Symbolbild: Ärzte waschen sich vor dem Einsatz im OP gründlich die Hände. (Quelle: dpa)
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Klinikabwasser - Warum Coronaviren nicht ins Leitungswasser gelangen

Ungefiltert landen die Abwässer aus Berliner Kliniken in der Kanalisation. Darin enthalten: Bakterien und Viren - wie der Erreger SARS-CoV-2. Keine Gefahr für die Bürger, sagen die Wasserbetriebe. Wie passt das zusammen? Von Anna Corves

Was Sie jetzt wissen müssen

Berlins Krankenhäuser leiten ihre Abwässer ungefiltert in die Kanalisation - mitsamt aller Viren und Bakterien. Das ergab eine Antwort der Senatsumweltverwaltung auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Freymark.

Auf rbb-Nachfrage bestätigt der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz: "Es ist natürlich eigentlich ein schräge Sache, dass viele Industrieunternehmen Abwasser selbst vorreinigen müssen. Diese Anforderung gilt fürs Gesundheitswesen nicht - bundesweit nicht. Das ist schon eine Ungleichbehandlung." Ein gesundheitliches Risiko würde das Abwasser für die Bürger aber nicht bergen.

Keine Chance den Viren in Kläranlagen

Einen Artikel der Zeitung Tagesspiegel, der ein Risiko suggeriert hat, bezeichnet Natz als Panikmache. Denn das Abwasser gelangt von der Kanalisation in die Klärwerke. Diese erfassten auch Krankheitserreger wie den Coronavirus. "Mögliche Viren werden in den Klärwerken nach derzeitigem Stand zu 99 bis 99,9 Prozent in der biologischen Reinigungsstufe abgebaut", sagt Natz. Wenn danach noch eine Reinigung nötig sei, werde durch eine sogenannte Flockungsfiltration von diesem knappen einem dann noch mal 90 Prozent entfernt.

Auch wenn das Abwasser ungefiltert in die Spree oder Havel fließen würden, etwa nach Starkregen, könnten Coronaviren im Wasser keine Gefahr für Menschen werden. Laut der Weltgesundheitsorganisation gibt es keinen Nachweis darüber, dass der Virus in Wasser überlebensfähig ist. Auch in einer Stellungnahme des Umweltbundesamts heißt es: "Seine Morphologie und chemische Struktur ist anderen Coronaviren sehr ähnlich, bei denen in Untersuchungen gezeigt wurde, dass Wasser keinen relevanten Übertragungsweg darstellt."

Keimrisiko liege bei "null"

Das Risiko der Übertragung von Corona über Badegewässer ist demnach als minimal einzustufen. Wie hoch die Virenbelastung in Gewässern überhaupt ist, das wird nicht gezielt überwacht. Rückschlüsse lässt aber die Messung verschiedener Bakterien, etwa der Kolibakterien, zu. Je mehr von ihnen vorhanden sind, desto verkeimter ist das Wasser insgesamt.

Die Grenzwerte für diese Bakterien in Spree und Havel wurden im vergangenen Jahr nach Starkregen zum Teil drastisch überschritten, räumt der Sprecher der Wasserbetriebe ein. "Natürlich ist das nicht zufriedenstellend. Aber diese Keime sind dort nichts Tragisches", so Natz, "Das ist eine Sache, die immer passiert ist und es sind keine größeren Krankheitswellen Badender bekannt geworden." Die Bakterien würden sich in den Gewässern binnen weniger Tage natürlich abbauen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales misst die Wasserqualität regelmäßig, veröffentlicht die Ergebnisse und sperrt gegebenenfalls Badestellen.

Weil das Wasser aus der Leitung aus Grundwasser gewonnen wird, beziffert Natz das Keimrisiko auf "null". Es stammt aus großer Tiefe - der sauerstofffreien Zone. Dort überleben Viren und Bakterien nicht.

Beitrag von Anna Corves

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24 Kommentare

  1. 24.

    Wenn das Umweltbundesamt schreibt, dass es keine Erkenntnisse gibt, dann wurde das Wasser auch nicht untersucht. Ich frage mich nur warum nicht! :-)

  2. 23.

    Naja es geht in dem Artikel auch um die Abwässer, zumindest werden die verschiedenen Belastungen durch Verunreinigungen ja auch verglichen und gesagt, dass "Industrieunternehmen Abwasser selbst vorreinigen müssen", was aber leider nicht heisst, dass die Schadstoffe, die nach der Vorreinigung übrig bleiben, wie zb refraktäre Phosphorverbindungen (sind glaube ich in der Abwasserverordnung nicht reglementiert) so wesentlich leichter als unvorgereinigte Krankenhausabwässer zu reinigen sind. Ist halt alles zuviel. Aber ansonsten haben Sie recht - man sollte feststellen wie lange sich Sars-2 in und an Wasserverbindungen hält. Sars-2 fliegt ja wohl auch hauptsächlich über Aerosole, also insbesondere Wasser"tröpfchen" durch die Luft. Im Tropical Island Bericht ist da allerdings die Antwort auf Konstanze Nr. 15 verschwunden, da stand was zu SARS und Wasser: https://www.rbb24.de/panorama/thema/2020/coronavirus/beitraege/brandenburg-coronavirus-nonnemacher-tropical-islands.html

  3. 22.

    Viren sind recht fragile Gebilde aus komplexen organischen Molekülen. Sie sind also tendenziell empfindlich gegenüber Energiezufuhr (z.B. Licht und Wärme) und aggressiven Stoffen (z.B. Sauerstoff). Davon gehen die meisten schnell kaputt. Im Grundwasser ist es kühl, dunkel und sauerstoffarm - gute Bedingungen für die Konservierung also erstmal. Im polaren Eis hat man Viren anderer Arten gefunden, die Millionen Jahre überdauerten. - Falls Viren es ins Grundwasser und wieder nach oben schaffen, scheinen sie dennoch kaum Menschen zu infizieren. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Verdauungsfunktion gesunder Menschen und Tiere mit diesen wie mit Millionen anderer Erreger einfach gut klarkommt, wenn sie nicht z.B. in hoher Konzentration auftreten. Hierfür spricht auch, dass Tiere im Freien oft aus definitiv Erreger-belasteten Pfützen trinken und dennoch mehrheitlich halbwegs gesund bleiben. Und im Leitungswasser ist die Erreger-Konzentration millionenfach geringer als in jeder Pfütze.

  4. 21.

    Laut Titel geht es um die Möglichkeit von Coronaviren im Wasser. Die entscheidende Frage wäre dann: Kann dieses Virus ohne Wirt überhaupt lange im Wasser planschen oder geht es da kaputt wie in der Luft oder auf den Klamotten nach einiger Zeit auch? Alles andere führt doch vom Thema weg.

  5. 20.

    In den Abwässern der Klärwerke befinden sich noch immerViren, pathogene Keime, Medikamenten-, Antibabypillenrückstände, Antibiotika, Rattengifte, Pestizide usw. Das haben Forschergruppen bereits 2015 veröffentlicht. In Berlins Klärwerken sind 2015 und 2017 Versuche zur Minderung mit UV-Licht, Ozon, Ultrafiltration, Aktivkohle, etc. durchgeführt worden. Fazit: Nur eine Kombination mehrerer Methoden könnten die gesundheitsschädlichen Einträge minimieren. In unsere innerstädtischen Gewässer fließen jedoch mehrmals jährlich durch Überläufe der Mischkanalisation ungeklärte Abwässer aus Toiletten, Haushalten, Kliniken, Altenheimen direkt hinein. Wenn Herr Natz, BWB, beim Tagesspiegel-Artikel von Panikmache spricht, dann sind seine Äußerungen eine absolute Verharmlosung.

  6. 19.

    Gibt es überhaupt noch seriöse Medien die unaufgeregt und mit richtigen Zahlen und Fakten arbeiten und nicht mit irgendwelchen Horror Vision die nie eintreten werden, aber alle hier total in Panik versetzen und verunsichern?

  7. 18.

    Die Mehrheit aller Wissenschaftler sieht Viren nicht als lebendig an. Jedenfalls atmen sie nicht! Das Argument, Viren würden durch Sauerstoffmangel im Grundwasser nicht weiterbestehen, ist daher unsachliches Einlullen, das nicht einmal populärwissenschaftlichen Kriterien standhält. Wie gesagt, mag es andere Gründe geben, warum sie da unten zerstört werden, aber die müssen dann auch genannt werden, statt Märchen zu erzählen, die gerade in irgendein Konzept passen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Viren#Systematische_Stellung

  8. 17.

    Der Titel wurde aufgrund der Kritik nachträglich verändert - siehe Kommentar des rbb weiter unten.

  9. 16.

    Woher auch immer das Trinkwasser stammt - hier am Kanal nähe Schleuse sind Angler, ein Ruderverein, relativ nahe an einem riesigen Rohr, das gem. Beschriftung das Berliner Abwasser in den Teltowkanal einleitet. Vielleicht nur bei starkem Regen, oder nur mehr bei starkem Regen, wie auch immer - ich hoffe einfach, es ist NUR Straßenwasser, mit Hundeköttel, Kippen, Kotze. Und nicht Abwasser aus Krankenhäusern.

  10. 15.

    Nein. Es ist davon auszugehen, dass viele Verbraucher sich über die Wasserqualität Gedanken machen. Der Artikel räumt diese Sorge aus.

  11. 14.

    Viren werden durchaus auch als Lebewesen angesehen. Da dies nicht der erste Krankheitserreger ist, mit dem wir zu tun haben und eben auch andere bislang bei guter Reinigung nicht ins Trinkwasser geraten, hofft man das auch bei diesem Virus. Und offenbar verhält er sich wie andere und überLEBT nicht.

  12. 11.

    Herr Neumann wenn Sie sich für Tiefbrunnen an Gewässerufern interessieren, dann finden Sie vielleicht auch diesen Link interessant:
    https://www.lfu.bayern.de/wasser/trinkwasser_quelle_verbraucher/trinkwassergewinnung/uferfiltrat/index.htm
    "Bei Brunnen in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer ist nicht auszuschließen, dass diese zeitweise (bei niedrigem Grundwasserstand) uferfiltriertes Oberflächenwasser fördern, da sich die Grundwasserfließrichtung durch die Entnahme in Abhängigkeit vom Grundwasserstand ändern kann."

  13. 10.

    Liebe Nutzerinnen und Nutzer,

    Sie haben recht, danke für Ihre Kritik. Fragezeichen sollten in Überschriften nie verwendet werden müssen. Wir haben das deshalb korrigiert.

    Beste Grüße und einen angenehmen Tag,

    Ihre Redaktion

  14. 9.

    So groß dürfte das Interesse nicht sein. Sonst hätten Sie auf den Link zu den Kreuzberger Boulevard-Journalisten geklickt oder mit einer kurzen Suche RBB-Artikel wie diesen gefunden:
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/07/berlin-trinkwasser-wasser-betriebe-neue-reinigungsstufe-arzneimittel-kosmetika.html

  15. 8.

    "Weil das Wasser aus der Leitung aus Grundwasser gewonnen wird, beziffert Natz das Keimrisiko auf "null". Es stammt aus großer Tiefe - der sauerstofffreien Zone. Dort überleben Viren und Bakterien nicht."

    Stammt der letzte Satz von Herrn Natz oder von Frau Corves?
    Das Berliner Grundwasser wird zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Uferfiltrat gewonnen.
    Nicht zuletzt weil das Berliner Grundwasser derzeit teilweise schwer mit Sulfat verseucht ist.

  16. 7.

    @Nikolaus Höller
    Ich schließe mich ihrer Kritik an. Ich finde es immer wieder fragwürdig, wenn in Titelzeilen Fragen, rhetorische Fragen oder frageähnliche Konstrukte erscheinen. Der Leser ist automatisch verunsichert.
    Der rbb, der sonst meiner Meinung nach Qualitätsjournalismus bringt, sollte hier nachsteuern. Sonst unterscheidet ihn in Zeiten erhöhter mediualer Aufmerksamkeit nichts mehr von breitbart und Konsorten.

  17. 6.

    Hauptsache ein weiterer Clickbait. Der Journalist sitzt Fingernägel knabbernd im Homeoffice auf ser Suche nach der nächsten Coronastory...

  18. 5.

    Seit Tagen gibt es auf rbb24 so gut wie keine Nachrichten mehr, die nichts mit Covid-19 zu tun haben. Und nun steht hier in einem Artikel geschrieben, Viren würden "nicht überleben"?? Ist es also in dieser viralen Flut von Nachrichten nicht einmal gelungen den Fakt zu verbreiten, dass Viren im biologischen Sinn gar nicht leben? Die Abwesenheit von Sauerstoff ihnen also nicht schadet; sie womöglich eher stabilisiert? Es mag andere Gründe geben, die zur Zerstörung von Viren im Grundwasser führen. Ersticken tun sie jedenfalls nicht, und ertrinken und erfrieren auch nicht. So viel Exaktheit darf und sollte man dem Leser schon gönnen.

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