Humboldt-Pinguine im Spreewelten Bad (Quelle: rbb/Jule Käppel)
Audio: Inforadio | 22.05.2020 | Jule Käppel | Bild: rbb/Jule Käppel

Ab Montag - Hotels bereiten sich auf Feriengäste vor

Ob Ostern oder Himmelfahrt - für die Hotels in der Region sind diese besucherstarken Reisezeiten wegen der Corona-Schließungen ausgefallen. Am 25. Mai kann die Saison jedoch beginnen und die ersten Häuser sind bereits ausgebucht. Von Jule Käppel

Im Hotel "Spreewelten" in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) gab es in den vergangenen zwei Monaten keine Animation für Touristen. Das Personal musste sich aber ein Unterhaltungsprogramm für die hier lebenden Dauergäste einfallen lassen - für die 26 Humboldt-Pinguine, die normalerweise die Schwimmer im Außenbecken beobachten. Erschreckt über die plötzliche Ruhe haben sie ihr Liebesleben eingestellt.

"Die Pinguine haben gemerkt, es ist was anders. Es sind keine Gäste da und irgendwas hat sich hier verändert und dadurch legen sie erstmal keine Eier", sagt Steven Schwerdtner, Marketingleiter von Spreewelten. Deshalb werden die die amüsierfreudigen Vögel und Hauptattraktion des Hotels mit Seifenblasen-Maschinen, Laserpointer-Jagd und Bällen bespaßt.

"Wir stehen im Startblock und sind empfangsbereit"

Steven Schwerdtner und Birgit Tanner vom Leitungsteam der Spreewelten können dank der Wiedereröffnung wieder lachen. Der Umsatzverlust für ihr Hotel und die Therme beträgt rund 2,5 Millionen Euro, doch jetzt zählt der Neuanfang im 220-Betten-Haus. In allen Zimmern wartet ein Glas Spreewald-Gurken auf die Urlauber. Die Fenster sind vom gelben Pollenstaub befreit. Die Wiese vor der Terrasse grünt in Golfrasen-Optik.

"Wir stehen im Startblock und sind empfangsbereit für unsere ersten Gäste", sagt Hotel-Direktorin Tanner. "Wir sind natürlich auch traurig über die Zeit, die vergangen ist, in der alles ganz still war. In den ersten 14 Tagen herrschte eine totale Starre. Es passierte gar nichts – kein Telefon, keine E-Mails. So langsam ist das alles wieder besser geworden."

Spuckschutz an der Rezeption (Quelle: rbb/Jule Käppel)
Bild: rbb/Jule Käppel

An der Rezeption befestigt der technische Leiter noch drei freischwingende Acrylglas-Scheiben an feinen Ketten. Dahinter arbeiten die Kollegen vom Empfang wie in einem Call-Center. Sie fragen vorab am Telefon nach den Namen der Reisenden und nehmen die erforderlichen Personendaten auf. Die Informationen müssen von allen Gästen gesammelt werden. Das gehört zum neuen Hotel-Alltag.

Frühstück und Abendessen gibt es künftig in gestaffelten Zeiten und serviert auf dem Teller. Ein Buffet ist nicht gestattet.

Kreative Zwangspause

Das ist für Romi Vogel von der "Pension Mandy" in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) besonders bitter. Die 54-jährige Inhaberin hat ihren Frühstücksraum erst Mitte Februar renoviert. Es riecht noch nach frischer Farbe.
"Neue Bestuhlung, neue Kühlstrecke, neue Beleuchtung, neue Elektrik und es hat noch keiner hier gefrühstückt", sagt die Chefin wehmütig. "Ob jemand das tolle Buffet in den nächsten Wochen nutzen kann, ist auch sehr fraglich."
Romi Vogel hat die Zwangspause kreativ verbracht und ihre Apartments mit Liebe zum Detail in themenbezogene Erholungsorte umgestaltet. Der Familienbetrieb im südlichen Zipfel Brandenburgs ist auch ohne Buffet voll ausgelastet. Über Pfingsten sind alle neu designten Zimmer belegt.

Inhaberin Romi Vogel im frisch renovierten Frühstücksraum (Quelle: rbb/Jule Käppel)
Bild: rbb/Jule Käppel

Ferienplanung hat sich geändert

Im Hotel Spreewelten ist die Nachfrage ebenfalls hoch und die Touristen wollen länger im Spreewald bleiben. Anstatt der üblichen zwei oder drei Tage haben sie für den Sommer über eine Woche gebucht. Birgit Tanner von den Spreewelten beobachtet eine Veränderung in der Ferienplanung der Gäste: "Der Spreewald ist ohnehin eine sehr beliebte Destination bei den Urlaubern. Ich glaube, dass die Deutschen definitiv mehr Urlaub im eigenen Land machen und da gehört der Spreewald mit Sicherheit dazu. Ich denke, das wird zunehmen."

Sendung: Inforadio, 22.05.2020, 08:40 Uhr

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Beitrag von Jule Käppel

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1 Kommentar

  1. 1.

    Schön für Urlauber und Hoteliers, dass wieder Urlaub gemacht werden kann. Aber Humboldt-Pinguine zum Spass zu halten und "artgerecht " mit Seifenblasen( Chemie) und Laserpointern zu quälen , das ist ja total krank. Auch die Nachzucht dieser gefährdeten Tierart sollte wohl nicht in Hotelanlagen stattfinden. Wer genehmigt denn so etwas? Wer dorthin fährt und so etwas akzeptiert, sollte bitte versuchen nachzudenken. Urlaub kann auch anders schön sein. Oder woanders.

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