Archivbild: Eine Pflegerin hält am 03.06.2009 die Hand einer todkranken Patientin. (Quelle: dpa/Norbert Försterling)
Bild: dpa/Norbert Försterling

Corona und die Toten - Warum man Zahlen zur Sterblichkeit mit Vorsicht lesen sollte

Über die Corona-Sterblichkeit kursieren viele Behauptungen in Politik und Netz. rbb|24 erklärt, wieso auch niedrige Todeszahlen problematisch sein können und was falsche und wahre (Un-)Gewissheiten sind. Von Haluka Maier-Borst

Nun ist die zweite Phase der Pandemie auch an den allerletzten Orten angekommen. In den Pathologien und auf den Friedhöfen. Die Zahl der Corona-Toten in Berlin und Brandenburg steigt wieder – allerdings auf niedrigem Niveau. 22 Tote an einem Tag waren bisher der Höchststand in Berlin für die zweite Phase der Epidemie, acht in Brandenburg. Das klingt nach sehr wenig und doch ist das eine beunruhigende Entwicklung. Und zwar aus zwei Gründen, die auch alle anderen Zahlen der Pandemie beeinflussen: Exponentielles Wachstum und Zeitverzug.

Um vielleicht nicht gleich mit morbiden Zahlen anzufangen, ein Vergleich. Wenn auf einem Teich sich die Zahl der Seerosen jede Woche verdoppelt und nach zehn Wochen der Teich zu einem Viertel bedeckt ist, wie lange braucht es noch, bis der Teich ganz bedeckt ist?

Zwei Wochen. Was langsam angefangen hat, geht plötzlich rasend schnell. So funktioniert exponentielles Wachstum und das ist es, was auch die Todeszahlen antreibt.

Wie schnell aus ein paar Toten ein paar hundert werden könnten

Man sieht, dass sich bislang die Zahl der Toten jede Woche im Schnitt ungefähr verdoppelt hat. Wenn man also nichts gemacht hätte, wäre wohl grob vereinfacht gesagt aus acht Corona-Toten pro Tag schnell ein Schnitt von 16, 32, 64 und letztlich über 100 pro Tag in Berlin geworden. Und das nur innerhalb etwas mehr als einem Monat. Nur zum Vergleich: In Berlin starben 2019 im Schnitt etwa 100 Menschen pro Tag.

Außerdem beachtet diese Rechnung eine entscheidende Problematik nicht: die Kapazitäten der Krankenhäuser. Noch sterben Covid-19-Patient/innen, obwohl sie die bestmögliche Behandlung auf der Intensivstation bekommen. Wenn die Intensivstationen an und über ihre Grenzen kommen, wäre das anders.

Bis die Maßnahmen sich auch bei den Totenzahlen zeigen, wird es wohl dauern

Neben dem exponentiellen Wachstum gibt es aber noch einen zweiten Faktor, der dazu führt, dass das aktuelle Handeln übertrieben erscheinen mag: der Zeitverzug. Bis jemand sich angesteckt hat und Symptome zeigt, braucht es im Mittel vier bis fünf Tage [cdc.gov]. Bis er oder sie dann getestet wurde und ein Ergebnis hat, kann es noch mal einige Tage dauern. Sprich, die Fallzahlen haben einen Verzug zum aktuellen Geschehen von mindestens einer Woche. Bei den Sterbezahlen ist dieser Zeitverzug ungleich größer. Je nach Studie variiert die errechnete Zeit zwischen Ansteckung und Tod, liegt aber in etwa zwischen zwei und vier Wochen [sciencedirect.com]. Grob kann man diese Dynamik auch in Berlin und Brandenburg sehen.

Der Höchststand der gemeldeten Neuinfektionen im Frühjahr war laut 7-Tage-Schnitt am 29. März erreicht, in Brandenburg am 4. April. Der Höhepunkt der Totenzahlen folgte für Berlin laut 7-Tage-Schnitt am 17. April, in Brandenburg am 28. April. Rechnet man Meldeverzüge mit ein, kommt man also ebenfalls auf ungefähr drei Wochen zwischen Ansteckung und Tod. Entsprechend könnte es also auch derzeit so sein, dass wir vielleicht erst Ende des Monats bei den Totenzahlen einen Effekt des Lockdown-Light sehen – wenn er denn genügend wirkt.

Wie hoch die Sterblichkeit wirklich ist

Dass die Politik reagiert hat, und zwar weit vor mehreren Dutzend Toten pro Tag in Berlin und Brandenburg, macht also Sinn. Dennoch halten sich hartnäckig einige Behauptungen, die die Sterblichkeit von Corona niedriger einschätzen – auch unter unseren Artikeln oder in Landtagsdebatten.

Einige davon hat der AfD-Fraktionschef Hans-Christoph Berndt (AfD) im Brandenburger Landtag geäußert. Er verwies darauf, dass laut einer Auswertung des Mediziners John Ioannidis von der Universität Stanford [who.int] für die Unter-70-Jährigen die Infektionssterblichkeit im Mittel bei gerade mal 0,05 % liege. Entsprechend sei Corona nicht wie die Spanische Grippe. Außerdem habe Deutschland und auch Brandenburg bisher keine Übersterblichkeit verzeichnet. Doch an dieser Argumentation sind gleich mehrere Punkte problematisch.

Zum einen ist die aktuelle Politik gerade darauf ausgelegt, dass es keine Übersterblichkeit gibt. Würde man erst reagieren, wenn diese eintritt, hätte man eben wegen des Zeitverzugs und des exponentiellen Wachstums ein Problem. Und dass Corona eine Übersterblichkeit auch in Industrienationen verursachen kann, zeigen unstrittig weltweite Vergleiche [ft.com].

Zum anderen ist die zitierte Zahl für die Infektionssterblichkeit irreführend – selbst wenn sie stimmen sollte. Die angegebene Zahl zielt nämlich nur auf die, die das geringste Risiko für einen schweren Verlauf haben: die Jüngeren. Rund eine Millionen Berliner/innen und Brandenburger/innen sind aber jenseits der 70 und tragen also ein deutlich höheres Risiko.

Hinzukommt: Die meisten Studien errechnen eine wesentlich höhere Sterblichkeit und haben teils ein rigoroseres Begutachtungsverfahren hinter sich als Ioannidis' Berechnung. So zeigten Forscher/innen in einer Zusammenfassung, dass über 24 Studien hinweg im Mittel die Sterblichkeit bei 0,68% lag [sciencedirect.com]. Allerdings gab es dabei große Schwankungen in den Ergebnissen der Studien.

Eine mögliche Begründung dafür lieferte einer der beiden Autoren in einer weiteren Studie [medrxiv.org], die allerdings noch nicht begutachtet ist. Gideon Meyerowitz-Katz und seine Kollegen sagen, dass wohl 90 Prozent der Unterschiede in der Sterblichkeit sich mit der unterschiedlichen Altersstruktur in der Bevölkerung erklären lassen. Dass Risiko an Corona zu versterben, steige mit zunehmendem Alter exponentiell.

Ähnliches fand auch eine Studie des Imperial College in London [imperial.ac.uk] heraus, die feststellte, dass Länder mit hohem Einkommen und einer älteren Bevölkerung eine Sterblichkeit von rund einem Prozent aufwiesen. Länder mit niedrigen Einkommen und einer jüngeren Bevölkerung hingegen hatten eine Sterblichkeit von rund einem Viertel Prozent. Im Schnitt würde sich alle acht Lebensjahre das Risiko an Corona zu sterben verdoppeln.

Berndt hat also nur insofern Recht, als dass die Spanische Grippe vor allem die Jüngeren dahinraffte. Der durchschnittliche Tote damals war 27,2 Jahre alt [lancet.com], bei Corona wird dieses Alter wohl deutlich höher liegen. Trotzdem ist die Pandemie, was die Zahl der Toten angeht, sehr wohl vergleichbar.

Wieso der ewige Grippe-Vergleich falsch ist

Entsprechend ist auch der immer wieder vorgebrachte Vergleich zur saisonalen Grippe irreführend. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von einer Infektionssterblichkeit bei der Grippe von deutlich weniger als 0,1% aus [who.int]. In den USA soll die Influenza vergangenes Jahr 0,05% der Infizierten getötet haben [medrxiv.org]. So oder so: die Sterblichkeit durch Corona ist also um den Faktor 2,5 bis 20 Mal höher als bei der Grippe.

Außerdem breitet sich Corona schneller aus. Während ein Infizierter bei Sars-Cov-2 ungefähr 3,4 neue Personen ansteckt, wenn es gar keine Maßnahmen gibt, so liegt der Wert für die saisonale Grippe bei etwa 1,3 [biomedcentral.org]. Selbst wenn also Sars-Cov-2 nur ähnlich gefährlich wäre wie die Grippe, würde es wohl trotzdem größere Probleme geben. Durch die höhere Ansteckungsrate würden die Krankenhäuser einen heftigeren, wenngleich kürzeren Moment der Belastung durchleben. Mehr Schwererkrankte würden gleichzeitig um Plätze auf den Intensivstationen konkurrieren und wohl für eine Überlastung sorgen.

Wieso man Leute nicht umsonst vor Corona rettet

Ähnlich zum Grippe-Vergleich gibt es noch zwei weitere Behauptungen, die immer wieder im Kontext der Sterbefälle durch Corona vorgebracht werden. Einmal, dass die Gestorbenen sowieso bald an etwas anderem gestorben wären. Und zum anderen, dass viele ja gar nicht an Corona, sondern mit Corona gestorben seien. Auch für diese beiden Behauptungen gibt es wenig Belege und andersrum Untersuchungen, die eher auf das Gegenteil hindeuten.

So wies im Mai der NDR in einer Datenrecherche darauf hin, dass die Corona-Toten im Schnitt neun Jahre noch zu Leben gehabt hätten [tagesschau.de] und es vergleichbare Studien mit ähnlichen Ergebnissen hierzu gibt. Ferner hat in Deutschland der Bundesverband Deutscher Pathologen [pathologie.de] in einer Untersuchung herausgefunden, dass bei 86 Prozent der Todesfälle mit Covid-19-Diagnose dies auch die Todesursache war.

Was unklar bleibt und was klar ist

Am Ende bleiben also Ungewissheiten. Wie tödlich genau das Virus ist, hängt wohl vom Alter und von der Situation auf den Intensivstationen ab – allerletzte Gewissheit gibt es hier aber nicht. Und wie gut man durch die zweite Phase der Pandemie gekommen ist, werden wir auch erst dann wissen, wenn die Neuinfektionszahlen schon lange gesunken sind.

Was sich aber definitiv sagen lässt, ist, dass Corona tödlicher als die Grippe ist und vor allem die Älteren bedroht. Und dass man Tote nur verhindern kann, wenn man früh reagiert – lange bevor die Zahlen der Intensivpatienten und Toten alarmierend hoch sind.

Was Sie jetzt wissen müssen

48 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 48.

    "Nicht ganz ernst gemeinte Anmerkung." diese Satz kann ich ihnen getrost unterschreiben, denn um einen Bezug zu meinem Thema herzustellen würde nicht mal ein Spagat reichen, der irreparable Überdehnungen verursacht :)

    Die Idee mit dem Schreiben an Frau Dr. Merkel hatten wir auch schon, nachdem wir uns erfolglos an Prof. Dr. Lauterbach gewandt haben und uns der rbb auch nicht unterstützen will. Schaun wa mal. Irgendwas machen wir auf jeden Fall.

  2. 47.

    Nicht ganz ernst gemeinte Anmerkung. Vielleicht direkt an Dr. Merkel im Kanzleramt schicken. In der Dissertation von Dr. Merkel ging es schließlich um Berechnungen zur Kinetik chemischer Reaktionen, mathematisch sollte Sie das problemlos auf die Kinetik von Epidemien übertragen können. Das ist durchaus ernst gemeint, wenn auch wohl nicht realisierbar - ich habe ihre Doktorarbeit ("Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionenmit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenmechanischer und statistischer Methoden") mit Genuß gelesen und verstanden.

  3. 46.

    Ich finde den Artikel sehr gelungen. Gut verständlich in Inhalt und Sprache. Detailreich und doch zusammenfassend. Es gibt soviel populärwissenschaftliche Texte, die keine Qualitätsstandards erfüllen und wisssenschaftsjournalistische Texte, die sprachlich misslungen sind.
    Dieser Beitrag hebt sich positiv ab.
    Ob immer alles zu 100% oder doch etwas weniger valide ist, können wir als Laien nicht überprüfen. Aber hier steht der Informationswert im Vordergrund und der ist umfassend. Also gelungen.



  4. 45.

    Ihren Beitrag hatte ich bereits im Kommentar #19 gelobt. Die rein theoretische Abhandlung eines Themas ist aber die eine Seite. Man sollte auch immer den Bezug zur Praxis herstellen. Letztendlich reduziert sich der Wert einer theoretische Abhandlung immer auf die Ziehung von verwertbaren Schlussfolgerungen/Empfehlungen. Das ist Sinn und Zweck jeder wissenschaftlichen Arbeit.

    Ich hatte zu Anfang meiner Beitragsreihe #19 bis 21 nicht umsonst die Frage gestellt, ob solche Abhandlungen auch den regierenden Politikern zur Verfügung gestellt werden und habe mit Bezug zum Thema auf drei wichtige Probleme aufmerksam gemacht, die letztendlich für mich Gradmesser des Umgangs mit der Pandemie sind.

    Leider muss ich einschätzen, dass der Einfluss solcher Untersuchungen und Studien auf die Politik nicht gegeben ist, zumindest gibt es nach der Bundesregierung eine spürbare Abbruchkante. Es werden also solche praktischen Probleme, wie von mir benannten, auch zukünftig nicht gelöst, oder?

  5. 44.

    Sehr schön dargestellt, was die Reproduktionszahlen in Verbindung mit anderen Kenngrößen dann für den Verlauf insgesamt bedeuten, finde ich in einem Artikel aus dem Ärzteblatt https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=66813

  6. 43.

    Man könnte vielleicht noch weitere Basisreproduktionszahlen von bekannten Infektionskrankheiten zum Vergleich anführen. Z.Bsp.: von https://de.wikipedia.org/wiki/Basisreproduktionszahl
    Das verdeutlicht vielleicht noch besser, in welcher Liga SARS-CoV-2 bei der ungebremsten Ausbreitung und den folgenden Infektionszahlen spielen würde.

  7. 42.

    Nein, wir schreiben ja eben nicht, dass die Seerosen im Teich sich jeden Tag verdoppeln sondern jede Woche.

  8. 41.

    @rbb24: "wie lange braucht es noch, bis der Teich ganz bedeckt ist? Zwei Wochen."
    Das ist falsch, es muss "zwei Tage" heißen. Was dann auch das exponentielle Wachstum viel besser verdeutlicht.

    Danke aber für den prima Artikel!

  9. 40.

    Ich hatte mir diese Einwände ebenfalls angeschaut. Der erste angeführte Punkt ist ja "But Italy is quite a specific context in terms of COVID-19, one where the health system was overwhelmed and, like any other one context, where specific policies were implemented – both of which likely affect the death profile." Das kann ich nachvollziehen. Da wir aber hier die NDR-Kollegen zitieren und deren Berechnung für das nicht-überlastete Deutschland finde ich, dass dieser Punkt für den Verweis kein Contra-Argument ist. Alle Weiteren Punkte (Selection Bias etc.) sehe ich ebenfalls nicht unkritisch und schaue auch auf das Umarbeiten des Papers. Wie gesagt, es gibt aber auch weitere Paper, die bereits durch den Review durch sind (vgl. https://academic.oup.com/jpubhealth/advance-article/doi/10.1093/pubmed/fdaa159/5901977#supplementary-data)

  10. 39.

    Ich kann momentan nicht erkennen, in welchem Zusammenhang ihre Aussage zu meinem Kommentar #36 steht. Ich habe mich dazu geäußert, dass es hier Nutzer gibt, die Alten das Lebensrecht absprechen, am Beispiel Weihnachten.

    Sicherlich gab es in Kriegszeiten Situationen, wo die Ärzte im Feldlazarett die Triage anwenden mussten, das ist dokumentiert. Wir sind aber nicht im Kriegszustand und es begründet auch nicht, wie menschenverachtend und antihuman sich einige Nutzer über den Schutz des menschlichen Lebens äußern. Auch Alte und Risikogruppen sind Menschen.

    Wenn man, so wie @Steffen es vorschlägt, anschließend prüft, ob sich diese "Investition der Lebenserhaltung bei Alten und Risikogruppen gerechnet hat" verlassen wir unsere moralischen Grundlagen und bewegen uns in eine Grauzone, von der es wirklich nicht mehr weit zu Ansichten aus der NS-Zeit ist, wie hier bereits gesagt wurde.

  11. 38.

    "....Trotzdem scheint die Erkenntnis zu sein, dass wir besonders Risikopatienten schützen müssen...."

    Das ist der erste sinnvolle Satz den ich jemals von ihnen gehört habe und sie haben schon öfter versucht mir irgendwelche Ansichten, die ich als moralisch kritisch und bedenklich betrachte, aufzuschwatzen.

    Beenden wir die "Diskussion" an dieser Stelle mit dem Ergebnis, dass auch sie jetzt endlich verstanden haben worum es geht und worauf es jetzt und zurzeit ankommt.

  12. 37.

    Aber es gibt doch diese absurden wenn.... dann Theorie Spielchen, Massenmörder und Pfarrer schwer verletzt, nur noch ein Intensivbett frei.... Man sollte drüber reden dürfen, aber sachlich.

  13. 36.

    Hier hatte vor kurzem jemand geschrieben, es ging um Weihnachten und sollte man feiern oder nicht, dass ältere das nicht mehr brauchen, die hatten schon genug Weihnachten erlebt. Das ist der gleiche abartige Müll wie sie ihn äußern, wenn sie die Zweckmäßigkeit lebenserhaltener Maßnahmen bei Älteren in Frage stellen.

  14. 35.

    "....Gleichzeitig muss man längerfristig schauen, wie lange Risikopatienten noch am Leben geblieben sind, nachdem man sie vor einer Infektion geschützt hat, will man die Wirksamkeit von Maßnahmen korrekt abschätzen....."

    Sie maßen sich an einschätzen zu wollen, welches Leben es verdient erhalten zu werden und welches nicht? Wollen sie jetzt noch eine Kosten-Nutzen-Rechnung erstellen im Sinne einer Triage erstellen?
    So zynisch denkt ja nicht mal die AfD-Spitze öffentlich.

    Man muss gar nicht längerfristig schauen. Jedes Leben zählt – das ist der moralische Sinn unserer Gesellschaft. Vielleicht sollten sie den Artikel des Autors nochmal aufmerksam lesen, bevor sie hier so ein nationalsozialistisches Gedankengut einfließen lassen.

  15. 34.

    Werte Monika, Sie argumentieren leider, wenn auch nachvollziehbar, am Gegenargument vorbei. Die Übersterblichkeit ist eine gesellschaftliche Betrachtung, die nur betrachtet, dass eine bestimmte Anzahl an Menschen den normalen Weg des natürlichen Ablebens geht. Das lässt sich nicht aufhalten. Sie argumentieren dagegen aber mit der persönlichen Ebene, wo jeder Verlust eines geliebten Menschen natürlich tragisch ist. Rettet man diesen einen Menschen vor einem Corona-Tod und die Übersterblichkeit bleibt trotzdem gleich, heißt das nichts anderes, als dass ein Anderer an etwas anderem verstorben ist. Gleichzeitig muss man längerfristig schauen, wie lange Risikopatienten noch am Leben geblieben sind, nachdem man sie vor einer Infektion geschützt hat, will man die Wirksamkeit von Maßnahmen korrekt abschätzen. Es ist daher schwierig, Übersterblichkeit moralisch zu betrachten. Trotzdem scheint die Erkenntnis zu sein, dass wir besonders Risikopatienten schützen müssen.

  16. 33.

    Sie wollen also auf Übersterblichkeit warten und dann vielleicht reagieren? Ein Glück, dass Sie sowas nicht entscheiden dürfen. Bestreiten Sie, dass es Covid-19-bedingte Übersterblichkeit gibt? Hoffentlich nicht, das wäre faktenwidrig, ähnlich wie der Grippe-Vergleich, den Ihr Beitrag enthält. Schauen Sie sich einfach einmal ein paar Übersterblichkeitsverläufe an: https://www.euromomo.eu/

  17. 32.

    @klara - sie sprechen hier über eine "Übersterblichkeit" wie über ein Werbeangebot von Aldi.

    Vielleicht sollten sie sich mal vor Augen halten, dass es dabei um Menschen geht. Auch sie können aufgrund kritischer Vorerkrankungen (COPD, geschwächtes Immunsystem, Herzmuskelschwäche und hunderter anderer Beispiele) in naher Zukunft dazugehören. Wenn diese Menschen infiziert werden sterben sie obwohl sie noch eine Lebenserwartung von Jahrzehnten haben könnten. Punkt. Es bedarf keiner weiteren Erläuterung.

    Versuchen einfach etwas respektvoller mit dem Thema umzugehen.

  18. 31.

    Auch der Verweis auf andere sollte nicht davon abhalten, selbst kritisch zu prüfen. Die vom NDR zitierte Studie Hanlon et al. zur verlorenen Lebenszeit wurde vom Zweitgutachter abgewiesen und auch die Kommentare zur Arbeit auf der Webseite machen deutlich, dass nicht besonders sauber gearbeitet wurde. Insgesamt stellt diese Studie keine wissenschaftlich seriöse Quelle dar. Und dass vermehrt nicht unabhängig geprüfte Arbeiten zitiert werden, ist für mich eine bedenkliche Entwicklung, gerade und vor allem, wenn diese zur Meinungsbildung eingesetzt werden.

  19. 30.

    Hallo Sascha,
    ich glaube, Sie vermischen gerade unsere Berichterstattung/meine Artikel und das Regierungshandeln. Ich bin sofort bei Ihnen, dass immer die Effizienz und Nebenwirkungen von Maßnahmen diskutiert werden muss. Entsprechend haben wir Experten sowohl zu den offenen Schulen als auch zur Maskenpflicht auf Straßen befragt. https://www.rbb24.de/panorama/thema/2020/coronavirus/beitraege_neu/2020/10/berlin-brandenburg-lockdown-light-corona-massnahmen-forschung-november-weihnachten.html

    Was die Grippetoten angeht: Sie wissen doch sicherlich, dass die Schätzung dafür auf der Übersterblichkeit basiert, die natürlich deutlich ungenauer ist, als eine reine Statistik der positiv getesteten Toten, oder?

  20. 29.

    Herr Maier-Borst, ich bin wieder einmal gespalten. Einerseits begrüße ich ich Ihre ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema, Ihr Engagement und die Gründlichkeit, die man so in den Medien selten findet. (Obwohl mir manchmal scheint, dass die Menge an gelesenen Studien auch mal den Wald vor lauter Bäumen verschwinden lässt.)
    Anderseits nutzen Sie die Seriosität sehr wohl auch, um Ihre persönliche Haltung zu untermauern. Ein Beispiel wäre der "Grippevergleich": Sie haben Recht, dass viele Kommentatoren diesen Vergleich direkt ziehen, was wenig seriös ist. Anderen, wie auch mir, geht es dabei hingegen um den Vergleich der _Maßnahmen_, die bei Corona und anderen Gefahren getroffen werden. Von den ca. 24k Grippetoten wusste man bis Anfang des Jahren im Allgemeinen gar nichts - es war schlicht kein Thema. Und Maßnahmen gegen die Gefahr gab es auch keine. Deshalb wirken die Coronamaßnahmen nun auch häufig aktionistisch. Diese beiden unterschiedlichen Argumentationen vermischen Sie gern.

Das könnte Sie auch interessieren