Trotz Verbot der Demos versammelten sich mehrere tausend Demonstranten meist ohne Mund- / Nasenschutz bzw. Maske und unter Missachtung der Abstandsregeln rund um das Brandenburger Tor und entlang der Straße des 17. Juni, um gegen die Corona-Maßnahmen und das Infektionsschutzgesetz zu demonstrieren. (Quelle: dpa/Vladimir Menck)
Bild: SULUPRESS.DE

Demonstrationen im Regierungsviertel - Berliner Polizei bilanziert 77 verletzte Beamte bei Corona-Protest

Die Bilanz der Berliner Polizei am Tag nach den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen im Regierungsviertel zeichnet ein Bild von roher Gewalt und extremer Aggressivität. 77 Polizeikräfte wurden bei Übergriffen verletzt, es gab Hunderte Festnahmen.

Die Berliner Polizei hat am Donnerstag eine Bilanz zu den turbulenten Demonstrationen am Vortag gezogen. Demnach wurden deutlich mehr Polizeikräfte während der Proteste verletzt als zunächst bekannt. Während noch am Mittwochabend von zehn verletzten Polizisten die Rede war, wurde diese Zahl am Donnerstag auf 77 erhöht. Wie viele Demonstrierende verletzt wurden, geht aus den Zahlen nicht hervor.

Rund um die insgesamt 19 genehmigten Versammlungen waren demnach 2.500 Einsatzkräfte der Berliner Polizei, Bundespolizei sowie Polizeikräfte aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und aus Schleswig-Holstein im Einsatz.

So gut wie niemand trug Mund-Nasen-Schutz

365 Menschen wurden am Mittwoch vorübergehend festgenommen, teilte die Polizei zudem mit. Es wurden 257 Strafermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs und versuchter Gefangenenbefreiung.

Zum Ablauf der Demonstrationen teilte die Polizei mit, gegen 10:45 Uhr hätten sich zunächst 5.500 Menschen auf dem Platz des 18. März eingefunden. Die Versammlung habe den Titel "Antifaschistische Versammlung gegen Querulanten und Feinde der Gesellschaft" getragen. Nahezu alle Demonstrierenden hätten dort keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen und den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten.

Polizeihelme weggerissen, Reizgas versprüht

Nachdem die Personenzahl auf 9.000 angewachsen sei, habe man den Versammlungsbereich entlang der Straße des 17. Juni erweitert. Aber auch danach seien die Mindestabstände nicht eingehalten worden. Aufgrund der andauernd bestehenden Infektionsrisiken sei gegen 12 Uhr die Auflösungsverfügung verkündet worden, dem seien aber die Demonstrierenden nicht nachgekommen, so die Polizei. Letztlich sei der Einsatz des Wasserwerfers als letztes Mittel geblieben. Man habe aber bewusst auf starke Wasserschüsse verzichtet, da auch Kinder und Senioren in der Menschenmenge gewesen seien.

Zuvor hatte bereits Innensenator Andreas Geisel (SPD) den Einsatz der Wasserwerfer verteidigt. Er bedauere den Einsatz, aber er sei notwendig gewesen, sagte Geisel am Donnerstagmorgen im rbb-Inforadio. Es sei sehr viel Aggression unter den Demonstranten gewesen, die zu mindestens 90 Prozent nicht aus Berlin stammten. "Bei aller berechtigten Kritik gibt es keine Freiheit dafür, die Gesundheit anderer Menschen zu gefährden", so Geisel.

Anschließend sei es zu "massiven Angriffen auf die Einsatzkräfte" gekommen. Manche Personen hätten versucht, die Helme der Beamtinnen und Beamten vom Kopf zu zerren. Bei einigen Einsatzkräften seien die Helmvisiere hochgerissen worden, daraufhin sei ihnen Reizgas ins Gesicht gesprüht worden. Auch mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik wurden Polizeikräfte demnach beworfen.

Tritte, Stühle und Tische auf Polizeikräfte

Zudem hätten etwa 40 Hooligans versucht, Absperrlinien zu durchbrechen, um in Richtung Reichstag zu gelangen. Durch den Einsatz von Reizgas durch die Polizei sei das verhindert worden. Wenig später wurden Polizistinnen und Polizisten erneut angegriffen, getreten und mit Stühlen und Tischen beworfen, heißt es in der Polizeimeldung weiter. Erst gegen 16.30 Uhr habe sich die Lage langsam entspannt.

Abends hätten sich dann nochmals 350 Menschen in der Nähe des Amtssitzes von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier versammelt. Alle seien überprüft worden und anschließend gegangen.

Sendung: Abendschau, 19.11.2020, 19:30 Uhr

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28 Kommentare

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  1. 28.

    "Zum Lesen empfehle ich Boris Reitschuster, Achgut, Rubikon oder Kenfm. " *pruuuuust* Sie schulden mir einen Kammilletee, den ich mir gerade über die Tastatur geprustet habe. Ein Glück ohne Zucker!

    "Ich habe auch Monate gebraucht, um zu verstehen." DAS glaube ich ihnen aufs Wort! Aber ein guter Anfang, bei dem Tempo werden sie noch ca. 150 Jahre brauchen bis sie Wissenschaft verstehen.

    Sie sind hier nicht auf AfD kompakt!

  2. 27.

    Komisch, ihr strrrrammen Rechten seid doch immer für Recht und Ordnung. Halten sie sich an das Gesetz und schon passiert nix.

    Oder meinen sie nur ihr eigenes Recht und Ordnung? Könnte euch so passen. Ihr seid eine verschwindende Minderheit, auch wenn ihr 100 x "Wir sind das Volk" blökt!

  3. 26.

    Vielen Dank für Ihre Empfehlung. Ich glaube eher den Aussagen seriöser Wissenschaftler als irgendwelchen YouTubern, die faktenfrei die Leute verarschen und damit jede Menge Kohle verdienen.

  4. 25.

    Liebe Kommentatoren, ich unterstelle mal, dass die meisten nicht dabei waren und versuchen, sich anhand der Fernsehbilder der Leitmedien eine Meinung zu bilden. Ich empfehle durchaus mal einen Blick auf alternative Medien, in denen man auch Videos findet, die nicht im öffentlich rechtlichen Fernsehen zu finden sind. Ich selbst war dabei, mit Abstand und Maske, um für den Erhalt der Demokratie zu demonstrieren. Mein gutes Recht. Hat sich einer von Ihnen das neue Gesetz durchgelesen und versteht, was es für unsere Freiheit bedeutet? Das bezweifle ich. Wenn sich dann in kürzester Zeit Dinge erfüllen werden, vor denen wir Kritiker gewarnt haben, werden sich viele Menschen wünschen, sie hätten nicht so verächtlich über andersdenkende geurteilt. Zum Lesen empfehle ich Boris Reitschuster, Achgut, Rubikon oder Kenfm. Bilden Sie sich ihre eigene Meinung. Ich habe auch Monate gebraucht, um zu verstehen.

  5. 24.

    Es ist schon komisch, die Polizei erhöht einen Tag später die Zahl der Verletzten um 67 auf insgesamt 77. Aber Angaben zu verletzten Demonstranten kann sie nicht machen. Gewalt ist immer zu verurteilen egal von welcher Seite diese erfolgt. Aber Herr Innensenator verteidigt die ganze Geschichte. Mal sehen zu welcher Demo er sich wieder LEIDER gezwungen sieht die Wasserwerfer einzusetzen.

  6. 23.

    "Ich bitte sie einfach sich die Zahlen anzuschauen und die mit den Wintermonaten der letzten Jahre zu vergleichen, da waren auch die Intensivstationen voll. " Nicht einmal annähernd.

    "Wollen wir uns also für immer einsperren und Nordkorea ähnliche Verhältnisse haben?" Welche dystopischen Romane verwechseln sie hier mit der Realität?

    Leute wie sie kann man einfach nicht ernst nehmen, die leben in ihrer eigenen Welt.

  7. 21.

    Und untergraben genau damit die Demokratie und den Rechtsstaat, den sie sonst eigentlich immer hervorheben, finde ich traurig das mittlerweile schon normale Menschen hier lieber Ausnahmezustand und Dauer Kriegszustand hätten.
    Ich bitte sie einfach sich die Zahlen anzuschauen und die mit den Wintermonaten der letzten Jahre zu vergleichen, da waren auch die Intensivstationen voll.
    Wollen wir uns also für immer einsperren und Nordkorea ähnliche Verhältnisse haben?

  8. 20.

    Die Herausforderung besteht eben darin, dass Demonstrieren ein Grundrecht ist. (Stichwort: Versammlungsfreiheit). Da braucht es keine Extra-Genehmigung, sondern eine Anmeldung bei Vorbehalt, der auch akribisch begründet werden muss.

    In Nicht-Corona-Zeiten würde ich das bei vielen Aufzügen ggf. lockerer sehen, dass jeder Mensch sehr wohl die Freiheit hat, sich selbst zu karikieren. Bei den Auswirkungen durch Corona gegenüber anderen nehme ich diese Sichtweise allerdings wieder etwas zurück.

  9. 19.

    Was regen Sie sich auf? Die böse Polizei hat auf die ach so friedlichen und sich an Regeln haltenen Demonstranten eingeprügelt? Ich weiß ja nicht wo Sie das gesehen haben.

  10. 18.

    Diese Demo wurde NIE erlaubt!
    Daher habe ich auch kein Verständnis, wieso zugelassen wurde, dass sich eine derart große Menschenmenge versammeln konnte.

    Was mir Angst macht ist, das "eine Meinung haben" (bspw. finde ich schön/nicht schön oder finde ich gut/nicht gut) und "das ignorieren und leugnen von Fakten" (bspw. wir leben in einer Diktatur oder Masken und Abstand bringen NICHTS) als ein und das selbe verstanden werden.

    Wie soll man dagegen vorgehen, wenn einem ein Apfel als Birne verkauft werden soll und die Leute das nicht verstehen? So hat die neue Rechte leichtes Spiel. Traurig. Auch mit Blick auf unsere Bildung.

  11. 17.

    Was ist dabei friedlich?
    War doch von Anfang an abzusehen, dass die Teilnehmer sich an keine Regeln halten.
    Die Polizei tut mir leid.

  12. 16.

    Bitte demnächst den Wasserwerfer richtig einsetzten!
    Nicht nur zur Beregnung.

    Den sie verstehen nur diese Sprache.
    Traurig, aber wahr.

  13. 15.

    Wie ticken Sie denn? Was wollen Sie mit Ihrem Kommentar unterstellen? Vielleicht ist das Zählen! der verletzten Polizisten der Erstversorgung nachgestellt.

  14. 14.

    Wieso werden solche Demos erlaubt?
    Das ist eigentlich nicht die Frage, sondern... Warum gibt es immer wieder Menschen, die dieses Recht auf Menungsäusserung missbrauchen.
    Wenn sich alle an die Regeln gehalten hätten, wäre niemand nass geworden und es wäre wahrscheinlich auch niemand verletzt.
    Sicher haben sie recht, jeder wusste vorher das es eskalieren würde. Aber vorraussetzen darf man das selbstverständlich nicht.
    Obwohl gerade die Demonstranten sich darüber aufregen das unsere Grundrechte momentan beschnitten werden, nutzen gerade sie diese Grundrechte ohne Rücksicht auf Verluste aus

  15. 13.

    Wie krank sind eigentlich einige ? Sie pochen auf ihre Grundrechte und treten alles andere rücksichtslos mit Füßen.

  16. 12.

    77?! Komisch...gestern hiess es noch überall 3 verletzte Beamte. Vermutlich ist die Zahl erhöht worden nachdem bekannt geworden ist, dass ca. 400 Demonstranten festgenommen wurden. Gräßlich.

  17. 11.

    Nachtrag: - Binnen 24 Stunden sind in Berlin an Infektionen hinzugekommen: 1.251

    , warum solche Demos überhaupt genehmigt ???

  18. 10.

    da haben Sie schon Recht , allerdings frage ich mich dann, warum solche Demos überhaupt genehmigt werden, weiß man doch schon vorher, dass sich die Mehrheit nicht an die Auflagen halten wird , rückt dann mit einem riesigen Polizeiaufgebot an mit den beschriebenen Folgen

  19. 9.

    Wir empfehlen Ihnen, sich mit Ihrer Frage direkt an die Berliner Polizei zu wenden. Wir können Ihnen da leider nicht weiterhelfen.

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