Nicht nur 7-Tage-Inzidenz - Klinikpatienten sollen in Brandenburg Maßstab für Corona-Maßnahmen werden

Ein Wegweiser am Haupteingang vom Ernst von Bergmann Klinikum zeigt den Weg zur Notaufnahme. (Quelle: dpa/Sascha Steinach)
Video: Brandenburg aktuell | 08.09.2021 | Charlotte Gerling | Bild: dpa/Sascha Steinach

Die Zahl der Corona-Patienten in Krankenhäusern löst die 7-Tage-Inzidenz in den Landkreisen und kreisfreien Städten ab: Brandenburg passt seine Indikatoren an, nach denen es die Pandemie-Lage im Land bewertet.

Die Brandenburger Landesregierung will die Zahl der Corona-Patienten in Krankenhäusern als Messlatte zur Beurteilung der Pandemielage einführen. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte, hat sich das Kabinett auf neue Leitindikatoren verständigt.

Demnach wird die landesweite "7-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz" die 7-Tage-Inzidenz der Kreise und kreisfreien Städte ablösen. Das Kabinett werde voraussichtlich am Dienstag kommender Woche eine neue Corona-Verordnung beschließen, eine Woche früher als geplant, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Einfachere Quarantäneregeln in Schulen

Die Corona-Regeln sollen sich nach Angaben des Ministeriums künftig an diesen Punkten orientieren:

- an den neuen Corona-Patienten im Krankenhaus pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen
- an den neuen Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche
- an den landesweit verfügbaren Intensivbetten und ihrer Auslastung
- an der Zahl geimpfter Menschen

Die Kriterien waren laut Ministerium bisher schon Grundlage für die Bewertung der Corona-Lage, doch in der Verordnung war konkret die Sieben-Tage-Inzidenz neuer Fälle das Leitmaß für Regeln.

Quarantäneregeln für Schulen

Hintergrund des Kabinettsbeschlusses sind die geplanten Änderungen im Infektionsschutzgesetz, die in dieser Woche von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden sollen. Brandenburg will auch den Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern für einfachere Quarantäneregelungen in Schulen berücksichtigen.

Demnach soll bei einem Corona-Fall nicht mehr die gesamte Klasse zu Hause bleiben, sondern nur wenige Schülerinnen und Schüler in Quarantäne geschickt werden. Geimpfte und Genesene sollen von der Quarantäne-Regelung ganz ausgenommen werden. Allerdings liegt die Entscheidung weiterhin bei den Gesundheitsämtern vor Ort.

Rot-Schwarz-Grün wirbt für 2G-Modell

Die rot-schwarz-grüne Koalition wirbt für die Option von Lockerungen für Geimpfte und Genesene beispielsweise für Gaststätten oder Kinos - das sogenannte 2G-Modell. SPD-Fraktionschef Erik Stohn sagte am Dienstag in Potsdam, seine Fraktion würde Modelle begrüßen, die Unternehmen und Betreibern eine stärkere Sicherheit vorsehen würden. Für sie soll es dann keine Auflagen etwa für die Besucher pro Quadratmeter geben.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jan Redmann schlug vor, die Regelung von Berlin für Clubs auf Brandenburg zu übertragen. In Berlin hatte das Verwaltungsgericht ein generelles Verbot gewerblicher Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen gekippt. Der Senat erlaubte Clubs und Diskotheken, für Geimpfte und Genesene wieder zu öffnen. Die Gäste müssen in Innenräumen dort keine Masken mehr tragen. In Hamburg können Veranstalter und Wirte selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind, oder ob sie Tests akzeptieren. "Wir sind der Auffassung, dass man diese Option auch in Brandenburg einführen sollte", sagte Redmann. Die Betreiber sollten mehr Entscheidungsmöglichkeiten bekommen.

Grünen-Fraktionschefin Petra Budke sagte, es könne für die ganze Kultur- und Veranstaltungsbranche möglicherweise sinnvoll sein, zu einer 2G-Regelung für Geimpfte und Genesene zu kommen, weil dann viele Beschränkungen für Besucherinnen und Besucher wegfielen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 07.09.2021, 19:30 Uhr

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10 Kommentare

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  1. 10.

    Diese Regierung weiss nicht mal, wieviele wirklich geimpft sind, und beruft sich bei ihrem sturen Festhalten an den durch die Impfung überflüssig gewordenen Maßnahmen auf diese Impfquote.

    Und jetzt sollen die Zahlen der freien/belegten Intensivbetten, die schon im vergangenen Jahr nicht gestimmt haben und bewusst von einigen KKH geschönt wurden, darüber entscheiden, ob die Menschen noch weiter gegängelt werden als sowieso schon?

    Es wäre mal schön, wenn einer der drei Möchtegernkanzler ein konkretes Datum nennt, wann der Spuk ein Ende hat.
    In Dänemark funktioniert das ja auch.

  2. 9.

    Die Maßnahmen der Pandemiebekämpfung von den Krankenhauseinweisungen abhängig zu machen, ist wie Autofahren nach Gehör.

  3. 8.

    Ich bin froh, keine Entscheidungen treffen zu müssen, welche die "Corona-Regeln" betreffen. Dabei kann man ja nur verlieren. Nimmt man die 7-Tage-Inzidenz ist es falsch. nimmt man andere Parameter dazu ist es ebenfalls falsch. Lockert man zu stark (oder gar komplett) gibt es einen Aufschrei der Empörung, lässt man die Zügel angezogen, gibt es Diktatur-Rufe. Sich mit Köpfchen nach vorn zu tasten, wie es jetzt auch versucht werden soll, ist aus meiner Sicht schon okay. Hätten sich noch mehr Menschen impfen lassen, wäre es sicher noch um einiges einfacher.

  4. 6.

    Lieber Marcel Karlitzki,
    Sie unterstellen Lügen! Aber Lüge ist, wenn man wider besseren Wissens etwas Falsches sagt. Lügen ist NICHT, wenn man aufgrund neuer Erkenntnisse seine Meinung ändert.

    Also, wenn Sie hier Lügen unterstellen, dann beweisen Sie bitte, dass hier wider besseren Wissens etwas Falsches gesagt wurde!

    Alle gingen damals davon aus, dass nach einem Impfangebot sich viele Menschen werden impfen lassen, so dass dann die Maßnahmen aufgehoben werden können. Leider hat sich herausgestellt, dass es viele Impfverweigerer gibt, die ein Ende der Pandemie verhindern. Darauf MUSS Politik reagieren und darf nicht sturr an alten Aussagen festhalten!

  5. 5.

    "Was ist eigentlich aus der Aussage geworden "Wenn allen Menschen ein Impfangebot gemacht worden ist, werden die Maßnahmen für alle aufgehoben" ?"

    Exakt das Gleiche was aus anderen Aussagen geworden ist. Erinnern wir uns:
    1. Wir können erst lockern wenn die Verdoppelungszahl kleiner als 10 ist.
    2. Über alles entscheidet der aussagekräftige R-Wert.
    3. Wir müssen die Intensivmedizin vor dem Zusammenbruch schützen.
    4. Testen, testen, testen - nur so können wir das Virus besiegen.
    5. Solange wir kein Impfstoff haben müssen wir mit Restriktionen leben.
    6. Über alles entscheidet die 7-Tage Inzidenz.
    und noch ein Paar mehr.

  6. 4.

    Aha, also ausgerechnet die Zahlen, die im letzten Jahr nach diversen Recherchen rennomierter Zeitschriften teilweise gefälscht waren und mit denen die Kliniken bewusst hinterm Berg gehalten haben, um mehr Gelder zu bekommen?

    Damit hat man nach der Inzidenz nun einen noch mächtigeren Hebel, mit dem man den Hahn der Freiheit weiter nach Belieben auf und zudrehen kann.

    Und der größte Lacher ist, dass das RKI keinen Überblick über die tatsächliche Anzahl der verabreichten Impfungen hat. Und auf Basis dieser Zahlen werden Menschen in diesem Land seit nunmehr fast 2 Jahren ihrer Freiheit und Lebensfreude beraubt.

    Was ist eigentlich aus der Aussage geworden "Wenn allen Menschen ein Impfangebot gemacht worden ist, werden die Maßnahmen für alle aufgehoben" ? Vielleicht sollte man sich daran mal erinnern. Dort wurde der September genannt.

    Es möge sich niemand über das Wahlergebnis wundern. Lügner wähle ich nicht.

  7. 3.

    Super, wir schauen wie viele auf der ITS landen bevor wir reagieren. Da bin ich ja echt beruhigt das es ein wirksames Medikament gegen Covid gibt!
    Geht's eigentlich noch???

  8. 2.

    Na das wird ja spaßig. Schulen - das Kurssystem greift ab der 7. Klasse, vor allem aber ab der 11., da hat man keinen "Platznachbarn", sondern 120! *lach* das wird ein Winter der Kinderpandemie... Und ja, äh - Corona-KH-Patienten in SIEBEN Tagen (Achtung, bei Inzidenzen zählt eine Woche!), also wer findet denn in Brandenburg ein Krankenhaus, wo mehr als 3 Corona-Intensivpatienten reinpassen? Außer in Potsdam und FFO oder Cottbus vielleicht. Treuenbrietzen, Luckenwalde? Dann muss man Omma Karsubke mit der Hüfte rausschmeißen. Damit Klein-Erna, 11, nebst Mutti, 31, ins KH können. Ungeimpft natürlich. Also wer es in Brandenburg in eines der übrig gebliebenen KH schafft, hat ja eh gewonnen. Insofern wird DIESER Wert nie hoch sein... mangels Infrastruktur...

    Das wird ein WIRKLICH spannender Winter im Vergleich zum letzten Jahr. Die "Alten" sind entweder tot oder geimpft. Jetzt sind die "Jungen" dran....

  9. 1.

    Toll,während der Inkubationszeit und in der Folge der Krankenhauseinweisung , vergehen in der Regel mehrere Tage in denen der oder die Infizierte das Virus lustig weiterverbreiten.
    Wird ein toller Herbst und Winter, ganz sicher.

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