Symbolbild - Ein Krankenpfleger schiebt in einer Klinik ein Krankenbett durch den Flur. (Bild: dpa/Daniel Bockwoldt)
Audio: Radioeins | 05.11.2020 | Interview mit Charité Pflegedirektorin | Bild: dpa/Daniel Bockwoldt

Aufruf zur Unterstützung - Berliner Krankenhäuser suchen Pflege-Verstärkung wegen Covid-19

Allein die Berliner Charité benötigt bis zu 150 zusätzliche Mitarbeiter: Die Kliniken der Hauptstadt suchen wegen der wachsenden Zahl an Covid-19-Patienten Pflege-Verstärkung und wenden sich dafür in einem Aufruf an die Bevölkerung.

Angesichts der stark wachsenden Zahl von Covid-19-Patienten in Berlin suchen die Krankenhäuser Verstärkung für die Pflege. Mit einem am Donnerstag veröffentlichten Aufruf bittet die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) "alle ehemaligen und frei verfügbaren examinierten Pflegefachkräfte", sich direkt bei den Kliniken zu bewerben. Es sei "absehbar, dass insbesondere die Verfügbarkeit von Pflegepersonal in den nächsten Wochen das entscheidende Kriterium sein wird, um die Versorgung der erwarteten hohen Zahl an Covid-19 Erkrankten gut bewältigen zu können", erklärte die BKG-Vorstandsvorsitzende Brit Ismer

Der Aufruf wird von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) unterstützt. "Ich habe unter krisenpersonalpool.Berlin.de eine Plattform einrichten lassen, unter der auch Pflegekräfte und Krankenhäuser schnell und unproblematisch zusammenfinden können", teilte sie mit.

Momentan werden laut Corona-Lagebericht 863 Corona-Infizierte stationär behandelt, davon 234 intensivmedizinisch. Im Frühjahr war ein Höchststand bei den Intensivpatienten laut Divi-Intensivregister im April mit rund 150 Fällen erreicht worden. Insgesamt haben die Berliner Krankenhäuser laut Senatorin Kalayci bislang 2.500 Covid-19-Patienten behandelt. "Wir sind gut vorbereitet und mit besseren Voraussetzungen in den Corona-Herbst gestartet, als dies im Frühjahr der Fall war", betonte Ismer. Die Krankenhäuser wollten aber alle Möglichkeiten zur Personalverstärkung nutzen.

Berliner Charité braucht bis zu 150 zusätzliche Pflegekräfte

Die Berliner Charité etwa benötigt in der Corona-Pandemie bis zu 150 zusätzliche Pflegekräfte. Das sagte die Pflegedirektorin des Krankenhaus, Judith Heepe, dem rbb-Sender Radioeins am Donnerstag.

Demnach sei die Situation während der zweiten Welle deutlich ernster. Man habe bereits jetzt deutlich mehr Patienten und bekomme täglich neue. Somit reiche die eh schon dünne Personaldecke nicht, um den Bedarf zu decken. Die Intensivbetten seien zwar mit Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten ausgestattet, aber das Personal werde längerfristig fehlen.

Aufruf zur Mithilfe gestartet

Heepe hat daher einen Aufruf gestartet, um ursprünglich in Pflegeberufen ausgebildete Menschen zurück in die Kliniken zu holen. Es hätten sich bereits ehemalige Pflegehelfe und -kräfte und Medizinstudenten gemeldet, sagte sie. Personen hätten jetzt die Möglichkeit in einer Situation zu unterstützen, die "in den nächsten ein bis zwei Monaten eine sehr, sehr schwierige für die Hauptstadt sein wird", so Heepe.

Bereits im Frühjahr hatten sich Berlins Krankenhäuser in einem Appell an die Bevölkerung gewandt und dringend medizinisches Personal gesucht, um die Betreuung von Covid-19-Patienten zu gewährleisten.

Planbare Eingriffe an vielen Berliner Krankenhäusern sollen wegen der Corona-Pandemie wie schon im Frühjahr verschoben werden. Ab Samstag müssten die Kliniken 25 Prozent der Intensivbetten für Covid-19-Patienten freihalten, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) im Berliner Abgeordnetenhaus. Zuletzt hätten die Krankenhäuser 15 Prozent freihalten müssen.

Sendung: Radioeins, 05.11.2020, 09:30 Uhr

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59 Kommentare

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  1. 58.

    Mich würde mal interessieren, was genau Sie mit "fragliche Hilfstätigkeiten bei der Versorgung" meinen.

  2. 56.

    Da habe ich so meine Zweifel. Warum? Denken Sie mal darüber nach.

  3. 54.

    Ich habe gar kein Problem damit, dass Sie oder andere diesen Beruf mit all seinen Tätigkeiten nicht ausüben könnten oder möchten. Ich könnte andere Berufe aus verschiedensten Gründen auch nicht machen.
    Mich hat dieses "simpel" gestört, weil es suggeriert, dass jeder hier qualifiziert wäre, ohne große Anleitung, eine entsprechend sichere Versorgung zu gewährleisten.

  4. 53.

    Es geht doch nicht nur darum was Hartz4-Empfängern nicht zumutbar ist (sie zu zwingen gegen ihren WIllen mit Fäkalien fremder Menschen zu hantieren gehört imho aber SOWAS von dazu!), sondern in erster Linie auch was den PATIENTEN, den PFLEGEBDÜRFTIGen zumutbar ist! Die haben ein Recht auf eine menschenwürdige Behandlung! Und glauben Sie etwa dass kann so ein Null-Bock-gezwungener-Arbeiter leisten?? Also wirklich... Denken Sie doch mal an die erhebliche Gefahr des Missbrauchs der Patienten!

  5. 52.

    Ich wollte nicht abwertend über diese Aufgaben sprechen! Das "simpel" bezog sich eben auf die Leute, die meinen die "faulen" (AUCH NICHT meine Meinung) Hartz4-Empfänger sollten gezwungen werden solche Aufgaben zu übernehmen. Das finde ich falsch, und sehe eine hohe Gefahr des Missbrauchs der Patienten, wenn sie unwilligen Arbeitern ausgesetzt werden. Wir sind uns also weitestgehend einig.
    Aber dass ich mich PERSÖNLICH weigern würde irgendwem den Hintern abzuwischen - ja, sorry, da müssen Sie drauf klar kommen. Nicht jeder ist für den Pflegeberuf gemacht, warum muss man sich da gleich persönlich angegriffen fühlen?

  6. 51.

    @RaSt1959: Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Ich habe keine Angst arbeiten zu gehen, weil ich das bereits mache.

  7. 50.

    "Und selbst die simpelsten Aufgaben: füttern, waschen, Bettpfanne wechseln(!) - wollen SIE das etwa machen?" - zuallererst sind das keine "simplen" Aufgaben, sondern anspruchsvoll, denn wenn diese grundpflegerischen Tätigkeiten durchgeführt werden, sind die Patienten durch Krankheiten auf entsprechende Hilfe angewiesen. Beim Essen reichen muss darauf geachtet werden, dass die Konsistenz des Essens/ Trinkens den Fähigkeiten des Patienten entspricht, da er/sie sich sonst verschlucken kann. Von einer vernünfigen Körperpflege, bei der die Intimsphäre und Würde des Patienten gewahrt wird, ganz zu schweigen. Die Versorgung der Ausscheidungen ist sicherlich nicht der angenehmste Bereich, um so wichtiger, dem Patienten hier kein Schamgefühl aufzudrücken. - Nein, niemand sollte gezwungen sein, in diesem Bereich zu arbeiten, aber auch niemand sollte so abwertend über diese Tätigkeiten sprechen!

  8. 49.

    Wir leben nicht in China aber im Sozialstaat Deutschland. Da muss jeder ALG2 Empfänger seine Hilfsbedürftigkeit nach Kräften verringern. Hierzu gehört die Aufnahme einer zumutbaren auch gering qualifizierten Tätigkeit. Und zumutbar sind die fraglichen Hilfstätigkeiten bei der Versorgung allemal. Auch die Annahme einer Arbeitsgelegenheit nach § 16d SGB II gehört zu den Pflichten. Bei Weigerung wird die Sozialunterstützung eingestellt.§ 5 Abs. 3 SGB II.

  9. 48.

    Es zeichnet sich ab, dass diejenigen, die diesen verantwortungsvollen Beruf einmal auch genauso verantwortungsvoll ausführen wollten und nicht die Banklehre vorgezogen haben, wie so manch anderer, am Ende als die Schuldigen hingestellt werden dafür, dass Menschen sterben. Perfides Spiel, aber so durchsichtig.

  10. 47.

    Aber kein Ingenieur wird seinen Job hinschmeißen, nur um 2 Monate Krankenpfleger-Helfer in der Charite zu sein! Hier können nur Arbeitslose, Rentner, Mütter mit zahlendem Gatten angesprochen werden. Der Rest bleibt im Job. Kurzarbeit 100 bei voller Aufstockung ist doch für die Müßiggänger weitaus praktischer als Charite 3-Schichtsystem bei geringerer Bezahlung als das Kurzarbeitergeld! Wer soll denn da kommen?

  11. 46.

    Berlin sucht schon immer Pflegekräfte, nur leider wollen die Berliner Kliniken keine gescheiten Löhne zahlen, deshalb wandern viele nach Süd Deutschland aus oder arbeiten in einem anderen Job, der besser bezahlt ist.

  12. 45.

    Jeder Bürger kann krank und pflegebedürftig werden!
    Und wie man sieht sind auch gesunde Menschen durch fehlendes Personal im Gesundheitswesen
    in ihrer Berufstätigkeit und Freiheit erheblich reduziert.
    Daher muss ein Hauptthema vor den Bundestagswahlen werden, dass wir
    im Gesundheitswesen
    und in der Altenpflege
    endlich langfristig ausreichend motiviertes Personal mit Tarifverträgen brauchen.
    Wir dürfen uns nicht mehr mit unverbindlichen Versprechungen abspeisen lassen.
    Welche Parteien und Politiker versichern verbindlich dass das Gesundheitswesen und die Altenpflege
    nicht mehr ökonomisiert werden? Und das sie ohne eine solche Umsetzung nicht in eine Regierung eintreten.
    Gesundheit und Menschenleben müssen unverhandelbar sein!

  13. 44.

    Ja und dann erst mal die Vorzuege des Arbeitsslagers. Vernuenftige Löhne auf Dauer und Motivation mit Planunung vermischt waeren auf Dauer besser, als immer auf den Aermstenrum zu hacken.
    Wir brauchen keine 1.klassemedizin privat sondern eine gute für alle.

  14. 43.

    Wirtschaftliche Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Dieses Prinzip hat genau zu der Situation geführt, in der sich das Gesundheitssystem befindet. (Und nicht nur das Gesundheitssystem! Das Prinzip funktioniert überall wunderbar und manifestiert den Niedriglohnsektor)
    Und Sie schlagen als Lösung vor, genau den Bereich Verluste nochmals verstärkt zu sozialisieren? Diese Strategie scheint mir wenig hilfreich.
    Wenn Sie allerdings schreiben:
    "...Hartz4 u.ä. erhalten....sollten "einberufen" werden für Hilfsarbeiten... Es gibt sicherlich genug Leute, die sich den Tag über langweilen, aber Sozialleistungen in Anspruch nehmen."
    schleicht sich bei mir die Vermutung ein, dass Sie, werte(r) panke, lediglich Ihren Sozialneid zum Ausdruck bringen wollten, und absolut keinen sinnvollen Lösungsvorschlag für das Problem haben.

    Beste Grüße

  15. 41.

    @Falk: Und warum schreibt @schulenberg "NONSENS"? In dem Heer der Arbeitslosen liegt sehr viel Potenzial an Arbeitskräften. Oder haben SIE Angst mal arbeiten gehen zu müssen?

  16. 40.

    Wir leben nicht in China, wo möglicherweise einfach die Menschen zu bestimmten Tätigkeiten abkommandiert werden können.

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