Eine Frau mit Mundschautz in der Berliner U-Bahn (Quelle: imago.images)
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Neue gemeldete Fälle in Deutschland - RKI schätzt Coronarisiko derzeit als "gering bis mäßig" ein

Wegen des Coronoavirus sind Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel bereits Mangelware. Das Robert-Koch-Institut schätzt das Risiko für die Bevölkerung aber derzeit als "gering bis mäßig" ein. Zudem seien Desinfektionsmittel nicht sinnvoll, heißt es.

Was Sie jetzt wissen müssen

In Deutschland sind am Donnerstag 27 neue Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Das gab das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitagvormittag bekannt. "Die neuen Fälle sind ganz gut zuzuordnen", sagte Lars Schaade, Vizepräsident des RKI. Derzeit schätze er das Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aber als "gering bis mäßig" ein.

Bisher konnte das RKI mehrere Cluster von Infektionen identifizieren, die sich in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern befinden. Hinzu kämen drei Einzelfälle von Italien-Rückkehrern. Insgesamt gibt es seit Jahresbeginn 53 Covid19-Fälle in Deutschland, von denen 16 bereits vor Wochen aufgetreten sind.

Desinfektionsmittel nicht sinnvoll

Weltweit haben sich die Coronavirus-Infektionen laut Schaade erhöht. Demnach gibt es derzeit 83.300 Patienten in insgesamt 52 Ländern. 

Schaade gibt die Empfehlung, sich an die "Husten- und Niesenetikette" zu halten, sich wenig ins Gesicht zu fassen, Einwegtaschentücher zu verwenden und in die Ellenbeuge zu husten oder niesen. Eine Nutzung von Desinfektionsmittel oder Atemschutzmasken im Alltagsleben hält er derzeit nicht für sinnvoll.

"Starke bis sehr starke Grippewelle"

In 85 Prozent der Fälle sei die Lungenerkrankung nach 14 Tagen überstanden, so Schaade. Bei einem schweren Verlauf könne eine Genesung vier bis sechs Wochen andauern. Ein solcher Verlauf wurde in Deutschland bisher nur in einem Fall im nordrhein-westfälischen Heinsberg festgestellt. 

Das RKI vergleicht die Coronavirus-Ausbreitung derzeit mit einer "starken bis sehr starken Grippewelle", sagt Schaade. In Deutschland starben in der Grippesaison 2017/2018 mehr als 25.000 Menschen an der Erkrankung.

Noch keine Fälle in der Region

In Berlin und Brandenburg gibt es auch am Freitag noch keinen bestätigten Coronavirus-Fall. Die Gesundheitsämter der Berliner Bezirke überprüften aber einige Verdachtsfälle, die Amtsärzte verhängten in Einzelfällen auch häusliche Isolation für mögliche Träger des Virus.

Im Fall des Erlebnisbadbesuchs eines Infizierten im Landkreis Dahme-Spreewald gibt es keine neuen Erkenntnisse. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass ein positiv getesteter Mann aus Nordrhein-Westfalen vom 20. bis 23. Februar mit seiner Familie im "Tropical Islands" bei Krausnick war.

91 Mitarbeiter des Erlebnisbads werden am Freitag auf das Coronavirus getestet, Ergebnisse werden am Montag erwartet. Eine Ansteckungsgefahr für andere Badegäste, die zur selben Zeit im "Tropical Islands" waren, war nach Einschätzung von Experten äußerst gering. Das Schwimmbad könne bedenkenlos besucht werden, betonte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Donnerstag. Das örtliche Gesundheitsamt im Landkreis Dahme-Spreewald hat für alle Fragen von Bürgern zum Erreger ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist den Angaben zufolge täglich zwischen 8 und 22 Uhr unter 03375/262146 erreichbar.

Berliner Pneumologe: "Bevölkerung wird "durchseucht" werden

Der Berliner Pneumologe Torsten Bauer sagt, das wichtigste Anzeichen für eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus sei Fieber. "Wenn der Körper kein Fieber produziert, dann kommt er wahrscheinlich – das ist meine Einschätzung – mit der Infektion zurecht", sagte Bauer am Freitag dem rbb-Inforadio.

Der Chefarzt für Pneumologie an der Lungenklinik Heckeshorn in Berlin-Zehlendorf hält Atemschutzmasken nur bei Infizierten geeignet, um Mitmenschen nicht anzustecken. "Aber eigentlich sollen die Menschen sich ja selbst schützen und dafür sind die Masken ungeeignet", so Bauer. Die Knappheit von Desinfektionsmitteln hält Bauer "für die Kontrolle dieses Ausbruchs von untergeordneter Wichtigkeit".

Das Risiko, sich bei Großveranstaltung wie der ITB mit dem Virus anzustecken, schätzt Bauer als real ein - über eine Absage müsse letztlich aber die Politik entscheiden. Für ihn aber stehe bereits fest: "Die deutsche Bevölkerung wird durchseucht werden. Wir werden uns alle irgendwann damit infizieren." Nun ginge es darum, den Prozess ein bisschen zu verzögern. Auch das Wetter spiele eine Rolle in der Bekämpfung des Virus. Im Sommer würden sich weniger Menschen gegenseitig anstecken: "Wenn die Menschen wieder mehr draußen sind, dann wird sich diese Infektionsgeschwindigkeit deutlich wieder verlangsamen."

ITB steht auf der Kippe

Mit Spannung blickt am Freitag die Messe Berlin auf die Einschätzung des Krisenstabs der Bundesregierung zur Internationalen Tourismusbörse ITB, die eigentlich am 4. März in den Messehallen unter dem Funkturm beginnen sollte. Während sich die Messe auf Bewertungen einer Amtsärztin beruft und weiterhin die ITB durchführen möchte, ließ Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag ernsthafte Zweifel daran durchblicken. Der Krisenstab wird am Freitag eine Empfehlung aussprechen, letztlich entscheiden über eine ITB-Absage muss aber das Land Berlin.

Für die ITB haben sich 10.000 Aussteller aus aller Welt angemeldet, sie müssen ein Formular ausfüllen und darin schriftlich versichern, dass sie Coronavirusfrei sind und in den zurückliegenden 14 Tagen nicht in Risikogebieten waren. Für die Besucher, deren Zahl in den vergangenen Jahren meist bei 150.000 lag, gibt es keine solche Regelung.

Sendung: Inforadio, 28.02.2020, 10:40 Uhr

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Das sieht die WHO allerdings mittlerweile anders! Die Informationspolitik erinnert an die östliche nach Tschernobyl.

  2. 19.

    Wenn Sie unbedingt alles desinfizieren wollen: Die meisten Sprays, Tücher usw. enthalten nichts weiter als Ethanol, also (Trink-) Alkohol.

    Besorgen Sie sich eben den, bevor unsere Hysteriker darauf kommen und auch dort zu panischen Hamsterkäufen schreiten.

  3. 18.

    Dass sich die Krankheit weltweit ausbreitet, heißt ja nicht, dass sie überall in gleichem Maße auftreten wird. Inzwischen ist die weltweite Verbreitung ja offenkundig eingetreten, wir brauchen also nicht mehr von einem entsprechenden Risiko zu sprechen. Im übrigen ist die Infektion das eine, daran schwer zu erkranken etwas anderes.

    Statistik ist manchmal ein wenig kompliziert, deshalb lässt sich damit soviel Schindluder treiben, zumal wenn man sich darauf verlassen kann, dass viele Menschen nicht so genau lesen oder zu gedanklichen Kurzschlüssen neigen.

  4. 17.

    Desinfektionsmittel sind nicht sinnvoll. Logisch. Es gibt ja auch keine zu kaufen. Das ist wie früher. Waren Eier knapp, dann waren sie ungesund.

  5. 16.

    Lieber rbb, die Rubrik "Vorgehen im Ernstfall" ist gut und wichtig. Eine druckbare Version wäre sinnvoll. Die kann man sich für den Ernstfall zurechtlegen und auch an andere weitergeben. Noch besser wäre ein Schreiben vom Land Berlin mit Vorsichtsmaßnahmen, Verhaltensregeln und Hilfsangeboten an jeden Bürger. Alles Mögliche erfährt man aus den Medien, auch widersprüchliches, aber es gibt nix offizielles. Dort könnte auch stehen, dass die Feuerwehr nicht bei erhöhter Temperatur zu kontaktieren ist.

  6. 15.

    Desinfektionsmittel sind derzeit nicht sinnvoll. Klar, es hat ja noch garnicht angefangen. Erwiesen ist, dass die Viren sich an Gegenständen viele Tage halten. An Einkaufswagen, Haltestangen, an Obst und Gemüse, kurz an allem was die Menschen anfassen werden. Einweg-Handschuhe gabs noch, jedoch hätte ich schon gerne Desinfektionsmittel. Jahrelang staubt das Zeug in den Läden ein und wenns abverlangt wird, versagt die ach so starke Wirtschaft. Haben wir nun den Westen, wo es alles zu kaufen gibt, oder was ist da los? in der DDR hätten die Viren niemals den Antifaschistischen Schutzwall überwunden. Kleiner Scherz.

  7. 14.

    "RKI schätzt Coronarisiko derzeit als "gering bis mäßig" ein" So ein Unsinn. Denn: die WHO hat das Risiko weltweiter Ausbreitung bereits als "sehr hoch" eingestuft https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-105.html

    Deutschland ist ein Teil dieser Welt.

  8. 13.

    Es muß doch aber nicht sein das solch eine Masse von Menschen aus sovielen Ländern auf einem Haufen ist. Durch solch eine Absage wird die Messe doch nicht gleich den Bach lang runter gehen. Die Schweitzer sind doch auch keine Weicheier.

  9. 12.

    Mag sein. Es ist nur wenig hilfreich, wenn Corona so gehyped wird. Es gibt andere, viel ansteckendere Krankheiten mit erheblichen Folgen, die uns weitaus mehr Sorgen machen sollten. Auch das sollten Fachleute durchaus mal betonen. Was sich derzeit vor allem in den privaten Medien abspielt ist nur noch gruselig und hilft nicht, den Menschen Besonnenheit zu vermitteln.

  10. 11.

    Das sage ich ja.
    Aber passieren wird wahrscheinlich nichts.
    Die Lobby der Konzerne ist eben größer als die des Volkes. Und das bei Politikern aller Parteien.
    Wo ist denn das Soziale oder Christliche der Nochvolksparteien? Wir leben eben in einer Spaßgesellschaft, die sich alles gefallen lässt.

  11. 9.

    Ob jemand Angst empfindet oder nicht, hängt eben von jedem individuell ab. Es gibt keine von außen verordnete Angstschwelle. Jeder Mensch bewegt sich von "Hypochonder" bis "Ich bin unsterblich". Hier zu missionieren führt zu nichts. Medien die Nachrichten verbreiten, haben sich an Fakten zu halten. Kommentare können nach eigenem Gusto verbreitet werden. Medien können wenig ins rechte Licht rücken, denn die Adressaten reagieren individuell.

  12. 8.

    Also wenn sie jetzt auch noch das Robert Koch Institut anzweifeln, denke ich kann ihnen keiner mehr helfen! Die ITB nicht stattfindenden zu lassen bringt doch nichts. Dann müssten alle Menschenansammlungen vom Supermarkt über Grossraumbüros und der gesamte ÖPNV abgeriegelt werden.
    Wie sagte gestern ein Mediziner im TV: Im Mai wird angegrillt! Das fand ich gut.

  13. 7.

    Erst würd gross geprallt, man solle unbedingt auf Hygiene achten und am besten reichlich Desinfektion bunkern, in jeder Firma werden schon extra Mitarbeiter-Hygiene-Meetings einberufen und nun heisst es, es wäre "nicht sinnvoll". Bei mir in der Firma hängen extra Aushänge, dass besonders auf die Hygiene geachtet werden soll. Na, wat denn nu?

  14. 6.

    Also ernsthaft. Was sollen diese ständigen "Einschätzungen". "Gering bis mäßig" --- was soll der Blödsinn. Im Zweifel machen solche "Einschätzungen" nur unglaubwürdig. Jeder kann alle Fallzahlen in allen Medien verfolgen und sein Risiko selbst bewerten. ITB und Großveranstaltungen sollen abgesagt werden, aber Institute und "Experten" sprechen von geringen Risiken. Das passt eben nicht zusammen. Man kann sich natürlich mit aller Macht selbst diskreditieren. Lasst diesen Blödsinn einfach sein.

  15. 5.

    Dem kann nur beigepflichtet werden. In diesem Land zählt nur der Profit, wenn dabei ein paar Leute draufgehen-macht nichts. In der Schweiz sind ab sofort alle Großveranstaltungen verboten. Hier geht die Party bis zum Anschlag weiter (Fußball, große Konzerte (morgen Maffay in Berlin) usw..

  16. 4.

    Wir haben, ob der medialen Panikmache, vorsorgen müssen.
    Da ein Kind im Haus ist, musste Wasser her und Nahrungsmittel für 14 Tage, Campingkocher et cetera....

    Ich mache mir, ehrlich gesagt, mehr Sorgen um Syrien, den Pazifik und einem NATO Bündnisfall mit all seinen Konsequenzen.

  17. 3.

    Bravo! Das kann man nicht oft genug betonen, dass kein Grund zur Panik besteht. Kann man den privaten Medienakrobaten in Sat1, RTL und Co. nicht diese Panikmache verbieten? Ist ja unglaublich, was da auf den privaten Kanälen abgeht nur wegen der Einschaltquote.

  18. 2.

    Ich staune wirklich, in welchem Rhythmus sich die Meldungen zum Thema Coronavirus zu überschlagen scheinen. Momentan passiert nur eins: die Menschen sind verunsichert und bekommen langsam Fracksausen. Dass es sich, hält man die hygienischen Grundregeln ein, um eine vergleichsweise weniger stark ansteckende Infektionskrankheit mit in den meisten Fällen milden Verlauf handelt geht schnell unter. Gerade im Vergleich zu hoch infektiösen Krankheiten wie den Masern geht man doch gern sehr entspannt um. Vielleicht könnten das die Medien mal ein bisschen ins richtige Licht rücken, als ständig so zu tun, als wenn wir alle demnächst unser Leben einzustellen hätten.

  19. 1.

    Panikmache ist nicht gut, aber bagatellisieren auch nicht.
    Deutschland meint wieder alles besser zu wissen und zu können .
    Was dabei heraus kommt sieht man ja in vielen Bereichen.
    Müssen denn die ITB oder andere Großveranstaltungen unbedingt stattfinden. Ist der Profit der Unternehmen wirklich wichtiger als das Leben und die Gesundheit der Bevölkerung?

    Es ist schon schlimm genug, dass es wichtige medizinische Erzeugnisse (ob sinnvoll oder nicht)nicht ausreichend zu kaufen gibt, da diese aus Profitgier in China oder sonst wo produziert werden. Furchtbar.

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