Symbolbild: Feuerwehrleute arbeiten am 28.10.2010 in der Einsatzleitzentrale _Charlottenburg Nord_ in Berlin. (Quelle: dpa/Marius Becker)
Audio: Inforadio | 27.03.2020 | Lisa Splanemann | Bild: dpa/Marius Becker

Überlastete Notrufnummern - Berliner Feuerwehr ächzt unter unnötigen Corona-Anrufen

Während immer mehr Menschen in Berlin aus Angst vor dem Coronavirus die Notrufnummer 112 blockieren und damit andere in Lebensgefahr bringen, mahnt das Robert-Koch-Institut zu Gelassenheit: Mit Abriegelungen ist in Deutschland vorerst nicht zu rechnen.

Was Sie jetzt wissen müssen

Die Notrufnummer 112 der Berliner Feuerwehr wird immer öfter wegen des neuen Coronavirus angerufen. Die Feuerwehr bat am Donnerstag aber nachdrücklich über Twitter: "Bitte nutzen Sie ausschließlich die Nummer der Senatsgesundheitsverwaltung: 030 9028 2828."

Viele Menschen würden sich derzeit melden, nur um Informationen zum Coronavirus und Verhaltensregeln zu erfahren, sagte eine Sprecher. "Aber da müssen wir ganz klar sagen: die 112 ist nur für wirkliche Notlagen da. Dafür müssen wir die Leitungen frei halten. Wir können keine Beratungsgespräche anbieten." Sollte es allerdings wirkliche Notfälle mit schwer kranken oder infizierten Menschen geben, würde man sich natürlich kümmern und einen Krankenwagen schicken.

Auch die offizielle Hotline zählt viele Anrufe

Auch bei der Berliner Beratungshotline der Senatsverwaltung für Gesundheit (030 90 28 28 28) rufen zahlreiche besorgte Menschen an. Am Dienstag hätten sich 316 und am Mittwoch 290 Menschen gemeldet, teilte die Sprecherin der Senatsverwaltung mit. Zwischen Freitag und Sonntag seien es pro Tag noch zwischen 18 und 42 Anrufer gewesen. Insgesamt wurden demnach seit dem Start der Hotline vor rund einem Monat knapp 2.750 Anrufer gezählt.

Viele Fragen drehen sich aktuell um die Situation der Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Italien oder anderen Risikogebieten, sagte die Sprecherin. Es riefen Menschen aus ganz Deutschland an, aber auch aus dem Ausland. Die Besetzung der Hotline werde laufend dem Bedarf angepasst, hieß es. Die Anrufe würden von Fachleuten aus den Gesundheitsämtern, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sowie von den Kliniken Charité und Vivantes angenommen, hieß es.

Besonnener reagieren offenbar die Bürger in Brandenburg: Wie beispielsweise die Leitstelle Lausitz in Cottbus rbb|24 mitteilte, gibt es hier keine Häufung von besorgten Anrufen wegen des Corona-Virus. Nur vereinzelt würden sich Anrufer deswegen unter der Notrufnummer 112 melden. Die Leitstelle Lausitz ist für die Landkreise Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neisse und Elbe-Elster, sowie für die kreisfreie Stadt Cottbus zuständig.

Experten empfehlen Senioren Impfungen

Das Robert-Koch-Institut [rki.de] geht derzeit nicht davon aus, dass in Deutschland Städte abgeriegelt werden müssen. Das sagte Institutsleiter Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin. "Mit italienischen Verhältnissen ist bei uns derzeit nicht zu rechnen", sagte er auf einer Pressekonferenz mit Blick auf betroffene Regionen im Norden Italiens. Dort stehen manche Ortschaften komplett unter Quarantäne.

Die neue Lungenerkrankung Covid-19 sei eine durchaus schwere Krankheitsform, so Wieler. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, das sei viel. Nach bisherigen Zahlen stürben ein bis zwei Prozent der Infizierten. Die Sterberate liege beim Coronavirus damit bislang höher als beim Grippevirus, für Schlussfolgerungen sei es aber noch zu früh.

Menschen ab 60 Jahren und chronisch Kranke seien am empfänglichsten für das Coronavirus, betonte Wieler. Ihnen empfehle er, sich vorsorglich impfen zu lassen, vor allem gegen Pneumokokken und Keuchhusten. Er fügte hinzu, es sei rein zeitlich nicht möglich, dass noch dieses Jahr ein Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen werde.

In Berlin gibt es bisher keine bestätigten Coronavirus-Erkrankungen. "Stand heute Morgen sind es 152 Abklärungsfälle, von denen 28 offen sind. Davon sind nach wie vor nur drei Fälle, die der RKI-Definition eines Verdachtsfall entsprechen." Bei den Abklärungsfällen wurde bzw. wird durch einen Test etwa durch den Amtsarzt geklärt, ob jemand durch das Coronavirus erkrankt ist. Auch in Brandenburg hat sich bislang niemand mit dem Coronavirus angesteckt.

Infektion über Gegenstände unwahrscheinlich

Da Therapeutika und ein Impfstoff fehlten, ist es aus Sicht des Robert-Koch-Institutes sinnvoll, alle Möglichkeiten der Eindämmung auszuschöpfen. Im Alltag ist regelmäßiges und intensives Händewaschen das A und O. Beim Husten und Niesen sollte auf Etikette geachtet werden: "Beides bitte nur in die Armbeuge, nicht in die Hand", so Wieler. Außerdem empfehlen die Experten, mindestens einen Meter Abstand zu niesenden und hustenden Menschen einzuhalten.

"Das Coronavirus wird respiratorisch übertragen, durch Tröpfcheninfektionen", unterstrich Wieler. Gelangen infektiöse Sekrete an die Hände, die dann beispielsweise das Gesicht berühren, ist es möglich, dass auch auf diese Weise eine Übertragung stattfindet. Deshalb ist eine gute Händehygiene wichtiger Teil der Prävention."

Zwar könne sich das Virus auch für mindestens vier Tage auf Oberflächen von Gegenständen halten, über diesen Weg werde das Virus aber nicht übertragen. Eine Infektion mit SARS-CoV-2 beispielsweise über importierte Waren, Postsendungen oder Gepäck ist unwahrscheinlich.

Für Empfehlungen wie das Meiden großer Menschenansammlungen oder den Verzicht auf öffentliche Verkehrsmittel in Berlin sei es noch zu früh, sagte der Wissenschaftler. Man müsse aber die Entwicklung der Ansteckungen intensiv im Auge behalten, das Geschehen sei sehr dynamisch.

ITB soll trotzdem stattfinden

Die Tourismusbörse ITB, die vom 4.  bis 8. März in Berlin stattfinden soll, müsste aus Sicht des RKI abgesagt werden, sollten die Infektionsfälle in den Teilnehmerländern stetig zunehmen.

Bislang soll die Tourismusmesse planmäßig stattfinden. Jeder einzelne Messeteilnehmer der rund 10.000 Aussteller, die aus mehr als 180 Ländern erwartet werden, muss allerdings eine schriftliche Erklärung zu Covid-19 ausfüllen. Diese ist auf der Homepage der Messe herunterzuladen.

Messebesucher werden nicht kontrolliert

Teilnehmer müssen demnach versichern, dass sie mindestens 14 Tage vor Messebeginn weder in Risikogebieten gewesen sind noch Kontakt zu mit dem Coronavirus Infizierten hatten. Das Robert-Koch-Institut zählt derzeit folgende Regionen zu besonders gefährdeten Gebieten: China (Provinz Hubei inkl. Stadt Wuhan und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo, Taizhou in der Provinz Zhejiang), Iran (Provinz Ghom), Italien (Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien), Südkorea: (Provinz Nord-Gyeongsang).

Aussteller, die zur Risikogruppe gehören oder sich weigern, die Erklärung auszufüllen, erhalten keinen Zutritt zu ITB Berlin, betonen die Messeveranstalter. Die Regel gilt allerdings nicht für die Fachbesucher aus aller Welt, von denen im vergangenen Jahr etwa 160.000 nach Berlin kamen. Von den angemeldeten etwa 10.000 Ausstellern der ITB hätten bislang weniger als zehn abgesagt, darunter sechs Aussteller aus China. Aus der Volksrepublik soll es nun 47 Stände geben.

Sendung: Inforadio, 27.02.2020, 13 Uhr

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?