"Hygienische Schweinerei großen Ausmaßes" - Warum Einmalhandschuhe nicht vor Corona schützen

Do 09.04.20 | 13:12 Uhr
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Einweghandschuhe (Quelle: dpa/Stratenschulte)
Bild: dpa/Stratenschulte

Neben Menschen mit Mundschutz sieht man inzwischen auch viele, die Einmalhandschuhe tragen. Macht das Sinn, um sich gegen das Coronavirus zu schützen? Keineswegs, sagen Experten. Es seien eher "Keimschleudern".

Die Kassiererin im Supermarkt trägt sie, der Paketbote und auch immer wieder Passanten auf der Straße. Nachdem das Robert-Koch-Institut (RKI) inzwischen das Tragen eines Mundschutzes befürwortet, fragen sich viele, ob auch das Tragen von Einmalhandschuhen vor einer Infektion mit dem Corona-Virus schützt.

Doch Experten verneinen das. Einmalhandschuhe seien oft, so der Arzt Marc Hanefeld auf Twitter, sogar eine "hygienische Schweinerei großen Ausmaßes". 

"Kloake an den Händen"

Denn ein Handschuh aus Kunststoff ist nichts anderes als eine zweite Haut - allerdings eine künstliche, die dazu verleitet, sie lange zu tragen, weil man sie für einen guten Schutz hält. Genau diese lange Tragezeit führt dazu, dass sich auf Handschuhen deutlich mehr Keime sammeln, als auf regelmäßig gewaschenen Händen.

Händewaschen bringt mehr

Nicht einmal das Ausziehen solcher Einmalhandschuhe sei möglich, ohne sich mit allen Keimen zu kontaminieren, die sich auf - und durch die Wärme - auch unter dem Handschuh angesammelt hätten, schreibt Hanefeld: "Spätestens nach dem Ausziehen hat man ohne Desinfektion eine Kloake an den Händen", warnt er. Sollen Einmalhandschuhe wirklich schützen, müsse man sich vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen der Handschuhe seine Hände desinfizieren. Das täten Nicht-Profis seiner Beobachtung nach in den seltensten Fällen.

Wer sich mit einem lange getragenen Handschuh ins Gesicht fasst, kann sich im Zweifelsfall eine große Keimladung in die Nähe von Augen, Mund oder Nase platzieren. "Eigentlich ist so ein Handschuh eine Keimschleuder", sagt deshalb der Lungenarzt Jens Mathew im Südwestdeutschen Rundfunk [SWR3] und rät vom Tragen ab. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen empfehlen Ärzte dagegen jedem.

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