Zustellfahrzeug am Berliner Bikini-Haus (Quelle: Imago/Zeitz)
Symbolbild | Bild: Audio: Fritz | 21.12.2020 | Interview mit DHL-Boten

#Wiegehtesuns? | Der Paketbote - "Das ist Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn"

Weihnachten ist Zeit für Geschenke - und die werden gerade im Lockdown vor allem online bestellt. Knapp 300 Lieferungen, treppauf, treppab, bringt ein einziger Zusteller täglich zu rund 180 Kundinnen und Kunden. Wie ist das zu schaffen? Ein Gesprächsprotokoll.

Corona stellt noch immer unser Leben auf den Kopf. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Gerade zu Weihnachten arbeiten Paketboten jährlich an der Belastungsgrenze. Doch während des Lockdowns ist das Pensum eigentlich nicht mehr zu bewältigen. Einblicke in den Arbeitsalltag eines Berliner Zustellers, der anonym bleiben will. So geht es ihm:

Ja, also, in diesen Zeiten geht es mir nicht so gut. Ich bin komplett knülle, fertig. Denn wir haben Sendungszahlen, die sind jenseits von Gut und Böse, sage ich mal. Das geht jetzt auch schon seit März.

Seit Corona sind die Sendungszahlen sehr weit nach oben gegangen. Das hat sich auch immer noch nicht beruhigt und ist durch das Weihnachtsgeschäft noch schlimmer geworden. Ganz viele Leute lassen sich jeden Tag auch noch ihre Pakete von zu Hause abholen. Das kommt dann noch zum Zustellen dazu. Das ist Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn.

Ich hatte gestern so circa 180 Kunden und knapp 300 Pakete an einem Tag. Sonst war ich bei Weihnachten bei 120 bis 130 Kunden täglich.

Es hilft mir, wenn mir Leute ein Stück entgegenkommen. Denn wenn ich jetzt noch jedes Mal mit meiner Maske in den dritten Stock laufe, kriege ich keine Luft mehr und hab' auch keine Kraft mehr. Und dann hat man wirklich Kunden dabei, die das nicht verstehen, dass sie uns ein Stück entgegenkommen oder generell runterkommen sollen.

Ich kann doch das Paket in den Hausflur stellen, wo ich warte, bis ich Blickkontakt habe. Und dann kann derjenige sein Paket mit hochnehmen. Und ich kann halt weiter. So spare ich 20, 30 Sekunden und das bei 200 Kunden – das ist über eine Stunde, die ich dann täglich spare.

Morgens vor der Arbeit lausche ich erstmal in meinen Körper rein, in meine Gelenke. Und dann versuche ich mich ganz langsam damit abzufinden, dass es wieder so viel sein wird, dass ich wieder so viel laufen muss. Du weißt: Es geht von dunkel bis dunkel und du machst hinne, dass du schnell nach Hause kommst.

Wäre es gut, wenn alle weniger bestellen? Na ja, sicherlich. Aber ich bestelle ja auch Sachen, gerade jetzt, wo alles zu ist.

Es geht auch mal was kaputt, ein Wasserhahn oder ein Türschloss, und das muss halt bestellt werden. Also ich verstehe die Leute, ich würde es nicht anders machen.

Interview: Daniel Claus

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20 Kommentare

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  1. 20.

    Was ich nicht verstehe: Es gibt soviele Stdent/innen und andere, die ihren Job verloren haben wegen Corona--und dringend einen Job suchen. Warum ist es nicht möglich jedem Zusteller in diesen Zeiten eine zweite Person zur Seite zu stellen. Da fehlt es wohl den Arbeitgebern an Menschlichkeit ---da würden sie dann keinen Reibach machen können aus der krankheit

  2. 19.

    Eigentlich gehe ich sehr gern in die Geschäfte in Berlin und schau mir die Sachen an, die ich kaufe. Dieses Jahr geht es leider nicht. Deswegen bestelle ich auch alles online. Allerdings wenn ich es selbst tragen kann, lasse ich es zur Paketstation liefern. Ist wirklich eine sehr praktische Sache. Nur wenn ich wegen Gehbehinderung das Paket nicht hochschleppen kann, lass ich nach Haus liefern. Das war ein Heizofen mit 6kg..:) Alles Gute und vielen Dank an die Paketboten

  3. 18.

    Ich bestelle auch häufiger Sachen online. Ich verwende aber so oft wie möglich DHL Packstationen, Amazon Locker oder dergleichen... so hat der Paketbote weniger Stress und ich kann die Sendung flexibel abholen, wenn ich von der Arbeit komme. Ich finde das Konzept ziemlich gut, allerdings stoßen auch die Packstationen aktuell stark an ihre Grenzen... hier wird sicher in Zukunft noch ausgebaut werden, DHL hat ja zumindest viel angekündigt. Mein Dank geht ebenfalls an die hart arbeitenden Paketboten, die ebenfalls entscheidend mithelfen, unser Land in diesen Zeiten am laufen zu halten.

  4. 17.

    Würde man nichts mehr verschicken so wie wir es immer zu Weihnachten machen dann wäre das doch auch wiederum falsch, oder?
    Nun ganz ohne ging es auch bei uns nicht. Die vier Karten die wir verschickt haben sollten jedoch zu bewältigen sein.
    Ich habe eh nie verstanden warum man immer alles an einem Tag festmachen muss, Geburtstag und diverse Feiertage.
    Wann haben wir es eigentlich verlernt das geschriebene Worte viel wertvollere und einprägsame Geschenke sind als gekaufte Produkte?

  5. 16.

    Ich sage einfach mal nur Danke.......

  6. 15.

    Hab meinem Stammpaketboten, der dieses Jahr zu mir auch so einiges schwer zu tragen hatte, letzte Woche einen 20er zugesteckt. Hat sich gefreut und fand es viel zu viel, aber ich fand es nur angemessen. Guten und freundlichen Service kann man gern mal von sich aus vergüten, da sprechen Sie völlig zurecht ein wichtiges Thema an.

  7. 12.

    Normalerweise müssten mehr Pakete bei den Unternehmen auch mehr Paketboten zur Folge haben. Wenn es aber immer mehr Pakete pro Bote werden und die das nicht mehr ohne danach Erholung zu brauchen in ihren Schichten schaffen, dann pennt der Zoll, BAG und die Gewerbeämter.
    Und wer bekommt eigentlich das unterste Paket auf dem Bild?

  8. 11.

    Ja, ist völlig aus der Mode gekommen bzw. Jeder denkt , es ist inkl. I
    ch merke das mittlerweile daran, dass die Leute ab 50 Cent Schmalz schon fast auf die Knie gehen und es mir peinlich wird . Friseure , Zusteller , Tankwarte , Mechaniker , Bäcker . Alles Sparten, denen man ruhig mal was zustecken kann . Früher haben die damit gerechnet ..

  9. 10.

    "Könnt ihr, liebe Paketboten euch bei der Regierung bedanken!"

    Ja, das kann man dann natürlich immer überall zu jedem Thema schreiben:
    die Regierung sei schuld, genau.
    Hat der einzelne Bürger rein gar nichts mit zu tun, oder wie?

  10. 9.

    Was ist mit Trinkgeld?
    Immerhin ein simple und völlig unbürokratische Möglichkeit den Niedriglohn der Menschen etwas aufzubessern. Scheint irgendwie aus der Mode gekommen zu sein.

  11. 8.

    Ebenfalls danke. Auch, wenn ich keine Großbestellerin bin.
    Dass ich entgegenkomme, mache ich schon lange so.
    Auch, dass ich den Transporter abpasse und dann direkt dort am Wagen mir das Paket abhole. So geht's für den Zusteller noch schneller.
    Geht natürlich nur, wenn man weiß, wann die Sendung kommt und wenn man zuhause ist.
    Sonst wäre es schön, wenn das Paket beim Postshop nebenan abgegeben würde (sofern DHL) statt ins deutlich weiter weg gelegene Postamt o. Packstation.
    Ich hoffe, dass die Paketboten auch endlich mehr Geld und mehr Unterstützung bekommen.
    Die ackern sich kaputt wie das Kranken- und Pflegepersonal.

  12. 7.

    Könnt ihr, liebe Paketboten euch bei der Regierung bedanken!

  13. 6.

    Meine Hochachtung für die Mitarbeiter der Zustelldienste ich möchte mit ihnen nicht tauschen und dann noch unterbezahlt.

  14. 5.

    Diesem Dankeschön schließe ich mich gerne an!!

  15. 4.

    Lieber Richard und liebe Logistiker,
    an dieser Stelle ein aufrichtiges und großes Danke für Ihre Arbeit in diesen Tagen!
    Das Team von rbb|24

  16. 3.

    In Sachsen arbeiten viele tschechische Ärzte, Pfleger und DHL-Mitarbeiter. Jetzt ist dort alles zu bis auf die Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Paketdienste.

  17. 2.

    An dieser Stelle sollte Platz sein, den fleißigen Logistikern, die Ihre Autos bis zur Decke (im Schnitt: 300 Sendungen) täglich füllen und wieder entleeren, damit wir halbwegs das bekommen, was geschlossene Läden nicht mehr ermöglichen, ein ganz großes D A N K E S C H Ö N zu sagen.

  18. 1.

    ist doch wirklich j nicht neues sowas immer das rumgejammern von dhl usw
    die sollte mal richtig ihrer Fahrer bezahlen . keine sub sub wo man kein wirklich geld bekommt und mal richtig einstellen andere in andere berichen arbeiten auch mehr

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