#Wiegehtesuns? | Studierende aus dem Ausland - "Im Moment macht es keinen Sinn, viel zu planen"

Olga und Cyril aus Moldawien und Frankreich (Quelle: Privat)
Bild: Privat

Eigentlich wollten Olga und Cyril im April schon nicht mehr in Berlin sein. Dann funkte Corona den beiden Architekturstudenten dazwischen. Protokoll eines Lebens in der Warteschleife.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als viele andere Ereignisse zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Die Architekturstudenten Olga C., 22, und ihr Freund Cyril Q., 23, sind für ein Praktikum nach Berlin gekommen. Zurzeit leben sie in Untermiete in Friedrichshain. Geplant war etwas anderes. So geht es Olga und Cyril.

Wir haben letztes Jahr unseren Bachelor in Architektur in Aachen gemacht und einen kleinen Zukunftsplan geschmiedet: erst nach Berlin für ein halbjähriges Praktikum, im April 2020 sollte es dann weiter in die Schweiz gehen. Es hat zunächst alles wie geplant funktioniert. Wir haben beide Praktikumsplätze in Zürich gekriegt, ich (Olga) kann ab Herbst meinen Master dort machen. Allerdings sitzen wir wegen Corona in Berlin fest.

In der Woche vom 20. März wurden Einreisebeschränkungen in die Schweiz eingeführt. Es hieß, dass ein Arbeitsvertrag allein nicht mehr ausreicht, um einzureisen. Wir haben Rücksprache mit unseren künftigen Arbeitgebern und verschiedenen Behörden in der Schweiz gehalten. Cyril hat den Beginn seines Praktikums auf den 2. Juni verlegt. Ich kann mein Züricher Praktikum am 20. April von Berlin aus beginnen. Da deren Büro bereits im Home-Office ist, macht es keinen Unterschied, ob ich in Deutschland oder in der Schweiz bin.

Wir haben von vielen Bekannten gehört, dass ihre Jobs und Praktika abgesagt wurden. Ein Freund von uns hat schon eine Woche in Bern gearbeitet und wurde dann entlassen. Er musste wieder zurück nach Deutschland.

Wir haben Glück: Kurzfristig konnten wir unsere aktuellen Praktika bei einem Architekturbüro in Berlin verlängern. Bis Ende April können wir Dank unseres Vermieters noch in dieser Wohnung bleiben, einen Monat länger als geplant. Was danach passiert, wissen wir noch nicht. Es ist alles offen: Wenn wir nicht in die Schweiz einreisen dürfen, mache ich dann mein ganzes Züricher Praktikum " von Berlin aus? Was ist mit meinem Master? Sollen wir uns für unbestimmte Zeit in Berlin eine Wohnung suchen? Fahren wir zurück in die Heimat? Cyrils Mutter wohnt in Frankreich, da darf ich nicht einreisen. Meine Eltern wohnen in Moldawien, da darf Cyril nicht einreisen.

Im Moment macht es keinen Sinn, viel zu planen. Fest steht: Wir wollen zusammenbleiben. Das heißt also: erstmal Berlin. Alles weitere entscheiden wir spontan. Wir arbeiten beide von zu Hause, gehen nur zweimal die Woche raus zum Einkaufen. Über Ostern haben wir uns vorgenommen, wenigstens einmal spazieren zu gehen. Uns geht es gut. Zum Glück haben uns unsere Verwandten in den letzten Monaten besucht, bevor das Virus hier ausgebrochen ist. Das war ziemlich perfektes Timing!

Gesprächsprotokoll: Ula Brunner

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