Ein Intensivpfleger ist hinter einer Schleuse bei seiner Arbeit in einer Schutzausrüstung mit Mund-Nasenbedeckung, Gesichtsschutz, Kittel und Haube auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel Berlin an einem Corona-Patienten zu sehen. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Bild: Kay Nietfeld/dpa

Krankenhäuser in Berlin - "Die Grenze des Machbaren rückt immer näher"

Aufnahmestopps, Patientenverlegungen, überlastete Rettungsstellen: Die Berliner Krankenhausgesellschaft blickt mit Sorge auf die Auslastung - nicht nur wegen der Zahl der Patienten. Sechs Kliniken schwenken bereits die weiße Fahne. Von Roberto Jurkschat

Nach Einschätzung der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) deutet die Auslastung der Betten in den Berliner Kliniken auf einen "besorgniserregenden" Trend. BKG-Sprecherin Barbara Ogrinz sagte rbb|24, die Zahl der Aufnahmestopps und Schließungen einzelner Krankenhausstationen sei in den vergangenen Wochen gestiegen. "Die Grenze des Machbaren rückt immer näher – die Situation in Berliner Krankenhäuser verschärft sich", sagte Ogrinz. Zum Teil habe nur mit Mühe verhindert werden können, dass Rettungsstellen sich von der Leitstelle der Feuerwehr abmelden.

In sechs Berliner Kliniken jedoch haben laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) Oberärzte signalisiert, dass keine weiteren Patienten mehr an sie überwiesen werden sollen [intensivregister.de]: Das Krankenhaus Bethel in Lankwitz, das Großkrankenhaus von Vivantes in Neukölln, das Humboldt-Klinikum in Borsigwalde, das Dominikus-Krankenhaus Berlin-Hermsdorf, das Wenkebach-Klinikum und das Martin-Luther-Krankenhaus in Grunewald. Im DIVI-Register sind diese Krankenhäuser mit einer roten Ampel markiert. "Die roten Ampeln sind vor allem ein Signal an die Ärzteschaft, dass die Kollegen keine weiteren Patienten mehr in diese Krankenhäuser überweisen sollen", sagte DIVI-Sprecherin Nina Meckel.

Feuerwehr verlegt Patienten in andere Häuser

Am Montag hatte das Berliner Vivantes-Klinikum in Neukölln mitgeteilt, dass die Feuerwehr zur Sicherstellung der weiteren Behandlung neun Patienten in andere Krankenhäuser habe verlegen müssen. Diese "Maßnahme zur temporären Entlastung" habe es ermöglicht, die Rettungsstelle weiterhin geöffnet zu halten, sagte ein Vivantes-Sprecher rbb|24.

Verlegt wurden demnach keine Covid-19-Fälle, sondern hauptsächlich andere Patienten der Inneren Medizin. Die Notfallversorgung sei weiterhin gesichert, hatte Vivantes-Sprecher Daniel Segal dabei betont. Planbare Operationen würde die Klinik derzeit entsprechend der Empfehlung der Politik verschieben. "Lebensbedrohliche Erkrankungen, dringende Eingriffe wie Tumor-Operationen und Notfälle werden grundsätzlich aber weiterhin ohne Einschränkung behandelt", so Segal. Nach Angaben der Berliner Feuerwehr von Freitagnachmittag bestand für die Rettungsdienste jedoch die Vorgabe, vorläufig keine weiteren Patienten in das Vivantes-Klinikum nach Neukölln zu bringen.

Kaum Patientenbetreuung möglich abseits der Behandlungen

Am 12. Oktober hatte das Krankenhaus, wie zuvor auch schon viele andere Häuser, ein allgemeines Besuchsverbot angeordnet. "Ausnahmen gelten nach Rücksprache mit Ärzten für Kinderstationen, Schwerstkranken und Menschen, die palliativ betreut werden", so ein Sprecher der Klinik.

Die Kontakteinschränkungen in dem Krankenhaus empfänden viele Patienten als Belastung, wie Patientenfürsprecherin Kathrin Schuhmann erklärt. So könnten Sprechstunden der Betreuer in der Klinik derzeit nicht wie gewohnt angeboten werden: "Die Menschen können mir schreiben, und manchmal telefonieren wir auch."

Immer wieder habe sie versucht, für einzelne Patienten eine Besuchserlaubnis bei der ärztlichen Leitung einzuholen, sei damit aber meistens gescheitert. Vor allem für Patienten, die vor einer schweren Operation stehen oder auf einen Besuch durch ihre Kinder warteten, sei dies eine zusätzliche Belastung.

Fast neun von zehn Intensivbetten derzeit bereits belegt

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit sind die Intensivstationen in Berlin zu rund 88 Prozent ausgelastet. Von den 1.217 gemeldeten Intensivbetten in der Stadt sind 1.130 belegt. Der Anteil der Corona-Patienten auf diesen Intensivstationen liegt bei knapp einem Drittel: 362 Patienten werden dort aktuell behandelt, davon müssen 242 beatmet werden. Die Corona-Ampel des Berliner Senats für die Kapazitäten auf den Intensivstationen war deshalb in der vergangenen Woche auf Rot gesprungen.

Die Corona-Klinik am Messegelände mit ihren rund 500 zusätzlichen Betten soll hier für eine Entlastung sorgen. Sie ist vorgesehen für Patienten mit leichtem und mittelschwerem Covid-19-Verlauf.

Schwere Folgen des Personalmangels an Lankwitzer Klinik

Neben den rasant ansteigenden Zahlen von Coronapatienten kämpfen die Kliniken aber auch mit zunehmenden Ausfällen beim Klinikpersonal. So hatte sich am Donnerstag vor einer Woche das St. Marien-Krankenhaus in Berlin-Lankwitz vorübergehend bei der Rettungsleitstelle abgemeldet. Nur so habe man sicher stellen können, dass die Notaufnahme auch weiter Patienten aufnehmen konnte, die selbst dorthin kämen, sagte Klinik-Sprecherin Cora Dieckmann rbb|24.

Zwar sei die Zahl der Corona-Patienten in dem verhältnismäßig kleinen Klinikum mit 37 Personen überschaubar, doch stand dem Haus nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche lediglich ein Drittel der Belegschaft zur Verfügung. Erst seit Montag können die Rettungsdienste die Klinik nun auch wieder normal anfahren.

Solch zunehmende Ausfälle beim Klinikpersonal beobachten auch die Experten der Intensivmedizinervereinigung DIVI. Krankmeldungen und Quarantänen von Pflegern und Ärzten würden seit Wochen deutschlandweit zu einem Rückgang der verfügbaren Intensivkapazitäten führen.

Auch aufgrund dieser Entwicklung sei die Zahl der freien Intensivbetten bundesweit seit August von 11.700 auf 4.900 zusammengeschmolzen. Insgesamt stehen nach DIVI-Angaben bundesweit 27.158 Intensivbetten zur Verfügung, davon waren am Freitagabend mit 22.502 Betten 83 Prozent belegt [intensivregister.de].

Kliniken konnten offenbar neues Personal rekrutieren

Die Experten des DIVI in Berlin beobachten allerdings auch einen Trend, der den Kliniken helfen könnte, die Folgen der Pandemie besser zu bewältigen. DIVI-Sprecherin Nina Meckel sagte rbb|24: "Den Klinken in Berlin ist es offenbar gelungen, zusätzliches Personal zu rekrutieren, oder es sind in der letzten Zeit wieder mehr Pfleger nach vorübergehender Abwesenheit zurückgekehrt." Auch darum habe es keine Absenkung der gesamten Intensivkapazitäten in Berlin gegeben.

 

Sendung: Abendschau, 12.12.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Roberto Jurkschat

50 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 50.

    Das System der Finanzierung der Krankenhäuser funktioniert komplexer und komplizierter, als Sie es darstellen. Ein wichtiger Faktor sind zum Beispiel die Erstattungen durch die Krankenkassen, die sich nach den auf die Diagnosen bezogenen Fallpauschalen der behandelten Patienten richten. Das hat verschiedene (neg. und pos.) Folgen. Möglichst kurze Liegezeiten; Fachbereiche, mit denen man durchschnittlich mehr Geld verdienen kann als mit anderen usw.

  2. 49.

    Sie können die Angstmacherei nicht mehr hören? Sie sind doch das beste Beispiel, wie sehr der Virus der Angsthysterie das eigenständige Denken schon in Mitleidenschaft gezogen hat! Wie bei vielen KommentatorInnen hier!

  3. 47.

    Mit Demokratie hätte es zu tun, wenn sich in freien demokratischen Wahlen für Ihren Vorschlag die Mehrheit der Wähle aussprechen würde. Derartiges ist überhaupt nicht in Sicht. Hoffentlich bleibt es dabei.

  4. 46.

    Herzlichen Dank an alle, die an der "Heilsfront" ihr Unmöglichstes leisten!! Ich entschärfe schon meine Messer und verteile zum Essen nur noch Löffel... ;-) Im Ernst: Bleibt gesund, verdammt nochmal!

  5. 45.

    Mein liebster Freund, der kürzlich mit einer Blutvergiftung im Krankenhaus war, erzählte, dass die Krankenschwestern wie achzigjährige aussahen. Insofern könnte das mit der "Neu-rekrutierung" auch da schon geklappt haben.
    Ein anderer Freund, welchem ich das erzählte, vermutete, dass wohl auch die eigentlich 20 oder mehr Jahre jüngeren Krankenschwestern mittlerweile auch wie achzigjährige aussehen.
    Leider könnte er recht haben!

  6. 44.

    demokratische Ressourcenverteilung hat nichts mit "den einen wegnehmen und den anderen zukommen lassen" zu tun". Sondern eben mit Demokratie. Wenn sie das als "ideologisch" und "DDR" abtun, dann bitte überprüfen Sie Ihr Demokratieverständnis.

  7. 43.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überraschte die Gäste bei „Maischberger“ mit einer Prognose zum Impfplan. Jens Spahn (CDU) gab sich dazu im Interview sicher: „Wenn all die Zulassungen kommen, können wir spätestens im dritten Quartal jedem in Deutschland ein Impfangebot machen.“ Eine Überraschung im Maischberger-Talk 10.12.2020, der eine leichte Ungläubigkeit zurückließ. Drittes Quartal im Sommer???

  8. 42.

    Die Schuld haben nicht Politiker, sondern diejenigen, die sich egoistisch verhalten und Regeln zur Pandemiebekämpfung missachten. Hätte sich die Bevölkerung besser an die in dringlichen Appellen genannten Regeln gehalten, hätten wir viel niedrigere Zahlen. Aber viele sind eben nicht mehr in der Lage, über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich zugunsten der Allgemeinheit einzuschränken, bis die Zeiten wieder besser werden.

  9. 41.

    "dann soll das alles zusammenbrechen"

    Super....eine tolle Einstellung...was zählt schon ein Menschenleben (kopfschüttel)

  10. 40.

    Viele machen es sich sehr einfach indem sie der Politik die Schuld zu schieben. Die Politik ist nicht schuldlos, aber jeder hat es in der Hand bzw. im Gesicht etwas gegen die Pandemie zu machen. Aber wieviele Pfosten laufen ohne Maske herum bzw. lassen die Nase frei. Dann bestehen viele auf ihre "Freiheitsrechte" die Hände an Silvester weg zu ballern, ihrem Konsumrausch zu frönen, in Urlaub fahren und die Viren mit zu nehmen bzw. dann mit zu bringen. Jetzt könnte die Politik eingreifen und dafür zu sorgen das mehr Pflegekräfte ausgebildet werden für die nächste Pandemie. Denn nach der Pandemie ist vor der Pandemie.

  11. 39.

    Verantwortlich sind wir alle - und wenn jeder seinen Teil dazu beitragen würde, anstand auf andere zu verweisen, dann wären wir nun nicht in dieser Situation.
    Also, Nase unter die Maske und ab nach Hause!!!

  12. 38.

    Selbst, wenn Herr Müller es Ihnen noch nicht verbietet- könnten Sie doch so vernünftig sein und mehr tun - also in diesem Fall eher weniger, weniger Kontakte, weniger shoppen als erlaubt.
    Selber denken und verantwortungsbewußt handeln ist nicht verboten.

  13. 37.

    Bisher ist Deutschland einigermaßen durch die Krise gekommen. Nun ist die 2. Welle mit voller Wucht gekommen und es scheint noch schlimmer zu werden. Die Bilder aus Italien haben anscheinend viele hier im Land vergessen.
    Jetzt müssen alle, ja wirklich ALLE Verantwortung zeigen und sich an die Hygieneregeln halten. Auch Imbissverkäufer und Dergleichen sollten sich endlich danach richten und ihre Verkaufsstellen der Situation mit Plexiglasscheiben anpassen, sowie Mund- Nasenschutz und Lebensmittelhandschuhe beim Verkauf anlegen!

  14. 36.

    Falls aus Sorglosigkeit zu Weihnachten Großvater und Großmutter häufiger besucht werden als in der letzten Zeit, werden die Fallzahlen nach oben schnellen. Denn je älter desto schwerer die Symptome. in den letzten 7 Tagen waren nach Senatsangaben unter den 0 bis 39 jährigen 39.441 Neuinfektionen. Alter 40-49: 10.663, Alter 50-59: 10.046. Also die gut Überlebenden(Alter 0-59)waren: 60.150 Neuinfektionen. Alle mit "Risikoalter", also ab 60 aufwärts: 12.597 Neuinfektionen. Die mit Risikoalter scheinen m.E. deutlich unterrepräsentiert (man müsste dazu die Alterverteilung von Berlin kennen, die ist sicher irgendwo zu finden). Wenn nun die Verschiebung in die älteren Jahrgänge passiert, werden signifikant mehr Intensivbetten gebraucht. Daher war es u.a. unklug die Schulen so lange offen zu lassen. Aber vielleicht sind die Berliner ja auch vernünftig und machen keine Weihnachtbesuche bei Älteren.
    s. https://www.rbb24.de "Das sind die aktuellen Fallzahlen in Berlin und Brandenburg"

  15. 35.

    Von dem,was Sie hier von sich geben, geht am den hier angesagten Thema vorbei, bis auf die Pflegekräfte die besser bezahlt werden müssten.
    Ihnen ging es wohl darum Ihre Ideologie loszuwerden, wobei mit grunsätzlichen Ressourcenverteilung gemeint ist, einen was wegnehmen um es anderen zukommen zu lassen, so wie in der DDR. An den Schaden knabbern wir noch heute. Sie wissen ja, die Ost an West Angleichung, zu horenden Kosten.

  16. 33.

    Ganz Ihrer Meinung aber Deutschland muss ja erstmal alles Tausend mal Prüfen bevor es auf den Markt kommt. Notfallzulassung Sofort und nicht erst Ende des Jahres.

  17. 32.

    Was möchte man denn dem unwissenden Bürger hier weiß machen? Wenn Pflegekräfte in Heimen arbeiten müssen, wo ein großer Teil der Insassen das Virus hat und das Personal einer nach dem anderen angesteckt wird und die Leute weiter arbeiten müssen und anschließend nach Hause kommen und ihre Familie anstecken, ist doch für das RKI normal! Der ganze Umgang mit dem Virus schreit zum Himmel! Besuchen untereinander in der Familie wird es bald nicht mehr geben, aber die Angehörigen können in Verseuchte Einrichtungen weiter arbeiten, bis diese das Virus auch haben und bei den Angehörigen verteilt haben. Ist doch alles krank, vom Kopf her!

  18. 31.

    Die Übertragungen finden überall dort statt wo viele Menschen zusammenkommen, besonders wenn keine Masken getragen werden. Kita, Schule, Arbeitsstelle, Zuhause. In vielen asiatischen Ländern tragen auch 5 jährige Masken. Die Diskussionen um Schüler die unter Lockdowns leiden werden in vielen asiatischen Ländern auch geführt, aber der Effekt ist dennoch eine kluge Politik - es werden schon bei wenigen Fällen die Schulen und Kitas für Wochen zugemacht. Hongkong (7,5 Millionen Einwohner) hatte um den 20.November einen Anstieg auf nur 115 Neuinfektionsfälle/24h und sie haben alle Schulen und Kitas geschlossen, bis Jahresende. Wir hatten mal gesagt bei 50 Fälle/100 000 Einwohner passiert was, aber es passierte nichts. Der Kontrollverlust steigerte sich weiter: Ab 5% Positivquote bei den Test läßt sich epidemiologisch kaum noch was vernünftiges sagen, aber wir sind bei 10% Positivquote. Viele US-Bundesstaaten schließen Schulen ab 5%, New Zork m.W. sogar bei 3%. Wir haben schon lange 10%.

Das könnte Sie auch interessieren

Mitarbeiter warten an den Registrierungsstellen im Impfzentrum Elsterwerda (Foto: rbb/Mastow)
rbb/Mastow

Corona-Pandemie - Neues Impfzentrum startet in Elsterwerda

Nächste Etappe im Kampf gegen das Corona-Virus: In Elsterwerda, im Pandemie-Hotspot Südbrandenburg, wird am Dienstag das nächste Brandenburger Impfzentrum in Betrieb genommen. Doch schon zum Start ist klar: Neue Termine gibt es keine.