Das Ernst von Bergmann Klinikum am 01.04.2020 (Bild: dpa/Soeren Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.04.2020 | Karsten Steinmetz | Bild: dpa/Soeren Stache

RKI-Experten in Potsdam - 83 Corona-infizierte Mitarbeiter am Bergmann-Klinikum

Das Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum ist von einem massiven Corona-Ausbruch betroffen: 83 Mitarbeiter wurden bislang positiv getestet. Inzwischen gibt es neun Tote, die mit Covid-19 infiziert waren. Die Klinik hat sich nun Hilfe vom Robert-Koch-Institut geholt.

Was Sie jetzt wissen müssen

Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam verzeichnet mittlerweile neun Todesfälle von Patienten, die mit dem neuen Corona-Virus infiziert waren. Zuletzt starb in der Nacht zu Freitag ein 76-jähriger Patient, der mit dem Virus infiziert war, wie die Klinik mitteilte. 

79 Covid-19-Patienten werden den Angaben zufolge in dem Haus versorgt, davon sind 13 auf der Intensivstation, zehn von ihnen werden beatmet. Acht Patienten konnten bislang gesund entlassen werden.  Momentan nimmt die Klinik nur noch unabweisbare Notfälle auf.

Bislang 83 Mitarbeiter positiv getestet

Inzwischen ist die Klinik konsequent geteilt worden: In einem Bereich sind die positiv getesteten, in einem anderen die negativ getestete Patienten untergebracht. 

Nachdem es am vergangenen Wochenende in dem Haus zu einer auffälligen Anzahl positiver Tests auf das Coronavirus gekommen war, hatte sich die Klinik entschieden, alle stationären und alle geplanten Patienten sowie alle Mitarbeiter zu testen. Nach Angaben der Klinik wurden bis zum Donnerstagabend 83 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet. Von den Insgesamt 2.370 Angestellten im Haus seien 1.342 getestet worden.

Von jeder positiv getesteten Person müssen nun die Kontakte ermittelt werden, sagte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert am Freitag im rbb. Infektionswege müssten überprüft und geschaut werden, welche Stationen betroffen seien. "Und das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch."

Klinikum holt sich Hilfe vom Robert-Koch-Institut

Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, berät die Krankenhaus-Leitung mit dem Robert-Koch-Institut über das Vorgehen. Ein Team der Berliner Behörde hat sich am Freitag in dem Krankenhaus umgesehen.  

Die Experten wollen dem Klinikum bis Anfang kommender Woche einen schriftlichen Bericht mit Handlungsempfehlungen übergeben, wie Schubert am Abend mitteilte. "Wir werden uns den Bericht anschauen und die empfohlenen Maßnahmen im Klinikum sorgsam umsetzen", sagte Schubert. "Wann und in welchen Schritten das Klinikum wieder den Vollbetrieb aufnehmen kann, können wir erst nach Vorliegen des RKI-Berichtes und in Abstimmung mit den Medizinern entscheiden."

Mitarbeiter müssen FFP2- und FFP3-Masken tragen

Wie sich das Virus unter den Patienten ausgebreitet hat, wird nach Angaben des Krankenhauses derzeit geprüft. "In einem Krankenhaus können die Wege des Patienten dahingehend nachvollzogen werden, welche Untersuchungen absolviert wurden und auf welchen Stationen dieser Patient gelegen hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Patienten überhaupt innerhalb des Klinikums infiziert haben", teilte das Ernst-von-Bergmann-Klinikum mit. Patienten könnten auch, sofern sie symptomfrei sind, schon mit Covid-19 ins Klinikum aufgenommen worden sein.

Im Umgang mit Patienten sind die Klinikums-Mitarbeiter angewiesen, Masken mit dem Schutz FFP2 zu tragen, zum Teil auch FFP3, wie Schulz sagte. Die speziellen Masken schließen dicht am Gesicht ab und sind mit Filtern ausgestattet. Das Problem: Schutzmasken sind derzeit Mangelware.

Verdi verlangt mehr Schutz

Mit Hinweis auf die Situation am Bergmann-Klinikum forderte die Gewerkschaft Verdi am Freitag mehr Schutz für Beschäftigte und Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Das Land Brandenburg müsse einen Weg finden, Masken, Schutzkittel, Schutzbrillen, Handschuhe und Desinfektionsmittel in ausreichender Menge zu besorgen, beziehungsweise produzieren zu lassen, hieß es in einer Presseerklärung. Es sei bereits absehbar, dass die vorhandenen Bestände nicht ausreichten. 

Sendung: Brandenburg aktuell, 03.04.2020, 19.30 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Das Bergmann-Klinikum ist schon immer ein Dreckstall gewesen auch ohne Corona. Diese Bude gehört endlich zugemacht.
    Die Hygiene lässt dort zu wünschen übrig und das war schon vor über 10 jahren so, gebessert hat sich nichts.

  2. 7.

    Ich mache mir große Sorgen, gerade weil dort keine Laientruppe unterwegs ist. Soweit stimme ich Ihnen zu. Die Todesfälle sind wohl soweit auf die Virusinfektion zurückzuführen. Ich komme aus der Zahnmedizin und kenne mich entsprechend mit Hygiene aus. Es muss noch einen anderen Übertragungsweg innerhalb der Klinik geben und denke, man sollte sich die Lüftungssysteme genauer ansehen!

  3. 6.

    Typisch Verdi, einfach mal eine Forderung aufstellen, obwohl alle allehänderingend sich um Schutzausrüstung bemühen. Die Gewerkschaft muss anscheinend einfach ihren Senf dazu geben und sei er noch so wenig hilfreich.

  4. 5.

    Es ist ja nicht so das im EvB eine Laientruppe unterwegs ist. Es stellt sich mir die Frage wo ( wer) dort die eklatanten Fehler gemacht wurden (hat). In anderen Bundesländern in z.b Altenheimen kümmert sich bei solchem vermeintlichen Fehlern die Staatsanwaltschaft um die Todesfälle! Warum schaut hier im EvB nicht mal jemand von unserer Exekutiven vorbei ???

  5. 4.

    Schutzmasken und Schutzkleidung sind derzeit Mangelware. , in Krankenhäusern und in Arztpraxen, von denen schon nicht wenige deshalb geschlossen haben. Die Zahl der Intensivbetten mit Beatmung wurde aufgestockt, der Flaschenhals ist aber das mit der Bedienung geschulte Personal. insofern ist Deutschland eben nicht gut vorbereitet . Durch den Mangel an Schutzkleidung fällt zunehmend mediz. Personal aus, was die Situation weiter verschärft .Mit einer Pandemie wird nicht unbedingt gerechnet, aber seit dem Ausbruch in China wäre noch Zeit gewesen Vorbereitungen zu treffen, das wurde aber unterlassen. Nicht nur von Deutschland, sondern weltweit . hätte, müsste, sollte usw. sind jetzt nebensächlich

  6. 3.

    " Das Problem: Schutzmasken sind derzeit Mangelware. "

    daran kommt der Bericht mit Handlungsempfehlungen nicht vorbei , wir wohl auf die Schließung rauslaufen

  7. 2.

    Sie könnten ja mal bei der Berliner Polizei nach Schutzkleidung fragen, schließlich hamstert die ja jetzt. Ach ne, Polizei ist ja was besseres.

  8. 1.

    Kein Wunder, wenn das Personal, welches Patientenkontakt zu Corona-Toten hatte, nicht getestet wird, weil zu wenig Tests vor Ort sind, dennoch weiterarbeiten muss, da sie selbst noch keine Symptome zeigen. Auch nicht verwunderlich, wenn Einmalmundschutz drei Tage lang getragen werden muss, da Mangelware! Nennt die Missstände doch einfach mal beim Namen, statt sie unter den Teppich zu kehren!

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