Berliner Traditionsgeschäft Früchte Franz (Quelle: rbb)
Video: rbb|24/Abendschau | 20.01.2021 | Bild: rbb

80 Prozent Umsatzeinbußen - Berliner Großhändler Früchte Franz bangt um die Existenz

Ein Jahr Corona bedeutet für viele Unternehmer ein Jahr Überlebenskampf. Das Berliner Traditionsgeschäft Früchte Franz etwa versorgt seit 1945 Restaurants, Kitas oder Kantinen mit frischem Obst und Gemüse. Jetzt steht das Unternehmen vor der Pleite. Von Max Kell

Es fällt Thomas Franz nicht leicht, das Tor zu seinem Großlager aufzumachen. Denn er weiß, was ihn erwartet: "Sieht mal wieder traurig aus. Wir müssen uns dran gewöhnen, dass das Kühlhaus leer ist." Thomas Franz leitet das Berliner Traditionsunternehmen Früchte Franz. 1945 hat es sein Großvater gegründet. Durch Corona steht es nun kurz vor der Pleite. Denn viele Betriebe, Kantinen und Dienstleister, die Früchte Franz sonst beliefert, haben geschlossen.

Vereinzelt liefert er ein wenig frisches Gemüse an ein paar Pflegeheime. Das ist für das Unternehmen zwar nicht wirtschaftlich. Aber Franz macht es trotzdem, wegen der sozialen Verantwortung.

"Wie soll man da überleben"

Normalerweise seien die Regale gefüllt mit Waren. "Wir sind bei fünf Prozent der Ware, die wir sonst haben", sagt Franz. "Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke."

Leere Paletten stehen auf einer Fläche von 1.600 Quadratmetern - die bittere Realität der Pandemie. Und es wird von Monat zu Monat härter. Denn die Rücklagen sind mittlerweile alle aufgebraucht. "Das ist mit nichts zu vergleichen. Wir sind bei 80 Prozent Umsatzeinbußen. Wie soll man da überleben", sagt Franz. "Es hat kein Restaurant mehr auf. Wir machen viel mit Schulcaterern, Kindergärten. Wir haben ganz viele Kantinen in öffentlichen Gebäuden, das Lageso ist Kunde bei uns. Die Lufthansa ist ein großer Kunde. Man kann sich vorstellen, dass wir gar nicht wissen, wie wir über die Runden kommen sollen."

"Das ist alles weg"

Zwei seiner Konkurrenten mussten schon aufgeben. Thomas Franz hat wegen seiner 45 Mitarbeiter Angst, es nicht zu schaffen. Aber auch für ihn hätte eine Insolvenz dramatische Auswirkungen. "Wir sind keine GmbH. Ich bin voll selbsthaftend. Wenn dieses Unternehmen pleite geht, bin ich in Privatinsolvenz, und dann habe ich nichts mehr."

58 Jahre sei er nun alt. Aber was er sich in 38 Jahren Arbeitsleben mit dem Großmarkt aufgebaut habe, sei verloren. "Ich bin kein wohlhabender Mann, aber konnte ganz gut leben, das ist nun alles weg. Das macht ganz viel mit einem. Es gibt viel Kopfkino, man schläft schlecht, wird nachts fünf bis sechs Mal wach. Ich hänge ständig an irgendwelchen Quellen, um zu erfahren, wie es weitergeht".

Thomas Franz hat trotz seiner dramatischen Lage Verständnis für die Maßnahmen, auch für die Verlängerung des Lockdowns. Woran er aber fast verzweifelt, sind die staatlichen Corona-Hilfen. "Die Hilfen kommen nicht an. Der Zeitfaktor ist ein Problem." Aktuell könne er die Überbrückungshilfe III beantragen. "Seit Montag sollte das möglich sein. Am Freitag kam ein Schreiben von der IHK, es hat sich um vier Wochen verschoben."

Erfährungsgemäß ist das Geld dann erst im Mai auf seinem Konto. Bis dahin, schätzt Franz, ist er aber pleite.

Sendung: Abendschau, 20.01.2021, 19:30 Uhr

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Beitrag von Max Kell

14 Kommentare

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  1. 14.

    Da muss man aber auch im Auge behalten, dassz.B. das Thema "Wann machen Schulen wieder auf" eine Rolle spielt, weil die Firma im Fallesfall direkt parat stehen müsste. Da kann man schlecht auf einmal die 180 Grad- Wende machen. Reminder: 25.1. Schulstart war angedacht.
    Und dass jetzt mal eben eine Verschiebung der Hilfsgelder um vier Wochen ins Haus steht und die Hilfen eben nicht so und dann kommemn, wenn sie kommen müssten, konterkariert jegliche unternehmerischen Bemühungen.

  2. 13.

    Tja, manche schaffen es, manche nicht. Wer mit Lebensmitteln in der Coronazeit pleite geht, hat was falsch gemacht.

    https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/2021/01/corona-oekodorf-brodowin-lieferdienst-berlin-brandenburg-boom.html

  3. 12.

    Falsch. 38 Jahre Berufserfahrung. Eine Branche, die immer verkaufen durfte. Es geht weniger um die Rechtsform, vielmehr um Flexibilität. Die Waren werden immer gegessen. Sie gehen nicht mal ansatzweise auf den Fall ein und echauffieren sich in pauschaler Staatskritik.

  4. 11.

    Danke für den sachlichen Bericht.
    Die grandiosen "Nachrufe" von wegen unternehmerischer Fehlentscheidung (GmbH) sind ob ihrer Naivität nur ärgerlich. Es ist ganz und gar nicht so, daß man durch eine GmbH als deren Gesellschafter / Geschäftsführer aus der persönlichen Haftung wäre. Tatsächlich verlangt doch jeder Großgläubiger persönliche Sicherheiten: Bürgschaften, Grundschulden auf das Eigenheim, Abtretung von Forderungen usw. Banken und Sparkassen verlangen ihr Geld von den Gesellschaftern persönlich zurück. Bei Steuerschulden hat das Finanzamt den Geschäftsführer am Wickel. So sieht die Praxis aus.

    Wir reden hier also weniger oder gar nicht über unternehmerische, sondern über politische Fehlentscheidungen.

  5. 10.

    Wenn die Bundesregierung Hilfen ankündigt und in der restlichen Bevölkerung den Eindruck hinterlässt, ja wir unterstützen auch die Selbstständigen, dann müssten auch die Gelder zeitnah kommen. Die Novemberhilfen sind bei den wenigen von geschätzten 4 Millionen die etwas bekommen könnten bis heute, Mitte Januar noch nicht da.

  6. 9.

    Die Lektüre der Kommentare #1 und #3 legt den Schluss nahe, dass coronabedingt zu den Millionen Armchair-Bundestrainern noch etliche Armchair-Unternehmer hinzugekommen sind...

  7. 8.

    Eben nicht, da die Geschäfte Verträge mit ihren Lieferanten haben und nicht mal eben wo anders bestellen.

  8. 7.

    Sie haben den Beitrag nicht gesehen. Da er vorwiegend an die Gastronomie und Kantinen (Schule etc.)verkauft und diese jetzt fast nichts mehr bestellen, kann er auch nicht mehr viel verkaufen. Die Geschäfte haben ihre Zulieferer und brauchen jetzt nicht auch noch mehr Obst etc., welches dann vergammelt.
    Wenn keiner Autos kauft kann man auch nicht so schnell umsatteln.

  9. 6.

    Vorab schon mal ein großes Dankeschön an die ganzen " Klugscheißer " , die nachher schon immer gewusst haben, was vorher kommt. Wahrscheinlich auch seit Jahren gegen CORONA und alle Widrigkeiten versichert ? Das wird den Betroffenen sicherlich mehr als hilfreich sein.

  10. 5.

    Bestünde in seinem Falle nicht die Möglichkeit einige Teile seines Betriebes für andere Zwecke zu nutzen? Könnte das Kühlhaus z. B nicht als Lager für Impfstoffe dienen?

    Einfach zeitweise vermieten und so ggf. etwas Geld in die Kasse bekommen.

    Der Staat zahlt definitiv viel zu langsam aus. Novemberhilfen kamen nach wie vor nicht an. Irgendwann ist jede Form von Rücklage aufgebraucht.

  11. 4.

    Nicht nur dieser Unternehmer wird vernichtet. Meine kleine Firma steht unmittelbar vor dem AUS und somit darf ich Insolvenz beantragen und um Hartz 4 betteln. VIELEN DANK an die Bundesregierung!!!

  12. 3.

    Meiner Meinung nach ist es keine besonders gute Idee, ein Unternehmen dieser Größe als Einzelunternehmer und nicht als GmbH zu betreiben. Dadurch haftet er tatsächlich mit seinem gesamtem Privatvermögen, welches er über Jahrzehnte hart erarbeitet und versteuert hat. Dieser Preis ist eindeutig zu hoch. Bei einer GmbH ist die Haftung auf das Stammkapital beschränkt, in der Regel 25.000 EUR. So hätte er die Möglichkeit gehabt, das Unternehmen geordnet abzuwickeln, und für seinen Lebensabend wäre ihm vermutlich genug Geld geblieben. Eine sehr tragische Entwicklung auf der Basis einer unternehmerischen Fehlentscheidung.

  13. 2.

    Es müßte ja nun ein Überangebot an frischem Obst-und Gemüsewaren bei den Discountern und dergleichen vorhanden sein. WWer zeitig kommt ist ja mitunter noch gut dran. Nachmittags straff ausgesucht; das verkauft sich weniger gut. Wenn ich da an die Markthalle in Kassel denke... Faktisch muss ja die Menge von Herrn Franz irgendwo über sein. Gaststätten haben doch nur das BESTE abgenommen.

  14. 1.

    38 Jahre als Unternehmer .... Und nichts vorgesorgt? Und vollhaftend? Keine Berater gehabt? Da stimmt was nicht. Andere Unternehmer denken bei dem Lebensalter schon an den Ruhestand. Großhändler können Einzelhändler immer noch beliefern, Lebensmittelhandel war immer offen. Das ganze Jahr keinen neuen Kundenkreis requiriert? Das ist echt unverantwortlich ggü. den Mitarbeitern. Als Unternehmer muss man flexibel sein. Lebensmittel gehen immer

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