Albrecht Broemme (Quelle: dpa/Abdulhamid Hosbas)
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Audio: rbb88,8 | 20.11.2020 | Interview mit Albrecht Broemme | Bild: dpa/Abdulhamid Hosbas

Interview | Impfzentren-Koordinator Albrecht Broemme - "Überall steht außer Frage: Impfen hat jetzt Vorrang"

Erst hat er die Einrichtung der Corona-Klinik in Rekordzeit koordiniert, jetzt sind die sechs Berliner Impfzentren dran: Albrecht Broemme erzählt im Interview, wie er mit Stress umgeht, welche Herausforderungen anstehen und wie er zu Corona-Gegnern steht.

rbb: Herr Broemme, wie machen Sie aus einer leeren Messehalle ein Impfzentrum?

Albrecht Broemme: Ich profitiere davon, dass ich mit einem gut eingespielten Team die Planung machen kann. Und wenn wir das mit dem Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße geschafft haben, dann bekommen wir das jetzt auch wieder hin. Das ist jedenfalls mein Ansatz. Man muss vorsichtig arbeiten. Meine Aufgabe sind Kommunikation und Entscheidungen treffen. Denn es werden viele Fragen gestellt.

Ist das die größte Herausforderung, also die verschiedenen Dinge zu bündeln? Es muss ja auch zeitlich irgendwie priorisiert werden. Wer bekommt zuerst das, was er braucht?

Es ist eine große Herausforderung. Es hilft, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Und das habe ich eigentlich bisher kaum erlebt, dass ich aus der Ruhe gebracht werde. Auch wenn es manchmal kritisch ist. Und mit den richtigen Leuten reden oder auch manchmal mit den falschen, das weiß man vorher nicht immer. Ich spüre aber, das muss ich ausdrücklich sagen, ein großes Entgegenkommen aller Stellen, die wissen, Impfen soll sein, darf sein, muss sein. Und da will sich auch keiner querlegen.

Sie brauchen viele Leute, aber auch Leute, die spezialisiert sind. Wo bekommen Sie dieses Personal her?

Wir brauchen weit über 1.000 Leute zum Betrieb der sechs Impfzentren. Das sind nicht nur Ärzte, sondern beispielsweise auch Leute aus dem Sanitätswesen. Wir brauchen Betreuerinnen und Betreuer, denn es kommen zunächst vor allem ältere Menschen in die Impfzentren. Es ist ein Bündel von Feuerwehr, Rettungsdienst, Rotes Kreuz, Hilfsorganisationen, DLRG, THW. Alle haben damit zu tun. Und da ist für jeden genug Arbeit, da gibt es keinen Streit. Private Dienste, wie Sicherheit- und Ordnungsdienste, werden auch gefordert sein. Es muss auch Verpflegung organisiert werden für die Leute, die dort arbeiten.

Es ist schon eine große Herausforderung. Das Schlimme ist, etwa in vier Wochen sollen die Bauarbeiten prinzipiell beendet sein. Das ist unterschiedlich viel Aufwand und kostet auch einiges an Geld. Die Planungen laufen aber erst, und wir müssen natürlich auch in Betrieb befindliche Gebäude aus ihrer jetzigen Nutzung rausnehmen, wie zum Beispiel das Eisstadion im Wedding. Und das tut mir auch leid, weil dort Sportler trainieren. Aber es steht überall außer Frage: Impfen hat jetzt Vorrang.

Sie waren Landesbranddirektor bei der Feuerwehr, dann beim THW. Ist es ein Vorteil, dass Sie jeder kennt?

Das hilft. Ich bin nicht die typische Schnarchnase. Das sind andere. Ich bin einer, der etwas bewegen will und der sich auch, denke ich, an vielen Stellen zu benehmen weiß. Es ist wichtig, ein klares Ziel zu haben und das haben wir. Berlins Gesundheitssenatorin hat klar gesagt, was wir machen sollen und darauf arbeiten wir hin. Und da gibt es auch keinen Schlingerkurs zwischendurch. Das haben wir bei dem Corona-Behandlungszentrum genauso machen können.

Das sind die sechs Standorte der Berliner Impfzentren

Worauf müssen Sie achten, damit diese Zentren nicht zu Ansteckungszentren werden?

Wir müssen unter Hygienebedingungen bauen, ähnlich wie beim Corona-Behandlungszentrum. Wir müssen auch unter Hygienebedingungen den Betrieb durchführen. Und da ist natürlich eine Frage, immer nur möglichst wenig Leute in das Impfzentrum hineinzulassen. Das bedeutet, dass wir gutes Zeitmanagement und Bestellwesen für die Impf-Materialien brauchen. Und wir müssen natürlich auf Abstand im Gebäude achten. Denn das wäre natürlich der Garaus, dass man sich eine Impfung holt, aber gleichzeitig auch mit Corona infiziert. Das ist nicht das Ziel der Aktion.

Sie wirken sehr strategisch, sehr ruhig, sehr entspannt. Gibt es auch mal einen Stressmoment oder eine schlaflose Nacht? Oder sagen Sie "ein Glück, endlich wieder eine Herausforderung"?

Ich brauche keine Herausforderungen mehr. Ich habe es aber gerne gemacht, weil es etwas ist, was wir jetzt auch alle brauchen. Und wenn ich dazu mein Scherflein beitragen kann, mache ich das gerne. Aber ich habe in der Tat manchmal unruhige Nächte. Und das liegt nicht daran, weil ich süße Träume habe, sondern weil mir einiges durch den Kopf geht, ob alles klappt, was noch passieren könnte und was schiefgehen könnte. Das beschäftigt mich auch im Schlaf.

Es gibt Menschen, die diese Corona-Maßnahmen und die Impfungen nicht in Ordnung finden. Das erleben wir jetzt auch wieder auf Demonstrationen. Brauchen Sie für die Impfzenten auch Security?

Das brauchen wir auch - schon der guten Ordnung halber. Und natürlich auch, um uns vor Eindringlingen zu schützen, die da nicht hingehören. Die Berliner Polizei hat natürlich auch ihre Aufgaben. Aber auch private Security wird diesen inneren Kreis mit absichern. Wir müssen mit allem Möglichen rechnen, auch wenn die Mehrheit dafür ist. Es reicht ja, wenn ein paar Leute am Rad drehen. Diese Corona-Gegner dürfen ja ihre Meinung sagen. Das wird manchmal falsch dargestellt. Aber wenn sie ihre Meinung anderen aufzwingen wollen, dann hört bei mir der Spaß auf.

Sie haben gesagt, dass Sie sehr viele Menschen brauchen. Vermutlich sind die noch gar nicht alle nominiert.

Wir freuen uns, wenn sich Leute melden. Dabei denke ich an ehemalige Krankenschwestern - ähnlich wie schon beim Corona-Behandlungszentrum. Es kommen aber auch ehemalige Stewards oder Stewardessen in Frage. Wir können viele Menschen gebrauchen, die hier in einem wunderbaren Räderwerk gemeinsam arbeiten. Pro Impfzentrum sind es ungefähr 200 Leute, die wir brauchen. Über den Tag verteilt, sind es sogar mehr.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Albrecht Broemme führte Ingo Hoppe für rbb88,8.

Der Text ist eine redaktionell bearbeitete und gekürzte Fassung. Das komplette Gespräch können Sie sich oben im Audio-Player anhören.

Sendung: rbb88,8, 20.11.2020, 18:10 Uhr

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69 Kommentare

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  1. 69.

    Aber Impfen ( der Impfstoff ) ist Politik. Mir sagte kürzlich ein Bürger, der wie ich auf den Bus wartete, dass er zwar die Grippeschutzimpfung hat aber so unentschlossen ist was die kommende Impfung gegen covid-19 betrifft. Kein Verrauen hat. Russlands Erfolge werden hier negiert obwohl andere Länder schon Verträge mit RU haben. ( Mit den Herstellern ). Es ist doch logisch, dass gerade RU die Entwicklung vorantrieb weil das Potential nun mal da ist.

  2. 68.

    Nichts gegen Sie Hr. Brumme. Ich schätze Sie. Ich kann mich aber nicht des Eindrucks erwehren, dass alles auf Impfpflicht hinausläuft.

  3. 66.

    Hallo Helga, Sie finden alle Infos zu einer Bewerbung unter: https://www.corona-zentrum-berlin.de/, wie in der letzten Antwort des Interviews markiert. Beste Grüße aus der Redaktion

  4. 65.

    Wo kann ich mich bewerben?
    Ein Hinweis im Artikel wäre schön gewesen.

  5. 64.

    (Auch) herkömmliche Impfverfahren beruhen auf einem seit Jahrmilliarden in der Natur und Jahrmillionen beim Menschen bewährten Prinzip: Feind ankucken, analysieren, körperintern passende Gegenmittel aufbauen. Macht jedes Lebewesen beim Heranwachsen und auch später regelmäßig. Funktioniert meist sehr gut - vor allem wenn das Immunsystem gut trainiert ist und die Lebewesen körperlich UND seelisch einigermaßen fit sind (Das scheint aktuell übrigens recht geringe Priorität zu haben). Die von Ihnen "100fach" favorisierte mRNA-Impfmethode weicht gar nicht so sehr von jenem Prinzip ab: Auch hier erhält man ein Stückchen vom Feind injiziert. Nur diesmal keinen kompletten Erreger, sondern nur ein Stück aus dessen Bauplan. Hierauf soll der Körper so reagieren wie zuvor auf ganze Viren oder Bakterien: er soll immun werden. Klingt gut und ist es vllt auch. Dennoch ist es ein GANZ neues Verfahren - und die haben es nun mal an sich, dass auch GANZ unerwartete Begleiterscheinungen auftreten können.

  6. 63.

    In meiner Jugend wurden in der Grundschule Reihenimpfungen mit einer Selbstverständlichkeit bei allen Kindern durchgeführt,die sich viele Eltern heute schlecht vorstellen können. Grundtenor war immer, dass Impfungen Leben schützen und retten. Maseen,Röteln und Windpocken bekam ich,weil es damals noch keine Impfung gab. Impfungen sind heute im Regelfall bedeutend sicherer als früher. Jeder muss für sich und seine ggf. minderjährigen Kinder selbst die Entscheidung zur Impfung treffen und sich entsprechend informieren.
    Lässt man z.B. sein Kind nicht gegen Masern impfen,was heute zum Glück möglich ist,muss man die Konsequenzen tragen,solange nur geimpfte Kinder in Schule und Kita dürfen, um keine Gefahr für andere zu sein. Die Impfung gegen COVID19 ist freiwillig und jeder sollte sich informieren( nicht nur hier) sondern bei allen.möglichen Quellen. Nicht auf Gerüchte hören,Panik schieben und Angst bekommen,denn Angst ist ein schlechter Radgeber.

  7. 62.

    Was Sie suchen finden Sie unter diesem Link:
    https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__60.html
    § 60 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG)
    Erleidet eine Person aufgrund einer von einer beauftragten Behörde öffentlich empfohlenen und in ihrem Bereich vorgenommenen, gesetzlich vorgeschriebenen oder gesetzlich angeordneten Impfung einen Impfschaden, so stehen ihr gemäß § 60 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) wegen der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen auf Antrag Versorgungsleistungen entsprechend dem Bundesversorgungsgesetz zu.



  8. 61.

    Warum lenken Sie von meiner Frage ab? Warum darf diese Frage nicht gestellt werden? Sinnvoll ist vieles. Hat man Langzeitfolgen von Corona oder von der Impfung? Stirbt man an Corona oder der Impfung? Ein Virus trifft keine Schuld. Impstoffhersteller und die die ihn verabreichen stehen jedoch in der Verantwortung. Immerhin gab es bei den Testungen der Impfstoffe zum Teil dramatische Folgen und auch einen Todesfall, vielleicht auch mehr. Und ist die Impfung und ihre möglichen Nebenwirkungen und Folgeschäden nicht eine Folge oder ein Kollateralschaden der Pandemie? Ich sehe die zunehmende Polarisierung, Aggression, Arbeitslosigkeit, Armut, Angst, Verzweiflung, steigende Suizidrate... und vieles mehr. Zudem empfinde ich die Berichterstattung eher einseitig.

  9. 60.

    Merken Sie was? SIE machen mich zum Schuldigen an irgendwas und werfen MIR dann vor, Schuldige zu suchen, obwohl ich niemanden beschuldigt habe. - Sie nennen meine Argumente zweifelhaft: Offenbar sind Sie und andere der Ansicht, Medikamente müssten nicht mehr genau geprüft werden, wenn die Sehnsucht nur groß genug ist? Erinnert mich ein bisschen an Donald Trump, der mal die innere Anwendung von Desinfektionsmittel gegen Covid empfahl. Haben zum Glück nur wenige gemacht. - Werte Köpenickerin, der Contergan-Skandal z.B. ist keine Verschwörungstheorie sondern ziemlich harte Realität für viele Menschen. Ebenso wie das ehemalige Allround-Medikament 'Heroin' der Fa. Bayer. Schauen Sie sich darüber mal Filme in der Mediathek an. Aber denken Sie dabei bitte an die Leidtragenden, nicht an mich.

  10. 59.

    @Prenzlauer.Als über 70jaehriger,der in seinem Leben an allen Wahlen teilgenommen hat,stehe ich aus den Gründen,die Sie geschildert haben ,fassungslos vor einer Parteienlandschaft und habe keine Ahnung,ob ich noch einmal wählen gehe.Vielleicht bedarf es einer völlig neuen Partei?

  11. 58.

    Als 60-Jähriger, der hilflos gewisser Panikmachen ausgesetzt ist, kann ich die Sehnsucht nach dem Impfstoff schon nachvollziehen.
    Viel schlimmer finde ich, dass die große Mehrheit der Bürger der Regierung noch regelrecht einpeitscht in ihrem Kurs und wirklich wenig hinterfragt.
    Zum Beispiel berichtet n-tv heute über eine US-Studie, die auf gesundheitliche Gefahren nach der Aufhebung der Corona-Maßnahmen hinweist.
    Darüber muss man doch reden können ohne beschimpft zu werden.
    Unsere Demokratie besteht übrigens genau daraus, dass es auch eine Opposition geben muss.
    Ich bin mal gespannt, ob wirklich alle Maßnahmen zeitnah wieder komplett aufgehoben werden.

  12. 57.

    Bin Mal gespannt, wie unser Senat in der Lage sein wird für jeden Tag die Terminlogistik zu managen.Taeglich sollen ja in jedem Zentrum rund 4000 Menschen geimpft werden.Eine große Herausforderung.Wenn das so läuft wie bei den Bürgerämtern, sehe du schwarz.

  13. 56.

    Es gibt genug Personal, nur will das nicht zu den bekannten Rahmenbedingungen in deutschen Kliniken arbeiten...

  14. 55.

    Als Grenzgebietbewohner hat mein Kind Freunde auf Schulen in beiden Bundesländern, was sehr interessant ist. In Brandenburg trägt man oben ohne. Föderalismus halt. Jeder legt sich das so zurecht, wie es ihm gerad in den Kram passt.

    Differenzierte Maskenpflicht heißt das, siehe aktuelle Verordnung.

  15. 54.

    Ist halt die Frage, was man "Leben" nennt. Das konzeptlose Getriebensein ist es für mich jedenfalls nicht. Sie können da gern anderer Auffassung sein, wir müssen ja nicht alle gleich denken und empfinden.

  16. 53.

    Dass Sie für eine solche Erkenntnis erst eine Sendung sehen müssen, macht aber auch etwas Angst.
    Nicht böse gemeint.
    Aber es werden doch Geschichten auf allen Seiten konstruiert.
    Allein die Aussage, alle Gegner der Corona-Maßnahmen seien Corona-Leugner, Rechtsextreme, Impfgegner usw. ist ja auch eine Art Verschwörungstheorie.
    Ich kritisiere auch zahlreiche Maßnahmen, finde aber sichere Impfungen eigentlich eine gute Sache.
    Heute werden ja viele Menschen, die eine bestimmte Weltanschaung oder politische Ansicht haben, als Verschwörungstheoretiker beschimpft.

  17. 52.

    Eine Einrichtung gebaut, wo es kein Personal dafür gibt! Impfzentren, wo es noch nicht einmal einen gebrauchsfähigen Impfstoff gibt, ha, ha! Was möchte man denn da dem ängstlichen Bürger für eine Luftblase aufblasen?

  18. 51.

    Ich möchte an dieser Stelle wissen, warum ein Eisstadion...."
    Et jibt halt nix an dem man nich rummeckern kann.
    In diesem Zusammenhang:
    Wie wäre es denn mit den riesigen Veranstaltungshallen der organisierten Karnickelzüchter?

  19. 50.

    Woher haben Sie die Information, dass die Lehrer in Brandenburg ohne MNS unterrichten?
    Die Lehrer meiner beiden Töchter tragen diesen sehr wohl.

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