Erlaubnis in Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf - Gastronomie darf in ersten Berliner Bezirken Heizpilze nutzen

Do 24.09.20 | 15:30 Uhr
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Heizpilz (Quelle: imago-images/Rainer Droese)
Bild: imago-images/Rainer Droese

Den Einsatz von Heizpilzen in der Gastronomie erlaubt nach Reinickendorf nun auch Charlottenburg-Wilmersdorf. Damit sollen die Corona-gebeutelten Betriebe unterstützt werden. Aber es gibt auch Einschränkungen - und einen Appell.

Nachdem der Berliner Bezirk Reinickendorf beim umstrittenen Thema der Heizpilze für die Außengastronomie vorgeprescht war, hat nun Charlottenburg-Wilmersdorf nachgezogen: Kneipen- und Restaurantbesitzer dürfen dort im Herbst und Winter die Geräte einsetzen. Bis Ende März werde der Einsatz ausnahmsweise geduldet, wie der Bezirk am Donnerstag mitteilte. Reinickendorf hatte am Mittwoch die Erlaubnis von Heizpilzen mitgeteilt.

Jedoch dürfen Heizpilze in Charlottenburg-Wilmersdorf nur auf dem Oberstreifen aufgestellt werden, nicht jedoch auf dem Unterstreifen. Der Unterstreifen ist der Teil eines Außenbereichs, der beispielsweise durch einen Radweg vom direkten Gebäudeanschluss abgetrennt ist. Außerdem sind die Geräte nicht in überdachten Bereichen erlaubt. In Charlottenurg-Wilmersdorf gibt es 2.500 Kneipen und Restaurants.

Berlin-weite Regelung soll kommen

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf appelliert an die Gastronomen, elektrische Wärmequellen zu benutzen, statt gasbetriebene. Damit solle die Umwelt nicht zu stark belastet werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Mit der neuen Regelung wolle Charlottenburg-Wilmersdorf in der Corona-Krise die existenzbedrohten Betriebe unterstützen.

Während in Reinickendorf Kneipen- und Restaurantbesitzer erst einen Antrag beim Bezirk stellen müssen, können sie in Charlottenburg-Wilmersdorf ohne aufgestellt werden. Auf Nachfrage von rbb|24 sagte eine Pressesprecherin des Bezirks, sie erwarte in den nächsten Tagen eine flächendeckende Regelung für Berlin vom Senat.

Auch Wirtschaftssenatorin befürwortet Heizpilze - unter Bedingungen

Heizpilze auf öffentlichem Boden sind seit 2009 in einer Reihe von Bezirken verboten. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) will am Freitag mit den Bezirksbürgermeistern sowie Vertretern der Gastronomie und der Industrie- und Handelskammer darüber reden, wie die Gastronomen in der Corona-Krise über den Winter kommen können.

Pop hatte am Montag angeregt, Gastronomen im Winter Heizmöglichkeiten für den Aufenthalt im Freien zu erlauben, den zusätzlichen Kohlendioxid-Ausstoß aber auszugleichen. Denn aus erneuerbaren Quellen kommt nach Angaben der Netzgesellschaft bisher nur 22 Prozent des Stroms, den Berlin verbraucht.

Heizpilze gelten als "Klimasauerei"

Der Gaststättenverband Dehoga hatte Ende August gefordert, im Herbst und Winter Heizpilze wieder zuzulassen, damit die Gäste auch im Freien sitzen können. Die Industrie- und Handelskammer hat ebenfalls vorgeschlagen, das Verbot auszusetzen, gleichzeitig aber eine Klimaabgabe für Heizpilze zu erheben. Für das seit rund zehn Jahren geltende Heizpilzverbot beziehungsweise für Ausnahmen davon sind die Bezirke zuständig.

Umweltschützer haben die Forderung scharf kritisiert. Heizstrahler und Heizpilze seien eine "Klimasauerei", sagte Energieexpertin Irmela Colaço vom Naturschutzbund BUND. Ein einziges Gerät könne in einer Saison so viel Kohlendioxid produzieren wie ein Kleinwagen im Jahr. Eine Heizung, die auf der Straße steht und die Luft beheizt, ist der ineffizienteste Einsatz von Energie". Gäste von Restaurants und Kneipen, die draußen sitzen möchten, sollten sich lieber eine Decke umlegen.

Sendung: Abendschau, 23.09.2020, 19:30 Uhr

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