Kira Pieper
Bild: rbb|24/Mitya

Absacker - Der Hamster, das asoziale Wesen

Es geht wieder los! Die Hamster kriechen aus ihren Höhlen, um ihren nicht zu bändigenden Appetit auf Klopapier zu stillen. Aber warum genau werden die Auf-Halde-Käufer noch mal mit dem Nager verglichen? Kira Pieper zumindest sieht sehr viele Ähnlichkeiten.

Sie sollen wieder da sein: die Hamster-Käufer. Einige rbb|24-Leser berichteten zumindest davon. In dem Supermarkt meines Vertrauens war davon (noch) nichts zu spüren. Toilettenpapier war jedenfalls reichlich da, nur der Rum war aus. (Ich brauchte ihn zum Kuchenbacken. Ich schwöre!)

Warum werden die Auf-Halde-Einkäufer nur mit dem niedlichen Hamster in Verbindung gebracht? Klar, das liegt daran, dass der possierliche Nager sich mit Vorliebe Essen auf Vorrat in die Backen stopft. Aber es gibt weitaus mehr Parallelen. Ich erinnere mich daran, dass der Hamster meiner besten Freundin aus Kindheitstagen mit Vorliebe Klopapier-Papprollen fraß oder einfach nur schredderte, um sein Nest daraus zu bauen. Pro Tag verbrauchte das Tierchen zwei Rollen.

Ich habe den Hamster als sehr nervig und unsympathisch in Erinnerung. Tagsüber bekam man das Tier kaum zu sehen, und wenn es sich dann doch mal hervortraute und man es streicheln wollte, zwickte es einem in den Finger und verschanzte sich dann wieder in seiner Festung aus Klopapier-Papprollen. Nachts trieb es dafür Hochleistungssport in seinem Laufrad, so dass an Schlafen nicht zu denken war und ich mich entschied, fortan nicht mehr bei meiner Freundin zu übernachten. Kurzum: Der Hamster stellte mit seinem asozialen Verhalten unsere Freundschaft auf eine harte Probe.

Auch der Hamster-Käufer ist nervig, unsympathisch und bissig, zeigt sich durchaus scheu und verschanzt sich zuhause hinter Unmengen von Klopapierrollen.

1. Was vom Tag bleibt

Apropos zuhause verschanzen: Aufgrund der angespannten Pandemielage ändert Berlin nun bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen die Strategie. Menschen mit positivem Testergebnis sind nun aufgerufen, sich auch ohne Kontakt zum Gesundheitsamt so schnell wie möglich in häusliche Isolation zu begeben und Kontaktpersonen über ihre Infektion zu informieren. Die Gesundheitsämter kommen mit ihrer Arbeit einfach nicht mehr hinterher.

Aber es gab am Freitag auch Nicht-Corona-Themen: Das Brandenburger Verfassungsgericht hat das Paritätsgesetz gekippt. Begründung: Das Gesetz mit Frauenquoten für die Kandidatenlisten der politischen Parteien bei Landtagswahlen verstoße gegen die Verfassung und verletze Grundrechte. Und nach jahrelangem Streit neigt sich ein Rechtsstreit dem Ende: Der Energiekonzern Vattenfall will das Stromnetz der Hauptstadt an den Senat verkaufen.

2. Abschalten

Um an das Thema oben anzuknüpfen:

3. Und wie geht’s?

Kommt der zweite Lockdown oder kommt er nicht? Die Politik setzt derzeit alles daran, dass es nicht so weit kommen muss. Die Menschen, die in Supermärkten hamstern, scheinen allerdings an einen zweiten Lockdown zu glauben. Und auch bei Twitter ist die Stimmung nicht ganz so optimistisch. Hier trendet unter anderem gerade #LockdownLieder.

Was denken Sie? Finden Sie Hamster sympathisch? Bereiten Sie sich auf einen möglichen zweiten Lockdown vor, wenn ja, wie? Schreiben Sie uns: absacker@rbb-online.de

4. Ein weites Feld...

Das Leben des Hamsters meiner Kindheitsfreundin nahm leider ein trauriges Ende. Er starb mutmaßlich an einer Überdosis. Nicht etwa - wie meine Freundin und ich lange dachten - aufgrund seines nicht zu bändigen Hungers auf Klopapierrollen. Im Erwachsenenalter beichtete der ältere Bruder meiner Freundin, dass eine Vergiftung mit dem Cannabis-Inhaltsstoff THC das Haustier dahingerafft haben könnte. Den genauen Unfallhergang möchte ich aus Pietätsgründen nicht schildern. Denn auch wenn ich das Tier hochgradig unsympathisch fand, so muss man dem Nager doch eines zugestehen: Charakter hatte er. R.I.P., kleiner Hamster.

Bleiben Sie gesund, Ihre Kira Pieper

Was Sie jetzt wissen müssen

Beitrag von Kira Pieper

33 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 33.

    Dass die Medien, davon auch noch berichten müssen. Das heizt zusätzlich die Hamsterkäufe an. Durch die Ausbreitung des Coronavirus sind viele Menschen verunsichert und einige decken sich offenbar übermäßig mit Lebensmitteln ein. "Es ist schrecklich"

    Manche Dinge lernt man erst schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Das Klopapier zum Beispiel
    Klopapier- Eine wichtige Rolle in unserem Leben, Beliebt wie nie

  2. 32.

    Ein sehr liebens- und lesenswerter Beitrag von einer sehr sympathischen jungen Autorin/ Journalistin - bitte mehr davon! Mit Humor meistern wir diese Krise, da bin ich mir sicher!
    Es grüßt ein Ur-Berliner aus Weißensee

  3. 31.

    Nobody is perfekt.


    @29/30
    Hamsterhorde, Henry Fonda ... mhhh ... Mausezähnchen fehlt ... OMG schon wieder Tiere im Spiel ;-)

  4. 29.

    Die doch ziemlich wilde Hamster-Horde mit Klopapier statt Dynamit in den Satteltaschen. Was hätte Henry Fonda getan?

  5. 28.

    Wenn die Medien aus Sensationslust nicht das Thema verbreiten würden, wäre es in der Realität nicht sichtbar. Es gibt kaum leeren Regale.

  6. 27.

    Hallo, Hamster (die Tiere) sind vielleicht gar nicht asozial, vielleicht überlegt man, wie der natürliche Lebensraum von Hamstern aussieht, dann weiß man, dass dieser nicht in Wohnungen von Menschen liegt. Ist also vielmehr asozial den Hamster in die Wohnung zu holen als sein natürliches Verhalten tags und nachtsüber als asozial zu bewerten?! Nur als Nach-Denkanstoß ;-)

  7. 26.

    Bert, diese Leute legen keine Vorräte an, sie kaufen NUR Klopapier! Nix zu essen. Wofür brauchen die dann überhaupt Klopapier??
    Und an Just Hordenbach: ist nicht "Horde" auch so ein "Unwort"??

  8. 25.

    Wie schon Paracelsus sagte, ist alles eine Frage der Dosis. Und auch Sie sagen ja, dass Vorratshaltung eben nur in gewissen Grenzen normal ist. Diese Grenzen sind spätestens dann überschritten, wenn völlig offensichtlich ist, dass nach einem Bunkerkauf für viele Andere nichts mehr übrig ist. So war das im Frühjahr 2020 wochenlang. Die meisten Bunkerer waren dabei nur auf vermeintliche Sicherheit aus, aber nicht wenige versuchten auch, Kapital daraus zu schlagen. Aus Klopapier (für das es wie gesagt bessere Alternativen gibt), aber auch aus Lebensmitteln oder medizinischen Schutzmasken. - Wenn solches Verhalten bereits in einer Situation auftritt, wo es (zumindest bei Klopapier und Lebensmitteln) keine ernsthaften Anzeichen für eine Verknappung gab, kann man sich ausmalen, wie es im Rahmen einer echten Krise wäre: Wenn z.B. nach dem zigsten zu trockenen Sommer die Lebensmittelvorräte tatsächlich mal zur Neige gehen, würde wohl unumschränkt das Recht des Stärkeren gelten.

  9. 24.

    Was hat es denn für einen Sinn, die Leute zu beschimpfen? In der Krise legt der Mensch Vorräte an, das ist, in gewissen Grenzen, ein völlig normales Verhalten. Wenn jemand versucht sich daran zu bereichern, würde ich das anders sehen, das dürfte aber bei den wenigsten der Fall sein.

  10. 23.

    Verschiedenste Begriffe wurden in verschiedensten Zeiten von verschiedensten Leuten ge- und/oder missbraucht. Abgesehen von einigen extrem symbolträchtigen Worten sollte man sich aber davon nicht seinen Wortschatz beschneiden lassen. 'Asozial' bedeutet zunächst ja mal einfach 'unsozial'. Man mag nun darüber streiten, ob das Horten von Vorräten auf Kosten anderer unsozial ist (ich finde, ja). Sinnlos ist dabei aber m.E., Synonyme oder Euphemismen für Begriffe zu finden, die auch die Nazis mal im Mund hatten. Und Vergleiche von Tieren und Menschen gehen tatsächlich in dunkle Vergangenheiten zurück: Nämlich solche, die lange vor dem "Dritten Reich" liegen. Auch hier kann man über die Legitimität solcher Vergleiche streiten - aber bitte ebenfalls ohne Nazi-Keule.

  11. 22.

    Liebe Frau Pieper, ich bin nun wahrlich niemand, der mit der Nazikeule um sich wirft. Und vermutlich ist es bei Ihnen einfach nur Unkenntnis. Bitte setzen Sie sich einfach mal historisch mit dem Begriff "asozial" auseinander. Und die Gleichsetzung von Mensch und Nagetier hat in unserem Lande auch einen Ursprung in dunkelster Zeit. Polemik ist eine Kunst, die zu beherrschen gelernt sein will. So geht es jedenfalls überhaupt nicht.

  12. 21.

    "Der Absacker" ist so dermaßen überflüssig....

  13. 20.

    Hat nicht Ex-Präsident Roman Herzog gefordert, es müsse ein Rums durch Deutschland gehen? ;-) Das Problem mit dem Rum-Aroma (das mich übrigens an die Kalten Hunde meiner Kinderzeit erinnert) ist jedenfalls, dass es weder zur Entspannung noch zur Entkeimung und nicht einmal zur Entfettung taugt. - Als Papier-Alternative zum Reinigen (und das meine ich jetzt ganz ernst) taugen aber übrigens ganz wunderbar WC-Duschen: Gibt's auch in bezahlbaren Ausführungen ab etwa einem Hunni, sind extrem hygienisch UND haut- UND umweltfreundlich. Nicht zuletzt aber lassen sie ihre Be-Sitzer* über all jene Leute, die wegen Klorollen auf instinktive Egotrips ziehen, nur milde lächeln. - Abschliessend nochmal was zum Rum-Aroma; ein Hörtipp nämlich: "Ein bisschen Aroma", Roger Whittaker 1986. Quasi-dadaistischer Schlager, der einen in lockere WE-Stimmung geradezu zwingt. (Spezial-Tipp: Extended- Version auf youtube suchen - echt mit Kisuaheli(!)-Part. Mindestens so gut wie richtig alter Rum!)Let's go!

  14. 19.

    Historisch-politisch darf ich hierzu ergänzen: "honecker hatte in moskau liebe genossen." (Oh, mit Gendern würde der Gag gar nicht mehr funzen :-() - Prost & dito schönes WE.

  15. 18.

    Ein Tipp: Statt echten Rums geht oft auch das Rum-Aroma aus dem Röhrchen. Bei 1, 2 EL benötigen Rums kein Problem, bei mehr Rum im Rezept muss man sich eine andere Flüssigkeit aussuchen, damit der Teig dann konsistenziell gelingt. Achtung, die Aromen haben immense Würzkraft, die Menge nicht 1:1 ersetzen!
    Hamster sind ja einzelgängerische Tiere, weswegen sie ihre Vorräte auch nur für sich selbst anlegen (müssen). Als Wintervorrat sammeln sie dann rund anderthalb Kilo Nahrung, was ein Mehrfaches des Körpergewichtes darstellt.
    Es geht beim Hamstern der Tiere also nicht nur um die Backentaschen, sondern ums Reserven anlegen, und das reichlich. Mehr als lfd. Bedarf, mehr als Wochenbedarf, sondern WINTERbedarf.
    Genau das ist es, was wir jetzt sehen. Einzelpersonen legen für sich ein immenses (Über-)Maß an Vorräten an.
    Kennt eigentlich einer die blauen Tonnen von BR Recycling? "Papierhamster" steht da drauf. Na, das haben dann manche Mitbürger wohl wörtlich genommen.

  16. 17.

    Zum Thema Toilettenpapierersatz hat ja eigentlich schon Meister Rabelais vor 500 Jahren fast alles geschrieben. Ausnahmen sind nur der bekannte Klospruch "Toilettenpapier beidseitig benutzen - der Erfolg liegt auf der Hand" und dieser mitteleuropäische Mangelwitz:

    Ein Student kommt in ein Papiergeschäft.
    "Ich hätte gerne einen Block."
    "Liniert, kariert oder ganz weiß?"
    "Egal, Hauptsache das Papier ist weich!"

  17. 16.

    Ich will, gerade hier im Absacker, niemanden persönlich zu nahe treten. Ich "frotzel" manchmal ganz gerne rum. Sollte das falsch rübergekommen sein - ich geb' einen virtuellen Grog aus.

    Der Rum in meinem Post bezog sich allerdings auf:
    "Rum übrigens eignet sich in bestimmten Rezepturen zu Desinfektion..."

    Ich würde auch niemanden wegen ortografie etc. anpiken. Is' halt so - hauptsache man versteht es noch. Ok - Groß- und Kleinschreibung ist wichtig - siehe "helft den alten vögeln". Manche davon sind bedroht - nein, das führt zu weit.
    Ok - also wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
    In dem Sinne
    ein schönes WE Ihnen und allen Absackerfans

  18. 15.

    Liebes Popelchen, liebe andere Kommentator*n, ein kleiner Vorschlag zur Entspannung: Lasst uns mal etwas mehr Toleranz üben: Wenn keiner persönlich angegriffen wird, sehe ich keinen Grund bissig zu werden, wenn einen ein Thema nicht interessiert. Rum als Lagerfettlöser erschliesst sich mir persönlich z.B. nicht als witzig oder anderweitig interessant, aber natürlich ist es dennoch Ihr gutes Recht, darüber zu schreiben. Ich muss es ja in meinem Keller nicht verstehen; nicht einmal lesen. Und wenn Eure einzige Sorge 'Corona' (und ggf 'Ortografie') heisst, nehm ich auch das hin. Ist aber Eurerseits kein Grund, Leute, die sich für Hamster oder diffamierte Volksgruppen interessieren, fortgesetzt als Kellerlacher u.ä. zu mobben.

  19. 14.

    Zu " Auch der Hamster-Käufer ist nervig, unsympathisch und bissig, zeigt sich durchaus scheu und verschanzt sich zuhause hinter Unmengen von Klopapierrollen." möchte ich anmerken, dass Menschen, die vorsorgen nicht, verurteilt werden sollten.

    Jeder der für einen Notfall vorgesorgt hat, hilft sich selbst und ggf. anderen. Allerdings sollte sich die Vorsorge auch auf andere Dinge als Klopapierrollen beziehen. Seitens der Bundesregierung wird Bevorratung ohnehin empfohlen. Wenn es nun aufgrund des Schürens von Angst dazu kommt, dass viele Menschen gleichzeitig das Bedürfnis haben vorsorglich einzukaufen, dann ist wohl eher das Verschulden bei anderen zu suchen.

Das könnte Sie auch interessieren