Jürgen Fritz am Tresen von INJOY Berlin (Quelle: rbb/Jule Käppel)
Bild: rbb/Jule Käppel

Schließung wegen Corona - Fitnessstudio-Betreiber demonstrieren für Öffnungserlaubnis

Seit Mitte März sind die Fitnessstudios in Berlin geschlossen. Betreiber verzeichnen vor allem Kündigungen und keine Neuzugänge mehr. Ihren Unmut darüber haben rund 70 Mitarbeiter am Dienstag bei einer Demonstration geäußert. Von Jule Käppel

"Öffnet die Fitness-Studios sofort" und "Berlin braucht Fitness" steht auf Transparenten, die rund 70 Betreiber und Mitarbeiter von Berliner Fitnessstudios am Dienstag vor dem Roten Rathaus hochhalten. Seit Mitte März müssen die Studios aufgrund des grassierenden Coronavirus' geschlossen bleiben. Während Brandenburg am Dienstag Lockerungen für Fitnesstudios bekanntgab, sind für Berlin bislang noch keine in Sicht. Grund genug für die Betreiber und Mitarbeiter, ihren Unmut auf einer Demonstration zu äußern.

Betrieblich ein herber Schlag

Für Daniela Fritz, Betreiberin eines Fitness-Studios in Berlin-Lankwitz, ist es die schwerste Last, die sie jemals stemmen musste, sagt sie. Seit mehr als zweieinhalb Monaten stehen die über einhundert Geräte in der lichtdurchfluteten Sporthalle still. Hier wird nur eines trainiert - die Durchhaltekraft der jungen Studio-Chefin. "Betrieblich war das ein herber Schlag. Ein Studio in unserer Größe braucht normalerweise seine 20 Neuanmeldungen jeden Monat, um überhaupt den Status Quo aufrechtzuerhalten. Auch die fehlen mir ja jetzt aus zweieinhalb Monaten mindestens", sagt Fritz. Dementgegen stehen allein im Mai rund 50 Kündigungen. Um nicht noch mehr Mitglieder zu verlieren, hat das Studio das Angebot an Online-Kursen ausgebaut.

Die Zukunft der Fitness-Branche sei das aber nicht, sagt Birgit Schwarze, Präsidentin des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen. "So eine junge, durchtrainierte, gutaussehende Frau ist klasse auf dem Fernseher. Sie macht ein herausragend gutes Programm. Und dann müssen Sie sich einfach vorstellen, Sie sind eine ganz normal gebaute 50-jährige Frau und Sie sollen jetzt das alles nachmachen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktioniert."   

Hygieneregeln bei INJOY Berlin (rbb/Jule Käppel)
Fitnessregeln an Fritz' Fitnessstudio in Lankwitz | Bild: rbb/Jule Käppel

Gute Resonanz auf Online-Videos

Im Sportclub von Daniela Fritz war die Resonanz auf die Online-Videos positiv. Die Mitglieder sind im Schnitt 54 Jahre alt. Wenn sie wieder im Fitness-Studio trainieren dürfen, wird sich einiges verändert haben: Ein Spuckschutz-Element trennt den Ein- und Ausgang. Schwarz-gelbes Warnklebeband markiert die Laufwege mit Pfeilen auf dem Boden. In der Sporthalle steht Desinfektionsmittel bereit und etwa jedes dritte Gerät ist für den nötigen Abstand mit rot-weißem Flatterband abgesperrt.

Vor dem Gebäude befestigt Vater Jürgen Fritz ein Demonstrations-Banner, das die Familie am Dienstagvormittag noch am Roten Rathaus hochgehalten hat. Auf der Rückseite Werbung für Wirbelsäulen-Training. Vorn der Aufruf: "Öffnet die Fitnessstudios!" Diese Botschaft unterstützen Sportfans auf der Straße und einige warten schon sehnsüchtig auf die Wiederöffnung. "Es wird echt Zeit", sagt ein Sport-Begeisterter aus Schöneberg. Er ist sich sicher: "Die Leute brauchen Sport. Ohne Sport ist das Leben einfach nicht so, wie mit Sport. Ich trainiere fünfmal die Woche. Ich mache es jetzt ein bisschen zuhause." Das sei kein Vergleich zum Besuch im Fitnessstudio für ihn.

Können sich Viren besser ausbreiten?

Mit Sorgen blickt eine Passantin auf ein mögliches Infektionsrisiko in den Sport-Clubs der Stadt: "Wenn man Sport macht, ist man ja auch ziemlich erschöpft. Dann atmet man auch viel tiefer ein und aus und ich denke mal, die Viren können sich da viel eher verbreiten im Raum. Da wird vielleicht auch nicht immer wieder gelüftet. Ich denke, man sollte sehr stark nachdenken, ob man die öffnet." 

Wann in Berliner Fitnessstudios wieder geschwitzt werden darf, wird der Senat voraussichtlich noch in dieser Woche entscheiden. Daniela Fritz hofft, dass sie ihr Studio bald wieder öffnen kann.

Sendung: Abendschau, 26.05.2020, 19:30 Uhr

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Beitrag von Jule Käppel

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11 Kommentare

  1. 11.

    Auch in einem Fitnessstudio mit einem Studi als Tresenkraft und 30 gleichzeitig trainierenden Sportlern ist für die körperliche Gesundheit mehr getan als sich dem Lieblingssport einiger Menschen zu widmen - mehrere Stunden, im Restaurant bewegungslos sitzend, Pizza, Pasta etc zu verschlingen.

  2. 10.

    Berlin 6 Tausend Corona Zahlen
    Nordrhein-Westfalen 37.298 28.5.2020
    Berlin ist zu Nordrhein-Westfalen offen.
    Berlin hat die wenigsten Corona Fälle und trotzdem dürfen wir nicht ins Fitnesstudio.

  3. 9.

    Jeder sinnlose Kram darf aufmachen, wie Kirchen, Schwimmbäder usw. aber Fitnessstudios nicht.
    Man kann nicht mal hoffen, dass der Staat dafür bestraft wird, weil bezahlen muss ich das ja eh.
    Somit werde ich nur doppelt bestraft.

  4. 8.

    wenn diese sogenannten "Volksvertreter" auf ihre fetten Diäten verzichten müssten, wegen dieser Hirnlosen "Coronamaßnahmen" dann wäre der Spuck schon längst vorbei aber so werden die Leute genötigt und tyrannisiert bis auch der Letzte in Kurzarbeit oder ganz seinen Job los ist

  5. 7.

    Bekommen sie dafür ein Lob von ihrem Arbeitgeber? Natürlich ist Sport gesund. So wie er allerdings von vielen Betrieben wird, nicht mehr. Und die Hygienebedingungen sind ein Witz. Und ja,sie stärken ihr Immunsystem und betreiben Prophylaxe. Aber mit Sichherheit nicht in einem Fitnesstudio mit einer Studentischen Hilfskraft am Thresen und gleichzeitig 30 Sportlern und einmal wischen am Tag!

  6. 6.

    Normalerweise gehe ich altersbedingt zum Rehasport in ein Studio, als Mitglied dieser Risikogruppe werde ich wohl noch eine Weile darauf verzichten müssen.

  7. 5.

    Zum Thema Verarbeitung von Viren und Bakterien. Ich möchte nicht wissen wieviel Haushalte , Leute und Kinder sich klinisch rein halten mit Desinfektionsmittel. Hat der Körper auch nichts mehr zu tun.

  8. 4.

    Ich habe eher den Eindruck dass kaum einer der Verantwortlichen jemals ein Fitnessstudio von innen gesehen hat. Jeder der weiß wie so eine Anlage funktioniert hätte lange vor der Öffnung des Borchardt einer Öffnung der Sportanlagen zugestimmt. Scheinbar ist immer nur da akuter Handlungsbedarf wenn eigene Interessen mit im Spiel sind. Fressen, saufen, Friseur etc. Wo liegt denn das Problem? In Gruppen von 10 Mitgliedern, nach Gebrauch die Maschine desinfizieren. Hygiene-Vorschriften gab es vor Corona schon. Duschen kann man auch zuhause. Aber schau sie dir an, die meisten können vor Übersättigung kaum noch aus den Augen gucken, Sport ist mord, wer sich zu erst bewegt hat verloren, jede Action wäre Stress, von daher, wozu ein Fitnessstudio?

  9. 3.

    Stimmt leider nur bedingt. Ja, Sport steigert die Immunabwehr. Ist es gesund, muss man nicht drüber diskutieren. Wenn Du aber einen Virus in dir hast, auch eine Erkältung, dann hilft nur Ruhe. Viren werden im Kreislauf verteilt bei körperlicher Anstrengung. Eine Erkältung zB kann auch das Herz schädigen. Jeder Arzt oder auch Fitnesstrainer wird dir sagen, mit Virus keinen Sport bitte. Und wenn dann gemäßigten Kraftsport, nichts mit Cardiotraining. Zum Thema; mir unverständlich warum Berlin die Studios nicht ebenso öffnen lässt, wie andere Bundesländer.

  10. 2.

    Solche Aussagen nimmt man ernst? Langsam wird es echt kitschig. Ich dachte das Land hat Experten? Das dieses Schwitzen und anstrengen die körpereigene Immunabwehr enorm verbessert, sollte sich mittlerweile etabliert haben. Aus Panik vor einem Virus sich zwei Jahre einzusperren und hermetisch abzuriegeln ist definitiv ungesünder. Was meinen Sie was passiert, wenn ihr Körper ein Jahr keine Viren und Bakterien verarbeitet? Wenn Sie es nicht wissen, sollten sie sich diesbezüglich einmal informieren

  11. 1.

    Passantin als Hobby-Ärztin...
    Wissen Sie, auf Grund solch hysterischer Dauer-Beschallung fühlen sich doch Politiker zu diesem ganzen Schabernack animiert.
    Ein Fitnessstudio ist ein Gesundheitszentrum ohne Ersatz.
    Hier wird Prophylaxe für Millionen Erkrankungen erarbeitet, dazu Suchtprävention und Immunstärkung.
    Diese Branche in den Ruin zu treiben, ist wirklich unfassbar.

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