Mike Schubert (SPD), Oberbürgermeister von Potsdam (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Bild: dpa/Fabian Sommer

Corona-Ausbruch in Potsdam - Schubert tauscht Geschäftsführung des Bergmann-Klinikums aus

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert hat die beiden Geschäftsführer des Bergmann-Klinikums nach dem Corona-Ausbruch in dem Krankenhaus beurlaubt. Bis der Bericht der Untersuchungskommission vorliegt, wird die Geschäftsführung kommissarisch neu besetzt.

Der Coronavirus-Ausbruch am Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann hat personelle Konsequenzen. Nach einer Sitzung des Hauptausschusses hat Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Donnerstag die beiden Geschäftsführer des Klinikums beurlaubt und zwei vorläufige Nachfolger benannt. Der bisherige kaufmännische Direktor Tim Steckel und der ehemalige Geschäftsführer des Lausitz Klinikums in Forst, Hans-Ulrich Schmidt, sollen die Geschäftsführung kommissarisch übernehmen.

"Bis Anfang Mai soll ein konkreter Plan vorliegen, wann und wie die normale medizinische Arbeit im Klinikum wieder vollumfänglich fortgeführt werden kann", sagte Schubert.

Schubert will auf Kommissionsbericht warten

Ob die beiden beurlaubten Geschäftsführer Steffen Grebner und Dorothea Fischer wieder auf ihre Posten zurück dürfen, bleibe abzuwarten. Eine endgültige Entscheidung werde getroffen, wenn der Abschlussbericht der Untersuchungskommission vorliege, sagte Schubert weiter.

Die Kommission soll unter der Leitung der früheren Landesgesundheitsministerin Anita Tack (Linke) aufklären, warum sich das Coronavirus im städtischen Klinikum im März so weit ausbreiten konnte. In die Fachgruppe wurden Experten aus den Bereichen der Krankenhausführung, der Hygiene, der Infektiologie, der Krankenhausorganisation, des Krankenhausbaus, des Medizinrechts, sowie Patientenvertreter berufen.

Antrag auf Kündigung fand keine Mehrheit

Ein erster Zwischenbericht der Fachgruppe soll bereits am Freitag vorliegen, sagte Schubert. Aus diesen ersten Erkenntnissen soll die neue Geschäftsführung Maßnahmen ableiten, die einen erneuten Virus-Ausbruch im Krankenhaus in Zukunft verhindern sollen. Zugleich nahm Schubert das Klinikpersonal in Schutz. "In der öffentlichen Auseinandersetzung ist einen Punkt erreicht, wo Klinikmitarbeiter offen angefeindet werden und dafür kritisiert werden, wo sie arbeiten", so der Oberbürgermeister. Damit sei für ihn eine Grenze überschritten.

Schuberts Vorschlag, beide Geschäftsführer zu beurlauben, hatte im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend eine Mehrheit gefunden, ein Antrag auf Kündigung eines Geschäftsführers allerdings nicht, wie die dpa berichtet. Auch gab es keine Mehrheit dafür, eine Kommission mit der Überprüfung der Arbeit von Oberbürgermeister Schubert und dem städtischen Gesundheitsamt zu beauftragen.

Bezahlung der Klinik-Mitarbeiter soll erhöht werden

Am Donnerstag hatten die Fraktionen von SPD, Linken und Grünen im Potsdamer Rathaus derweil einen Vorschlag eingebracht, die Bezahlung der Klinik-Mitarbeiter zu erhöhen. Die Parteien wollen erreichen, dass das Klinikum in den Kommunalen Arbeitgeberverband und damit zu den Tarifen des öffentlichen Dienstes zurückkehrt. Das soll am 6. Mai beschlossen werden. Der Beschluss im Rathaus gilt als sicher, weil die drei Fraktionen im Parlament eine Mehrheit haben. Für das Klinikpersonal ist wegen der Arbeitsbedingungen während der Corona-Pandemie außerdem eine Prämie von jeweils 500 Euro vorgesehen.

Seit Mitte März hatten sich in dem Krankenhaus Corona-Infektionen gehäuft. Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) drangen daraufhin auf Verbesserungen. Bisher starben 39 Covid-19-Patienten in der Klinik. Seit 1. April gilt ein Aufnahmestopp für neue Patienten. Nur Notfälle werden noch aufgenommen.

Aufsichtsrat empfahl die Beurlaubung

Am vergangenen Wochenende räumte die Geschäftsführung erstmals Fehler ein. "Im Zeitraum vom 13. bis 26. März ist im Klinikum Ernst-von-Bergmann eine kritische Entwicklung im Rahmen der Corona-Pandemie nicht ausreichend erkannt worden", teilte die Geschäftsführung am Samstag mit. "Dabei sind tatsächlich nachgewiesene und registrierte Infektionen bei einzelnen Mitarbeitern nicht in einen inhaltlichen Zusammenhang gebracht und tiefgreifend analysiert worden", hieß es in der Mitteilung weiter. Das betreffe insbesondere die Abteilungen Nephrologie (Nierenkrankheiten), Urologie, Geriatrie und Allgemeinchirurgie. "Damit hätten im Rückblick unter Umständen noch fundiertere Entscheidungen getroffen werden können", räumte die Klinikleitung ein. "Die Geschäftsführung bedauert dies sehr."

Der Aufsichtsrat des Klinikums empfahl danach, beide Geschäftsführer zu beurlauben und eine externe Kommission zur Aufarbeitung der Krise einzusetzen. Oberbürgermeister Schubert kann als Gesellschafter eigenständige Entscheidungen treffen. 

Sendung: Brandenburg aktuell, 23.04.2020, 19:30 Uhr

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13 Kommentare

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  1. 13.

    Na ja, Sie tragen Ihr Feindbild wie einen zentnerschweren Sack mit sich herum. Vielleicht wäre es gut, den mal abzulegen.

    Jenseits irgendeiner Parteizugehörigkeit habe ich die Angelegenheit zwischen Jakobs und Schubert eher so mitbekommen, dass der eigentlich auserkorene Jakobs-Nachfolger Burkhard Exner sein sollte. Der hätte jedesfalls für die verheerende Kontinuität der schwarzen Null gestanden, die erst die Ausgründung der Tochterunternehmen beim Ernst von Bergmann-Klinikum, bei der Schlösserstiftung und bei der ViP zur Folge gehabt hat. Schubert hat sich aus Sicht von Jann Jakobs dann offensichtlich dazwischengedrängt, das fing schon mit seiner vorherigen Bewerbung zum Sozialbeigeordneten an, was an den seinerzeitigen Wahlquereleien abzulesen war.

    Schubert und Exner sind naturellmäßig grundverschiedene Menschen. Die SPD-interne Wahl zur Kandidatenaufstellung Schubert stand so gesehen eher für einen Aufbruch als für ein Festhalten, gleich alles Nachfolgenden.

  2. 12.

    Danke, genau so ist es. Andere Kliniken werden wahrscheinlich jetzt noch mehr scheuen konsequent zu testen, wenn sie sehen was dadurch an schlechter PR im EVB entsteht.
    Es machen sich auch nur wenige Gedanken, was diese ganze Berichterstattung mit uns Mitarbeitern macht, die wir doch eigentlich uns gerne auf unsere Arbeit konzentrieren wollen.
    Ein riesiges Dankeschön geht aber jetzt mal an unsere Patienten, die uns soviel Zuspruch geben, soviel moralische Unterstützung, nette Worte, Anrufe, Briefe, E-Mails.....

  3. 11.

    Oberbürgermeister Mike Schubert sucht nur nach einen Sündenbock. Ist halt ganz und gar ein Jakobs-Zögling. Das der Rathaus-Klüngel den Vorschlag zur Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der Arbeit von Oberbürgermeister und Gesundheitsamt abgelehnt hat sagt einem alles. Schubert und Jakobs war schon immer egal was die Potsdamer wollten. Man denke nur an Rosa Klotz und daran das bis heute nirgends die Kosten für die Schloss-Attrappe zu finden sind. Rund 400-500 Millionen Euro. Geld das in das Krankenhaus besser geflossen wäre.

  4. 10.

    Nun, soweit würde ich nicht gehen. Dass die Führungsebene hinter der GF steht, war zu erwarten. Der Betriebsrat hat aber lediglich mitgeteilt, dass ein Klinikum in Zeiten wie diesen ohne Führung nicht auskommt. Er hat darüber hinaus große Kritik an der GF, speziell Herrn Grebner, geübt. Es wäre also wünschenswert gewesen, lediglich Herrn Grebner ziehen zu lassen und Frau Fischer zu befähigen, zusammen mit einem Interims-GF-Kollegen, neue Wege zu gehen. Auch muss man hier ganz klar hinterfragen, welche Rolle Frau Dr. Böhm vom Gesundheitsamt und die Stadtspitze bei diesem ganzen Dilemma gespielt hat. Das Klinikum ist ein Bauernopfer und alle anderen Kliniken in Brandenburg und Berlin machen weiter wie gehabt, ohne selbst jemals alle Patienten bzw. Mitarbeiter getestet zu haben. Da wäre doch die tatsächliche COVID-19-Dunkelziffer höchst interessant...

  5. 9.

    Eben an anderer Stelle so kommentiert - passt hier leider auch: Korrekterweise wird in dem Artikel darauf hingewiesen, dass der OB die Enscheidung mit mehrheitlicher Unterstützung durch Aufsichtsrat und Stadtverordnetenversammlung getroffen hat. Leider NICHT erwähnt wird, dass er sie gegen den ausdrücklichen Willen des kompletten betroffenen Hauses getroffen hat: Sowohl das so gut wie vollständige leitende medizinische Personal als auch der Betriebsrat haben sich vehement für den Verbleib der bisherigen Geschäftsführung eingesetzt - schade, dass in der Pressekonferenz dieser Punkt nicht angesprochen bzw. nachgefragt wurde...

  6. 8.

    Tja, und nu'? Hat euer OB nur Mist gebaut oder gibt's auch vernünftiges von ihm?

  7. 7.

    "Die ärztliche Schweigepflicht besteht auch gegenüber den bei der Stadt angestellten Amtsärzten und den für die berufsmäßig tätigen Gehilfen der Ärzte, wie Medizinische Fachangestellte sowie Auszubildende und Personen, die zur Berufsvorbereitung im Gesundheitsamt tätig sind."

    https://fragdenstaat.de/anfrage/fehlende-quarantane-und-todesfalle-im-klinikum-ernst-von-bergmann/

    Von wegen Aufklärung von der Stadt. Die Ärzte dürfen uns ja gar nicht sagen, was im Klinikum los ist. Die dürfen ja gar nichts ans Gesundheitsamt melden. Und unter dem Spaß führt man Ordnungswidrigkeitsverfahren und übergibt es der Staatsanwaltschaft.

    Von wegen... "Es muss uns allen darum gehen, Gründe vollumfänglich aufzuklären und den Blick nach vorne zu richten. Wichtig ist, dass wir das Vertrauen der Menschen in die Klinik wieder zurückgewinnen."

  8. 6.

    Ja was passiert mit dem Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert? Schon dafür, dass der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert die Aufarbeitung behindert sollte ein Abwahlverfahren eingeleitet werden.

  9. 5.

    Welche Aufgaben hat den der Aufsichtsrat, welche Pflichten und Rechte? Herr Schubert hat das Recht und die Pflicht sofort seine Ämter zu verlassen. Warum gibt es keine Überprüfung seines Handelns oder besser gesagt Nichthandelns. Nur die Schuld in der Klinik zu suchen erscheint etwas zu einfach.

  10. 4.

    Beurlaubung unter Fortzahlung der Bezüge, es fehlen nur noch "Erfolgsprämien".
    Und was passierte dem OB? Kann er noch zu einem regierenden Bürgermeister mutieren?

  11. 3.

    Ich kenne den Oberbürgermeister von früher persönlich er ist und war ein Karrierist der seine eigenen Fehler nicht sehen will er war vorher Sozialbeigeordneter von Potsdam und die Probleme bestehen nicht er seid Corona. Auf einmal so zu tun als hätte man von allen nichts gewusst passt irgendwie ganz gut zu dem Sumpf der da entstanden ist. Ich hoffe Potsdam lernt aus dem Dilemma das man sich bald wieder ohne Sorgen in EvB einliefern lassen. Aber jeder kriegt was er gewählt hat.

  12. 2.

    Auch der Oberbürgermeister steht m. E. zur Disposition. Es sind Menschen gestorben und sterben weiterhin. Ob seine Einflussnahme das hätte ändern können sei dahingestellt. Aber die Verantwortung für die Kommune und somit auch der kommunalen Einrichtungen liegt in seiner Hand. Er soll die nötigen Konsequenzen ziehen!

  13. 1.

    Der Satz "Vorschlag zur Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der Arbeit von Oberbürgermeister und Gesundheitsamt" wurde abgelehnt ist doch aufschlussreich. Oberbürgermeister Mike Schubert sucht nach Schuldigen und vertuscht womöglich eigene Versäumnisse.

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