57 Corona-Fälle in Wohnblock - Quarantäne für 369 Neuköllner Haushalte verhängt

Di 16.06.20 | 17:52 Uhr
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Die Karl-Marx-Straße mit dem Rathaus Neukölln in Berlin (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: Abendschau | 16.06.2020 | Christian Titze | Bild: dpa/Bernd Settnik

Dutzende Bewohner eines Wohnblocks in Berlin-Neukölln sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Hunderte Menschen müssen in Quarantäne. Doch das durchzusetzen, ist laut Gesundheitsstadtrat Liecke nicht einfach.

Hinweis: Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Den neuesten Stand zur coronabedingten Quarantäne in Neukölln finden Sie hier.

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Wohnblock in Berlin-Neukölln sind inzwischen 57 Bewohner positiv auf das Virus getestet worden. Das gab der Bezirk am Dienstagmittag bekannt. Zudem befinden sich jetzt 369 Haushalte in Quarantäne.

Die Betroffenen lebten an sieben Standorten in verschiedenen Kiezen, sagte Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) am Dienstag. Pro Haushalt werden demnach bis zu zehn Bewohner vermutet, genaue Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Unter den Infizierten seien auch Kinder, weswegen zwölf Klassen an acht Schulen in Neukölln ebenfalls in Quarantäne seien. Zudem gab der Bezirk bekannt, dass noch 265 Testungen ausstehen. Die Ergebnisse sollen in den nächsten drei Tagen feststehen.

Der Wohnblock in Neukölln mit vermutlich mehreren Hundert Bewohnern war am Samstag
unter Quarantäne gestellt worden. Laut Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sind die Wohnverhältnisse dort sehr beengt. Das Virus treffe jetzt die Schwächsten der Gesellschaft, so Hikel. Sozialarbeiter seien vor Ort, für den kurzfristigen Bedarf der Menschen in Quarantäne würden Hilfspakete organisiert.

Bezirk arbeitet an Durchsetzung der Quarantäne

Am Dienstagmorgen hatte Gesundheitsstadtrat Liecke im rbb-Inforadio bereits erklärt, dass bezüglich der Quarantäne auf ein mehrstufiges Maßnahmenkonzept zurückgegriffen werde: von Bürgerinformation bis hin zu polizeilichen Eingriffen. Die Quarantäne durchzusetzen, sei eine der größten Hausforderungen, sagte Liecke.

"Wir setzen zunächst auf die Sozialarbeit"

Im Vordergrund stehe zunächst die Aufklärung der Betroffenen, so der Gesundheitsstadtrat. "Wir setzen zunächst auf die Sozialarbeit, die vor Ort im Kiez schon seit Jahren etabliert ist: Beratung, Information, kultursensible Aufklärung. Viele Menschen sprechen kein Deutsch oder können weder schreiben noch lesen. Da ist es wichtig, dass wir das Gespräch suchen."

Sollten einzelne Bürger sich nicht an die Quarantäne halten, sollen sie Liecke zufolge persönlich angesprochen werden. "Wir werden auch im Umfeld schauen - in gastronomischen Einrichtungen und ähnlichem, ob es dort Quarantänebrecher gibt, und dann auch mit Unterstützung der Polizei sogenannte normenverdeutlichende Ansprachen zu machen. Denn es ist wichtig, dass wir die Infektion so schnell wie möglich eindämmen, um gefährdete Patienten zu schützen und das Ausbruchsgeschehen zu verhindern."

Durch den Einsatz der Polizei verspricht sich Liecke den nötigen Nachdruck. "Aber es wird jetzt nicht so sein, dass wir ganze Einsatz-Hundertschaften vor den Häusern platzieren. Das wäre sicherlich, auch mit Blick auf die Wirkung in die Bevölkerung hinein, ein falsches Signal."

Senat begrüßt die Maßnahme

Innensenator Andreas Geisel stärkte dem Bezirk im Hinblick auf die Maßnahmen den Rücken. Nach der Senatssitzung am Dienstag sagte der SPD-Politiker: "Wir haben die Entscheidung des Neuköllner Gesundheitsamtes ausdrücklich gutgeheißen." Es sei richtig und notwendig gewesen, das Gebäude unter Quarantäne zu stellen. Die Idee dahinter sei, solche Infektionsherde lokal einzugrenzen, um eine Weiterverbreitung des Virus zu vermeiden.

Eher milde Verläufe

Die an dem Coronavirus erkrankten Personen weisen bislang eher milde Verläufe auf, teilte der Bezirk in der Pressekonferenz am Dienstag mit. Nur ein Fall verlaufe härter. Dabei handele es sich um einen Pfarrer, der mutmaßlich am Anfang der Ansteckungskette stehe. Der Mann werde stationär behandelt. Eventuell könnte der Mann bei Hausbesuchen oder im Gottesdienst andere Menschen angesteckt haben. Vom Bezirk hieß es am Dienstag, es gebe deutliche Hinweise darauf, dass der Ausbruch in Verbindung mit einer christlichen Gemeinde stehe.

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