Integrativer Boxtrainer Izzet Mafratoglu aus Berlin-Schöneberg (Quelle: rbb/Edeha)
Video: rbb um6 | 25.05.2020 | Torsten Michels | Bild: rbb/Edeha

#Wiegehtesuns? | Der Boxtrainer - "Hier steckt eine Menge Schweiß und Liebe drin"

Izzet Mafratoglu vermittelt Berliner Kindern und Jugendlichen in seinem Schöneberger Boxverein "Isigym" täglich Disziplin und Respekt. Eigentlich. Seit die Trainingshalle zu ist, findet er andere Wege, um seine Schützlinge zu fördern.

Corona betrifft uns alle –  nicht nur in Berlin und Brandenburg. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Izzet Mafratoglu, 56, ist Chef und Namensgeber des "Isigym" in der Potsdamer Straße 152 in Berlin-Schöneberg. Sein Boxverein soll Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten. So geht es Izzet.

Der Trainingsstopp war ein Schock – damit habe ich anfangs nicht gerechnet. Normalerweise ist hier von 10 Uhr morgens bis 22 Uhr abends Action angesagt. Sechs bis acht Gruppen trainieren von Montag bis Freitag auf zwei Etagen. Vor allem Freizeitsportler, aber auch viele leistungsorientierte Top-Talente. Und von heute auf morgen wird auf einmal alles heruntergefahren. Das ist sehr, sehr hart.

Ich vermisse meine Jungs sehr, aber ich darf mir das natürlich auch nicht so anmerken lassen. Ich bin für viele ein Vorbild, besonders für meine jugendlichen Boxer. Gott sei Dank geht das Training draußen gerade schon weiter – wenn auch stark eingeschränkt. Meine ehrenamtlichen Trainer und ich organisieren nämlich, zumindest für die Wettkampfathleten, kontaktloses Boxtraining in Kleingruppen an verschiedenen Orten der Stadt, zum Beispiel im Kleistpark in Schöneberg. Natürlich immer nur unter der Leitung eines anwesenden Trainers. So haben die Jungs immerhin ein bisschen Ausgleich.

Einige kommen ganz gut damit klar – andere wiederum nicht. Ich kriege teilweise um 2 Uhr nachts Anrufe von Teilnehmern und muss dann manchmal Seelendoktor spielen. Ich sage ihnen dann immer, dass wieder bessere Zeiten kommen, und wir uns alle an die Regeln halten müssen.

Ich bin nicht nur Trainer – ich bin auch Vater, Mutter, Oma und Opa – alles in einem Paket. Ich erwarte von jedem, dass er auch außerhalb der Trainingshalle eine Vorbildfunktion einnimmt. Wir haben hier nach wie vor eine große gesellschaftliche Verantwortung.

Finanziell geht es uns – trotz der aktuellen Situation – Gott sei Dank gut. Wir haben das große Glück, mit der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag einen starken Hauptpartner an der Seite zu haben, der uns schon seit vielen Jahren unterstützt. Natürlich verlangen wir im Moment auch keine Mitgliedsbeiträge. Wenn Leute weiterzahlen können, ist das super, aber wir werden bei niemandem nachhaken, der während der trainingsfreien Zeit kein Geld überweist. Einige haben dazu ohnehin nicht die finanziellen Möglichkeiten, zum Beispiel, weil sie aus einem sozial-schwächeren Umfeld kommen.

Ansonsten habe ich im Moment viel Zeit, die ich effektiv nutze. Derzeit schreibe ich vor allem Trainingspläne um oder halte Rücksprache mit meinen Coaches an den einzelnen Trainingsorten. Im Box-Gym haben wir die unerwartete Pause auch schon gut genutzt: Viele Wände sind neu gestrichen, nagelneue Trainingsgeräte sind montiert. Ich versuche immer, alles moderner und besser zu machen – ich bin nie ganz zufrieden.

Hier steckt eine Menge Schweiß und Liebe drin. Ich habe meinen Jungs schon versprochen: Sobald wir hier wieder richtig loslegen können, fahren wir alle zusammen als Team zum erstbesten Wettkampf. Egal, wie weit der Weg ist.

Gesprächsprotokoll: Felix Edeha

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