Eine Frau läuft an einer Berliner S-Bahn vorbei am 29.08.2020 (Bild: imago images/Jan Huebner)
Bild: imago images/Jan Huebner

"Coronik" für Berlin und Brandenburg - Wie sich das Coronavirus in der Welt verbreitet

Ende 2019 treten erste Fälle einer rätselhaften Lungenkrankheit im chinesischen Wuhan auf. Von dort breitet sich das neue Coronavirus über die ganze Welt aus - und verändert auch Berlin und Brandenburg. Ein Protokoll.

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Januar 2020

  • 30. Januar: Die WHO ruft eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" aus. Noch sei die Zahl der Infektionen außerhalb Chinas relativ gering. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde.
  • 28. Januar: Der erste gemeldete Fall in Deutschland betrifft einen Mann im bayerischen Landkreis Starnberg. Der Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto hat sich wohl bei einem Kollegen aus China infiziert. Er wird in einem Krankenhaus isoliert und behandelt. "Es war zu erwarten, dass das Virus auch Deutschland erreicht", twittert der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Bundesrepublik sei gut vorbereitet.

Man muss das Virus wirklich ernst nehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Epidemie noch aufzuhalten ist. Man muss jetzt alle Kraft zusammennehmen – natürlich insbesondere in China."

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, am 21. Januar 2020
  • 25. Januar: Das Virus hat Europa erreicht. Die französischen Behörden melden drei bestätigte Fälle. Weltweit sind es zu diesem Zeitpunkt 1.400 bestätigte Infizierte. Auch in Berlin gibt es einen ersten Verdachtsfall: Aber der Test der Patientin verläuft negativ.
  • 24. Januar: Frankreich registriert seinen ersten Corona-Infizierten. Doch später stellt sich heraus, dass es schon Wochen zuvor einen Fall gegeben hat.
  • 23. Januar: Die WHO sieht keinen Grund dafür, eine internationale Gesundheitsnotlage auszurufen. Es gebe außerhalb Chinas "keine Hinweise" auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des neuartigen Virus. Sie wird die chinesischen Behörden in den folgenden Wochen immer wieder für ihren umsichtigen Umgang mit dem neuartigen Virus loben.
  • 21. Januar: Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts bezeichnen die Gefahr für Deutschland durch das neuartige Coronavirus als "gering". Das Virus übertrage sich nur in bestimmten Ausnahmen von Mensch zu Mensch. Da es keine Direktflüge von Wuhan nach Deutschland gebe, sei ein "Import" unwahrscheinlich.
  • Dagegen warnt der Virologe Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, am selben Tag vor den Gefahren der neuen Lungenkrankheit in China [zdf.de]. Ob sich auch in Deutschland eine Infektionswelle anbahne, könne "derzeit niemand sagen". Er wird in den folgenden Wochen zum Corona-Erklärer der Bundesrepublik und dem derzeit wohl bekanntesten Wissenschaftler des Landes.
  • 13. Januar: Die WHO bestätigt einen ersten Erkrankungsfall außerhalb Chinas: eine Patientin in Thailand, die aus Wuhan kam. Innerhalb der nächsten Tage melden Japan, Südkorea, Taiwan, Nepal, Australien, Malaysia, Singapur, Vietnam, die USA und Kanada ebenfalls Fälle.
Wuhan am 24.01.20: Ein Luftbild zeigt die Baustelle eines Spezialkrankenhauses für Corona-Infizierte (Quelle: dpa / XinHua / Xiao Yijiu).
Innerhalb weniger Tage lässt die chinesische Regierung ein Sonderkrankenhaus für Corona-Patienten in Wuhan errichten, laut Angaben der chinesischen Staatsmedien. Das sind die Bagger auf der Baustelle.Bild: XinHua
  • 11. Januar: Ein 61-jähriger Infizierter stirbt in Wuhan, er ist der erste Tote in Verbindung mit dem neuartigen Coronavirus. Die chinesischen Behörden sagen weiterhin, es gebe keinen Beweis, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werde. Seit einer Woche seien keine neue Infektionen mehr entdeckt worden. Andere asiatische Staaten führen Vorsichtsmaßnahmen ein. In Südkorea, Singapur und Hongkong gibt es bereits Verdachtsfälle.
  • 7. Januar: Das chinesische Staatsfernsehen berichtet, anhand erster Untersuchungen glaubten die Experten, dass die Lungenkrankheit auf einen neuen Typ der Coronavirus-Familie zurückgehe. Reisende nach Wuhan sollen Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder auch ungekochtes Fleisch meiden. Und sie sollten sich häufig die Hände waschen. Private Posts in sozialen Medien, die den Ausbruch des Virus thematisieren, werden sofort gelöscht - unter anderem in WeChat, der größten Kommunikationssoftware des ganzen Landes. Krankenhäuser werden angewiesen, keine weiteren Fälle zu melden.

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20 Kommentare

  1. 20.

    Und doch wird immer nur über Infizierte geschrieben und gesprochen. Ist denn nicht hinlänglich bekannt, dass diese Zahl überhaupt nichts über eine Erkrankung aussagt? Lieber RBB Ihre journalistische Pflicht wäre es, bei jeder Infektionszahl zu erwähnen, dass sich die Anzahl der Tests erheblich erhöht hat, aber die Zahl der Infizierten nahezu bei 1% liegt. Es gibt kaum Zunahme an Erkrankten und keine Zunahme bei Belegung von Intensivbetten. Es wird immer nur die hohe Infektionszahl genannt. Warum? Wieso steht Schweden so gut da und warum hat China seit März kaum noch Zunahme an Toten? In Ihrer Aufzählung zur Demo am 29.08., wo entgegen Ihrer Zählweise ca. 100.000 Menschen teilnahmen, fehlt der Hinweis, dass sich danach die Infektionszahlen überhaupt nicht verändert haben. Objektiver Journalismus sieht anders aus.

  2. 19.

    "Wie sich das Coronavirus in der Welt verbreitet" 25.09.20 | 13:52 Uhr

    Lieber rbb,
    Kommentar 18 war von mir, den 18.09.2020. Mein Kommentar 18 passt nicht zu diesem Bild. Es war ein anderes Bild zu sehen, voller Dampfer mit Rentnern. Unter einem anderen Titel, Rentnerclub mit Masken.



  3. 18.

    Dieser Rentner Club, möchte eben noch ein bisschen Spaß vom Leben haben. Würden sie Abstand halten, bräuchten sie keine Nasen- Mundbedeckung im Freien. Auch Risikogruppen dürfen sich mit "AHA" regeln sich draußen frei bewegen.

  4. 16.

    Also dieses Bild ist wirklich schockierend. Schockierender als die Raucherlungen Bilder auf den Drogenpackungen .

    Schlimmer kann man nicht zeigen wie einem der Spaß verdorben wird.

  5. 15.

    Danke fürs Aktualisieren. Vor allem dafür, die 1.Mai-Demos korrekt zu beschreiben: Gaffer ohne Abstand und ohne Mundschutz, tausende...

  6. 14.

    Friede dem Lagerkoller! Wir wünschen Ihnen allen frohe Ostern - und putzen ab und an unsere Fenster, können die Bude langsam aber auch nicht mehr sehen.

    Beste Grüße und alles Gute,

    Ihre Redaktion

  7. 13.

    icke bins, warum so verbissen? Kündigt sich ein Lagerkoller an?

    Die Ironie zum Fensterputzen haben Sie auch nicht verstanden?

  8. 12.

    Doch, ich habe die atuell geltenden Regeln sehr wohl verstanden! Ich kritisierte nur Ihre Verallgemeinerung: 2 Polizisten verhalten sich nicht korrekt und schon heißt es "Nur die Polizei muss sie [die Regeln] nicht einhalten."

    Und dass die Kripo Fenster putzt - wen interessiert`s? Vielleicht haben die Ihre Mittagspause oder den Feierabend dafür genutzt, wer weiß das schon?

  9. 11.

    Sie haben die zur Zeit gültigen Regeln offenbar nicht verstanden. Sie dürfen Ihre privaten Fenster putzen. Jeden Tag. Zur Not auch mehrmals.

    "Gestichel" kann ich in meiner klaren Schilderung nicht entdecken.

  10. 10.

    Was soll das Gestichel gegen die Polizei? Nur, weil vielleicht zwei sich nicht korrekt verhalten haben, gleich auf alle schließen?
    Ich habe übrigens auch während meiner Homeoffice-Arbeitszeit Fenster geputzt. Auweia! Hoffentlich verpfeift mich niemand!

  11. 9.

    Die Abstandsregeln scheinen für alle Menschen zu gelten. Nur die Polizei muss sie nicht einhalten. Auf dem Markt am Wittenbergplatz kommen mir 2 junge Polizisten auf "meiner" Seite entgegen. Platz machen? Fehlanzeige. Ich bleibe also stehen und der eine Polizist merkt wohl sein Fehlverhalten. Ergebnis: Er pöbelt irgend etwas hinter mir her. Bravo, solche Schnösel haben Achtung und Rückhalt der Bevölkerung verdient. *ironieoff*

    Aber macht ja nichts, bei der Mordkommission in der Keithstraße werden Fenster geputzt. Das ist sicher systemrelevant. Schließlich muss die Kripo den Durchblick haben. Und schon wieder *ironieoff"

  12. 8.

    Ja, sehe ich auch so.... auch andere Dinge könnten erledigt werden z.b. schneller Radwege bauen, leere Schulen reparieren, müßte alles flexibler koordiniert werden....

  13. 7.

    Ich finde ja, wir könnten die Zeit nutzen und gesamtgesellschaftlich zu diskutieren, welche Art von Gesundheitswesen wir in Zukunft haben möchten. Kaputtsparen und marktwirtschaftlich gewinnbringend führen ist offensichtlich der falsche Weg.

  14. 6.

    Genau das finde ich auch. Interessant ist, dass vor allem die Parteien, welche für Mangel und jahrelange Nicht-Vorbereitung verantwortlich sind, sich jetzt als Krisenmanager profilieren und dafür in den Umfragen Zulauf bekommen. So ist der Wähler halt...

  15. 5.

    Sehr interessanter Überblick - zeigt es doch sehr deutlich, dass die Brandenburger Landesregierung im Januar noch völlig andere Prioritäten hatte - Wirtschaftsansiedlung um jeden Preis, statt einer wirklich wichtigen Task Force zur Gesundheitsvorsorge. Dann wären jetzt vielleicht ausreichend Schutzausrüstungen da...für mich ein komplettes Versagen der Politik.

  16. 4.

    Hallo,

    Sie haben recht, die "Trompete"-Episode hat in unserer Coronik noch gefehlt - wir haben sie jetzt samt Link eingearbeitet. Danke für den Hinweis.

    Beste Grüße,

    Ihre Redaktion

  17. 3.

    Eine interessante und kritische Auflistung, vielen Dank an den RBB.
    Bezüglich der "Hamsterkäufe": Gaststätten, Betriebskantinen, Schulen und Kindergärten haben geschlossen. Von denen kaufen die wenigsten bei Aldi oder Rewe ein. Die vielen Menschen, die sich jetzt stärker selbst versorgen müssen, schon. Man hört nie, dass der Umsatz im Großhandel zurück ging. Warum wohl hatte Selgros angekündigt, auch für Privatpersonen zu öffnen? Die stärkere Nachfrage im Einzelhandel ist doch genau, was zu erwarten war. Zumal anfangs eine stärkere Ausgangssperre im Raum stand, jeder jederzeit mit 2 Wochen Quarantäne rechnen muss und die Regierung stärkere Bevorratung empfohlen hat. Dass Liefer-LKW an geschlossenen Grenzen im Stau standen, kam noch hinzu. Einige haben es schon übertrieben, aber insgesamt verstehe ich das Gejammer nicht. Dass den Einzelhandel an den Problemen mit der plötzlich gestiegene Nachfrage nicht die Schuld trifft, ist auch klar.

  18. 2.

    Und wie kam das Virus nun in die Welt? - Das erklärt der Artikel m.E. nicht. Wo kann sich denn der Patient Null, der schon am 1. Dezember erkrankt ist, angesteckt haben? Vielleicht könnte rbb24 mal die vielen Theorien, die über die Herkunft bzw. den Ausbruch des Virus (z.B. Laborunfall) kursieren, mal kritisch durchleuchten. China ist ja nun nicht gerade für Pressefreiheit und korrekte Berichterstattung bekannt.

    Wieso ist Südtirol so stark betroffen?
    Dass in vielen Regionen Deutschlands estmal noch munter Karneval gefeiert wurde, wird leider auch nicht erwähnt.

  19. 1.

    Am 29.2.20 war ein Spreader im Club Trompete feiern, Folge waren 17 Infizierte incl. 2 Polizisten. Damit ist er noch vor dem Praktikanten aus dem Büro in Mitte als Multiplikator aufgetreten. Öffentlich kommuniziert wurde es zögerlich, spätestens eine Woche danach wusste es aber ganz Berlin...

    Er taucht aber nirgends mehr auf.

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