Symbolbild: Luftaufnahme von Berlin Neukölln. (Quelle: imago images/Peng)
Audio: Inforadio | 02.07.2020 | Jenny Barke | Bild: imago images/Peng

Noch 13 Haushalte unter Quarantäne - Die Lehren aus dem Corona-Ausbruch in Neukölln

Zuerst waren zwei Kinder positiv auf Covid-19 getestet worden, am Ende standen ganze Häuserblocks in Neukölln unter Quarantäne. Fast drei Wochen ist der bisher größte Berliner Covid-19-Ausbruch her. Nun zieht der Bezirk erste Bilanz. Von Jenny Barke

Nach einem Corona-Ausbruch in Wohnblöcken in Berlin-Neukölln stehen aktuell noch 13 Haushalte unter Quarantäne. Diese gilt für einige der Bewohner noch bis zum 10. Juli, teilte der Gesundheitsstadtrat von Neukölln, Falko Liecke (CDU) rbb|24 mit. Zu Beginn des Ausbruchs hatte das Bezirksamt knapp 370 Haushalte an sieben Standorten unter Quarantäne gestellt, um eine weitere Ausbreitung von Sars-CoV-2 zu verhindern.

Liecke zog in diesem Zusammenhang eine erste positive Bilanz, nachdem vor knapp drei Wochen der Ausbruch in dem Wohnviertel in Nord-Neukölln bekannt geworden war. Die schnellen Maßnahmen zur Eindämmung hätten funktioniert, sagte er. Inzwischen müsste der Bezirk nicht mehr ganze Aufgänge der Wohnblocks in Quarantäne setzen.

Gute Erfahrung: Schnelle Aufklärung hilft

"Wir haben festgestellt, dass sich das Virus in der Community gehalten hat und nicht in andere Bevölkerungsgruppen übergewandert ist", sagte Liecke. Aus diesen Beobachtungen könnten berlinweit Schlüsse gezogen werden, wie man nach Ausbruch in einem Cluster die Weiterverbreitung auf andere Bevölkerungsgruppen verhindert.

Besonders geholfen habe nach Angaben Lieckes die schnelle Aufklärung der Bewohner. Da viele von ihnen nur schlecht Deutsch sprächen und teils kaum lesen und schreiben könnten, sei eine intensive Betreuung mit Sprachmittlern, Integrationslotsen und Sozialarbeitern nötig gewesen. Seit vielen Jahren sei der Bezirk am Wohnort des Corona-Ausbruchs mit vielen Trägern aktiv.

Schlechte Erfahrung: Versorgungsschwierigkeiten

Der Gesundheitsstadtrat sieht aber auch Verbesserungspotential bei künftigen Quarantäne-Maßnahmen: "Wir hatten Anlaufschwierigkeiten, was die Versorgung der Bevölkerung anging." Zudem habe es einige Beschwerden gegeben, dass der Bezirk nicht ausführlich genug informiert habe. Viele Anwohner hätten sich eine schriftliche Information über die Quarantäne gewünscht. Aus diesen Erfahrungen wolle Neukölln lernen und sich für kommende Cluster-Fälle besser aufstellen, so Liecke. Ziel sei es, die Menschen nicht mit der Ausnahmesituation allein zu lassen.

Der CDU-Politiker habe auch Verständnis dafür gehabt, dass viele Anwohner zu Beginn schwer von den Maßnahmen zu überzeugen waren. "Natürlich ist keiner glücklich darüber. Gerade wenn man aus dem Fenster schaut und es sind 25 Grad. Da will man nicht drin in der Bude hocken." Weniger zufrieden zeigte sich Liecke mit der medialen Kritik an den Aussagen des Bezirks. "Es gab Menschen, die sagten, die Maßnahmen seien überzogen und rassistisch. Wir würden da ein Racial Profiling machen und nur bestimmte Bevölkerungsgruppen quarantänisieren. Das ist natürlich totaler Quatsch."

Gesundheitsamt wertet Quarantäne mit RKI in Studie aus

Liecke verteidigt das Verhalten des Bezirks. Es sei nicht geschaut worden, woher die Menschen kämen, sondern wie sie aufeinander getroffen seien, wo und wie Corona in einer Bevölkerungsgruppe ausgebrochen sei. Bei dem Ausbruch in Neukölln gab es die Vermutung, dass die Infektionen über den Pfarrer einer christlichen Gemeinde ausgelöst wurden.

Das Gesundheitsamt Neukölln wertet die Erfahrungen der Quarantäne aktuell noch mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) aus. Das RKI schaue sie die Datenerhebung und Zahlenentwicklung des Bezirks an und überprüfe, ob das Vorgehen den Standards und Richtlinien entspreche, so Liecke. Die Ergebnisse der Evaluation sollen kommende Woche vorliegen.

Doch bereits jetzt weiß Liecke um Baustellen, bei denen er sich Verbesserungen wünscht: Bisher würden die Auswertungen der Corona-Tests noch manuell erhoben. Das sei eine erhebliche Fehlerquelle, sagt er. Der Gesundheitsstadtrat hofft, dass sein Gesundheitsamt bald mit einem IT-System arbeitet. Eine solche elektronische Übermittlung soll nach der Sommerpause der Verwaltung eingesetzt werden.

Sendung: Inforadio, 03.07.2020, 6 Uhr

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Beitrag von Jenny Barke

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3 Kommentare

  1. 3.

    "Es gab Menschen, die sagten, die Maßnahmen seien überzogen und rassistisch."

    Hätten die Behörden nichts getan oder weniger streng gehandelt, hätten die gleichen "Aktivisten" und anderen Daueraufgeregten natürlich nicht lautstark geklagt, hier würden ohnehin stets Benachteiligte und Tag für Tag bis aufs Blut gequälte Bevölkerungsgruppen mal wieder vernachlässigt und Tod und Verderben preisgegeben.

  2. 2.

    Wie geht es denn den fast 100 Infizierten?

  3. 1.

    Ich nehme aus diesem und den anderen schlimmen Ausbrüchen der vergangenen 3 Wochen mit, dass vor allem Osteuropäer, also Bulgaren, Rumänen, Moldawier, ausgebeutet werden, weil die paar Kröten, die sie hier verdienen, daheim noch verdammt gutes Geld sind. Dafür machen sie die Jobs, wofür wir uns zu fein sind, wohnen beengt in vernachlässigten Gegenden - alles im Hinblick darauf, noch mit Geld in die Heimat zurückzukehren, dann, später, wann? Nie...

    Schrecklich.

    Wo arbeiten die Neuköllner?

    Hier sind 2 Post-Zentren, eines in Kleinmachnow (DHL) und eines in Stahnsdorf (Briefe). In letzterem gab es bereits einen Corona-Ausbruch. Ich sehe die Arbeiter dort, die zu Fuß da hingehen, ich höre sie und weiss dann, woher sie kommen. Ich sehe polnische Lieferwagen vorm DHL, da steht kein einziger Sprinter mit deutschem Nummerschild.

    In Gütersloh ist es Tönnies. Hier ist es die Post!

    Da schämt sich keiner???

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