Besuch eines Fußballspiels. "Es gibt einfach Dinge, auf die man auch verzichten kann. Und aus meiner Sicht kann man eben auch verzichten, zu einem Fußballspiel zu gehen."

Sendung: Radioeins, 10.03.2020, 11:45 Uhr

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53 Kommentare

  1. 53.

    Wer macht Panik? Ich sehe hier keinen.

    Am besten schicken wir Sie mal in ein Krankenhaus in der Lombardei. Und dann sagen Sie mir bitte, ob es während der Grippewellen dort schlimmer ist.

  2. 51.

    @KE

    Wir sind hier genauso vorbereitet wie Italien. Das ganze ist an Peinlichkeiten nicht zu übertreffen. Es gab Zeit einiges vorzubereiten nach dem in China es los ging, aber wir haben kaum Schutzkleidung und rennen der Lage hinterher. Bis jetzt haben wir mehr Glück als verstand und die Aussagen der Politik und Medien helfen nicht die Situation zu entspannen.

  3. 50.

    Also diese ganze Panikmache bringt mich nur zum schmunzeln.
    Selbst bei einer normalen Grippewelle sterben weltweit mehr Menschen als dies jetzt passiert.
    Dann aber auch bitte SOFORT den öffentlichen Nahverkehr einstellen und Kaufhäuser mit Kunden von mehr als 1000 Besuchern schließen.

  4. 49.

    Noch so ein Egoist der nicht sieht dass er andere Menschen die weiter für ihn arbeiten müssen per se als Menschen zweiter Klasse abstempelt, die scheinbar weniger wert sind.
    Es gäbe nur eine Lösung für die ganzen paniker hier und das wäre das ganze Leben einzustellen das fordert dann aber richtig viele Tote, weil keine Grundversorgung mehr gegeben ist, einfach mal darüber nachdenken.

  5. 48.

    Unmöglich, wie unterschiedlich Länder und Kommunen bezüglich der Absage von Großveranstaltungen handeln. Kein konsequentes einheitliches Vorgehen. Brauchen wir erst 50-100 Tote??? Italien und die DEL sind wenigstens so konsequent!

  6. 47.

    Alleingang? Also ich fürchte, Berlin wird alleine dastehen. Inzwischen folgen auch andere Länder außer Bayern der Empfehlung.

  7. 46.

    Ich halte diese Absage von Veranstaltungen für einen äußerst fragwürdigen Aktionismus. Wenn Menschen an fünf Tagen in der Woche dichtgedrängt ihren Arbeitsweg in Massenverkehrsmitteln zurücklegen müssen, am Arbeitsplatz mit hunderten von Kunden in Kontakt kommen und beim Einkaufen vielen unbekannten Menschen im Supermarkt begegnen, dann wird es kaum helfen, Ihnen nach Feierabend Konzerte oder am Wochenende das Fußballspiel zu verbieten.

  8. 45.

    Sie sagen es. Diese unsinnigen Vergleiche zwischen Events und dem ÖPNV oder auch Events und dem Arbeitsplatz. Eigentlich ist es auch eine Frage der Belastbarkeit des Gesundheitssystems. Bsp. wenn im Fussballstadion ein Infizierter erkannt wird und sich danach dann 50000 Menschen melden, die im Stadion waren... Was soll dann geschehen? Alle isolieren? Alle testen? Beim ÖPNV kann man nicht genau sagen, wer wann wo sich infiziert. Am Arbeitsplatz sind natürlich die Kollegen als Kontakte leicht festzumachen. Ganz unabhängig davon, dass der ÖPNV eben auch wichtig ist. Events sind es nicht.

  9. 44.

    Die aktuelle Liste jener Bundesländer, in denen Großveranstaltungen abgesagt wurden:
    Bremen
    Bayern
    Nordrhein-Westfalen
    Hessen
    Rheinland-Pfalz
    Schleswig-Holstein
    Thüringen
    Woanders gehts also.

  10. 43.

    Ja @ Tina, es ist unfassbar was Sie von sich geben. Der gesunde Menschenverstand gebietet es alle Vorkehrungen zur Eindämmung zu treffen. Leider scheint der einer ganzen Menge zu fehlen was sich nicht nur in der Corona-Thematik zeigt. Das Risiko einer Ansteckung ist im Berufsverkehr natürlich ähnlich hoch. Dennoch muss das Leben weitergehen. Das heißt aber auch das ALLES, was nicht unbedingt notwendig ist mal für einen gewissen Zeitraum zu unterlassen. Das wird doch wohl möglich sein.

  11. 42.

    In sehe das etwas radikaler. Die Rechnung in Menschenleben und nicht in Euro erfolgen.
    Hier wird nur die Wirtschaft geschützt.
    Hunderte von Millionen für Spieler ausgeben, aber kein Spiel absagen können - das ist unsere Fußballwirtschaft.
    Ich lese keine Bild (auch wenn man um die eine oder andere Schlagzeile nicht drum herumkommt).
    Ich höre mir jeden Tag den Podcast von Prof. Drosten - dem Virologen der Charite an. Das sind m.E. sachliche Informationen. Kann ich nur empfehlen.
    Und dieser Mensch empfiehlt-so wie mein Bauchgefühl auch - solche Massenveranstaltungen zu verbieten, besser noch gar nicht erst in Betracht zu ziehen. Ja, das bedeutet Verzicht und harte Einschläge in der Wirtschaft. Aber nochmal - ich rechne in Menschenleben-meine Mutter, mein Vater, deine Mutter, deine Oma, dein Opa, dein Onkel, deine Tante - um die und überlastete Krankenhäuser und Personal müssen wir uns Sorgen machen, nicht dass ein paar Menschen Corona mit ein paar Erkältungssymptomen bekommen.

  12. 41.

    Das sind Menschen, denen das Leben anderer Menschen nicht komplett am A... vorbei geht, wie z.B. Ihnen.

    Und auch an Sie: bitte schauen Sie die Definition von Hysterie nach und verwenden Sie das Wort in Zukunft nur, wenn es auch zutrifft.

  13. 40.

    Was genau soll ich denn verstehen? Bitte klären Sie mich auf! Bitte! Nur Sie können das! Sie sind meine letzte Hoffnung!

  14. 38.

    "Können Sie sicherstellen, dass Sie danach bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs oder beim Reisen genug Abstand zu den älteren Herrschaften also 75+ oder anderen Personen halten können, denen man nicht ansieht dass sie durch Vorerkrankungen gefährdet sind."

    ick fahre mit dem Rad :o)

    Aber zur Grundsatzfrage: Nein, kann ick nicht. Kann ick aber tags darauf, wenn ick zur Arbeit oder anderen Erledigungen fahren MUSS auch nicht.

    Aufklärung und Information ist wichtig, aber Hysterie ist kontraproduktiv. Dann müsste das gesellschaftliche Leben tatsächlich komplett abgeschaltet werden. Also Weltquarantäne!

  15. 37.

    Hahaha, na Sie mir ja eine. Da haben Sie Ihren Artikel einfach vergessen als Ironie zu kennzeichnen. Ich gehe jedenfalls sicher davon aus dass das nicht Ihr Ernst ist, alles andere hätte haushohen Fremdschämcharakter und wäre mehr als peinlich.

  16. 36.

    Sehe ich genauso, Andreas!

  17. 35.

    Unsinniger Vergleich. Es geht um Veranstaltungen. Können wir alle nicht mal auf so etwas eine Zeitlang verzichten? Die Verkehrsmittel muss man nutzen.

  18. 34.

    So sieht es aus. Warum Berlin nicht einfach die Empfehlung umsetzt, ist mir schleierhaft, zumal andere Bundesländer schon gehandelt haben.

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