#Wiegehtesuns? | Der Musikprofessor - "So kann man Corona aushalten!"

Musikprofessor Hans Joachim Greiner (Quelle: Greiner)
Bild: Greiner

Trotz Pensionierung betreut Musikprofessor Hans Joachim Greiner Studierende an der Universität der Künste - seit Corona auch Online. Zur Entspannung geht es dann mit Bratsche und Wohnmobil an seinen Lieblingsort nach Brandenburg. Protokoll eines Genießers

Corona betrifft uns alle –  nicht nur in Berlin und Brandenburg. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Hans Joachim Greiner, 72, hat von 1980 bis 2015 an der Musikfakultät der Universität der Künste/UdK in Berlin als Professor das Fach Viola unterrichtet. Seit seiner Pensionierung betreut er zurzeit noch 5 Studierende, vorher waren es 15. So geht es Hans Joachim:

Pünktlich zum Beginn der Semesterferien kam Corona, und die geplanten Ausflüge mit dem neuen Wohnmobil fielen ins Wasser. Stattdessen haben meine Kollegen an der Musikfakultät und ich wochenlang an einer Online-Unterrichtsform für Instrumentalunterricht gearbeitet. Das ist besonders schwierig, weil der Ton ja die Musik macht. Aber dann haben wir nach langen Experimenten eine Form gefunden, die einigermaßen zufriedenstellend ist.

Ich unterrichte Viola, wir spielen alte Musik auf alten Instrumenten, es ist ein eher konservativ orientierter Beruf. Der Umgang mit digitalen Medien – wir waren an der UdK immer ein bisschen spät. Corona hat den Universitätsbetrieb bei uns auf den Kopf gestellt. Aber das Ganze bringt uns jetzt durchaus einen ganzen Schritt weiter.

Seit dem 25. Mai ist nun die Hochschule wieder für den Präsenzunterricht geöffnet, unter strengsten Auflagen. Zwei der insgesamt fünf Studenten, die ich betreue, unterrichte ich weiterhin Online. Eine Studentin ist in Madrid und darf noch nicht zurückreisen. Eine andere in Seoul, sie hat Angst, zurück zu reisen. Online-Unterricht ist eine ganz neue Erfahrung. Wenn das Mikrofon gut ist, kann man schon hören, ob sie sauber spielen. Ansonsten zeigt einem das Bild, was korrigiert werden muss, zum Beispiel eine schlechte Haltung. Aus einer schlechten Haltung ergibt sich auch ein schlechter Ton.

Man muss mit Corona umgehen können. Ich bin auch ein bisschen Risikogruppe. Ich bin jetzt 72, hatte gerade eine Knieoperation und im letzten Jahr eine schwere Blutvergiftung. Es ist nicht so, dass ich mich vergrabe. Aber an bestimmte Plätze gehe ich nicht, wenn ich merke, da sind Leute, die sich nicht an die Regeln halten.

Aber nun: Wir dürfen wieder rausfahren, das haben meine Frau, die ebenfalls an der UdK unterrichtet, und ich getan. Wir sind mit dem geliebten neuen Wohnmobil an unseren Lieblingsplatz am Bikowsee in Zechlinerhütte gefahren. Eine wunderbar altmodische Hotelpension mit einem großartigen Wirt.

Wir stehen mutterseelenallein am Wasser, springen morgens hinein, sehr kalt, frühstücken in der Sonne. Meine Frau und ich haben einen Stundenplan entwickelt, sodass jeden Tag vier bis fünf Stunden Onlineteaching stattfindet. Dann macht man eine Radtour, liest auf dem Steg ein Buch unter Zuhilfenahme eines kühlen Grauburgunders.

Abends plauscht man mit dem angelnden Wirt, neulich brachte er einen veritablen Hecht vorbei. Dann geht man früh schlafen, totale Ruhe, am nächsten Tag nach dem Aufstehen plant man den Tag mit kleinen Variationen, macht seine Fingerübungen, abwechselnd, im Wohnmobil kann nur einer Bratsche üben. Dann ab in den Wirtshaussaal aus dem Jahre 1905, Onlineteaching, dann nach Rheinsberg radeln zur Fischräucherei, Zeitung kaufen. So kann man Corona aushalten.

Wie geht es Ihnen? Wie sieht Ihr Alltag gerade aus? Erzählen Sie rbb|24 Ihre Geschichte in Zeiten von Corona! Einfach eine Mail schicken an internet@rbb-online.de. Wir melden uns bei Ihnen.

Was Sie jetzt wissen müssen

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren