Mitarbeiter werden getestet - Coronavirus-Infizierter war Gast im Tropical Islands

Do 27.02.20 | 20:32 Uhr
Tropical Islands Brandenburg 2020 (Bild: rbb/ Franziska Hoppen)
Video: Brandenburg Aktuell | 27.02.2020 | Markus Woller, Carsten Krippahl | Bild: rbb/ Franziska Hoppen

Eine mit dem Coronavirus infizierte Person hat sich mehrere Tage im brandenburgischen Erlebnisbad Tropical Islands aufgehalten, jetzt werden rund 100 Mitarbeiter getestet. In sozialen Medien schürte derweil eine Corona-Falschmeldung Aufregung.

Was Sie jetzt wissen müssen

Eine mit dem Coronavirus infizierte Person hat vor Kurzem mehrere Tage im Erlebnisbad Tropical Islands in Krausnick (Dahme-Spreewald) verbracht. Das gab Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Donnerstag bekannt.

Die Person sei zunächst von den Behörden im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) als Kontakt zu zwei Erkrankten ermittelt worden; diese beiden würden derzeit in der Uniklinik-Düsseldorf behandelt.

Laut Nonnemacher hat die Person in einer insgesamt fünfköpfigen Gruppe das Erlebnisband zwischen dem 20. und 23. Februar aufgesucht. Die insgesamt vier Erwachsenen und ein Kind hätten nach eigenen Angaben nur die große Badehalle aufgesucht, im Sauna- und Wellnessbereich habe man dagegen keine Zeit verbracht, so Nonnemacher. Sie hätten "keinen näheren Kontakt" mit Badegästen gehabt, nur "mit einigen Mitarbeitern" des Tropical Islands seien sie in Kontakt getreten.

Knapp hundert Mitarbeiter werden untersucht

Wie der Landkreis Dahme-Spreewald schriftlich mitteilte, sind seit Donnerstagnachmittag Mitarbeiter des Gesundheitsamtes vor Ort. "Unsere bisherigen Prüfungen haben ergeben, dass kein erhöhtes Ansteckungsrisiko bestanden hat. Augenblicklich tendiert die Ansteckungsgefahr gegen Null“, erklärte Astrid Schumann, Leiterin des Gesundheitsamtes Dahme-Spreewald am Donnerstag. Maßnahmen, die den Betrieb des Familienressorts einschränken, sind aktuell nicht erforderlich.

Dennoch sollen vorsichtshalber nun rund 100 Mitarbeiter, die potenziell mit dem Infizierten in Kontakt gekommen sein könnten, untersucht werden. Amtsärztin Schumann appelliert: "Mitarbeiter und Besucher des Tropical Islands, die in den kommenden zehn Tagen Krankheitssymptome wie Fieber, Husten oder Schnupfen bekommen, sollten sofort die Kontakte zu anderen Menschen minimieren und umgehend ihren Hausarzt kontaktieren."

Charité sieht Besuch der Halle als unproblematisch

Laut Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher haben sich die Behörden unmittelbar nach Bekanntwerden der Ereignisse mit dem Virologen der Berliner Charité, Christian Drosten, in Verbindung gesetzt. Er habe erklärt, dass die Badehalle vom Luftvolumen, von der Luftzirkulation und der Außentemperatur her vergleichbar mit einem Freibad im Sommer sei. "Und die Daten des Aufenthaltes und die Daten, wann Mitglieder dieser Familie symptomatisch wurden, lassen es in seinen Augen als unmöglich erscheinen, dass dort noch vermehrungsfähige Viren vorhanden sein könnten. Es besteht also keine Gefahr, was diese Einrichtung angeht."

Die Beschäftigten, die an den Tagen zwischen dem 20. und 23. Februar in der Anlage gearbeitet hatten, würden bisher keine Symptome zeigen, so Nonnemacher. "Sie gehören nach Definition des Robert-Koch-Instituts zu Kontaktpersonen zweiten Grades. Bei ihnen müssen keine Isolierungen vorgenommen werden. Sie machen ab Freitag einen freiwilligen Test, dann nach fünf Tagen nochmal."

Bisher keine bestätigten Fälle

Nach wie vor gibt es in Brandenburg keine nachgewiesene Infektion mit dem Coronavirus. "36 Verdachtsfälle sind bisher alle negativ getestet worden", sagte Nonnemacher am Donnerstag. Sie habe einen Einsatzstab zum Coronavirus eingesetzt, der seine Arbeit bereits am Donnerstagmorgen aufgenommen habe. Der Gesundheitsministerin zufolge sollen die Experten den Pandemieplan Brandenburgs, der sich vor allem an Influenza-Pandemien orientiert, an das neuartige Virus anpassen. Der Plan regelt, wie Kommunen und Kliniken im Falle eines Ausbruchs der Krankheit vorzugehen haben. Außerdem wird nach Angaben Nonnemachers die Einsetzung eines Krisenstabes vorbereitet. Dieser soll jedoch erst dann zum Einsatz kommen, sobald der erste Coronavirus-Fall in Brandenburg auftritt.

Nonnemacher betonte, dass nach aktuellen Erkenntnissen zur Erkrankung Covid-19 rund 80 Prozent der Erkrankungen leicht und milde verlaufen. Die Bettenkapazität in Brandenburgs Kliniken sei ausreichend. Alle Krankenhäuser mit Notaufnahmen, auch solche in ländlichen Regionen, seien für den Ernstfall vorbereitet und ausgestattet.

Corona-Falschmeldung in Barnim

Für Aufruhr sorgte das Coronavirus am Donnerstag auch im Landkreis Barnim - allerdings wegen einer Falschmeldung, die in sozialen Netzwerken die Runde machte. Demnach wurde fälschlich berichtet, der Amtsarzt habe eine HNO-Praxis in Bernau wegen des Verdachts eines Kontaktes mit dem Coronavirus vorläufig geschlossen. Nachdem die Nachricht immer weitere Kreise zog, reagierte schließlich Barnims Amtsärztin Heike Zander: "Das Gesundheitsamt des Landkreises Barnim hat keinerlei Anweisung zur Schließung der Praxis verfügt", hieß es.

In einer Mitteilung stellte am Donnerstag das Landratsamt klar, dass sich einer der beiden Ärzte aus der Bernauer Praxis in den vergangenen Wochen in einem Risikogebiet aufhielt. Er habe sich nach der Rückkehr freiwillig und vorsichtshalber und nach dem Austausch mit dem Gesundheitsamt testen lassen. "Dieser Test fiel eindeutig negativ aus", so Amtsärztin Zander.

Ausschuss will Sondersitzung

Angesichts neuer Coronavirus-Fälle in Deutschland hat der Gesundheitsausschuss im Brandenburger Landtag am Donnerstag eine Sondersitzung in der kommenden Woche beantragt. "Nach derzeitigen Meldungen müssen wir auch in Brandenburg fast täglich mit einem Ausbruch rechnen", sagte Ausschussvorsitzender Björn Lüttmann (SPD). Bislang gibt es aber weder in Brandenburg noch in Berlin bestätigte Fälle von Coronavirus-Infektionen.

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

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