Video: Abendschau | 15.06.2020 | Christian Titze

Hunderte Bewohner betroffen - Wohnblock in Berlin-Neukölln unter Corona-Quarantäne

In einem Wohnblock in Berlin-Neukölln wurden mehrere Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet. Hunderte Menschen stehen nun unter Quarantäne. Wie sich die Infektionen ausgebreitet haben, kann nicht mehr nachvollzogen werden.

Hinweis: Dieser Beitrag wird nicht mehr aktualisiert. Den neuesten Stand zur coronabedingten Quarantäne in Neukölln finden Sie hier.

Fast ein ganzer Wohnblock ist im Norden von Berlin-Neukölln unter Quarantäne gestellt worden. Das bestätigte Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) am Montag rbb|24 auf Anfrage. "Wir haben ein auffälliges Infektionsgeschehen und versuchen Maßnahmen zu treffen um dieses einzudämmen", sagte Liecke. Über den Fall berichtete zuerst die "B.Z.".

Betroffen seien mehrere Aufgänge des Wohnblocks zwischen der Harzer und der Treptower Straße. Bisher wurden 52 dort lebende Personen positiv auf das Coronavirus getestet, so Liecke. Die Infektionszahl stammt allerdings vom Freitag. Man warte auf weitere Laborergebnisse, außerdem sollen im Laufe der Woche die Bewohner der betroffenen Blockteile durchgetestet werden. Die Zahl der positiven Fälle könnte sich also noch erhöhen.

Am Montagabend berichtete die Deutsche Presse-Agentur von 54 Corona-Fällen. Für die Tests sind sechs mobile Teams in Neukölln im Einsatz. Eine infizierte Person, der Pfarrer einer Pfingstgemeinde, müsse stationär im Krankenhaus behandelt werden, sagte Liecke.  

Infektionsgeschehen kann nicht mehr nachvollzogen werden

Von der Quarantäne seien Hunderte Bewohnerinnen und Bewohner betroffen, dabei habe es auch schon ein paar Ausreißer gegeben, so Liecke. "Wir versuchen aber das über Informationen und Aufklärung zu lösen". Das Gesundheitsamt werde bei der Kommunikation auch von sozialen Trägern und Sprachmittlern unterstützt. Wie sich die betroffenen Personen angesteckt haben, kann laut Liecke nicht mehr nachvollzogen werden.

Allerdings gebe es die Vermutung, dass über den Pfarrer der Gemeinde auch in anderen Bezirken Berlins Infektionen ausgelöst wurden, jedoch nicht im gleichen Umfang wie in Neukölln. "Ich will nicht ausschließen, dass es Verbindungen gibt durch Menschen, die sich kennen", so Liecke. Aber ob es tatsächlich so sei, könne man nicht sagen. Laut Liecke war am Montagnachmittag ein Gespräch mit dem Senat und den Amtsärzten geplant, bei dem die weitere Vorgehensweise besprochen werden soll. Das Bezirksamt Neukölln will am Dienstagvormittag über die Vorkehrungen informieren.

Auch zwei Schulklassen unter Quarantäne

Auch zwei Neuköllner Schulklassen, die zum Teil von Schülern und Schülerinnen besucht werden, die im betroffenen Wohnblock leben, wurden unter Quarantäne gestellt und getestet. In einer Grundschule wurde ein positiver Fall nachgewiesen, in einer Oberschule hatten sich ein Schüler und eine Lehrerin infiziert. Die Oberschulklasse kann inzwischen wieder zur Schule gehen.  

Der Sprecher von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte: "Wir haben heute eine Besprechung mit Amtsärzten in der Senatsgesundheitsverwaltung gehabt. Wir haben uns schildern lassen, wie in Neukölln vorgegangen werden soll und erläutert bekommen, dass es sich um unterschiedliche Ethnien handelt." Nach Angaben des Neuköllner Amtsarztes gehe es um bislang 51 Infektionsfälle. 

Sendung: Abendschau, 15.06.2020, 19:30 Uhr

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62 Kommentare

  1. 62.

    Liebe Geli, Schön fand ich folgende Aussage im tagesschau.de Newsticker: "Den Abgeordneten des Bundestags scheint es zunehmend schwer zu fallen, den wegen der Corona-Pandemie empfohlenen Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten. Während der namentlichen Abstimmung über einen Bundeswehreinsatz sah sich Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) genötigt, die Parlamentarier zu tadeln. ..." https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-mittwoch-115.html Den Parlamentariern geht es wie den Durchschnittsbürgern. Man hat sich ans Risiko gewöhnt und lebt damit und verhält sich wie immer. Natürlich weiß ich, daß das Risiko nicht vorbei ist. Ich kenne die neuen Fälle in Peking oder die 23 neuen Fälle in Magdeburg oder die neuen 400 Fälle im Schlachthof Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Das wird die nächsten Monate neue Normalität werden. Wir müssen damit einfach leben und uns unser normales Leben nicht kaputt machen lassen. Ich nehme das Risiko für mich und andere in Kauf.

  2. 61.

    Liebe Geli, ich habe die Links noch nicht durchgelesen. Ich antworte trotzdem schon mal. Das Schweden auch einen wesentlichen wirtschaftlichen Einbruch erlebt hat, war mir schon aus anderer Quelle bekannt. Der wäre aber sicherlich höher bei der Einführung dratsischer, deutscher Maßnahmen. In Deutschland würde beispielsweise die Kurzarbeit im Gastgewerbe wesentlich geringer sein, wenn die Regeln nicht so streng wären. Zitat aus dem Tagesschau-Newsticker: "Der Schätzung des Institutes zufolge arbeiteten im Mai 796.000 Mitarbeiter in der Gastronomie kurz - und damit 72 Prozent der gesamten Beschäftigten." https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-mittwoch-115.html Welcher freiberufl. Fotograf kann jetzt Hochzeiten fotografieren? Welcher Caterer Hochzeiten beliefern? Aus Platzgründen kann ich leider nicht ausführlicher antworten. Ich halte den schwedischen Weg nach wie vor für besser.

  3. 60.

    Corona ist noch lange nicht ausgestanden. Es ist immer noch auf der Kippe und in diesem Fall ist es in die andere Richtung gekippt.

    Selbstverständlich müssen lokale Infektionsherde eingedämmt werden, so unangenehm das für die Betroffenen erstmal auch sein mag. Das ist beim Ernst-von-Bergmann-Krankenhaus in Potsdam nicht anders als beim hier betroffenen Wohnblock Harzer Straße / Treptower Straße.

    Ehemals war das eine ziemlich abgeschriebene Gegend. Grenznähe. Dann war es gemischt: Einige suchten dort Rückzug und hatten sich mit der Grenze arrangiert, die anderen, die mit dem Rücken zur Wand (bzw. Mauer) wohnten, blieben.

    Es gibt einen "zeitlichen Nachhang" bei dieser Angelegenheit. Im Aufeinander-Hocken und im Zusammengeschweißtsein sowieso. Auch das fördert ggf. im Zweifelsfall Infektionen, soweit eine einzige Person infiziert ist.

  4. 59.

    Ja, schauen wir nach Schweden.
    Letzte 7 Tage :
    gemeldete Infektionen : Schweden 7.399 ...... Deutschland 1.746
    Fallzahlen pro 100.000 Einwohner : Schweden 72 ...... Deutschland 2

    Wirtschaft ist ähnlich stark betroffen wie in anderen europ.Ländern.
    (https://ec.europa.eu/info/business-economy-euro/economic-performance-and-forecasts/economic-forecasts/spring-2020-economic-forecast-deep-and-uneven-recession-uncertain-recovery_de ....
    click on Schweden bzw auf andere Länder zum Vergleich)

    Zu empfehlen zur Gesamtsituation Schwedens im weltweiten Vergleich auch folgender Artikel:
    https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-should-we-aim-for-herd-immunity-like-sweden-b1de3348e88b von Tomas Pueyo

  5. 58.

    Lieber Ben, vielen Dank für Ihre Antwort. Schauen wir nach Schweden, die haben die Wirtschaft nicht künstlich heruntergefahren und trotzdem keine gesundheitliche Katastrophe. Ich finde eben, daß wir das wirtschaftliche Wohlergehen der Menschen und den Erhalt der Arbeitsplätze und Lebensqualität (Kita, Schule, Schwimmbäder) stärker als bisher gewichten sollten. Ich brachte im Ursprungsposting das Beispiel von vier gefährlichen Krankheiten ohne Impfung wegen derer wir auch nicht so ängstlich reagieren. Auch die Grippeimpfung schützt nur zu 30-70%. Man hat im Leben immer Risiken.

  6. 57.

    Hallo,
    haben Sie nach mehr als 3Monaten Corona noch immer nicht verstanden, um solch harrsträubenden Schwachsinn zu äußern. Weiter so mit Ihrer Chaos-Theorie, das hilft denMenschen besonders gut. Mewhr als idiotisch.

  7. 56.

    Wenn in kurzer Zeit in einem Wohnblock 57 Infizierte auf einmal festgestellt werden, dann spricht das schon mal von engen Kontakten, oder nicht? In anderen Artikeln war auch zu erfahren, dass es sich teilweise um Haushalte mit größerer Personenzahl und beengte Wohnsituationen handelt. Zügig nachzuvollziehen, "wer mit wem und wann", zumal dort viele nicht deutsch sprechen, dürfte schiwerig sein.

    Ich hatte die Formulierung "enger Kontakt" in meinem Kommentar 43 übrigens für die Begründung genommen, dass man oft nicht wissen kann, ob man infiziert ist oder nicht. Es gibt übrigens auch noch die Möglichkeit der Schmierinfektion, wenn sich Oma Inge am Treppengeländer festhält, an dem 2 Minuten vorher jemand... Sie wissen schon. Händewaschen und so.

    Aber gut, Sie hätten die Situation sicher ganz anders und natürlich besser gelöst, da Sie die Verhältnisse vor Ort, inklusive Oma Inge, so gut kennen.

  8. 55.

    Symptomlose Infizierte können ansteckend sein, sind es aber in der Regel nicht. In engen Räumen ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion allerdings so oder so deutlich höher als im Freien. Unter den genannten Bedingungen in Neukölln ist eine Ausgangssperre m. E. erst Recht ein Hotspot.

  9. 54.

    Das ist ein Fake.Die Tests können falsch positiv sein und es gibt viele Arten von Corona.Die wollen nur Angst machen.

  10. 52.

    Sie haben doch in Kommentar 42 selbst geschrieben "Wenn in solchen Fällen wie hier in Neukölln Menschen in engem Kontakt mit Infizierten waren, dann kann niemand (bis zu einem Testergebnis)wissen, ob diejenigen wirklich gesund sind. Denn Infizierte bleiben oft symptomlos, können den Erreger aber trotzdem weitergeben." Wo steht denn bitte schön im Bericht was von engem Kontakt? Oma inge die ganz am Ende vom Block wohnt die nichts damit zu tun hat, wird sich freuen... mal wieder

  11. 51.

    Wer Covid-19-Erkrankungen braucht, bekommt sie auf diese spanische Art der Ausgangssperre garantiert: sperre möglichst viele Personen aller Altersgruppen für mehrere Tage gemeinsam in kleinen Wohnungen ein, am besten mit positiv Getesteten mit Symptomen.

    Mal im Ernst: die ernsthaft erkrankte Person ist ins Krankenhaus gekommen. Dort wird ihr geholfen. Reichte das nicht? Nun werden viele weitere gefährdet, weil die Gesetze so sind. Wem nützt das?

  12. 50.

    Habe ich irgendwelche Details von Quarantäne-Anordnungs-Voraussetzungen genannt?
    Nein.

    Ich habe keine Kenntnis über das *konkrete* Verfahren in Neukölln bzw. über die Begründung der dortigen Maßnahmen - habe ich auch nicht behauptet.

    Wenn Sie aber Näheres über die Umstände und die Gründe der Neuköllner Behörde für die jeweiligen Maßnahmen kennen, dann lassen Sie uns doch teilhaben.

  13. 49.

    Wenn man beispielsweise in den letzten 14 Tagen nur im gleichen Raum mit einem COVID-19-Erkrankten war und keinen engen Kontakt hatte, wird keine Quarantäne angeordnet, da dann ein geringeres Ansteckungsrisikobesteht.

    Wer Kontakt zu einer Person in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis hatte, die wiederum Kontakt zu einem im Labor bestätigten COVID-19-Patienten hatte, aber völlig gesund ist, muss ebenfalls nicht in Quarantäne. 

    Zitiert aus www.infektionsschutz.de

    Sie sind doch sonst immer so schlau

  14. 48.

    Quarantäne kann nur angeordnet werden wenn man engen Kontakt bzw angehustet oder angeniest wurde von einem Infizierten. Wenn mein 5. Nachbar von links unten im Block infiziert ist und ich keinen engen Kontakt zu ihm hatte (letzten 14 tage) dann darf auch keine Quarantäne verordnet werden.

  15. 47.

    Vermutet wird ja wohl,dass ein infizierter Pfarrer,der nun selbst im Krhs. behandelt wird,Gemeindemitglieder bei Hausbesuchen angesteckt hat. Herausgefunden wurde die Infektion von Teilen der Hausgemeinschaft über infizierte Grundschulkinder und die Kontaktverfolgung. Den Fall einer Quarantäne einer ganzen Hausgemeinschaft gab es bereits in Göttingen. Dort gab es viele "Ausreißer" ,so dass weitere Maßnahmen ergriffen wurden.
    Wenn alle Kinder nach den Ferien wieder in Kita bzw. Schule gehen undzwar OHNE ABSTAND und ohne Maske in den Räumen,werden wir sicher steigende Zahlen bekommen und wenn es schlecht läuft,auch weitere Hausgemeinschaften in Quarantäne. Es ist nicht vorbei. Deshalb finde ich Unterricht in geschlossenen Räumen ohne Abstand oder Maske auch paradox,solange das als Sicherheitsvorkehrung in anderen Lebensbereichen weiterhin gilt. Aber wahrscheinlich ist der Druck der Eltern zu groß,die nun alle Kinder wieder zusammen in den Präsenzunterricht schicken wollen.

  16. 46.

    möchten Sie diese Menschen lieber in ein Krankehaus stecken und dort unter Quarantäne halten? Denn das wäre die Alternative.

  17. 45.

    Sorry, ich bin da ganz anderer Meinung. Unser Grundgesetzt sieht es vor, dass Grundrechte eingeschränkt werden dürfen. Quarantäne ist eine solche Einschränkung und im Infektionsschutzgesetzt verankert. Alles also vollkommen korrekt und demokratisch zustande gekomen. Jemand, der sich nicht an die amtlich angeordnete Quarantäne hält, begeht eine Straftat. Das mal zum Nachdenken.
    https://www.anwalt.de/rechtstipps/coronavirus-ist-ein-verstoss-gegen-eine-angeordnete-quarantaene-oder-ausgangssperre-strafbar_164386.html

  18. 44.

    Ihr Vorgehen mag in einem Provinznest wie Lünen noch einigermaßen praktikabel sein, in einer Millionenstadt endet der Leichtsinn schnell mal in einer Katastrophe.

    Alleine Neukölln hat mehr Einwohner als Lünen und vor allem eine höhere Bevölkerungsdichte. Da ist Ihre Variante von Russisch Roulette unangebracht.

  19. 43.

    Quarantäne-Anordnungen durch die Gesundheitsämter sind keine Verbrechen sondern Schutzmaßnahmen auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes. Seit Beginn der Pandemie wurden und werden Tausende und Tausende davon durchgeführt, um die Verbreitung des Virus zu bekämpfen.
    Und zwar in aller Welt.
    Wer damit ein Problem hat, dem steht - zumindest in Deutschland - der Rechtsweg gegen diese behördliche Maßnahme offen (Beantragung einstweiligen Rechtsschutzes beim Verwaltungsgericht).

    Es werden nicht, wie Sie sagen "einfach mal gesunde Bürger zu Hause eingesperrt". Wenn in solchen Fällen wie hier in Neukölln Menschen in engem Kontakt mit Infizierten waren, dann kann niemand (bis zu einem Testergebnis)wissen, ob diejenigen wirklich gesund sind. Denn Infizierte bleiben oft symptomlos, können den Erreger aber trotzdem weitergeben.

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