Beschluss der Gesundheitsminister - Lehrer und Schulleiter kritisieren neue Quarantäneregeln an Schulen

Archivbild: Eine Schülerin sitzt mit ihrer Maske in einem Klassenzimmer. (Quelle: dpa/G. Kirchner)
Video: Brandenburg Aktuell | 07.09.2021 | Ismahan Alboga | Bild: dpa/G. Kirchner

Schulklassen sollen nicht mehr geschlossen in Quarantäne müssen, wenn es in ihnen positive Corona-Fälle gab. Die Lehrergewerkschaft begrüßt das zwar, sieht aber Probleme in einigen Bereichen. Grundsätzlicher fällt die Kritik der Schulleiter aus.

Die Lehrergewerkschaft GEW hat den Beschluss der Länder für ein einheitlicheres Corona-Konzept an Schulen grundsätzlich begrüßt - fordert aber Änderungen in Teilbereichen. "Dass es jetzt endlich einheitliche Leitlinien gibt, war dringend überfällig", sagte Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) dem TV-Sender RTL/ntv.

Solange es ein funktionierendes Masken- und Lüftungskonzept an Schulen gebe, sei es nachvollziehbar, nur direkte Sitznachbarn im Falle einer Corona-Erkrankung in der Klasse in Quarantäne zu schicken. "Nur: Für mich ist es ganz wichtig, dass das Freitesten mit einem PCR-Test und nicht mit einem Selbsttest passiert", so die GEW-Chefin, "weil wir doch zu oft wissen, dass das Ergebnis der Schnelltests nicht gut genug ist."

Klassen sollen nicht mehr komplett in Quarantäne müssen

Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich am Montag mehrheitlich für einfachere Quarantäne-Regeln bei Corona-Fällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem positiven Fall nicht mehr die gesamte Klasse in Quarantäne, heißt in dem Beschluss nach Beratungen mit dem Bund. Geimpfte und Genesene Personen sollen grundsätzlich ausgenommen sein.

Symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, sollen diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, dies solle als "Leitplanken" für die Gesundheitsämter dienen. Der Beschluss wurde bei Enthaltung zweier Länder angenommen.

[Mehr zu den Beschlüssen der Gesundheitsminister bei tagesschau.de.]

Schulleitungsverband hält Regeln für realitätsfern

Gudrun Wolters-Vogeler, Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschland (ASD), hält diese Regelungen allerdings für realitätsfern. "Die Regeln gehen davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler ständig an festen Plätzen arbeiten. Das entspricht nicht moderner Pädagogik", sagte sie dem rbb. Es sei pädagogisch nicht vertretbar an den Grundschulen zum Frontalunterricht zurückzukehren, so Wolters-Vogeler.

Zudem geht die ASD-Vorsitzende davon aus, dass die Beschlüsse nicht bundesweit einheitlich umgesetzt werden. "In den Hamburger Vorschulklassen beispielsweise gibt es gar keine Maskenpflicht", sagte Wolters-Vogeler dem rbb-Inforadio.

Eine Impfpflicht für Lehrpersonal hingegen unterstützt der Verband. "Spätestens wenn wir einen Positiv-Fall in einer Klasse haben, muss ich die Kollegen sowieso fragen, ob sie geimpft sind, weil davon die Entscheidung abhängt, ob sie in Quarantäne gehen oder nicht."

Kalayci appelliert an Amtsärzte

Mit Blick auf das Schuljahr zeigte sich Finnern vorsichtig optimistisch. "Ich glaube, dass wir in diesem Winter schon anders durchkommen, als im letzten Jahr - auch wenn das Schuljahr alles andere als normal sein wird."

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hatte am Montag an die Berliner Amtsärzte und Amtsärztinnen appelliert, die von ihr initiierte Regelung umzusetzen.

Vergangene Woche hatte der Senat entschieden, dass Kinder, die Kontakt zu infizierten Mitschülern hatten, künftig nur noch fünf statt 14 Tage in Quarantäne müssen [berlin.de]. Die Amtsärztinnen und Amtsärzte hatten sich Ende August gänzlich gegen eine prophylaktische Quarantäne für Schul- und Kitakinder ausgesprochen.

Sendung: Abendschau, 07.09.2021, 19.30 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

23 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 23.

    @rbb Also 28 Impfdurchbrüche pro 100.000 Geimpfte, die laut RKI belegt sind ? Wie werden Zahlen dazu überhaupt erhoben, wenn z.B. geimpfte Lehrer und Schüler gar nicht mehr getestet werden?

  2. 22.

    Soll ja auch andere schöne Länder geben… hmm wer „behandelt“ denn seine Bürger besser? Nordkorea, Russland, China? Ah ne in Deutschland geht es uns doch ganz gut! Wenn sie bedenken gegenüber Impfungen haben können wir diese vielleicht aus dem weg räumen.

    Freundliche Grüße
    Marco

  3. 21.

    Ich werde es nicht vergessen wie man mich als gesunder Mensch und meine ebenfalls gesunden Kinder in diesem Land seit fast 2 Jahren behandelt und werde dies selbstverstädnlich in meine Wahlentscheidung einfliessen lassen.
    Insbesondere die "Impfkampagne" und die Diskriminierung / Stigmatisierung meiner Familie durch CDU und SPD werde ich bei der STimmabgabe entsprechend berücksichtigen.

  4. 20.

    Das Vorgehen an einer der Montessori-Schulen können sie wohl kaum dem Berliner Schulsystem als solchem anhängen - das sind Schulen in freier Trägerschaft der Montessori-Stiftung. Somit ist das eben ein Schulexperiment, für das sich die Eltern ihrer Nichte ganz bewusst entschieden haben.

    Das Schreiben nach Gehör bedingt dem Konzept nach übrigens mitnichten, den Kindern die richtige Rechtschreibung vorzuenthalten. Man sollte sie halt nicht entmutigen, aber sonst ... Grundlage dieses Konzepts ist außerdem das selbsterschließende Lesen - von orthographisch und grammatikalisch korrekten Texten.

  5. 19.

    Hör auf, ein Drama! Dieser ganze schulische Experimentietwahn in Berlin. Der sinnlose Zwang ständig was neues zu erfinden und auf die Nase zu fliegen. Da kann man froh sein, wenn man an eine konservative Schule im Außenbezirk gerät.

    Meine Nichte, dritte Klasse Montessori, 1-3 Klasse zusammen, schreiben nach Gehör.
    Meine Schwiegermutter, Sekretärin im Ruhestand und huüter der deutschenRechtschreibung/Grammatik, ist der Verzweiflung nahe. Aber es herrscht ein striktes Verbot, dem Kind das 'richtige' schreiben beizubringen. Das passiert in der vierten Klasse!
    Das ganze Berliner Schulsystem ist Körperverletzung.

  6. 18.

    Bin keine grpße Freundin von Quarantänen, finde die neue Regelung aber weltfremd. Nur für Sitznachbarn? Und wenn die beste Freundin ganz hinten im Raum sitzt, aber regelmäßig gedrückt wird? Und im Hort gibts auch keine Berührungspunkte mit anderen Kindern. Und wenn erkrankte Eltern zuhause sind, muss das Kind trotzdem in die Schule da kann ja gar keine Ansteckungsgefahr vorliegen.... haha.

  7. 17.

    Geimpfte Kinder müssen nicht in Quarantäne,
    Nur natürlich bei positiven Test. ( Soll ja auch vorkommen)
    *Impfdurchbruch*

  8. 16.

    " Gibt es inzwischen wissenschaftliche Erhebungen zu Ansteckungsraten von Geimpften bzw. dazu wie ansteckend sie dann selbst sind."... Ja gibt es... ist hier in Deutschland seitens Politik aber erst einmal nicht von Priorität. Die Priorität liegt hier aktuell beim "Durchimpfen" und danach kann man mal weiter gucken - die Strategie ist somit quasi unverrückbar gesetzt.

  9. 14.

    Die Sozialform spielt doch gar keine Rolle! In meiner 2.Klasse sitzen lauter kleine Menschen, die in den meisten Momenten ihres Schultages völlig vergessen, dass sie sich eigentlich alle an irgendwelche Coronaregeln halten müssten. Es wird gemeinsam geherzt, geteilt, geniest, gefrühstückt usw. Die Maske stört dabei übrigens nur sehr selten.
    Das Bild, das sich hier viele Erwachsene von Kindern in der Schule machen, ist ein komplett anderes, als jenes, welches ich täglich bei meinen Schülern sehe!

  10. 13.

    Der nächste Schuss in den Ofen.

  11. 12.

    Das erste war wohl nicht für mich.
    Das andere … klar gibt es Daten…. lt. RKI sind 14.000 Infizierte Geimpfte belegt…. seit dem geimpft wird.
    50 Mio sind vollständig geimpft.
    Deren Anteil liegt also bei 0,0…Prozent.
    Taugt nicht für weitere Maßnahmen darum spricht man nur von …. Geimpfte können sich anstecken und sind dann genauso ansteckend wie ungeimpfte.

  12. 11.

    Ich habe eine ernstgemeinte Frage: Müssen Kinder, die vollständig geimpft sind, ebenfalls vorsorglich in Quarantäne, wenn der Sitznachbar positiv getestet wurde ? Wie genau ist hier das Verfahren ?

  13. 10.

    Jaja, der böse, böse Frontalunterricht!!
    Die Degradierung des Lehrers zum "Lernbegleiter/Lerncoach" - vor allem in den Grundschulen führt nur zu Hektik, Lautstärke und Chaos in den Klassenzimmern, wenn die Kleinen "selbstständig" lernen sollen (versuchen Sie mal selbstständig Tennis zu lernen mit einem Tennislernbegleiter!) oder kreuz und quer im Raum verteilt an Vierertischen "lernen", wo sie weder direkt Tafel noch Lehrer sehen, aber mindestens zwei Faxen machende Kindergesichter!
    45' Minuten sich zu konzentrieren, ist für die meisten Schüler schon eine Herausforderung (schönen Gruß an die digitalen Endgeräte!), da bedarf es erst recht fester Regeln und Rituale.Übrigens ist das alles nicht die Schuld der Kinder, sondern die von sog. Bildungsexperten, die wahrscheinlich noch nie vor einer Klasse standen!

  14. 9.

    Ja, und wieso sollen geimpfte Lehrer nicht in Quarantäne? @rbb Gibt es inzwischen wissenschaftliche Erhebungen zu Ansteckungsraten von Geimpften bzw. dazu wie ansteckend sie dann selbst sind.
    Offenbar deutet in Israel viel darauf hin, dass insbesondere ältere Geimpfte durch Ansteckungen zum Infektionsgeschehen beitragen.

  15. 8.

    Lehrer und Schulleiter kritisieren nicht nur die Quarantäne-Regeln.
    https://m.tagesspiegel.de/berlin/berliner-schulleiter-wollen-gesetz-stoppen-rot-rot-gruen-plant-radikale-schulreform-kurz-vor-der-wahl/27586866.html

    Wo bleibt hier der Bericht dazu?

  16. 7.

    Wenn Menschen Beschlüsse fassen, die keine Ahnung haben, wie es an den Schulen zugeht... lache mich schlapp!

  17. 6.

    Weil es nicht möglich ist eine derartige Lösung in kitas umzusetzen

    Die Kinder können keine Maske tragen und am Platz bleiben. Da muss dann halt die Gruppe in Quarantäne.

  18. 5.

    Als Elternteil bin ich natürlich erleichtert, wenn nicht derart hart durchgegriffen wird. Aber die Ausführungen Wolters-Vogeler, sind zu bedenken. In der ersten Klasse meiner Tochter ist der Unterricht sehr dynamisch. Sitzen im vierergruppen, im Kreis....
    Ich fände 5 Tage Quarantäne vertretbar, mit PCR-Test. Natürlich kein Schnelltest! . Die Angst bei beteiligten ist schon sehr präsent, auch wenn Erzieher/ Lehrer geimpft sind. Ob es reicht, ob man sich anstecken wird, wie die Verläufe sind? Wir wissen in 6 Monaten mehr. Gegenwärtig sind wir alle noch versuchshasen in einer Coronawelt.
    Man sollte das Ganze nicht zu soft aufsetzen, es mus ein tragbares Grundgerüst sein. Anderenfalls wird ohnehin im Oktober, nach den Wahlen, wieder angepasst.

  19. 4.

    Lieber Frontalunterricht als Dauermaske im Unterricht! Dann können sich die Kinder wenigstens konzentrieren...

Nächster Artikel