Eine Frau läuft mit vielen Einkaufstaschen in der Hand (Bild: imago images)
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15-Jähriger startet Corona-Hilfsportal - "Man könnte selbst in die Situation kommen, Hilfe zu benötigen"

Ein 15-Jähriger hat eine Website aufgesetzt, über die Hilfsbedürftige in Berlin in der jetzigen Situation Helfer finden - zum Beispiel für Einkauf oder Kinderbetreuung. Nicht nur das Virus sollte andere zur Hilfe bewegen, meint der Schüler.

Was Sie jetzt wissen müssen

rbb|24: Wie bist du auf die Idee zu Coronaport gekommen?

Noah Adler: Ich habe die Nachrichten verfolgt. Und ich habe gesehen, dass es eine ziemlich anspruchsvolle Situation für die Bürger in Berlin ist. Da ist gut, wenn man sich vernetzen und gegenseitig helfen kann – und in der Nachbarschaft eine Basis hat. Dann habe ich mir überlegt, wie man das technisch umsetzen kann. Ich hab' ganz passable Webdesign- und Webentwicklungskenntnisse, und die Seite auf den Stand bekommen, auf dem sie jetzt ist. Programmiererkenntnisse braucht man nur wenige dafür. Eigentlich ist es ein Formular verknüpft mit einer Google-Tabelle.

Man kann als Helfer anklicken, wie man helfen möchte: Einkaufshilfe, körperliche Arbeit, Kinderbetreuung, persönliche Betreuung, Hilfsgüterverteilung und Sonstiges. Als Helfer kann mal also auch spenden?

Genau. Wir haben zum Beispiel Leute, die sagen, ich habe Desinfektionsmittel abzugeben.

Stehen noch mehr Menschen hinter dem Portal?

Momentan mache ich es ganz allein, habe aber ein paar Web-Experten, die mir Tipps geben und mit mir die Seite hoffentlich weiterentwickeln werden.

Was machst du ansonsten? Du gehst noch zur Schule…

Genau, ich gehe in die 11. Klasse, helfe in meiner Freizeit auch ehrenamtlich mit bei der DLRG, im Wasserrettungsdienst. Ab und zu mache ich Sanitätsdienste. Und ich schwimme ganz gerne (lacht).

Hast du gesehen, ob auch die Stadt oder die Bezirke so eine Hilfsseite eingerichtet haben?

Ich habe gesucht, aber noch nichts gefunden. Vielleicht kommt es irgendwann dazu, dass die Behörden Helfer brauchen, dass man dann vielleicht eine Mitteilungszentrale einrichten könnte, wenn die Bezirke Helfer suchen. Es wäre wichtig, dass man eine zentrale Anlaufstelle hat.

Porträt Noah Adler (Quelle: privat)
Noah Adler | Bild: privat

Findest du es kritisch, dass es dazu von Seiten Berlins noch nichts in die Richtung gibt?

Es ist noch früh. Der Bedarf ist ja auch noch nicht so sehr da. Panik bringt nichts. Es geht darum, dass man schon einmal eine Basis hat und einfach mal guckt, wie sich das entwickelt. Die Lage ändert sich ja ständig. Deswegen bin ich nicht besorgt und auch nicht gestresst.

Leider können solche Angebote auch missbraucht werden. Kannst du das verhindern?

Die Einträge sichte ich manuell, ob irgendwelche Hate Speech drinsteht oder so. Dann kommen die Einträge in eine Datenbank, die öffentlich sichtbar ist. Noch sind nicht unendlich viele Angebote da und ich kann mir das schnell durchlesen. Natürlich weiß ich nicht genau, wer das ist, der da was anbietet. Deswegen steht auch drunter, dass ich keine Sicherheit garantieren kann, keine Qualität, keine Zuverlässigkeit des Angebots. Schlussendlich nutzt das jeder eigenverantwortlich. Ich hoffe, dass man in Zeiten des Coronavirus sowas nicht ausnutzt.

Was rätst du Menschen, die Angst vor Betrug haben?

Ich rate denen, im Internet grundsätzlich aufzupassen. Man weiß nicht, wer dahintersteckt. Und dann auch in Bezug auf die echte Welt, dass man eben aufmerksam ist, aufpasst. Dass man sich zu nichts nötigen lässt. Wenn einem etwas komisch vorkommt, dass man weggeht. Wenn man jemandem Geld für Einkäufe gibt, sich vielleicht ein Pfand geben lassen. Generell am besten keine Schlüssel rausgeben.  

Wie würdest du andere ermutigen, auch zu helfen?

Ich würde sagen, dass es wichtig ist zu verstehen, dass es Menschen gibt, die wirklich Hilfe brauchen. Vor allem, wenn sie nicht auf Familie oder Freunde zurückgreifen können. Und auch wenn sie zu einer Risikogruppe gehören und stärker gefährdet sind. Wenn man eben gesund ist, ist es grundsätzlich gut, anderen zu helfen, alleine schon, weil man ja selbst auch mal in die Situation kommen könnte, Hilfe zu benötigen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Vanessa Klüber

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

20 Kommentare

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  1. 20.

    Tolle Sache und ich habe mich auch als Helfer eingetragen. Hier zeigt sich, wie wichtig die Unterstützung und Zusammenhalt in Notsituationen ist.

  2. 19.

    Das Portal ist eine klasse Idee, aber ein datenschutzrechtlicher Alptraum! Die Medienkompetenz vieler Leute lässt tief blicken.. zu erwähnen sei vielleicht noch https://nebenan.de/

  3. 18.

    bei uns in der Nachbarschaft gab es einen Text eines Virologen, der grad sehr schön begründet hat, dass der Hilfeeifer auch neue Infektionswege eröffnet, insbesondere wenn die Helfenden Kontakt zu Kindern haben, die häufig das Virus unbemerkt weitertragen, weil sie selbst keine nennenswerten Symptome haben. Ich denke, dass zuvorderst Hilfsangebote von den Gesundheitsämtern in Absprache mit dem Robert-Koch - Institut angeboten werden sollten. Ich selbst habe kurzerhand den älteren Nachbarn in meinem Wohnhaus meine Visitenkarte gegeben, damit sie mich im Bedarfsfall anrufen können. Wir sind im gleichen Radius unterwegs und werden dem Corona somit keine neue Spur eröffnen. Gerne kann ich der Redaktion auf Anfrage den ganzen Text schicken, er passt hier leider nicht hinein.

  4. 17.

    Ich verstehe diese Motzerei nicht von wegen "alte Menschen sind nicht im Web".

    Eine Online Plattform schließt doch direkte Nachbarschaftshilfe nicht aus. Warum sollte man nicht auf verschiedenen Ebenen ansetzen?

    Und Datenschutz, ach herrje, wir haben gerade weitaus größere Probleme!

    Immer diese Schlechtmacherei wenn jemand sich bemüht zu helfen, von Leuten die selbst wahrscheinlich nichts beitragen!

  5. 16.

    @Noah Adler: Absolut sinnvoll! Respekt und Weiter so..... in deinem Alter statt zu schwafeln, so etwas auf die Beine zu stellen, finde ich famos! Vielen Dank - auch, wenn ich selbst kein Nutzer sein werde (weil in der Pflege tätig und Single und gut organisiert).

  6. 15.

    Naja. Ich habe gerade keine Arbeit mehr da ich aus dem Gastronomiegewerbe komme. Wenn ich ein wenig bei der Kinderbetreuung vergütet werden würde, würde mir das auch helfen. Das heißt nicht, dass man das ausnutzen sollte und horrende Preise verlangt. Aber gegenseitige Solidarität in dieser Zeit und sei es nur ein warmes Mittagessen hilft auch Menschen die leider in prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten, sich nicht auf ihren Arbeitgeber verlassen können und unglaublichen Lohnkürzungen ins Auge blicken.

  7. 14.

    Helfen ja, aber dann doch bitte unentgeltlich. Ohne wenn und aber. Überall gibt es plötzlich die dubiosen Hifsangebote gegen Bares, gerade bei der Kinder Betreuung.

  8. 13.

    Ist eigentlich Allen klar, dass die alten, hilfsbedürftigen Menschen NICHT im WEB SIND?
    Sprecht eure Nachbarn im Haus an, klimgelt!

  9. 12.

    Das ist doch mal ein Lichtblick in dieser unsicheren Zeit. Ich finde das Engagement des jungen Mannes vorbildlich, Hut ab! Vielleicht wird dem einen und anderen klar, dass Zusammenhalt wichtiger ist als Ellenbogentaktik. Diese Krise überstehen wir am schnellsten, wenn wir uns alle gegenseitig mit dem unterstützen was wir können und haben.

  10. 11.

    Common Sense nennt man das. Das ist super.
    Ich denke du solltest noch eine SMS Authentifizierung einbauen. Ein Paar Euro über paypal oder/und patreon sind dir gewiss sicher. Und dann bleiben auch all die BesserWisser weg.
    Das kommt. Bin ich mir sicher. Es ist ein Anfang. Du hast gemacht, Du bist ein Macher. Du wirst Erfolg haben.
    Ein Social Entrepreneur oder schlicht: ein guter Kerl.
    Danke.

  11. 10.

    Die Leute tragen sich doch selbst an. Ich stimme aber völlig zu, dass es super dumm ist, die werden jetzt bestimmt eine Spamlavine und unerwünschte Anrufe jeder Art bekommen.

  12. 9.

    Das ist super toll, dass der Junge sowas ins Leben gerufen hat, aber die Tatsache, dass da die Telefonnummer und Emailadressen einfach so veröffentlich werden, ist unglablich blöd und für mich das Grund sich (als Hilfe-anbietende) nicht zu registrieren. Bin keine Programistin, aber es gibt bestimmt einen einfachen Weg diese Angaben unter Links zu verbergen.

  13. 8.

    Respekt!
    Vielleicht sollten wir auch noch an die Menschen denken die sonst auf die Tafel angewiesen sind Rentner, Familien mit Kindern die sich keine Hamster Käufe leisten können... wenn ich in den Supermarkt gehe und sehe wie leer alles ist frage ich mich ob da noch was für die Tafel über bleibt? Oder sollte jeder noch etwas an die Menschen etwas abgeben von seinem Einkauf? Und wo ?
    Nachbarschaftliche Grüße

  14. 7.

    Oh man, gute Idee aber Datenschutz-rechtlich ein Debakel! Da stehen offen Email Adressen, Namen und Telefonnummern in der List. Dann auch noch so, dass es jeder Google Bot auslesen kann. Also hier wäre ich ganz vorsichtig (auch als 15 jähriger) nicht mit einem Bein im Knast zu stehen.

  15. 6.

    In Zeiten wie diesen merkt man mal wieder, dass die Jugend gar nicht so schlecht ist wie sie immer wieder gemacht wird. Meinen Respekt und Dank für den jungen Mann und ich hoffe er findet viele Helfer die ist ihm gleichtun.

  16. 5.

    Einfach eine tolle Sache. Bitte denkt dabei an die Studenten in der Stadt, die jetzt ihren Job in der Gastronomie verloren haben und weiterhin ihre Unkosten haben. Ein paar Taler für die Hilfe können Sie wirklich gebrauchen. Auch wenn sie es am liebsten aus Solidarität machen möchten.

  17. 4.

    Respekt. So ein junger Mensch, der sich solche Gedanken macht.

    Die Behörden sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

  18. 3.

    Mein Respekt hat er, es zeigt das es noch Menschen mit Verstand und Mitgefühl gibt, nicht wie Die verrückten Die auf gut Deutsch alles vor der Nase wegkaufen statt auch mal an andere Leute zu Denken Die auch was benötigen, das man Angst usw. Kann man verstehen aber es sollte doch alles im Rahmen bleiben und nicht egoistisch sein.
    Wir haben auch eine große Familie aber kaufen auch nur das was wir wirklich benötigen und nicht im Überschuss.

  19. 2.

    #- Corona-HILFE- Rangsdorfer für Rangsdorfer
    auf Facebook von Zitros Peterson

  20. 1.

    Sehr gut! Während manch ein Sportverein versucht, Spenden für sich zu generieren können, gibt es auch Menschen, die Lösungen für alle suchen. Super Sache! FC Nürnberg versucht zu helfen, Erzgebirge Aue auch. Wie wäre es denn, wenn Union Berlin die Erlöse aus den virtuellen Bratwürsten zum Beispiel zur Erforschung des Coronavirus spendet ...

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