Heizpilz (Quelle: imago-images/Rainer Droese)
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Erlaubnis in Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf - Gastronomie darf in ersten Berliner Bezirken Heizpilze nutzen

Den Einsatz von Heizpilzen in der Gastronomie erlaubt nach Reinickendorf nun auch Charlottenburg-Wilmersdorf. Damit sollen die Corona-gebeutelten Betriebe unterstützt werden. Aber es gibt auch Einschränkungen - und einen Appell.

Nachdem der Berliner Bezirk Reinickendorf beim umstrittenen Thema der Heizpilze für die Außengastronomie vorgeprescht war, hat nun Charlottenburg-Wilmersdorf nachgezogen: Kneipen- und Restaurantbesitzer dürfen dort im Herbst und Winter die Geräte einsetzen. Bis Ende März werde der Einsatz ausnahmsweise geduldet, wie der Bezirk am Donnerstag mitteilte. Reinickendorf hatte am Mittwoch die Erlaubnis von Heizpilzen mitgeteilt.

Jedoch dürfen Heizpilze in Charlottenburg-Wilmersdorf nur auf dem Oberstreifen aufgestellt werden, nicht jedoch auf dem Unterstreifen. Der Unterstreifen ist der Teil eines Außenbereichs, der beispielsweise durch einen Radweg vom direkten Gebäudeanschluss abgetrennt ist. Außerdem sind die Geräte nicht in überdachten Bereichen erlaubt. In Charlottenurg-Wilmersdorf gibt es 2.500 Kneipen und Restaurants.

Berlin-weite Regelung soll kommen

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf appelliert an die Gastronomen, elektrische Wärmequellen zu benutzen, statt gasbetriebene. Damit solle die Umwelt nicht zu stark belastet werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Mit der neuen Regelung wolle Charlottenburg-Wilmersdorf in der Corona-Krise die existenzbedrohten Betriebe unterstützen.

Während in Reinickendorf Kneipen- und Restaurantbesitzer erst einen Antrag beim Bezirk stellen müssen, können sie in Charlottenburg-Wilmersdorf ohne aufgestellt werden. Auf Nachfrage von rbb|24 sagte eine Pressesprecherin des Bezirks, sie erwarte in den nächsten Tagen eine flächendeckende Regelung für Berlin vom Senat.

Auch Wirtschaftssenatorin befürwortet Heizpilze - unter Bedingungen

Heizpilze auf öffentlichem Boden sind seit 2009 in einer Reihe von Bezirken verboten. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) will am Freitag mit den Bezirksbürgermeistern sowie Vertretern der Gastronomie und der Industrie- und Handelskammer darüber reden, wie die Gastronomen in der Corona-Krise über den Winter kommen können.

Pop hatte am Montag angeregt, Gastronomen im Winter Heizmöglichkeiten für den Aufenthalt im Freien zu erlauben, den zusätzlichen Kohlendioxid-Ausstoß aber auszugleichen. Denn aus erneuerbaren Quellen kommt nach Angaben der Netzgesellschaft bisher nur 22 Prozent des Stroms, den Berlin verbraucht.

Heizpilze gelten als "Klimasauerei"

Der Gaststättenverband Dehoga hatte Ende August gefordert, im Herbst und Winter Heizpilze wieder zuzulassen, damit die Gäste auch im Freien sitzen können. Die Industrie- und Handelskammer hat ebenfalls vorgeschlagen, das Verbot auszusetzen, gleichzeitig aber eine Klimaabgabe für Heizpilze zu erheben. Für das seit rund zehn Jahren geltende Heizpilzverbot beziehungsweise für Ausnahmen davon sind die Bezirke zuständig.

Umweltschützer haben die Forderung scharf kritisiert. Heizstrahler und Heizpilze seien eine "Klimasauerei", sagte Energieexpertin Irmela Colaço vom Naturschutzbund BUND. Ein einziges Gerät könne in einer Saison so viel Kohlendioxid produzieren wie ein Kleinwagen im Jahr. Eine Heizung, die auf der Straße steht und die Luft beheizt, ist der ineffizienteste Einsatz von Energie". Gäste von Restaurants und Kneipen, die draußen sitzen möchten, sollten sich lieber eine Decke umlegen.

Sendung: Abendschau, 23.09.2020, 19:30 Uhr

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27 Kommentare

  1. 27.

    Na dann sollen die Gastwirte mal ein paar Heizpilze pro Restaurant kaufen. Dann stelle oder setze ich mich drunter und hoffe dabei genug Abstand zu den anderen Gästen zu haben. Achja, im April schmeißen sie es dann natürlich hoffentlich wieder weg.

  2. 26.

    Um die besonderen Kulturgüter Kneipen und Fußball, gerne auch in der Kombination Fußball-Kneipe, zu schützen, muß sowas Verzichtbares wie Umwelt und Gesundheit halt auch mal zurückstehen.

  3. 25.

    Dass Heizpilze ökologisch gesehen Mist sind, ist doch unbestritten.
    Dass man draußen weniger Gefahr läuft, sich anzustecken, auch.
    Ist also eine Frage der Prioritäten.
    Im Normalfall bin ich gegen Heizpilze.
    Wenn sie dazu beitragen, die Gastronomie über Wasser zu halten UND man so die Ansteckungsgefahr mindert, dann bin ich dafür. Auch wenn es mir schwerfällt.

  4. 24.

    Die Realität und tausende Studien kann man nicht mehr ignorieren. Wir brauchen unsere Erde.
    Aber abgesehen von verschiedenen Meinungen... Berlin hat den Klimanotstand ausgerufen, so dass jede Entscheidung auf Nachhaltigkeit etc. geprüft werden muss. Habe ich da was falsch verstanden? Oder gilt das nur auf Länderebene und die Bezirke können das Gegenteil beschließen?
    Weg mit diesen Dreckschleudern, diese sind so unnötig wie ein Kropf, Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können.

  5. 23.

    " Wer während der kalten Wetterperiode unbedingt meint, draußen sitzen zu müssen, "

    weil draußen die Gefahr einer Ansteckung geringer ist als in geschlossenen Räumen , ansonsten drohen der Gastronomie weitere erhebliche Einnahmeverluste, ist das wünschenswert ??

  6. 22.

    Diese Frage habe ich mir auch gestellt, da die Dinger ja angeblich schon seit 2009 verboten sind,dürfte es ja keinen Altbestand mehr geben ??? Die Heizer (natürlich aus ChinaProduktion) jetzt anzuschaffen und im Frühjahr wieder zu verschrotten hat ja wohl mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit nichts mehr zu tun.

  7. 20.

    Ich fahre schon 50 Jahre mit den Öffis, manchmal mit Taxi, habe weder Pest noch Colera bekommen und kann auch mal ein Gläschen mehr trinken.
    Aber Sie haben schon Recht, man muß in Zehlendorf schon repräsentieren :-)))

  8. 19.

    In der ganzen Welt entstehen neue Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke. Was macht der Berliner? Der regt sich über Heizpilze auf, nur gut das Deutschland das Weltklima retten wird.

  9. 18.

    Ob sich das rechnet ?
    Die Dinger müssen die Wirte auch erstmal kaufen oder hat die jeder noch im Keller stehen ?
    Und im März schmeißt man sie weg ?

  10. 17.

    Wenn ich dieses "grüne Gelaber" schon lese... Und ja, wir werden alle sterben, ob ihr nun die Welt retten wollt (was ich bezweifel mit eurem Gemecker) oder nicht. Wenns euch nicht in den Kram passt, geht sofort die Haßtirade los. Andere Meinungen/Einstellungen zu Themen werden nicht geduldet.

    Das nennt man schlichtweg faschizoide Ansätze, die es gilt zu unterbinden.

  11. 16.

    Stimmt, Radwegebau blockieren und dafür Heizpilze aufstellen - das ist Reinickendorf. Dümmer geht es nicht.

  12. 15.

    ich kann nur zustimmen, totaler Blödsinn!!!!
    Auch mit Corona sollte man an Klimaschutz denke. Wur haben nur eine Welt!!!
    DAmit man draußen sitzen kann einen Heißpilz, unglaublich.

  13. 14.

    In Mitte gibt es mir dafür zu viele, die im Öko-Doppelmoral-Populismus der Moderne verharren.
    Darf man denn gar nichts mehr als Normalbürgerin?

  14. 13.

    Deutschland ist bestens vorbereitet.
    Das Konzept "Sommer, Masken, Kritiker beschimpfen" geht dann ab Oktober nicht mehr.
    Zum Glück machen die Mediziner und Kliniken ihren Job bestens.
    Das gibt Hoffnung!

  15. 12.

    Wie soll ich denn sonst zu meinen bevorzugten Restaurants kommen als mit einem der eigenen Wagen oder dem Taxi?
    Die Alternative BVG ist doch eine einzige Zumutung und darüber hinaus ein idealer Ort zur Virenverbreitung.

  16. 11.

    Icke verstehe es ja auch nicht, wie man sich an einer vielbefahrenen Hauptstrasse hinsetzen kann um "kultiviert" die Speisen zu verzehren! Neulich erst wieder kopfschüttelnd gesehen beim Festival of Light. Von Abstand war natürlich auch keine Rede! Dann lieber die mitgebrachte Stulle uff ner Parkbank um de Ecke.

  17. 10.

    Da es schon entschieden ist, kann man sich vielleicht noch darauf einigen.. Heizpilzgastro nur in Reinickendorf und in keinem anderen Bezirk. Wer so essengehen will, muss dorthin fahren. In dem Bezirk gibt es ja auch überproportional viel Wald, da kann ruhig noch was kaputtgehen. Und wie schon von anderen erwähnt, retten 2 Heizpilze keine Gastronomie, das Ende etlicher Betriebe wird nur verschoben.

  18. 9.

    Warum können die Gastronomen nicht Luftaustauscher oder Luftreiniger einbauen? Kostet zwar auch Strom aber es wird nicht die Stadt draußen geheizt. Wer trotzdem unbedingt draußen sitzen möchte sollte sich dementsprechend anziehen.

  19. 8.

    Ausser den Gastroaussenbereichen sollen bitte auch Radwege beheizt werden und vor allem Parkanlagen für Partybesucher, ebenso auf jeden Fall die Fussballstadien. Als Ausgleich kann die Temperatur in den Krankenhäusern abgesenkt werden. Die Patienten schwitzen bei Fieber sowieso und das Personal unter der Schutzkleidung auch. Dann ist in Absurdistan allen geholfen.
    Gibt es überhaupt noch ernsthafte Vorschläge zu verträglichen Maßnahmen in einer Stadt wo man nicht auf Rücksicht,Einsicht und Vorsicht setzen kann? Das wäre mein Vorschlag sich so zu verhalten, dann braucht man nicht mit Flickwerkmassnahmen Zeit und Energie verlieren.

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